Ich habe mir "Die Drachenjäger" auch schon heute angesehen. Was habe ich mich auf den Film gefreut. Ich kann jetzt leider nicht wirklich behaupten, dass meine hohen Erwartungen allesamt erfüllt worden sind, aber ich wurde auf jeden Fall prima unterhalten. Gleich mehr dazu. Ich war ein wenig verwundert, wie leer der Saal doch war. Ausser mir war gerade einmal eine Frau mit drei Kindern - leider habe ich die Nervensägen erwischt - im Film und sonst niemand. Ich finde es schade, dass er offenbar nicht so gefragt ist. Ausser es liegt daran, dass viele gegen 13 und 14 Uhr noch in der Schule sind. Trotzdem...
Dann mal zum Film an sich. Wie ich in einem meiner Beiträge bereits erwähnt hatte, erinnerten mich die Charaktere an das PS2 Spiel "Jak And Daxter". Es handelt sich dabei um eines meiner absoluten Lieblingsspiele und ich liebe die Zeichnung der Figuren. Der Styl der Charaktere in "Die Drachenjäger" hat mir nur zu gut gefallen. War mal was anderes. Der Sympathieträger war dann wohl der kleine "Drachenhund". Ist jetzt nicht wirklich ein neuer Scrat, aber definitiv eine Figur, die man nicht hassen kann. Die beiden "Helden" der Märchengeschichte, also Lian-Chu und Gwizdo, harmonieren auch sehr gut miteinander. Hier werden charakterlich zwar ein paar Klischees aufgegriffen, aber das stört nicht das Gesamtbild des Films, da sie wirklich sehr liebevoll gezeichnet sind und sympathisch rüberkommen. Der einzige Charaktere, der wirklich nervt, ist Zoe, das kleine Mädchen, das die Drachenjäger bei deren Suche unterstützen will.
Technisch gesehen kann man wirklich nicht meckern, im Gegenteil. Die Animationen sind wirklich ausgezeichnet und wirken nicht weniger "echt", als die Arbeiten der US-Studios. Hier wurde viel Wert auf Details gelegt. Seien es die authentisch wirkenden Hintergründe, oder die vielen Drachen und Monster, die nicht nur kreativ und beeindruckend geschrieben und "inszeniert", sondern vor allem aber sehr liebevoll animiert worden sind. Vor allem die Actionszenen sind mehr als beeindruckend. Wirklich ein ganz grosses Lob an die Entwickler, die hier saubere Arbeit geleistet haben.
Dass der Film Potenzial für eine nette Abenteuergeschichte "hätte", ist ja eigentlich klar. Dieses wurde jetzt nicht unbedingt ausgenutzt, aber der Film macht wirklich Spass und kann unterhalten. Bloss hat mir irgendwie dieses Abenteuergefühl etwas gefehlt. Das kam bei mir jetzt nicht so wirklich rüber, was evtl. auch daran liegen könnte, dass der Handlungsverlauf bzw. die verschiedenen Abschnitte sehr ähnlich aufgebaut sind. Die Actionszenen unterscheiden sich zwar und sind immer eine Augenweide, aber sobald die Charaktereinführung durch ist, scheint sich alles zu wiederholen. Ein Marsch, ein Kampf. Und das wird dann bis zum Ende hin durchgezogen. Ist beinahe so wie in einem Videospiel, wo man sich durch ein Level kämpft, um dann anschliessend den Endgegner zu beseitigen. Bloss, dass wir hier mehr oder weniger im selben Level festsitzen. Das muss man jetzt nicht negativ aufschnappen, bloss hätte mich persönlich ein bisschen mehr Abwechslung sicherlich gefreut. Aber halb so schlimm...
Ich muss an dieser Stelle nämlich auch sagen, dass der Film mit seinen 70 Minuten (ohne Vor- und Abspann) wirklich sehr kurz geraten ist. Man ist im Grunde genommen schon am Ende, bevor man am Anfang ist. Das führt natürlich dazu, dass Langeweile im Film ein Fremdwort bleibt, aber es opfert dafür eben dieses gewisse Potenzial. Ich weiss jetzt nicht, wie die Serie so aufgebaut war, weil ich von "Die Drachenjäger" erst durch den Kinofilm erfahren habe, aber eine Serie hat natürlich viel mehr Möglichkeiten wegen der wesentlich längeren Spielzeit - wenn man die Episoden zusammenhängt. Ich würde daher mal behaupten, dass so 20-25 Minuten mehr dem Film mit Sicherheit nicht geschadet hätten, aber gut. Kenner der Serie benötigen ja keine zu detailierte Einführung der Charaktere mehr, da sie sie bereits kennen. Von daher...
Was ich auch noch so schön fand im Film, waren gewisse "Kameraeinstellungen". Besonders die erste Szene mit den beiden Helden, die sich auf einer grossen, grünen Kugel abspielt, kann sich mehr als sehen lassen. Hier wurde gut mit den einzelnen Kamerawinkeln "jongliert". In manchen Kritiken liest man ja, dass die Schnitte ab und zu viel zu hektisch sein sollen und auch die Kamera an sich das aktuelle Geschehen zu schnell verfolgt. Diese "Kritik" kann ich jedenfalls nicht unterschreiben. Ich bin ohnehin sehr empfindlich gegen zu schnelle Schnitte, aber im Gegensatz zu Realfilmen wie "The Bourne Ultimatum" war es hier mehr als erträglich und künstlerisch sogar auch sehr schön inszeniert. Wirklich sauber...
Letztendlich kann ich sagen, dass ich prima unterhalten worden bin, wenn der Film auch nicht ganz so der grosse Wurf geworden ist, den ich mir erhoffte. "Die Drachenjäger" ist ein witziger, sehr charmanter und sympathischer Animationsfilm, der sich nicht vor grossen Hollywood-Blockbustern wie "Shrek" und Co. zu verstecken braucht. Auch wenn inhaltsmässig einiges mehr gegangen wäre und das Abenteuer ziemlich kurz ist, so verlässt man den Kinosaal dennoch mit einem guten Gefühl im Magen. Ich persönlich überlege sogar, ihn mir auch noch ein zweites Mal im Kino anzusehen, denn auch hier gilt wieder einmal mehr: die Animationen bzw. die Actionszenen kommen im Kino 100% besser rüber, als zu Hause auf dem Fernseher. Im Übrigen würde ich mich sogar über ein Sequel sehr freuen.
7/10 (+)