Wilde Unschuld (Savage Grace)

Tomtec
Wilde Unschuld



Originaltitel: Savage Grace
Entstehungsjahr: USA / Spanien 2007
Regie: Tom Kalin
Drehbuch: Howard A. Rodman, Natalie Robins, Steven M.L. Aronson
Musik: Fernando Velázquez
Kinostart (Deutschland): 08.05.2008

FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 97 Minuten
Genre: Drama

Darsteller: Julianne Moore, Stephen Dillane, Eddie Redmayne, Elena Anaya, Unax Ugalde, Belén Rueda, Hugh Dancy

Zum Trailer: Hier Klick

Inhalt:

WILDE UNSCHULD erzählt die unglaubliche und wahre Geschichte der Barbara Daly (Julianne Moore). Aus einfachen Verhältnissen kommend heiratet sie in den vierziger Jahren den reichen Erben des Bakelit-Imperiums, Brooks Baekeland (Stephen Dillane). Der Sprung in die amerikanische Oberschicht ermöglicht ihr ein glanzvolles Leben an der Seite von Brooks, doch eigentlich passt die rothaarige und charismatische Barbara nicht zu ihrem gebildeten, unter besten Umständen aufgewachsenen Ehemann. Die Geburt ihres Sohns Tony bringt die ständig gefährdete Balance dieser extremen Ehe weiter in Schieflage. Während Barbara ihn heiß und innig liebt, ist der stille Tony (Eddie Redmayne) in den Augen seines Vaters ein Versager. Als Brooks seine psychisch immer unausgeglichenere Frau eines Tages für eine jüngere Geliebte verlässt, wird der heranwachsende Tony zunehmend zum Ersatz für die sozialen und emotionalen Bedürfnisse von Barbara. Aus der immer unbedingter werdenden Intimität von Mutter und Sohn erwächst schließlich die Saat einer spektakulären Tragödie...
svenjacobs1
Ich mag Julianne Moore wirklich gerne, denn ich finde, dass sie eine wirklich tolle und zudem hübsche Schauspielerin ist, die in jedem Film zu überzeugen weiß. Aus dem Grund bin ich auch bis nach Köln gefahren, um mir ihren neuen Film anzusehen, da er sehr klein gestartet ist. Ich habe ihn im Originalton mit Untertiteln geschaut, erstens lief er nur so in meiner "Nähe", zweitens scheint mir das im Nachhinein auch authentischer.

Die Stunde, die ich insgesamt unterwegs war, hat sich leider nicht gelohnt, da der Film doch ziemlich schwerfällig war. Ich muss jedoch sagen, dass ich keine sehr hohen Erwartungen an dem Film hatte, da mich auch der Trailer nicht vollkommen überzeugen konnte. Die Idee hat mir jedoch gefallen und ich habe gehofft, dass ich sehr gute Schauspieler in einem intensiven und charakterstarken Film zu sehen bekommen würde. Das war leider nicht ganz der Fall.

Julianne Moore spielt zwar sehr gut und gibt sich allerlei Mühe, aber insgesamt konnte ich mich mit den meisten Schauspielern nicht anfreunden. Hier hatte ich keinen Sympathieträger, sondern einige Hasscharaktere, mit denen man jedoch in manch einem Moment mitleiden konnte, das aber nichts an der Sympathie änderte. Sogar Hugh Dancy, den ich seit seinen letzten Filmen ebenfalls sehr gerne sehe, konnte in seiner kleinen Nebenrolle nicht glänzen.

Hier war Julianne Moore das Aushängeschild, nicht nur, weil sie die überzeugendste Leistung ablieferte, sondern auch weil der Charakter am tiefgründigsten war. Sie ist blass, keine Augenweide wie in anderen Filmen, was für ihre Wandlungsfähigkeit spricht. Sie spielt eine biedere Frau, die mit ihrem Leben nicht klar zu kommen scheint, sich vernachlässigt fühlt und eine extreme Liebe zu ihrem Sohn entwickelt. Ihr Charakter lässt Raum für Interpretationen und wird von Moore hervorragend gespielt. Alleine schon ihr Lachen hat mir teilweise eine Gänsehaut beschehrt.

Wie ich schon geschrieben habe ist die Geschichte relativ interessant. Es geht um eine extreme Mutter-Sohn Liebe in Verbindung mit Inzest und Homosexualität, aber auch um Leben, die aus den Fugen geraten. Die Grundstory hat sehr viel Raum für Tiefe, dieser Raum wird jedoch nicht gefüllt und somit bleibt "Wilde Unschuld" etwas oberflächlich und somit weit hinter seinen Möglichkeiten.

Der Film spielt von den Vierzigern bis hin in die Sechziger Jahre und ist einem realen Fall nachempfunden, dafür fehlt es aber etwas an Intensität. Der Zeitraum und die Gesellschaft, in der sich die Hauptfiguren befinden, lässt alles etwas bieder und alt wirken, was ich etwas schade fand, zumahl die Thematik das genaue Gegenteil ist.

Und genau das ist der Grund, wodurch "Wilde Unschuld" etwas langatmig wird. Ich möchte nicht sagen, dass der Film langweilig ist, hier darf man nicht viel Spannung oder Action erwarten, es ist ein Drama über die Abgründe der Menschen, Liebe, Hass und Lust. Aber die brisante Thematik hätte etwas mehr "Pepp" vertragen können, wenn ich das mal so sagen darf. Denn insgesamt gesehen vergehen die knapp 95 Minuten recht schleppend.

Fazit:
"Wilde Unschuld" hätte ein brisantes Drama über eine Mutter-Sohn Liebe, die in jeglicher Beziehung zu weit geht, werden können. Leider wurden viele Möglichkeiten nicht ausgereizt und so ist der Film ein schwerfälliges Drama mit einer tollen Julianne Moore geworden, das weit hinter seinen Möglichkeiten bleibt, leider!

5,5/10
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