SHAHRUKH KHAN

Lagaan - Once upon a time in India
Regie: Ashutosh Gowariker
Indien 2001
Darsteller: Aamir Khan, Grazy Singh, Rachel Shelley
Inhalt:
Indien im Jahr 1893: Der arrogante britische Captain Russell (Paul Blackthorne) zwingt die Bauern des Dorf Champagner und der ganzen Provinz, dieses Jahr die doppelte Steuer (=Lagaan) zu zahlen. Da es bisher noch nicht geregnet hat, würde dies der sichere Tod der Leute bedeuten. Der impulsive Bauer Bhuvan (Aamir Khan) lässt sich darum zu einer Wette mit dem britischen Besatzer ein: Wenn eine Dorfmannschaft das Cricket-Team von Russell in einem dreitägigen Turnier schlägt, erlässt der Captain der ganzen Region die Steuern für drei Jahre. Gewinnt er, zahlen die Bauern dreifach
Als der Bollywoodfilm Lagaan für das Locarno-Filmfest im August 2001 angekündigt wurde,löste dies zunächst eher eine Mischung aus Verwunderung und Desinteresse bei den Festivalbesuchern aus. Man fragte,was sich die neue Direktorin Irene Bignardi wohldabei gedacht hatte,einen vierstündigen Mammutfilm von einem unbekannten Regisseur in das Program aufzunehmen.Dennoch strömten 6.000 Leute zur Aufführung ins Freilichtkino auf der Piazza Grande.Die meisten hatten vor, sich an jenem Abend höchstens eine Stunde zu Gemüte zu führen und sich dann davonzustehlen.Vier Stunden indisches Kino,das konnte doch nur langweilig sein.Weit gefehlt. Auf einmal fingen die Zuschauer an,ihre Handys auszupacken, um ihren Bekannten mitzuteilen, dass sie doch nicht kommenwürden, weil sie den Film unbedingt zu Ende anschauen wollten. Nach dem Film gab es überschwängliche Reaktion und Lobeshymnen. Sowohl Filmkritiker die anfangs gefüchteten vier Stunden schienen auf einmal zu kurz, man hätte gern noch mehr gesehn. Der Film zieht den Zuschauer auf eine magische Weise in seinen Bann, man taucht in ganz eigenen Rhytmus ein, in dem die Zeit keine Rolle mehr spielt.
Lagaan war nicht nur international ein Erfolg, er gehört zu den wenigen indischen Filmen,die jemals für einen Oscar vorgeschlagen wurden und national sämtliche Preise erhielt. Lagaan bietet das Kinoerlebnis das Filmepos, eines Genres das die euro-amerikanische Gesellschaft nicht mehr gewöhnt ist. Monumentalfilme wie Ben Hur, Doktor Schiwago oder Lawrence von Arabien sind von den westlichen Leinwänden verschwunden. Lagaan besticht durch eine einfache, höchst spannend inzenierte Geschichte, einem ausgefeilten Drehbuch, wohl dosierte Tanz-und Gesangseinlagen und die Natürlichkeit der Akteure. Besonders Gauri, die in diesem Film ihr Debüt gibt, besticht durch ihren natürlichen Charme.
Der Film Lagaan ist der erste Film,der von Aamir Khan frisch gegründeten Produktinsfirma Aamir-Khan-Productions produziert wurde. Sein Freund, der Regisseur Ashutosh Gowariker, der ursprünglich als Model gearbeitet hatte, bevor er über Werbung zum Film kam, hatte bisher nur zwei erfolglose B-Movies gemacht. Für den Film Lagaan arbeitete er über ein Jahr minutiös an dem Drehbuch und überzeugte schließlich Aamir Khan von seiner Vision. Aamir Khan nahm das Risiko auf sich und hatte prompt Erfolg damit.
Obwohl in Indien nur noch wenige filme mit historischem Stoff gedreht werden, sprach Lagaan alle Publikumsschischten an. Die Geschichte spielt 1893 im Dorf Champaner in Zentralindien. Drehort war das Dorf Bhuj, das im Nordwesten Indiens ca. 70 km von Pakistan entfernt liegt und zur höchstbewachtesten Sicherheitszone gehört.
Champaner steht für eines von tausenden Dörfern, die von der Landwirtschaft leben. Der Film spielt zur Zeit der britischen Kronkolonie. Damit die britischen Besatzer ihre Heere unterhalten können, verlangen sie von der indischen Landbevölkerung Steuern´, sprich Lagaan, in Form von Ernteerträgen. Als Gegenleistung bieten sie den einzelnen lokalen Radjas Schutz voreinander.
Trotz einer zwei Jahre anhaltenden Trockenheit werden die Dorfbewohner verpflichtet, ein Zehntel ihrer Ernte als Lagaan (Steuer) an die Besatzer abzugeben. Doch die Vorräte neigen sich dem Ende zu, und eine Hungersnot droht. Sie bitten ihren Raja, sie für ein Jahr zu verschonen, doch dieser ist für die Briten nicht mehr als eine Marionette und kann ihren Wunsch nicht erfüllen. Als die Bewohner bei einem Kricketspiel zuschauen und diesem Spiel nicht den gebührenden Respekt entgegenbringen, schlägt der sadistische, arrogante Lokalgouverneur den Dorfbewohnern einen Handel vor: Ihr schlägt uns im Spiel und ich erlasse euch die Steuern.
Wenn sie im Kricket gegen die Briten gewinnen, sollen ihnen für drei Jahre die Steuern erlassen werden, falls nicht, sollen sie das Doppelte bezahlen. So schrecklich sich dieser Vorschlag, im ersten moment für die Bewohner anhört, ist er doch die einzige Chance, ihr Überleben, das sowieso schon durch den fälligen Beitrag gefährdet ist, zu sichern.
Die Spannung besteht nun darin, wie es die Dorfbewohner bewerkstelligen, das Kricketspiel gewinnen zu können, da sie weder Ahnung haben, wie sie elf taugliche Spieler zusammen bekommen sollen, noch wie das Spiel funktioniert. Doch das Schicksal meint es gut mit ihnen, die Schwester des bösen Gouverneurs verachtet das Verhalten ihres Bruders und beschließt, ihnen heimlich die Spielregeln beizubringen. Natürlich gibt es auch hier wie in jedem Bollywoodfilm nebenbei eine Liebesgeschichte. Gauri, die Dorfschönheit, und Elisabeth, die Krickettrainerin, buhlen um die Gunst des Helden Bhuvan, der die Mannschaft zusammenstellt, gegen Kastendenken und Intoleranz vorgeht und den Bewohnern Selbstvertrauen und Mut einflößt.
Der Regisseur Ashutosh Gowariker lässt den indischen Befreiungskampf auf der metaphorischen Ebene eines Kricketspiels stattfinden, dem britischen Nationalspiel, in dem sich die Kolonialisten unschlagbar und überlegen fühlen. Der Wiederstand geschieht friedlich und setzt auf Teamgeist, das Vertrauen auf die eigene Kraft, der Kampf David gegen Goliath. Der Kricketspiel als Nachahmung des imperialen Spiels, um die koloniale vergangenheit zu kritisieren.
Das Schlachtfeld, das sich zusammensetzt aus der homogenen Gruppe der Briten und den aus verschiedenen Kasten und Religionen bestehenden Indern.
Immer wieder werden hierbei die Kontraste der beiden höchst unterschiedlichen Welten betont: Englische Tea-Time unter Sonnenschirmen und die Bauern, die in Hütten leben, weiß gekleidete britische Spieler und die Dorfbewohner in ihrem einfachen Alltagsgewändern.
Zwei Welten, die aufeinander treffen und im Grunde nichts miteinander zu tun haben und die doch aufgrund der künstlich erzeugten Machtpolitik in Abhängigkeit zueinander stehen.
Die Kamera fängt nicht nur vielsagende Blickwechsel ein, um die Dramatik der Situation zu verdeutlichen, sondern sie setzt auch innere Bewegung bildlich um, indem sie über Szenerie schweb oder sich im richtigen Moment dem Gesicht nähert. Eine raffinierete Montage schafft die perfekte Dynamik sowohl für die Tanzszene als auch für das Kricketmatch selbst. Das einstündige Finalmatch ist so spannend konzipiert, dass man bis zur letzten Minute den Atem und nicht weiß, ob die Dorfbewohner das Spiel tatsächlich gewinnen können.
Lagaan bricht viele Regeln der gängigen Bollywoodfilme, der Titel besteht nur aus einem Wort, es hat kein Dil (Herz) oder Pyar (Liebe) im Titel wie die meisten Bollywoodfilme, es gibt keine ausländischen Schauplätze, Held und Heldin wechseln kein Kostüm, Liebende rennen nicht um Bäume, und die Schauspieler singen ihre Lieder selber.



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