Swades - Heimat

FallinPearl
Kann Chris nur zustimmen, ich fand den Aspekt Rauchen in Swades auch nicht gut.
Es sollte wahrscheinlich Mohans (SRK) "Verwestlichung" unterstreichen! Kam bei mir total klischeehaft an, als wäre Rauchen das Kennzeichen der westlichen Welt.
Hätte man sich sparen können!
SHAHRUKH KHAN
Zitat:
Ashutosh Gowariker hat mit LAGAAN einen international äußerst erfolgreichen Film veröffentlicht. Schon hier spielte ein Dorf und deren Bevölkerung die Hauptrolle. In SWADES nun wird diese Thematisierung noch um einiges gesteigert. Das unterscheidet SWADES auch von dem überwiegenden Teil der Bollys. Bis auf die beiden Hauptdarsteller gibt es keine schönen Menschen zu sehen. Die schrulligen und liebenswürdigen Figuren des Dorfes sind die eigentliche Attraktion des Films. Von indischem Neorealismus zu sprechen geht sicherlich zu weit, sind die Figuren dafür doch zu idealisiert und stylisiert, aber Vergleiche mit DON CAMILLO-Filmen oder britischen Working-Class-Kommödien drängen sich quasi auf. Dies unterscheidet SWADES sehr deutlich vom sonstigen Output im indischen Mainstream-Kino. Dienen die Filme doch zumeist dazu in eine komplette artifizielle Welt zu fliehen, in denen die Song&Dance-Nummern berauschend, alle Darsteller berückend schön und die Welt eine einziger Quell der Freude und des Glücks (zumindest im Finale) ist.

SWADES wurde sehr unterschiedlich aufgenommen. Das Tempo des Films ist deutlich langsamer, die Song&Dance-Nummern sehr zurückhaltend und die Fröhlichkeit deutlich reduziert. Hinzukommen einige Momente, die mit der Bolly-typischen Stilisierung nun gar nichts mehr zu tun haben und indischen Alltag, die Armut, Hunger, Kinderarbeit und Verzweifelung nahezu ungeschönt präsentieren. Einem Publikum, welches sich an die Traumfabrik Bollywood gewöhnt hat, nicht einfach zu vermitteln. Aber genau hier liegen auch die stärksten Momente des Films, wenn der amerikanisierte Inder Shahrukh Khan eine bitterarme Familie aufsucht oder aus dem völlig überfüllten Zug einen Jungen auf dem Bahnsteig beobachtet, der für ein paar Rupien versucht, ein Glas Wasser an den Mann zu bringen, so ist Shahrukh Khans Minenspiel als Reaktion ganz großes Kino.

Überhaupt: Es ist erfrischend zu beobachten, wie Khan hier tatsächlich eine formidable darstellerische Leistung bietet. War er doch immer ein ordentlicher Mime mit einer sensationellen Ausstrahlung, zeigt er hier auch mal kleine Gesten und Zwischentöne. Sein Love-Intrest, die im Filmbusiness noch unbefleckte Gayatri Joshi ist bezaubernd schön, leider aber auch ein wenig sehr kühl (jenseits der Anlage der Rolle). Ein wenig mehr Erfahrung wird der jungen Dame aber mit Sicherheit auch ein wenig mehr Lockerheit verleihen.

Der eigentliche Star sind jedoch die herrlich schrillen Dorfbewohner. Schrulligkeit und Originalität sind hier kaum noch zu überbieten, was jedoch zuerst etwas albern wirkt. Im Verlaufe des Films entwickeln die Dorfbewohner jedoch eine Plastizität und Liebenswürdigkeit, dass man nach drei Stunden Laufzeit meint, jeden einzelnen schon Jahre zu kennen.

Die Priorisierung der Einfachheit und der Fokus auf der Dorfbevölkerung wirkt sich natürlich auch auf die Song&Dancenummern aus: Die sehr ohrwurmhaften Songs werden von einfachst choreographierten Bewegungsabläufen begleitet, in deren Reduktion aber auch ein Reiz liegt. Keine üppige Kostümierung sondern Hemd und Jeans. Ungewöhnlich aber durchaus ansprechend.

Gibt es auch Haken an dem Film? Ja, die Geschwindigkeit. Der Film ist langsam erzählt und dehnt seinen vorhandenen Grundkonflikt des NRI (Non-residental-Indian = Im Ausland lebender Inder), der die Liebe zu seiner Heimat wiederentdeckt, auf eine viel zu lange Laufzeit aus. Story und Filmlänge passen nicht zusammen und auch die wirklich liebevollen Impressionen der Dorfbewohner können den Eindruck gewisser Längen nicht gänzlich verhindern. Ein wenig mehr Story oder ein etwas tiefergehender Konflikt hätten dem Film mit Sicherheit nicht geschadet.
Ungewöhnlich für westliche Augen mit Sicherheit auch der etwas kitschige Patriotismus, der aber weit entfernt ist von Nationalismus, wie er häufig in Hollyood-Streifen proklamiert wird. Die Liebe zum eigenen Land schließt in diesem Fall die Bewunderung anderer Nationen nicht aus. Ein Indiz dafür, dass sich dieser Film auch deutlich an die NRIs richtet, die vor allem in England, den USA und Südafrika für hohe Besucherzahlen sorgen und für die die Werke Bollywoods häufig die einzige Verbindung zur alten Heimat darstellen und eine Glorifizierung und Stilisierung derselben natürlich gerne angenommen wird.

Negativ schlägt auch noch der Focuspuller zu Buche. Die an sich schöne und stimmige Kameraführung läuft durch den offenbar besoffenen Schärfezieher regelmäßig ins Unscharfe.

Unterm Strich bleibt ein äußerst ungewöhnlicher Bolly, der sehr ambitioniert ist und nicht nur unterhalten will, streckenweise gnadenlos starke Szenen bietet, dem aber auch einige Längen unterlaufen. Daher sei dem Bolly-Neuling dieser Film nicht zum Einstieg empfohlen. Mit MAIN HOON NA(Ich bin immer für dich da), INDIAN LOVE STORY(Lebe und denke nicht an Morgen) oder SOMETIMES HAPPY, SOMETIMES SAD(In guten wie in schweren Tagen) ist der Einstieg definitiv vereinfacht.


Quelle
Sogeking
hey
der film wird am 1 advent auf rtl 2 um
5 uhr morgens gezeigt
für die die den film sehen wollen
Mahomet
Ich habe schon lange geplant diesen Film zu sehen.

Ich schätze nun ist die richtige Gelegenheit gekommen. Gute Arbeit