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Deutschlands lustigstes Ermittlerduo geht in der westfälischen Provinz auf Verbrecherjagd. Hauptkommissar Frank Thiel und Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne sind dabei als ungleiches Paar vor allem mit sich selbst beschäftigt.
Wenn sie auf Verbrecherjagd gehen, sprüht es nur so vor Dialogwitz - bisweilen vergessen Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und der Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) über alle Kabbelei gar, ihrer eigentlichen Arbeit nachzugehen. Es besteht kein Zweifel: Deutschlands witzigstes Ermittlerduo wohnt ausgerechnet in der westfälischen Provinz; einer Gegend, die nicht gerade für ihren Humor bekannt ist.

Dieser Umstand wurde aus einer Not heraus geboren: Als größte Anstalt der ARD stellt der Westdeutsche Rundfunk die meisten "Tatort"-Folgen pro Jahr. Doch vor ein paar Jahren stand man bei dem Sender vor einem Problem: "Man kann nicht sechs Tatorte mit dem Kölner Team drehen, sonst können die Schauspieler nichts anderes mehr machen", sagt die zuständige WDR-Redakteurin Helga Poche. Weil die Kölner Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) bereits in mehreren Großstädten an Rhein und Ruhr, aber noch nie in Westfalen ermittelt haben, wollte der WDR ein neues Team ebendort stationieren.

Die Entscheidung fiel zugunsten der Region Münster, die sonst eher durch Fahrraddiebstähle als Gewaltverbrechen auffällt. Münster soll "mehr ländliche Farbe" ins Programm bringen. Außerdem ist die Art der Verbrechen anders: Während in den rheinischen Metropolen die Kriminalität der Mafia und Prostitution dominieren, sehen die Fälle in der Universitätsstadt Münster anders aus. "Die Ganoven rennen hier nicht mit der Knarre rum, sondern die Verbrechen geschehen eher im familiären Kreis". Auch die beiden Hauptdarsteller sind von ihrem neuen Drehort angetan. Für Axel Prahl, der "Inspektor Columbo" seinen Lieblingskommissar nennt, lädt Münster förmlich "dazu ein, hier Filme zu machen". Jan Josef Liefers preist ebenfalls die Vorzüge des beschaulichen Städtchens: "Hier steht kein Rumgeballer im Zentrum, sondern Hintergründe und die menschliche, psychologische Seite".


Auf dem Bildschirm sind die beiden allerdings selten so einmütig: Vielmehr verkörpern sie Charaktere, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Der von Prahl dargestellte Hauptkommissar Thiel ist ein Bauchmensch, ruhig, bodenständig - und Fan des FC St. Pauli. Medizinprofessor Boerne liebt dagegen Opern, steht auf Luxusautos, kann scharfsinnig analysieren, redet aber zu viel und ist ein unerträglicher Besserwisser. Weswegen Liefers auch in Interviews nicht müde wird zu betonen, dass er privat ganz anders sei.


Als Professor ist der Schauspieler sehr seriös gekleidet und trägt eine unscheinbare Brille: "Ich habe noch nie im Leben in einer Rolle Schlips getragen und noch nie so eine Brille", sagt er über seine Markenzeichen. Für diese Rolle als Pathologe an der Universitätsklinik konnte der Schauspieler sich nicht lange vorbereiten. "Das war eine schnelle Entscheidung, ich bin für einen Kollegen eingesprungen". Ursprünglich sollte Ulrich Noethen den Professor spielen, aber der hat kurz vor Drehbeginn der ersten Folge abgesagt. Liefers hat nach eigenen Worten zur Vorbereitung Fachzeitschriften wie "Der Pathologe" gelesen und mit verschiedenen Ärzten gesprochen.
Die einzige Gemeinsamkeit zwischen den beiden Figuren besteht darin, dass sie sich gerade von ihren Frauen getrennt haben - und im gleichen Haus leben. Aus dieser Konstellation entspringen köstliche Dialoge in bester Billy-Wilder-Manier. Zusätzlich angeheizt wird die Komik durch zwei weitere Figuren: Claus D. Clausnitzer spielt den Taxi fahrenden Vater von Hauptkommissar Thiel - der pikanterweise regelmäßig *****isch konsumiert und seinen Sohn damit in unangenehme Situationen bringt. Christine Urspruch sorgt als Professor Boernes Assistentin Silke Haller für sprühende Wortgefechte: Wegen ihrer geringen Körpergröße nennt Boerne seine Kollegin "Alberich", was diese aber nicht auf sich sitzen lässt und nicht minder originell zurückgiftet. Bei allem Raum für Humor gleitet der Münster-"Tatort" jedoch nie ins Alberne ab und bleibt zu allererst ein Krimi.
Quelle : stern.de
Die Darsteller :


Axel Prahl - Jan Josef Liefers




Christine Urspruch - Friederike Kempter - Mechthild Großmann - Claus D. Clausnitzer
Frank Thiel = Axel Prahl
Professor Karl-Friedrich Boerne = Jan Josef Liefers
Nadeshda Krusenstern = Friederike Kempter
Silke Haller ("Alberich") = Christine Urspruch
Wilhelmine Klemm = Mechthild Großmann
Herbert Thiel = Claus D. Clausnitzer
Die Episoden:
(in Klammern: Datum der Erstausstrahlung)
- Der dunkle Fleck (20. Oktober 2002)
- Fakten, Fakten (1. Dezember 2002)
- 3x schwarzer Kater (19. Oktober 2003)
- Sag nichts (14. Dezember 2003)
- Mörderspiele (25. April 2004)
- Eine Leiche zuviel (5. Dezember 2004)
- Der Frauenflüsterer (3. April 2005)
- Der doppelte Lott (20. November 2005)
- Das ewig Böse (5. Februar 2006)
- Das zweite Gesicht (12. November 2006)
- Ruhe sanft (18. März 2007)
- Satisfaktion (28. Oktober 2007)
- Krumme Hunde (18. Mai 2008 )
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Ein besonders großer Tatort-Fan war ich nie. Einige Fälle von Schimanski habe ich damals geguckt, auch die Folgen mit Eva Mattes schaue ich mir ab und zu an. Doch nur bei den Folgen mit Thiel & Boerne sitze ich regelmäßig vor der Glotze. Nicht, dass die Fälle sich so sehr vom ansonsten vorherrschenden Niveau der Tatort-Reihe abheben, aber das Zusammenspiel von Axel Prahl und Jan Josef Liefers ist einfach klasse, so dass sie auch aus der langweiligsten Story noch einen unterhaltsamen Abend entstehen lassen.
Wichtig bei „Thiel & Boerne“ ist allerdings auch ein fester Stamm an immer wiederkehrenden Nebenrollen, wie z.B. Boernes kleine Assistentin Haller, die von ihrem Chef immer stets mit Alberich (benannt nach dem Zwerg aus der Nibelungen-Sage) angesprochen wird. Oder auch die Polizistin mit dem skurillen Namen : Nadeshda Krusenstern … anfangs Praktikantin bei Thiel, später seine Assistentin. Ebenso immer dabei : die Staatsanwältin mit der Reibeisenstimme – Wilhelmine Klemm, und Thiels Hippie-Vater Herbert – Taxifahrer von Beruf und nebenbei leidenschaftlicher Gärtner … er baut allerdings mit Vorliebe Marihuana-Pflanzen an.
Dieses unterhaltsame und bunt zusammengewürftelte Trüppchen hat sich in den letzten 5 ½ Jahren zu einem festen und sehr beliebten Bestandteil der Tatort-Reihe entwickelt und ist die einzige Reihe, die mit der Zeit keinen Leistungs- und Niveauabfall zu verzeichnen hat.