Black Snake Moan
Sneak Preview
oder die Geschichte von der verpassten Bahn
Überraschung: "Black Snake Moan" in der Sneak
Die Überlegung hat sich dann wohl erledigt. Ich brauche "Black Snake Moan" nicht mehr im Kino schauen, weil ich ihn dort gestern schon gesehen habe. Ich war gestern in der Sneak Preview und was lief: "Black Snake Moan". Ich war anfangs etwas enttäuscht, weil ich nicht wusste, ob ich den Film überhaupt sehen möchte oder nicht. Außerdem würde der Film einen Tag später schon regulär im Kino läufen... Aber was solls, es war nun einmal so und ich saß im Kino.
Das Kino, oder soll ich eher sagen: die Kinos waren rappelvoll. Bei mir im Kinopolis in Bonn/Bad Godesberg wurde der Film in gleich zwei Kinos gezeigt, weil es einen so großen Andrang auf die Sneak Preview gibt. Alleine in dem Saal in dem ich saß gaben sich fast 150 Leute die Sneak, im anderen Kino war das nicht anders. Und zu meiner Überraschung haben den Saal gerade einmal drei - vier Leute verlassen.
Und weg ist die letzte Bahn
Was nach der Sneak passierte ist eine Geschichte für sich: Weil der Film fast zwanzig Minuten zu spät angefangen hat und auch ziemlich lang war habe ich die letzte Bahn zurück verpasst. Dann bin ich mit meinem Kumpel durch Bad Godesberg geschlendert und wir haben uns gefragt, wie wir nach Hause kommen. Da stand ein Taxi, aber zu erst haben wir geschaut ob in der Nähe ein Nachtbus fährt. Eine halbe Stunde später kam er dann und wir mussten von Bad Godesberg nach Bonn und schließlich von Bonn bis nach Hause fahren...
Aber natürlich konnte auch das nicht ohne Probleme laufen an einem solchen Abend. Drei Stationen vor dem Hauptbahnhof, bei dem wir hätten umsteigen müssen, trafen wir auf einen stehen gebliebenen Nachtbus. Unser Bus hielt an und musste die Fahrgäste aus dem anderen Bus mitnehmen. Aber damit nicht genug. Der Fahrer versuchte dem anderen zu Helfen. Das hat fast fünf Minuten gekostet und durch diese Aktion hätten wir fast unseren nächsten Bus verpasst. In letzter Minute haben wir ihn dann aber doch noch bekommen. Um nach drei Uhr war ich dann zu Hause. Aber was solls: Es hat verdammt Spaß gemacht und der Film war zu meiner Überraschung echt gut.
Nun zum Film:
In der ersten Szene dachte ich nur: Ach du Schande. Ich konnte diese Szenen keinem Film zuordnen, es wurde nur etwas über Musik, über Blues gesprochen, in einem kleinen schwarz/weiß Bild... Im Kino ging ein Raunen durch die Reihen... Aber dann, direkt in der zweiten Szene: Da wusste ich dann, welcher Film lief, und andere im Kino auch. Anfangs dachte ich nur: okay, der hätte es nicht sein müssen, aber schließlich habe ich mich auf den Film eingelassen.
Nach dem Trailer war ich gar nicht von der Geschichte angetan. Für mich war sie etwas merkwürdig. Aber Im Film war das gar nicht so. Ich fand die Geschichte ausgesprochen interessant und sie wurde verdammt gut umgesetzt.
Nach den ersten Szenen dachte ich aber schon, dass der Film wohl gar nicht so schlimm werden würde. Christina Ricci schläft mit jedem, der nicht bei drei auf den nächsten Baum ist und Samuel L. Jackson steckt in der Trennung mit seiner Frau und hat echt hammer Sprüche drauf. Er war Blues Sänger und hat dieses aber schon vor längerer Zeit aufgegeben. Lazarus (Jackson) findet Rae (Ricci) eines Tages schwer verletzt vor seiner Türe liegend und denkt, Gott habe sie ihm auf seinen Pfad gelegt, und er müsse ihr helfen. Nachdem er ein paar Erkundigungen über sie eingeholt hat ist er geschockt und möchte sie wieder auf den richtigen Pfad bringen. Aber das ist gar nicht so einfach. Rae flieht, ist verwirrt, macht ihren Retter an... Da kann nur eine Eisenkette helfen, die an die massive Heizung gekettet wird, an deren anderem Ende Rae festgekettet wurde, damit sie nicht fliehen kann. Irgendwie ist das ja schon eine außergewöhnliche Idee, wieso ich sie nach dem Trailer nicht gut fand, weiß ich nicht. Aber mich freut es um so mehr, dass ich sie im Film richtig gut fand... Besser so als anders herum, oder nicht?
Während Rae sich die ganze Sache mehr oder weniger gefallen lässt denkt sie immer wieder an ihren Freund Ronnie (Timberlake), der zur Army gegangen ist, oder ähnliches. Sie liebt ihn, er liebt sie... Aber er hat keine Ahnung, dass seine Freundin sexsüchtig ist und ihn schon oft betrogen hat und im Dorf einen gewissen Ruf hat.
Ich möchte jetzt hier nicht zu viel erzählen, auch wenn es mir verdammt viel Spaß bereiten würde über den Film zu schreiben, weil ich von der Geschichte fast schon begeistert bin. "Black Snake Moan" ist ein Drama, ein ziemlich tiefsinniges Drama um genau zu sein. Was alles hinter den Fassaden steckt ist beeindruckend.
Der Film hat einige Szenen, die mir echt unter die Haut gegangen sind. Ricci und Jackson bei einem Gewitter im Haus. Ricci hat Angst und umklammert Jacksons Bein, während er etwas auf der Gitarre spielt und singt. Eine fantastische Szene wie ich finde und nur ein Beispiel von mehreren Szenen, die sehr dramatisch und emotional waren. Das hätte ich von diesem Film niemals erwartet.
Zu den Schauspielern: Ich fange ein Mal mit Justin Timberlake an, da er eine Nebenrolle spielt in nicht sonderlich viel Spielzeit hat. Jedoch fand ich ihn ziemlich überzeugend in seiner Rolle. Seine Panikattacken spielte er sehr überzeugend. Nach "Alpha Dog" der zweite Film, in dem er mich überzeugen konnte. Es gibt viele weitere kleinere Rollen, die ich auch nett fand, aber es war halt nichts überragendes.
Der Film lebt von seinen Hauptdarstellern: Samuel L. Jackson und Christina Ricci spielen sehr überzeugend und machen das Drama erst zu dem, was es ist. Samuel L. Jackson ist seine Rolle wie auf dem Leib geschrieben und das merkt man auch. Christina Ricci hat eine sehr mutige Rolle, die sie aber auch perfekt spielt. Ihre Augen passen perfekt in den Film und haben in einigen Situationen für ein paar Lacher gesorgt. Schauspielerisch sind die beiden Schauspieler echt top.
“Black Snake Moan” ist ein Drama, aber dennoch gibt es einige echt witzige Szenen. Viele Sprüche von Samuel L. Jacksons Charakter sind echt genial und super witzig. Auch Christina Ricci sorgt mit einigen Sätzen und vor allem mit ihrer Mimik für einige Lacher. Sonst geht es in dem Film aber eher ernst zur Sache, und das ist auch gut so. Aber gerade da es einen gewissen Kontrast gibt durch die witzigen Szenen ist “Black Snake Moan” etwas besonderes.
Ich möchte noch etwas zu der Musik im Film sagen. Es ist nicht meine Richtung, Blues sagt mir nicht sonderlich zu, aber hier im Film passte die Musik und hat mir verdammt gut gefallen. Die Gitarre, die Texte, die Songs… Einfach fantastisch.
Etwas negativ würde ich nur anmerken, dass der Film hier und da einmal eine kleine Länge vorzuweisen hat. Allerdings sind diese Längen nicht so schlimm, dass es den Film sonderlich viel runterziehen würden, denn dafür ist er einfach zu schön.
Fazit:
"Black Snake Moan" ist ein Film, der mich vollkommen überrascht hat. Das Drama um eine sexsüchtige junge Frau und einem gläubigem, ehemaligem Bluessänger, die gemeinsam versuchen, mehr oder weniger freiwillig, das Leben der gebeutelten Frau wieder in den Griff zu bekommen, ist sehr schön erzählt, hat schöne Bilder, gute Schauspieler und sehr gute Musik.
8/10