Wenn man einen Film wie "There Will Be Blood" sieht, kurz vor den Oscars, weiss man eigentlich das die Konkurrenz keine allzugroße Chance haben wird. Nun in der Sneak Preview hatte ich die Gelegenheit, kurz vor den Verleihungen "Michael Clayton" zu sehen, sicherlich die Überraschung der diesjährigen Academy Awards, nominiert in sieben Kategorien, unter anderem auch als Bester Film. Nach dem nicht allzu anspruchsvollen Trailer war ich natürlich neugierig, wie dieser Film es geschafft hat, bei der Kritik so gut abzuschneiden.
Tony Gilroy war bisher nur als Drehbuchautor tätig. Seine bislang aufsehenerregendsten Projekte, sind wahrscheinlich die Drehbücher der Bourne-Trilogie, die wohl eher in der Kategorie Blockbuster einzustufen sind. Auch das Skript zu "Armageddon" stammt von ihm, welcher eigentlich der Inbegriff des Blockbusters ist. Allerdings hat er in seiner Filmographie ein Projekt, das doch heraussticht, nämlich der Mystery-Thriller "Im Auftrag des Teufels" mit Al Pacino und Keanu Reeves. Nun, auch in "Michael Clayton" geht es um einen Anwalt, auch wenn das Thema hier ernster aufgegriffen wird.
Michael Clayton ist jemand der die Drecksarbeit erledigt. Jemand der sich die Hände für Dinge dreckig macht, die im Hintergrund entscheidend sind. Er arbeitet für eine New Yorker Anwaltskanzlei als sogenannter Ausputzer im Hintergrund, wie er sich selbst nennt. Er bekommt den Auftrag, den Strafverteidiger Arthur Edens sein Kollege und Freund den er sehr respektiert, zur Vernunft zu bringen, da sich der geniale aber etwas verrückte Anwalt auf einmal gegen seinen Klienten wendet, ein Großkonzern den er eigentlich verteidigen sollte. Doch Edens hat mit der Zeit gemerkt, das er auf dem falschen weg ist und er kann es sich nicht mehr einreden, das der Chemikalienkonzern genannt U-North, sauber aus der Sache rauskommt. Natürlich will der Konzern nicht das Beweise an die Öffentlichkeit rücken, die sie belasten könnten. Hier kommt die gerissene Vertreterin Karen Crowder ins Spiel. Sie lässt sich nicht damit beruhigen das Clayton die Sache auf ruhige Art mit seinem Freund klären will und beauftragt ihre eigenen Leute, sich der Sache anzunehmen.
Das ist der entscheidende Punkt des Films. Man hat während des Films immer das Gefühl, man kommt nicht so recht mit, doch am Ende wird man merken, das alles zusammenpasst. Man versteht das handeln des Michael Clayton, der in gewisser Weise das Vermächtnis seines Kollegen aufnimmt und mit allen abrechnet. Er ist der Gejagte und wird am Ende zum Jäger. Während des Films denkt man ab und zu verwirrt nach, doch am Ende wird alles klar, hier werden keine Puzzleteilchen zusammengefügt, es ist kein überraschendes Ende, nur hat man nun eine klarere Sicht auf die gesamte Story des Films. Im Grunde geht es eben um Michael Clayton, der sich verändert und am Ende das richtige tut, was man in den letzten Minuten des Films deutlich von seinem Gesicht ablesen kann als er im Taxi sitzt, es ist die Zufriedenheit die man in ihm sieht. Das einzig unnötige an der Story, oder besser gesagt nicht ganz so gut umgesetzte war das Privatleben des Michael Clayton darzustellen, dazu hat man einfach zu wenig Platz gelassen und somit wirkten viele Dinge einfach konstruiert, zum Beispiel der Streit zwischen ihm und seinem Bruder. Das stellt sich wohl als Schwäche von Gilroy raus, der den Hauptteil der Story klasse geschrieben hat, doch die Nebencharaktere blass aussehen lässt. Bei Blockbustern hat man sowas nicht unbedingt nötig.
Die Schauspieler sind ja in insgesamt drei Kategorien für den Oscar nominiert. Hierbei liefert George Clooney als Clayton eine klasse Leistung ab. Anfangs dachte ich auch, ob das wirklich eine Oscarreife Vorstellung ist? Aber der Wandel des Michael Clayton kommt so gut zum Vorschein, weil Clooney ihn eben so gut spielt. Nach aussen hin immer ruhig, doch man merkt das er eine klasse Darstellung abliefert. Zum Oscar reicht es dieses Jahr aber wohl nicht, da die Konkurrenz alleine schon mit dem genialen Daniel Day-Lewis in "There Will Be Blood" einfach zu groß ist. Chancen auf einen Oscar sollte aber Tim WIlkonson haben, der in der Nebenrolle des abgedrehten Arthur Edens, in der ersten Hälfte des Films, Clooney fast die Show stiehlt. Ebenfalls nominiert ist ja Tilda Swinton, was ich für überschätzt halte. Sie gibt zwar eine kalte und nach außen hin emotionslose aber innendrin panische Gegenspielerin ab, doch Oscarwürdig ist ihr Schauspiel nicht, das hätten viele genausogut gespielt.
Was bleibt zu sagen? Eventuell hätte man auch andere Werke für "Michael Clayton" ins Rennen für die Oscars schicken können, etwas überschätzen tut man den Film schon, die Überraschung bei den Nominierungen war ja schon groß. Doch ist der Film auch wieder einer, der - nicht etwa wie ein "There Will Be Blood" - einer ist, dem auch das breite Publikum eine Chance geben sollte. Man bekommt für sein Geld einen ruhigeren aber dennoch spannenden Thriller geliefert, in dem man einen George Clooney nicht nur wegen seinem Aussehen bebachten wird. Einige Elemente in der Story sind zwar nicht ganz ausgereift, aber die hauptsächliche Story wurde von Gilroy gut umgesetzt.
7,5-10 Ausputzer