Dr@gon
Ist das nicht pervers?
Die Reality-Show "Big Brother" wird endlos. Was passiert mit Kandidaten, die dort Jahrzehnte leben?
Es ist Tag 2243 in der Big-Brother-Stadt. Wir schreiben das Jahr 2011. Jerry Bejaoui liegt im Schlafzimmer von Container A, wird von einer Lautsprecherstimme geweckt und springt aus dem Bett. Vier Kameras beginnen zu surren und nehmen die Beobachtung auf. Jerry achtet nicht darauf, während er zur Toilette schlendert. Publikum beim Toilettengang stört ihn schon seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. So lange wird er bereits von über 100 Kameras und Millionen Fernsehzuschauern beobachtet. Das Publikum störte ihn nicht, als er einst 24 Stunden von einem Nierenstein gepeinigt wurde und nur noch zwischen Bad und Bett hin- und herkrabbelte. Und auch seine Frau Lydija störte es nicht, als sie quotenträchtig vor fünf Kameras ihr Kind gebar.
Ungefähr so werden sich ab erstem März 2005 ganze Leben vor dem TV-Publikum entfalten. Dann beginnt die Fortsetzung der Reality-Show "Big Brother" auf RTL 2: "BB for ever". Die Sendung geht, wie ihr Produzent Rainer Laux bekanntgab, in die Endlos-Schleife. Die Kandidaten werden Jahrzehnte, wenn nicht ihr ganzes Leben in einer Kunstwelt verbringen - Hochzeiten und Scheidungen, Geburten und Lebenskrisen inklusive. Besorgte Diskussionen sind absehbar: Werden Biographien für die Zuschauergaudi ruiniert? Menschen zu Unterhaltungsmaterial? Auf rund 4000 umzäunten Quadratmetern baut die Produktionsfirma Endemol derzeit eine kleine Stadt - mit Geschäften, Marktplatz, Kirchturm, Wäldchen und Statisten als Stadtbewohnern.
Dort werden die Kandidaten in Gruppen zusammenziehen, 24 Stunden am Tag beobachtet und belauscht von mindestens 100 Kameras, 120 Mikrofonen und vermutlich Millionen Deutschen (Schon jetzt schalten rund zwei Millionen Menschen bei "BB" ein). Einer der Kandidaten wird voraussichtlich Jerry Bejaoui, ein 24-jähriger Deutscher tunesischer Abstammung. Muskulös, humorvoll, arbeitslos.
Sechs Monate lebte er im BB-Container, im September wurde er aus dem Haus gewählt. Aber schon jetzt schwärmt er wieder, das ewige Leben bei BB werde "großartig wie ein Märchen". Um dort auf Jahrzehnte heimisch zu werden, braucht Jerry eigentlich nur "Bewegung, Beschäftigung, Kontakt nach draußen und Lydija" - eine 21-jährige Drogerie-Azubine aus Krefeld. Die lebt noch im BB-Container und träumt dort von ihrem Adonis.
Jerry sieht sich bereits im BB-Land morgens durch den Wald joggen, von surrenden Kameras auf den Bäumen beobachtet. Er sieht sich einer guten Arbeit nachgehen (denn für Beschäftigung will Endemol sorgen). Und er sieht sich mit seiner Lydija Kinder zeugen. Vor Millionen Zuschauern.
"Ist doch natürlich - was ist daran schlimm?" fragt er. Diesen lockeren Umgang mit dem Schamgefühl mußte er sich allerdings antrainieren. Als er Anfang März in den Container zog, schwor er noch, dort auf Sex zu verzichten. Keine Woche später erlebte er seinen ersten Oralsex. Anschließend marterte ihn zwar tagelang der Gedanke, wie er jemals wieder seiner Mutter in die Augen blicken sollte. Doch mit den Monaten schwanden die Skrupel. Immer zwangloser produzierte er Szenen, die jede Porno-Sammlung zieren würden. In engen Toiletten und über Zäune hinweg leistete er mit Lydija geradezu Akrobatisches.
Jerry hat noch mehr Qualitäten, die ihn zum idealen BB-Kandidaten machen. Er lacht viel, er sieht gut aus. Vor allem aber ist er ein Meister positiven Denkens. Wurde er im Container zehnmal täglich von einer Lautsprecherstimme ermahnt, sein Körper-Mikro in Mundnähe zu befestigen, bestimmte Wohnbereiche nur zu bestimmten Zeiten zu betreten oder nur trocken Brot zu essen - dann fand er die Regie über sein Leben nicht entmündigend, sondern klasse. "Bei klaren Regeln weißt du immer, wo es langgeht."
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Quelle: http://www.wams.de/data/2004/10/17/34744...er&searchHILI=1
Auf ewig zum großen Bruder
Die Reality-Show "Big Brother" wird endlos. Was passiert mit Kandidaten, die dort Jahrzehnte leben?
Es ist Tag 2243 in der Big-Brother-Stadt. Wir schreiben das Jahr 2011. Jerry Bejaoui liegt im Schlafzimmer von Container A, wird von einer Lautsprecherstimme geweckt und springt aus dem Bett. Vier Kameras beginnen zu surren und nehmen die Beobachtung auf. Jerry achtet nicht darauf, während er zur Toilette schlendert. Publikum beim Toilettengang stört ihn schon seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. So lange wird er bereits von über 100 Kameras und Millionen Fernsehzuschauern beobachtet. Das Publikum störte ihn nicht, als er einst 24 Stunden von einem Nierenstein gepeinigt wurde und nur noch zwischen Bad und Bett hin- und herkrabbelte. Und auch seine Frau Lydija störte es nicht, als sie quotenträchtig vor fünf Kameras ihr Kind gebar.
Ungefähr so werden sich ab erstem März 2005 ganze Leben vor dem TV-Publikum entfalten. Dann beginnt die Fortsetzung der Reality-Show "Big Brother" auf RTL 2: "BB for ever". Die Sendung geht, wie ihr Produzent Rainer Laux bekanntgab, in die Endlos-Schleife. Die Kandidaten werden Jahrzehnte, wenn nicht ihr ganzes Leben in einer Kunstwelt verbringen - Hochzeiten und Scheidungen, Geburten und Lebenskrisen inklusive. Besorgte Diskussionen sind absehbar: Werden Biographien für die Zuschauergaudi ruiniert? Menschen zu Unterhaltungsmaterial? Auf rund 4000 umzäunten Quadratmetern baut die Produktionsfirma Endemol derzeit eine kleine Stadt - mit Geschäften, Marktplatz, Kirchturm, Wäldchen und Statisten als Stadtbewohnern.
Dort werden die Kandidaten in Gruppen zusammenziehen, 24 Stunden am Tag beobachtet und belauscht von mindestens 100 Kameras, 120 Mikrofonen und vermutlich Millionen Deutschen (Schon jetzt schalten rund zwei Millionen Menschen bei "BB" ein). Einer der Kandidaten wird voraussichtlich Jerry Bejaoui, ein 24-jähriger Deutscher tunesischer Abstammung. Muskulös, humorvoll, arbeitslos.
Sechs Monate lebte er im BB-Container, im September wurde er aus dem Haus gewählt. Aber schon jetzt schwärmt er wieder, das ewige Leben bei BB werde "großartig wie ein Märchen". Um dort auf Jahrzehnte heimisch zu werden, braucht Jerry eigentlich nur "Bewegung, Beschäftigung, Kontakt nach draußen und Lydija" - eine 21-jährige Drogerie-Azubine aus Krefeld. Die lebt noch im BB-Container und träumt dort von ihrem Adonis.
Jerry sieht sich bereits im BB-Land morgens durch den Wald joggen, von surrenden Kameras auf den Bäumen beobachtet. Er sieht sich einer guten Arbeit nachgehen (denn für Beschäftigung will Endemol sorgen). Und er sieht sich mit seiner Lydija Kinder zeugen. Vor Millionen Zuschauern.
"Ist doch natürlich - was ist daran schlimm?" fragt er. Diesen lockeren Umgang mit dem Schamgefühl mußte er sich allerdings antrainieren. Als er Anfang März in den Container zog, schwor er noch, dort auf Sex zu verzichten. Keine Woche später erlebte er seinen ersten Oralsex. Anschließend marterte ihn zwar tagelang der Gedanke, wie er jemals wieder seiner Mutter in die Augen blicken sollte. Doch mit den Monaten schwanden die Skrupel. Immer zwangloser produzierte er Szenen, die jede Porno-Sammlung zieren würden. In engen Toiletten und über Zäune hinweg leistete er mit Lydija geradezu Akrobatisches.
Jerry hat noch mehr Qualitäten, die ihn zum idealen BB-Kandidaten machen. Er lacht viel, er sieht gut aus. Vor allem aber ist er ein Meister positiven Denkens. Wurde er im Container zehnmal täglich von einer Lautsprecherstimme ermahnt, sein Körper-Mikro in Mundnähe zu befestigen, bestimmte Wohnbereiche nur zu bestimmten Zeiten zu betreten oder nur trocken Brot zu essen - dann fand er die Regie über sein Leben nicht entmündigend, sondern klasse. "Bei klaren Regeln weißt du immer, wo es langgeht."
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Quelle: http://www.wams.de/data/2004/10/17/34744...er&searchHILI=1
