So, gestern Abend im Kino gewesen und hier eine kurze Review:
Das Streben nach Glück
Die Story, über den Aufstieg eines armen Schluckers zu einem erfolgreichen Börsenmakler, ist mit Sicherheit nicht das Top-Thema des Jahrhunderts, das es zu verfilmen galt. Andere Lebengeschichten wirken da von der Person her schon viel interessanter. Wie dem auch sei: Regisseur
Gabriel Muccino hat sich dieser Sache angenommen und ein solides Drama draus gemacht.
Will Smith überragt in der Rolle des Chris Gardner, zeigt stets ehrliche Gefühle und hat mit dieser Rolle wohl seine am besten identifizierbare, weil glaubwürdigstee Rolle übernommen. Vor allem die Schlussszene,
SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
in dem ihm der Job entgültig angeboten wird und er mit feuchten Augen und einem Zittern im Hals da sitzt und das Geschehen nicht fassen kannSPOILER ENDE, wirkt so berührend und ergreifend, dass man einfach mitfühlen muss.
Ein Lob sei an dieser Stelle auch Smiths Sohn
Jaden Smith ausgesprochen. Denn obwohl ich mit kleinen Rotzlöffeln in Filmen eigentlich nicht viel anfangen kann, wirkte das Schauspiel des kleinen Jaden nie overactet oder deplaziert. Neben
Dakota Fanning m. M. n. also eine der ganz großen Hollywoodhoffnungen!
Die Inszenierung weiß geschickt, mit den Gefühlen des Zuschauers zu spielen. Ständig fühlt man mit, wenn der nächste Niederschlag in Gardners Leben passiert. Läuft eine Sache hier mal gut, geht an einer anderen Stelle wieder alles schief. Nichtsdestotrotz kam bei mir zumindest nie das Gefühl auf, dass der Film
nicht in einem Happy-End enden könnte. Und das nicht nur wegen des Schriftzugs
"Nach einer wahren Begebenheit" zu Anfang des Films, sondern ganz einfach wegen dem ständig humoristischen Unterton des Films. Klar, wurden diese nur eingesetzt, um dem kleinen Christopher die Ängste zu nehmen, aber diese Szenen wirken sich in gewisser Weise ja auch auf den Zuschauer aus.
Auf mich zumindest hatte diese Inszenierung nicht diese erhoffte Wirkung.
Ich habe von vielen auch nach dem Kino noch gehört, dass der Film zu viele langweilige Szenen habe, die einfach unnötig seien. Diese Aussage kann ich
nicht unterstreichen, da ich keine der Stellen des Films belanglos oder uninteressant fand. Aber das ist wohl Ansichtssache.
Die Botschaft des Films ist ebenfalls fragwürdig: Ist es tatsächlich nur möglich, die absolute Glückseligkeit zu erreichen, wenn man reich und mächtig ist? Auf mich zumindest hatte die Aussage diese Wirkung. Es stimmt zwar, dass vor allem in unserer Zeit ohne Geld einfach nix mehr geht, aber in gewisser Hinsicht ist das doch ein fehlgeleiteter Gedanke.
Okay, die Lebensgeschichte eines Chris Gardners verlangt diesen Schluss eben - aber nur für diese Botschaft das Leben eines solchen Mannes zu verfilmen ist für mich eben nicht genug.
Zum Schluss noch ein kurzes Wort zur Musikuntermalung:
Andrea Guerra hat ein relativ schönes Thema zum Film komponiert, dass unaufdringlich wirkt, dafür rund um die Uhr eingesetzt wird. Ein bisschen mehr Abwechslung wäre nett gewesen.
Mein Fazit dürfte also folgendermaßen ausfallen: Der Film hat viele, viele sehr emotionale Szenen, die selbst den Gefühlskältesten Zuschauer nicht unberührt lassen dürften.
Will Smith spielt hervorragend und ist in meinen Augen ein sicherer Oscarkandidat für diese Rolle. Die emotionale Achterbahnfahrt, die der Zuschauer zusammen mit dem Hauptcharakter durchlebt, ist mitreißend und nie übertrieben. Allerdings fehlt dem Film eine nachvollziehbare und glaubwürdige Aussage, um zur Perfektion zu gelangen. Dass diese Aussage Teil der Geschichte ist, ist klar, aber es bedarf heutzutage leider viel mehr.
Trotzdem sehenswert!