Handlung:
Der ehemalige Superheld "The Comedian" wird von einem Unbekannten ermordet. Sein Kollege Rorschach macht sich auf die Suche nach dem Täter und wittert bald eine Verschwörung, als weitere Superhelden bedroht werden: Dr. Manhattan flieht nach einem Skandal in den Weltraum, auf Ozymandias wird ein Attentat verübt, der ehemalige Superschurke Moloch erschossen und Rorschach selbst in eine Falle gelockt. Von Freunden aus dem Gefängnis befreit, kommt er der (tatsächlichen) Verschwörung auf die Spur.
CHARAKTERE
Die Helden der ersten Generation
Hooded Justice
Der erste der "realen" Superhelden in Watchmen. Sein Name bleibt bis zum Schluss ungenannt, es wird jedoch bekannt, dass er mit der ersten Silk Spectre eine Scheinaffäre hatte, offensichtlich um seine Homosexualität zu verbergen. Er verschwindet kurz nachdem er sich in der McCarthy-Ära geweigert hatte, seine Identität preiszugeben
Silk Spectre
The Comedian
Edward Blake, wie der "Comedian" mit richtigem Namen heißt, gehörte schon mit 17 zur ersten Generation der Superhelden. Dem Verbot der Vigilanten in den 70ern entgeht er, indem er wie auch Dr. Manhattan in den Regierungsdienst tritt. Er kämpft als Vorzeigesöldner mit unvorstellbarer Brutalität in Vietnam, befreit (anders als in der Realität) die iranischen Geiseln in der US-Botschaft, schlägt mit erkennbarerer Freude Aufstände und Aufständische nieder. Blake ist zynisch, jähzornig. Sein Regierungsauftrag ist für ihn keine Herzenssache, sondern ein Freibrief für zügellose Gewalt in einer Welt, in der es für ihn ohnehin kein Gut und Böse gibt – und von deren Untergang er sowieso überzeugt ist. Er ist es daher auch, der die Bemühungen um eine Union der zweiten Generation der Superhelden unter Ozymandias, dem "klügsten Menschen der Welt", sprengt: "In ein paar Jahren fliegen die Atomraketen hier durch die Gegend wie Maikäfer. Und unser Ozymandias hier ist dann der klügste Mensch auf der Asche. Macht's gut, ihr Witzfiguren."
Bei alledem ist der Comedian kein tumber Haudrauf, sondern beweist immer aufs Neue seinen entlarvenden Scharfblick. Er durchschaut schnell "Hooded Justice"s sexuelle Motive zur Verbrecherjagd, er spricht offen aus, dass Captain Metropolis mit dem Versuch einer zweiten Helden-Union nur über sein Alter, seinen Bedeutungsverlust und seinen Bauchansatz hinwegkommen möchte. Und als er in Gegenwart von Dr. Manhattan in Vietnam in einem Wutanfall seine schwangere Geliebte erschießt, rechtfertigt er sich kalt, aber zutreffend: "Ja, ich habe sie erschossen, Und du hast zugesehen. Du hättest die Kugeln in Dampf verwandeln können oder jeden von uns wegteleportieren, aber du hast es geschehen lassen, weil dir Menschen egal sind."
Mothman
Nite Owl
Hollis Mason, vor und während seines Lebens als maskierter Abenteurer Polizist, legte sich seine Identität als Held aus verschiedenen Motiven zu. Zum einen war es aus Nostalgie für die Pulp-Romane, was durch das Erscheinen der ersten Superhelden-Comics gefördert wurde. Zum anderen hatte er durch die strengen Moralvorstellungen seines Großvaters, bei dem er mit seiner Familie in seiner Kindheit gewohnt hatte, das Gefühl, er müsse etwas Wichtiges und Richtiges tun.
Diese Motive enthüllt Mason in seinen Memoiren genauso wie die Gründe seines Rücktritts. Zum einen, schreibt er, hätten mehr und mehr die maskierten Schurken gefehlt – und damit die Daseinsberechtigung, gleich in doppelter Hinsicht. Denn ohne Superschurken brauche man nicht nur den Helden nicht mehr, der Held käme sich auch dämlich vor, wenn er der einzige sei, der in einem seltsamen Kostüm herumrenne. Der Hauptgrund für seinen Rückzug ist jedoch das Auftreten von Dr. Manhattan, dem ersten echten Superhelden im Jahr 1960. Mason trennt hier sehr sorgfältig: Er und seine Kollegen der ersten Generation sind für ihn nur "costumed heroes", Manhattan ist der erste "Superhero". Und seine, Masons, Bemühungen erscheinen ihm zunehmend unzulänglich in einer Welt, in der jemand wie Manhattan praktisch alles bewirken kann, während alles, was er, Mason, anzubieten hätte, "ein guter linker Haken " sei.
Nach seiner aktiven Zeit eröffnet er eine Autowerkstatt, schreibt seine bereits erwähnten Memoiren (Titel: "Under the Hood") und trifft sich regelmäßig mit seinem Nachfolger, dem er, nachdem er dessen Talent gesehen hatte, bereitwillig seinen Namen überlassen hatte.
Dollar Bill
Eine tragische (Neben-)Figur, deren Schicksal nur über Hollis Masons Memoiren enthüllt wird. Auf dem Höhepunkt der ersten Superhelden-Welle in den 40ern engagiert eine Bank einen eigenen Helden als Werbegag und Schutzmaßnahme – Dollar Bill. Der trainierte Athlet wird bei einem Überfall von einem Räuber erschossen, wehr- und hilflos, nachdem sich sein Umhang in der Drehtür der Bank verheddert. Rückschauend mutmaßt Mason, Bill könne wohl noch leben, wenn sein Kostüm nicht von Marketingstrategen entworfen worden wäre, sondern von Bill selbst. Er, Mason, habe sich aus ähnlichen Erwägungen stets gegen die effektvollen, aber gefährlichen Umhänge entschieden.
Silhouette
Ursula Zandt wurde 1939 zur Heldin und trat auch sogleich den "Minutemen" bei. Später wurde sie auf Empfehlung von Silver Spectres Manager aufgrund ihrer Homosexualität aus der Gruppe ausgeschlossen, um schlechte Publicity zu vermeiden, nachdem dieser Umstand an die Öffentlichkeit gelangt war. Sie und ihre Liebhaberin wurden nur zwei Wochen später ermordet.
Captain Metropolis
Die Helden der zweiten Generation:
Ozymandias

Ozymandias (Adrian Veidt) ist schlicht der "klügste Mann der Welt". Das Genie hat sich noch vor der Untersagung durch die Regierung als Superheld zurückgezogen und ein Multimilliarden-Dollar-Unternehmen gegründet. Veidt verkauft unter seinem Namen Parfum, aber auch "Ozymandias"-Actionfiguren. Veidt verkörpert eine Art "Superman"/Gott-Dilemma: Wenn ein Held allmächtig ist, wenn er den Weg kennt und die Mittel hat, um die Welt zu retten – wie weit würde er gehen und wie weit darf er gehen? Darf er Opfer fordern? Welche Legitimation hat er dazu?
Veidt hat diesen Weltrettungsplan und beschließt, ihn umzusetzen. Moralische Skrupel kennt er, unterdrückt sie jedoch aus Vernunftgründen – dies wird besonders am Ende deutlich, als Veidt (trotz des Gelingens seines Plans) verunsichert Dr. Manhattan fragt, ob er, Veidt, denn nun auch das Richtige getan hätte. Manhattan kann diese Frage nicht beantworten – und reicht sie somit unausgesprochen an den Leser weiter.
Dr. Manhattan

In seinem früheren Leben Physiker, ist Jon Oystermann der einzige der sich seine Identität nicht gewünscht oder ausgesucht hat. Nach einem Laborunfall, bei dem er in seine Atome zerlegt wurde, schafft er es sich wieder zu materialisieren. Allerdings kommt er nicht mehr als Mensch sondern eher als Gott zurück, was die Amerikanische Regierung direkt für sich nutzt.
Für Manhattan spielt Zeit keine Rolle. Die Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft von ihm und ihm nahestehenden Personen – alles ist ihm gewärtig. Insofern hält er die Zukunft für unabänderlich. Seine Konsequenz: Er widmet sich der Forschung im Regierungsauftrag, wird damit nicht mehr gesetzlich verfolgt und macht zugleich, was ihn interessiert. Denn an der Verbrechensverfolgung hat er immer mehr das Interesse verloren, sie ist ihm zu unbedeutend – auch, weil es wenig Sinn macht, Verbrecher zu jagen, wenn doch ohnehin nur passiert, was sowieso passieren wird. Die Frage, die ihn viel mehr reizt, ist die nach dem Warum: Also nutzt er seine Superkräfte für physikalische Experimente.
Rorschach

Eine extreme Persönlichkeit, die sich durch ein reines Schwarz/Weiß denken auszeichnet. Rorschach besitzt keinerlei Superkräfte oder spezielle Ausrüstung, er ist nur sehr erfahren im Straßenkampf und ein ausgezeichneter Detektiv. Außerdem legt er eine extreme Brutalität an den Tag. Sein Merkmal ist eine Maske mit einem sich ständig ändernden Muster welches einem Rorschachtest gleicht. Der Charakter basiert auf dem DC/Charlton Comics Superhelden The Question.
Rorschach (eigentlich: Walter Kovacs) hat nichts Glamouröses, nichts Bewundernswertes. Er ernährt sich von Nudeln aus der Dose und von Zuckerwürfeln, die er gelegentlich verschlingt. Er schläft kaum, und wenn er seine Maske kurz lüftet, wirkt er extrem ungepflegt – eben wie jemand, der Tag und Nacht Verbrecher jagt. Nach seiner Verhaftung enthüllt Rorschach gegenüber dem Gerichtspsychologen, dass sich seine Heldenkarriere in zwei Teile gliedert. Anfangs sei er ein Verbrechensbekämpfer aus schlichter Überzeugung gewesen, eben Walter Kovacs, der sich zum Verbrecherjagen verkleidet. Erst nach einem extrem grausamen Entführungsfall sei er tatsächlich durch und durch zu Rorschach geworden – der angesichts von Verbrechen und Korruption nicht mehr wegsehen könne. Und der in den ihm vom Psychologen entgegengehaltenen Rorschach-Flecken eben keine Blumen und Schmetterlinge mehr sehen könne, sondern nur noch die entsetzlichen Grausamkeiten, die er in seiner Verbrecherjäger-Karriere erlebt hat. Seither ist er nicht mehr jemand, der sich gelegentlich als Rorschach verkleidet – sondern Rorschach, der gelegentlich die Maske ablegt und sich als Walter Kovacs ausruht.
Eindeutig sind dabei die Parallelen zum "Comedian", der aus derselben Erkenntnis wie Rorschach jedoch die exakt gegenteilige Erkenntnis zieht: Während Rorschach von seiner schier unerfüllbaren Verpflichtung zum Kampf für Gerechtigkeit aufgefressen wird, folgert der "Comedian", er als Einzelner könne ohnehin nichts ändern – und somit genausogut aus seiner Rolle den größtmöglichen Spaß für sich ziehen.
Der zweite Night Owl

Richtiger Name: Daniel Dreiberg. Dreiberg ist das introvertierte Gegenstück zu Batman, ein wohlhabender Mann, der seinen Charakter "Nite owl" mit jeder Menge Gimmicks ausrüstete. Moore hat so Batmans Erbmasse aufgeteilt: Den Fanatismus erhielt Rorschach, Geld und Bastelleidenschaft bekam Nite Owl. Ein Eulenschiff ("Owlship"), verschiedene Eulenanzüge zum Tauchen etc. helfen Dreiberg, der keinerlei Superkräfte besitzt. Dreiberg hat sich inzwischen zurückgezogen, geht gelegentlich in seinen bathöhlenartigen Keller, um den guten alten Zeiten nachzutrauern und weiß ansonsten nicht so recht, was er mit seiner Zeit tun soll. Er ist rationaler als sein Ex-Partner Rorschach, zog sich deshalb auch bei der Verabschiedung des Antisuperheldengesetzes widerspruchslos zurück, was der Fanatiker Rorschach ihm übelnahm.
Die Rolle des "Nite Owl" dient ihm auch zur Überwindung seiner Selbstzweifel. Dies wird besonders deutlich in seiner Beziehung zur ehemaligen Heldenkollegin Juspeczyk, wo er erst dann volle erotische Leistungsfähigkeit erreicht, als er das Eulenkostüm zu Hilfe nimmt.
Die zweite Silk Spectre

Laurel Jane Juspezcyk hatte nie große Lust auf den Superheldenjob. In die Rolle gedrängt wurde sie von ihrer Mutter, der ersten Silk Spectre, die ihre Karriere steuerte wie Mütter von Tennis-Stars oder Models. Juspeczyk hat sich ebenfalls zurückgezogen, lebt nun an der Seite Dr. Manhattans und leidet unter seiner wachsenden Vergeistigung, die sie in die Nähe Daniel Dreibergs bringt. |