Zugegeben…einige Umwege hat es mich schon gekostet, bis ich nun endlich gestern Nachmittag FRONTIER(S) in den Händen konnte. Nachdem das Paket ohnehin schon relativ lange aus den Staaten hier her gebraucht hat, erhielt ich am Samstag die Nachricht vom nächsten Zollamt, dass ich das Paket von amazon.com abholen könnte.
Gesagt, getan. Ich fuhr gestern Mittag bei brütender Hitze also zum rund 35km entfernten Zollamt und holte dort das Paket ab – drin waren, wie schon erwähnt FRONTIER(S) und THE AIR I BREATHE. Beide Filme gehören definitiv zu den Filmen, die ich schon seit Ewigkeiten sehen will.
FRONTIER(S) habe ich gestern Abend angeschaut.
Nun, hat sich der Weg gelohnt?
Ich würd mal sagen:
Ganz klares JA!
Zuerst war ich ja noch etwas skeptisch, da der Film in den USA von
After Dark Films nur mit französischer Version mit englischen Untertiteln veröffentlicht wurde.
Aber nach kurzem Überlegen war mir das relativ egal. Englische Filme bin ich bereits gewöhnt – warum nicht mal zwei Fremdsprachen zeitgleich ausprobieren?
Eins vorweg: Ich war gottfroh, dass das Ding Untertitel hatte.

Da sieht man mal wieder, wie viel man verlernen kann…
Aber egal, genug geredet…jetzt wird’s Zeit für die Kritik:
FRONTIER(S)
Brutal, pervers, abartig – Horror in einer neuen Dimension?
Der Film erhielt von der MPAA das berühmt berüchtigte (und von mir verehrte) NC-17 Rating.
Nun kann man sich natürlich fragen: Was ist daran denn so besonders?
Immerhin bekamen sämtliche SAW-Filme und beide HOSTELs im Voraus das gleiche Rating von der MPAA verpasst. Der einzige Unterschied ist also, dass FRONTIER(S) im Gegensatz zu den anderen Genrekollegen nicht auf ein „R“ runtergeschnitten, sondern in seiner ursprünglichen Fassung belassen wurde.
Tja…stimmt, das könnte man meinen.
Fakt ist aber, dass man FRONTIER(S) in einer R-rated Fassung nicht mehr als „Film“ hätte bezeichnen können – vielleicht noch als Rumpf dessen, aber nicht mehr.
Was habt ihr schon über den Film gehört?
Dass er sehr brutal sein soll, nicht?
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Glaubt mir…ihr habt keine Vorstellung von dem, was den Zuschauer in Sachen Brutalität hier erwartet.
Jeder, der mich etwas kennt, der weiß, dass ich in Sachen wohl recht abgehärtet bin.
Aber bei FRONTIER(S) hat es mir wirklich nicht nur einmal die Sprache verschlagen. Wenn ich jetzt an manche Szenen zurückdenke, dann läuft es mir immer noch eiskalt den Rücken runter.
Ich denke, dass das wohl der brutalste Film ist, den ich je gesehen habe!
Doch der Reihe nach:
Handlung
Ist eigentlich recht knapp zu beschreiben.
4 Jugendliche sind nach einem Raub und einem Aufstand auf der Flucht. Alle 4 verschlägt es nach und nach in ein abgelegenes Hotel irgendwo in Frankreich. Dort treffen sie auf eine abartige Familie, deren Familienoberhaupt einer der letzten Nazi-Anhänger ist.
Die 4 wünschen sich bald, sie würden in die Hölle geschickt werden…denn was ihnen in der Gewalt dieser Familie widerfährt, lässt die Hölle wie ein himmlisches Paradies wirken…
Im Großen und Ganzen kann man sich die Handlung in ihren verschiedenen Elementen in den gängigen US-Blockbustern zusammensuchen. Die kranke Familie aus TEXAS CHAINSAW MASSACRE, das Hotel aus HOSTEL.
Sicher, man könnte hier bemängeln, dass die Macher rund um Xavier Gens wohl etwas mehr Kreativität hätten an den Tag legen können…aber das tue ich nicht. Das passt schon – es fällt einem zwar auf, aber man ist so mit der dichten Atmosphäre und den Charakteren beschäftigt, dass man es einfach hinnimmt und weiterhin gespannt auf den Bildschirm starrt.
Charaktere und Darsteller
Ich weiß nicht, ob das jetzt Zufall war oder ob es am größeren Bekanntheitsgrad liegt, aber genau so wie bei HIGH TENSION und THEM fand ich sämtliche Darsteller bei FRONTIER(S) einfach nur der Hammer – wirklich – diese Darsteller sind der Wahnsinn und ein Beweis dafür, dass auch Horrorfilme mit exzellenten Schauspielern aufwarten können. Bei amerikanischen Horrorfilm hingegen kann ich das weniger behaupten. Aber gut, wie gesagt, kann natürlich dran liegen, dass eine Jessica Biel (Bsp.) noch so gut spielen kann…sie bleibt eben immer ein wenig Jessica Biel und deshalb kann es sein, dass die Darsteller in französischen Filmen besser wirken, dass sie nicht so bekannt sind und man sie komplett als den Charakter wahr nimmt, den sie verkörpern.
Besondere Erwähnung muss ich Jean-Pierre Jorris und Karina Testa zukommen lassen. Das Spiel von diesen beiden könnte glaub besser nicht sein. Jean-Pierre Jorris mutiert regelrecht zum Monster in der Rolle Familienoberhaupt „Le Von Geisler“. Da sitzt alles! Jede Mimik, Gestik, sein perfektes Hochdeutsch (ich muss wohl nicht erwähnen, für welche Sprüche und Lieder er das braucht oder?) und vor allem sein bösartiges Grinsen…woah…mir läuft grad schon wieder n Schauer übern Rücken.

Abartig…aber irgendwie auch genial…
Zu Karina Testa: Bisher war für mich eigentlich Cecile De France in HIGH TENSION die beste Horrordarstellerin – doch ich muss sagen…Karina Testa kann da ganz gut mithalten. Sie spielt super authentisch und wirkt in jeder Sekunde glaubhaft. Ich meine, sie
SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
sie trägt quasi die letzten 30 Minuten Film alleine auf der Seite der GutenSPOILER ENDE, das will schon was heißen.
Atmosphäre & Regie
Keine Frage, hier hat Xavier Gens alles richtig gemacht. Mögen manche seinen HITMAN verteufelt haben, so können sie ihm bei FRONTIER(S) eigentlich kaum was anlasten.
Die Atmosphäre ist dich und stabil (auch bei Hetzjagden über knapp 20 Minuten), die Kameraperspektiven sind klasse gewählt, der Einsatz von Handkameras erfolgt in einem idealen Maß und die Darstellerführung ist exzellent.
Kontext & Hintergrund
Nun hab ich schon viel geschrieben...aber das Wichtigste an der ganzen Kritik ist für mich dieser Block.
Ich war am Anfang skeptisch...Nazis...jedes Mal, wenn ich in nem Film sowas sehe oder darüber lese, seufze ich unweigerlich und frage mich, wie lange uns diese ganze Geschichte wohl noch nachhängen wird. Ich meine, 60 Jahre...und noch immer findet das Thema in den Medien Anklang.
Wie sieht es in diesem Punkt aus mit FRONTIER(S)?
Ich find die Thematik nicht mal schlecht...
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Aus folgenden Gründen:
Meine Generation (vielleicht auch schon die vor mir) und alle Generationen nach mir sind so weit von dem ganzen Thema entfernt, dass wir die Ernsthaftigkeit das eine oder andere Mal gerne vergessen. Na ja...kann man es uns verübeln? Nicht mal unsere Eltern sind mit der wahren Geschichte in Berührung gekommen - wie sollen wir dann eine Verbindung dazu aufbauen?
Ich mein, ich nenne hier nur mal DJ Tomekk als Beispiel...da gibts die Handbewegung eben schön im Dschungelcamp für alle zum Bewundern und dann wundert sich der Typ auch noch, warum viele erboßt sind...sicher doch Junge...ist doch net weiter schlimm...mach Du mal ruhig, klar, finden wir alle toll!

Anderes Beispiel ist die Aktion von Prinz Harry damals - zwar kein Deutscher, aber in etwa meine Generation.
Die Ernsthaftigkeit des Themas ist total verloren gegangen - zumindest hab ich bei solchen Aktion wie denen der beiden Herren oben manchmal den Eindruck.
Und genau in diesem Punkt trifft FRONTIER(S) hart. Er zeigt schonungslos, wie skrupellos, bestialisch und brutal es bei diesem Leuten zuging; Le von Geisler und seine ganze Familie handeln ohne jegliches Gewissen, sind der Teufel in Person...tz...ich kann das gar nicht in Worte fassen.
Und deshalb lasse ich es jetzt auch.
Ich hoffe, ihr versteht mich hierbei jetzt richtig. Es kann natürlich auch sein, dass ich in den Film etwas hineininterpretiere, das gar nicht beabsichtigt war, aber ich nachdem der Film aus war, hatte ich einen unglaublichen Respekt vor der damaligen Zeit und war dankbar, in einem solchen Deutschland leben zu dürfen...
Nochmal was zu Blood & Gore
Hier im Thread steht irgendwo, dass HIGH TENSION härter sein soll als FRONTIER(S).
Ähm...also wie man auf diese Meinung kommen kann ist mir schleierhaft...FRONTIER(S) ist ganz klar um ein Vielfaches brutaler als HT.
Folgende Szenen gibt es:
SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
- Alex' Hand wird weggeschossen
- Beil schlägt auf den Kopf von Alex
- Alex wird an einem Haken angehängt (a la TEXAS Remake)
- Alex wird ausgeweidet
- Tom werden beide Achillessehnen durchtrennt, mit anschließender Exekution
- Vergasung von Farid, ebenfalls mit anschließender Exekution
- Kreissäge in Hals und Oberkörper von Götz, anschließend rotiert sie darin gut 20 Sekunden
- Karl's Kopf explodiert in Nahaufnahme
- duzende Schießereien innerhalb der Familie, Tod von Le von Geisler und Hans
- Yasmine reisst mit den Zähnen ein Stück Fleisch aus Gilberte's Hals, sie verblutet
- Klaudia wird von einer Explosion erfasstSPOILER ENDE
Die DVD die ich habe ist der UNRATED DIRECTOR'S CUT - ich weiß nicht, welche Fassung hierzulande vorgeführt wurde.
Fakt ist aber, dass es schon sehr verwunderlich wäre, wenn FRONTIER(S) es hierzulande uncut auf DVD schafft. Ich kanns mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wenn nicht mal SAW 4 das hinkriegt...

...nee nee, das wird nix.
Nun, wie siehts mit den Punkten aus?
Ganz knapp unter HIGH TENSION anzusiedeln...
8/10 Höllentrips
Noch was: Ich habe in verschiedenen Foren nun schon gelesen, dass INSIDE noch härter sein soll wie FRONTIER(S)...sorry, aber wie DAS gehen soll ist mir total schleierhaft.
Egal...nächste Woche kommt das nächste Paket von amazon.com und da ist auch INSIDE mit drin...dann werd ich ja sehen, was da dran ist.
Und hier noch ein Bild der DVD: