Auch in meiner Stamm-Sneak lief letzten Mittwoch Untraceable mit Diane Lane. Bitte entschuldigt die erst jetzt folgende Kritik, warum, naja wenn ihr vorspult und euch meine Bewertung anseht, werdet ihr verstehn warum.
"Untraceable" ist der Titel des neusten Folter-Krimis, von denen in letzter Zeit soviele den Markt überschwemten. Ob nur reiner Folter-Slasher, oder mit etwas Story, wie in der jüngsten Fortsetzung, der erfolgreichen SAW Reihe, im Moment stehn die Sterne für Folter Filme gut. Aber was heißt eigentlich "Untraceable"? Der Begriff kommt aus dem Internet und bedeutet, dass eine Person über das Internet nicht zurückverfolgbar ist. Jetzt werden sicher einige denken, verdammt ich gerate in einen Film, der absolut nur für Computer Nerds geeignet ist, aber da braucht ihr euch keine Sorge machen, alle Fachbegriffe sind absolut lächerlich ins Deutsche übersetzt worden. Ich finds aber klasse, spricht wenigstens auch das ältere Publikum an, die höchstens noch die Enigma bedienen können, aber selbst bei der heimischen Windows Installation verzweifeln.
Worum gehts eigentlich in "Untraceable"? Nunja, wer den Trailer gesehn hat, oder sich 1 und 1 zusammenreimen kann, der wirds schon wissen. Ein mysteriöser Killer stellt eine Website ins Internet, auf dem man per Live-Schaltung ein Opfer in einer Foltermaschiene beobachten kann. Umso mehr Leute auf diese Website klicken, umso schneller stirbt das Opfer.
Die junge Mutter und Witwe Jennifer Marsh (Diane Lane), ihrerseits Mitglied einer hochmodernen Sonderabteilung des FBI, zur Verfolgung von Internetverbrechen, wird auf die Seite aufmerksam und fortan gilt es den nunmehr Serienkiller zu schnappen.
Die Methoden des Killers werden immer perfider und bald gerät auch Marsh selbst ins Visier des Killers.
Jegliche weitere Inhaltsangabe erspar ich mir mal, ihr könnt sie bei svenjacobs Kritik nachlesen.
"Untraceable" deutet zweifelsohne ein großes Problem in unserer Gesellschaft an, der Mensch ist viel zu Sensationsgeil geworden. Täglich, stündlich, im Minutentakt sogar im Internet, der Mensch bekommt seine Nachrichten und Infos dann, wenn er sie braucht und will. Er bekommt nicht nur die wichtigen, er wird mit einer Flut von Informationen überrollt, die er gar nicht braucht, aber doch so stark konsumiert.
Leider bringt der Film diese Botschaft und Kritik nur halb rüber, zwar wird deutlich, worauf der Film hinauswill, aber letztendlich verkommt der Killer dann doch zu einem 08/15 Killer. Gerade hier hätte ich mir mehr Härte, Spannung und Finsterniss gewünscht. Die Thematik ist hervorragend, aber kommt im Endeffekt viel zu weichgespült daher. Die Härte und den faden Beigeschmack eines SAW's sucht man hier vergebens
Obwohl der Film recht gut mit einigen Hobby-Amateur Aufnahmen beginnt und ein mysteriöses Gerät vor eine Katze setzt, kommt die düstere Stimmung nicht wirklich auf.
Auch wirkt er weniger schockierend, dafür blendet er bei Gewaltszenen viel zu schnell aus. Die letztendliche Verbindung zwischen den Opfern und die Motive des Killers sind einleuchtend, wenn auch nicht überraschend. Ich frage mich allerdings bis heute, warum die arme Katze dran glauben musste.
Gesellschaftskritik übte bereits der Film SAW, der dieses Jahr wohl schon in die fünfte Runde geht. Allerdings sind die Motive des Killers hier ganz anders. Er bezieht nicht nur seine Opfer selber mit ins Spiel ein, die Öffentlichkeit, ja die Besucher seiner Seite werden selber Teil seiner Tat. Das Schicksal seiner Opfer liegt in der Hand von Klicks.
Die Foltermethoden sind recht interessant gestaltet, wer allerdings Blutgehalt, wie in SAW erwartet, wird enttäuscht sein. Der Film läuft in dieser Hinsicht unspektakulär ab.
In der Schauspiel Abteilung sieht es genauso mau aus. Diane Lane spielt ihre Rolle als Mutter und FBI Agentin ordentlich, aber verfällt dann doch in die Klischee Schiene. Genauso geht es Billy Burke, der einen Polizisten spielt und Lanes Abteilung unterstützt.
Joseph Cross machte auf mich einen ordentlichen Eindruck, leider blieb seine Mimik während des Films unverändert und ich habe mich des öfteren Gefragt, ob er vielleicht immer so komisch, böse reinschaut.
Unterm Strich sind die Leistungen der Darsteller in Ordnung, allerdings nicht besonders hervorzuheben. Einen Tara Reid Cast, wie in Alone in The Dark findet man hier allerdings nicht.
Der Film wimmelt nur so von Klischees. Die allein stehende Mutter, die mit ihrer Mutter und ihrer Tochter alleine lebt. Ihr Mann starb auf mysteriöse Weise. Der pakistanische Arbeitskollege und der alleinstehende, Anfang dreißigjährige Arbeitskollege, der versucht Frauen zu Daten. Dazu kommt noch ein Polizeibeamter, der anscheinend kein Privatleben hat und mit absolut unpassenden Sätzen sich penibel versucht an Jennifer Marsh heranzumachen.
Auch wenn die Motive des Killers nicht gerade Klischee Haft sind, so verkommt der Killer bei der ersten Begegnung mit dem Publikum doch letztendlich wieder zum 08/15 Killer. Das liegt zuletzt nicht nur am leeren und typisch kranken "Killer-blick".
Nocheinmal besonders will ich hier die technische Ausstattung des FBIs hervorheben. Microsoft hat mal wieder klasse Schleichwerbung plaziert. Wo es in anderen Filmen 5 Sekunden Nahaufnahmen von bekannten Handy-Herstellern gibt, gibt es hier 5 Sekunden Pop-Up Screens von Windows Vista. Wie sich jeder denken kann, gibt es in einem Internet-Thriller natürlich des öfteren Szenen, die an einem PC spielen.
Diese Tatsache trug leider nicht minder zur Unglaubwürdigkeit des Films bei.
Fazit:
"Untraceable" ist ein etwas ruhigerer durchschnitts Psychothriller. Der Film versucht ein aktuelles Thema, die Gesellschaft und ihre Konsumlust, aufzugreifen und Kritik zu üben. Das ist relativ neu, schwimmt aber im Endeffekt dann doch auf der SAW Schiene mit. Wer Firewall oder die SAW Filme mag und es etwas ruhiger und weniger blutiger will, der ist mit dem Film gut bedient. Ich halte ihn für rohe Durchschnittskost, der durchaus auch als Direct-to-Video Produktion durchgegangen wäre.
5/10 Spiegelungen