Zahlreiche Bollywood Filme haben Ihre Schauplätze ins Ausland, zum Beispiel in die Schweiz oder auch nach England verlegt. Ein Prinzip das beim indischen Publikum sehr gut angekommen ist. Im vorliegenden Fall wurde als der Ort der Handlung New York ausgewählt. Natürlich spielen die Ereignisse des 11.Septemper 2001 keine Rolle. Aber New York ist wohl DIE amerikanische Stadt, die auf Nichtamerikaner die größte Anziehungskraft ausübt.
Und hier tummeln sich lebensfrohe Inder, die mit den unterschiedlichsten Menschen in Frieden und Eintracht leben. Dabei spielt es keine Rolle ob das nun Chinesen oder Afro-Amerikaner sind. Die einzige Auseinandersetzung die hier gefochten wird, ist eine kulinarische. In einer der witzigsten Szenen des Filme müssen die Hauptfiguren sich gegen ein besser florierendes China-Restaurant erwehren, denn die Kundschaft bleibt dem eigenen indischen Restaurant fern. Nur mit vereinten indischen Kräften gelingt es Naina und Co. sich gegen die Chinesen zu behaupten. Und schon nach kurzer Zeit laufen dem Chinarestaurant die Kunden in Scharen davon.
Diese Szene steht im Grunde genommen für den ganzen Film.
Die positive Grundstimmung, die KAL HO NAA HOO - vor allem in der ersten Stunde - verbreitet, springt Direkt auf den Zuschauer über. Natürlich bleiben Konflikte nicht außen vor, doch es stellt sich das Gefühl ein, einer Ode an das Leben beiwohnen zu dürfen. Nicht nur in kulinarischer Hinsicht gehen die Inder als Sieger vom Platz. So führt einem der Film klar vor Augen, wozu das aktuelle Unterhaltungskino aus Indien in der Lage sein kann.
Der noch sehr junge Filmemacher Nikhil Advani hat das alles so schön und wunderbar - und natürlich auch mit viel Herz-Schmerz - inszeniert, dass man seinen Augen kaum trauen mag. Dabei bedient sich Advani großzügig der Filmgeschichte. Vor allem greift er auf das klassische Hollywood-Kino zurück und zitiert dabei Regisseure wie George Cukor, Vincente Minelli oder Henry Koster. Von George Cukor hat er das perfekte Timing früherer Screwball Comedys übernommen. Und Indiens derzeit größter Superstar Shahrukh Khan erscheint als scheinbar vom Himmel geschickter Engel wie ein später Nachfahre von Cary Grant aus THE BISHOP`S WIFE („Jede Frau braucht einen Engel“). Nur dass Khan natürlich sehr irdische Probleme hat.
Allein schon durch die Auswahl der Stadt New York als Handlungsort, muss der geneigte Zuschauer automatisch an amerikanische Vorbilder denken. Und so fragt man sich, wann man zuletzt solch einen turbulenten und zu Herzen gehenden Film aus Hollywood gesehen hat. Advani mixt die oben beschriebenen Vorbilder mit den für Bollywood-Kino typischen Eigenheiten zu einem amüsanten Ganzen zusammen, so dass der Film bei einer Länge von über 186 Minuten nie langweilig wird.
Einen Beitrag leistet dazu natürlich auch die tolle Musik.
In einer der besten Musik und Tanznummern des Filmes darf Sharukh Khan zu den Klängen von Pretty Woman (dem wohl bekanntesten Song von Roy Orbison) seine Tanzkünste zum besten geben. Der Reiz dieser und anderer Szenen liegt auch darin, dass ausschließlich an Originalschauplätzen gedreht wurde. Eltsam schön, wenn Sharukh Khan sich singend und tanzend durch die Straßen New Yorks bewegt. Der sonst so märchenhafte Charakter, für Bollywood-Filme sonst eher typisch ist, stellt sich hier nicht ein. Unerstützt wird das auch durch solch technische Spielereien wie Split-Screen-Technik oder direktem Proklamieren der Darsteller in die Kamera. Die tollen Tanznummern sind natürlich mal wieder von Farah Khan (SOMETIMES HAPPY, SOMETIMES SAD) choreographiert worden.
Die Musikauswahl ist mehr als in anderen Film westlich orientiert. Es gibt zwar auch Salsa Klänge zu hören aber den Ohren wird auch Techno und Disco Musik geboten. Preity Zinta als Naina hat in der Disco Szene eine ihre besten Momente. Naina wird als scheue und zurückhaltender Charakter eingeführt. Aber als sie mit Rohit und Aman in die Disco geht und einigen Alkohol konsumiert hat, legt Sie nicht nur Ihre Hemmungen, sondern auch einen Teil Ihrer Kleidung ab(!) und letztlich eine Performance hin, von der ein John Travolta aus alten SATURDAY-NIGHT-Tagen, schlicht und einfach nur begeistert gewesen wäre.
Überhaupt kann die Besetzung nicht genug gewürdigt werden. Besonders hervorzuheben ist noch Saif Ali Khan, der als Rohit viele Momente voller Selbstironie hat, die ihm besonders symphatisch rüberkommen lassen. Klasse ist auch Jaya Bhaduri als Mutter von Naina. Bekannt ist Sie aus SOMETIMES HAPPY, SOMETIMES SAD in dem sie auch schon eine Mutterrolle spielen durfte.
Neben all den lebensbejahenden Momenten, schleichen sich aber auch düstere und dunklere Töne ein. So wird ein Thema wie Selbstmord durch aus angemessen in die Filmhandlung integriert. Dass der Film insgesamt aber eher ein Loblied auf die Familie ist, versteht sich dabei von ganz selbst. Nur der eine oder andere Witz der auf Kosten der Homosexualität geht, wirkt deplaziert und erinnert an schlimmste deutsche Ulkfilme der 1970iger Jahre.
Aber das sei schnell verziehen.
Das Drehbuch von Karan Johar (Regisseur des bereits mehrfach erwähnten SOMETIMES HAPPY, SOMETIMES SAD) muss wirklich als originell eingestuft werden, selbst wenn vom Debüt-Regisseur zu hören war, dass viel am Set improvisiert wurde. Aber das geht wohl auch nur dann wenn man als Filmemacher auf ein gutes Drehbuch zurückgreifen kann. |