Tomtec
Arsenal Filmverleih
präsentiert
Eine Produktion von Film-Line Productions GmbH, München (Arno Ortmair) und Epo-Film Produktionsges.m.b.h., Wien (Dieter Pochlatko) in Koproduktion mit Lunar Films Ltd., London, Gemini Films SARL, Paris und der Degeto Film GmbH sowie Sale and Lease back-Finanzierung durch Scion Films
Im Vertrieb der Central – Film Vertriebs GmbH Berlin

Ein Film von Raoúl Ruiz
Österreich/Deutschland/Großbritannien/Frankreich 2006
97 Minuten, Farbe, 35mm, 1:1,85, Dolby SRD, DF, OF
Kinostart: 25. Mai 2006
Besetzung
John Malkovich
Klimt
Veronica Ferres
Emilie Flöge
Stephen Dillane
Sekretär
Saffron Burrows
Die Tänzerin
Sandra Ceccarelli
Serena Lederer
Nikolai Kinski
Schiele
Aglaia Szyszkowitz
Mizzi
Miguel Herz-Kestranek
Dr. Stein
Paul Hilton
Herzog Octave
Karl Fischer
August Lederer
Irina Wanka
Berta Zuckerkandl
Antje Charlotte Sieglin
Vally
Joachim Bißmeier
Hugo Moritz
Peter Appiano
Carl Moll
Mark Zak
Hevesi
Gunther Gillian
Méliès
Alexander Strobele
Bahr
Dennis Petkovic
Loos
Annemarie Düringer
Mutter Klimts
Marion Mitterhammer
Hermine Klimt
Alexandra Hilverth
Madame
Martin Brambach
Thomas
Erwin Leder
Krankenpfleger
Miriam Heard
Krankenschwester
Stab
Regie und Drehbuch:
Raoúl Ruiz
Kamera:
Ricardo Aranovich
Schnitt:
Valeria Sarmiento-Ruiz
Ausstattung:
Rudi Czettel, Katharina Wöppermann
Kostüm:
Birgit Hutter
Produktion:
epo-Film, Film-Line, Lunar-Films, Gemini Films
Produzenten:
Dieter Pochlatko, Arno Ortmair, Matthew Justice, Andreas Schmid

KLIMT- Synopsis
Am Totenbett lässt der Maler Gustav Klimt sein Leben Revue passieren. Begegnungen mit berühmten Zeitgenossen, Frauen, Förderern und Feinden seiner Kunst. Ein erotischer Reigen aus Leidenschaft, Sinnlichkeit, Ausdruckskraft und Aufbegehren.

KLIMT – KURZINHALT
Die Weltausstellung von Paris, 1900. Der österreichische Maler Gustav Klimt, in Begleitung seiner platonischen Lebensgefährtin Emilie Flöge (Veronica Ferres), wird für sein Bild ”Philosophie” mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Während eines Gala-Diners findet ihm zu Ehren die Vorführung eines Filmes statt, in dem ein fiktives Zusammentreffen zwischen dem Maler und einer Tänzerin dargestellt wird. Klimt (John Malkovich) ist fasziniert von der Schönheit der Schauspielerin (Saffron Burrows). Als er die Dame im Palais ihres Gönners aufsucht, trifft er deren Double an, aber auch die echte Lady lockt den Frauenfreund in ihre Laken. Ein erotisches Trugbild entsteht, ein Vexierbild aus Wahrheit und Lüge, Verwirrung und Verführung, Taumel und Lust.
Raoúl Ruiz ist ein Meister der philosophischen Verfremdung, der ein Fülle an historischen Details, berühmten Zeitzeugen, originalen Zitaten und erfundenen Szenen zu einen frivolen Fiebertraum und einem faszinierendem Gesamtporträt des österreichischen Fin de Siècle verdichtet.

KLIMT Anmerkung des Produzenten Arno Ortmair:
Als mein Wiener Kollege Dieter Pochlatko mit seinem Vorhaben einen Film über Klimt zu machen auf mich zukam, war ich zuerst sehr zurückhaltend, denn es gab ja bereits einige Filme über berühmte Maler. Nachdem ich mich aber mit dem Thema eingehender befasste, erkannte ich, dass Klimt mit keinem der anderen Maler zu vergleichen war.
Plötzlich begann mich das Projekt zu interessieren. Mir war aber klar, um einen Film über Klimt zu machen brauchte es für das Drehbuch, die Regie und vor allem für „Klimt“ drei Künstler, die Klimt adäquat waren.
Zwei davon haben wir in Raoúl Ruiz (Buch u. Regie) gefunden, der mehr über Wien, seine Geschichte und die Kunst zu wissen schien, als alle Historiker in Wien zusammen. Als auch noch John Malkovich zusagte Klimt zu spielen, hatten wir ein überzeugendes kreatives Paket, das der Aufgabe gewachsen war einen Film zu gestalten - keine Biographie - welches der Persönlichkeit Klimts und seinen Werken gerecht wird. Ein Film, der wie Klimt polarisiert, der durch seine Bilder berauscht und zu einem besonderen filmischen Erlebnis wird.
Bis zum Beginn der Dreharbeiten war der Weg aber noch steinig und weit, denn es stellte sich heraus, dass es heute in Deutschland leichter ist einen Film über „Ballermann“ oder „Wixxer“ zu machen, als ein so anspruchsvolles Werk.
Erst durch das Hinzukommen von John Malkovich, Veronica Ferres und durch die persönliche Initiative des Chefs der NRW Filmstiftung, Herrn Schmid-Ospach und der Degeto, konnte der gordische Verständnisknoten durchschlagen und das Projekt weiter nach vorne getrieben werden. Mit Hilfe unserer englischen und italienischen Kontakte gelang es schließlich, die restliche Finanzierung auf die Beine zu stellen.
Mein Dank gilt Ihnen und Raoúl Ruiz, der nicht nur ein außergewöhnliches Werk schuf, sondern darüber hinaus ein wunderbarer Mensch und Regisseur ist.
FILMOGRAFIE – Arno Ortmair (Auswahl)
Mein Freund Albert 2006
Magarete Steiff 2006
Klimt 2005
Scharf wie Chili 2004
Eva Blond 2003
The Poet 2002
Schwabenkinder 2002
Todfeinde 1998
The Tourist 1995

BESCHREIBUNG DER WICHTIGSTEN CHARAKTERE
GUSTAV KLIMT
Der Film umfasst die Jahre 1900-1918, die letzten 18 Jahre von Klimts Leben. Zwischen Akademismus und Moderne, zwischen Staatskunst und freier Kunst ist Klimt ein Mann, der es schafft, die Widersprüche seiner Zeit aufzuzeigen. Seine Faszination für die Tänzerin bestimmt sein Leben beinahe im gleichen Ausmaß, wie seine künstlerische Tätigkeit. Er wird zum Spielball seiner Gefühle zu dieser Tänzerin, und leidet gleichzeitig unter seiner Unfähigkeit seiner getreuen Freundin Midi dieselben Gefühle entgegenzubringen.
EMILIE FLÖGE (MIDI)
Sie verkörpert das Idealbild der Frau. Aus dem aristokratischen Milieu stammend, unterstützt sie Klimt bei seiner Arbeit und dient ihm insbesondere als Mittlerin zu den reichen Wiener Familien. Als ewige Komplizin des Malers ist Midi eine geheimnisvolle, undurchschaubare Person, die einen „beunruhigenden Sinn für Humor“ besitzt.
DIE TÄNZERIN
Mehr als eine Persönlichkeit, ist sie ein Traumbild des Halb-Mondänen. Halb Frau von Welt, halb Geliebte, die sich aushalten lässt. Sie ist Künstlerin und Tänzerin, sie fasziniert Klimt, obwohl man niemals wirklich weiß, ob sie selbst agiert oder eine ihrer Doppelgängerinnen.
DER SEKRETÄR
Mehr Gespenst als Wahnvorstellung, könnte der Sekretär Klimts politische Gesinnung darstellen. Er ändert häufig seine Funktion, seine Stellung verleiht ihm immer öffentliche Macht. Befremdend allwissend, beweist er Väterlichkeit und Wohlwollen gegenüber Klimt. Überdies scheint der Maler bei jedem neuerlichen Zusammentreffen mit dem Sekretär einen Pakt mit dem Teufel einzugehen.

GUSTAV KLIMT – LEBEN UND WERK
Gustav Klimt wird am 14. Juli 1862 in Baumgarten, einem Vorort von Wien, geboren. Sein Vater, ein böhmischer Immigrant, ist nicht sehr erfolgreich in seinem Beruf als Ziseleur, die Familie lebt in Armut.
Mit Hilfe eines Stipendiums besucht Klimt von 1876 bis 1883 die Kunstgewerbeschule in Wien. Noch während der Schulzeit erhalten Klimt, sein Bruder Ernst und ihr Mitschüler Franz Matsch die ersten Aufträge für Deckenmalereien in Wien, Karlsbad und Reichenberg.
1883 gründen die Brüder Klimt mit Franz Matsch die Künstlerkompanie und beziehen ihr erstes Atelier. Auftragswerke werden für verschiedene Auftraggeber ausgeführt, und bestehen hauptsächlich aus Dekorationsmalerei für Theater, Museen und Kirchen.
1885: Arbeiten im Nationaltheater Bukarest, Deckengestaltung der Hermesvilla in Wien
1886 - 1888: Arbeiten am Wiener Burgtheater, Franz Joseph I verleiht den Brüdern Klimt und Franz Matsch das goldene Verdienstkreuz für Kunst.
In den Jahren 1890 – 1900 entfernt sich Klimt von der traditionellen Malweise der Akademien. In diesen Jahren entstehen u.a. die Beiträge zu den Serien „Allegorien und Embleme“, welche auch das Gemälde „Tragödie“ beinhalten. Dieses Werk zeigt bereits Elemente zukünftiger Werke: Konzentrationen von Details, Goldfarbe, die weibliche Form, klassischer Symbolismus und abstrakte Bereiche.
1891 wird Klimt Mitglied der Genossenschaft Bildender Künstler Wiens. Im gleichen Jahr begegnet er Emilie Flöge, die seine platonische Lebensgefährtin wird. Daneben hat Klimt Beziehungen mit vielen seiner Modelle, zahlreiche Kinder gehen aus diesen Verbindungen hervor.
1892 stirbt Ernst Klimt. Gustav Klimt entfernt sich künstlerisch zunehmend von Franz Matsch und findet seinen eigenen Stil.
1894 erhalten Klimt und Franz Matsch jedoch gemeinsam den Auftrag zu monumentalen Deckengemälden der Aula Magna an der Wiener Universität. Die Arbeit an den Bildern „Jurisprudenz“, „Philosophie“ und „Medizin“ zieht sich über mehrere Jahre.
1897 wird Klimt Mitbegründer und erster Präsident der Secession. Die Secession ist eine Künstlervereinigung, die die Freiheit der Künstler von staatlicher Einmischung fordert. Sie fördert die Veröffentlichung junger, unkonventioneller Künstler und den Import ausländischer Kunst nach Österreich. Die Secession sieht Architektur, Illustration, Textildesign, Möbeldesign, usw. als der Malerei gleichwertige Kunstformen an.
Klimt arbeitet auch an dem publizistischen Organ der Sezession, „Ver Sacrum“.
In der Zeit von 1898 bis 1900 widmet sich Klimt intensiv der Arbeit für die Secession. In dieser Periode entwickelt er auch seine flächig-ornamentale Darstellungsform.
1900 erhält Klimt auf der Pariser Weltausstellung die goldenen Medaille für sein Werk „Philosophie“. In Wien lehnt das Professorenkollegium der Universität 1901 die Fakultätsbilder als hässlich, pornographisch und dem Auftrag nicht entsprechend ab.
1902: Klimt schafft den Beethovenfries, der von der Wiener Presse polemisch abgehandelt wird. Am 7. Juni 1902 lernt Klimt Auguste Rodin kennen, einen großen Bewunderer Klimts.
1903: Reisen führen Klimt nach Ravenna, Venedig und Florenz.
1904 beginnt Klimt mit der Arbeit an dem Stoclet Fries, Auftragswerk für einen belgischen Industriellen in Brüssel. Die Arbeiten an diesem Fries dauern bis 1910 an.
1905 spalten unterschiedliche Meinungen die Secession. Klimt und einige andere Künstler verlassen die Secession und gründen eine neue Künstlervereinigung, die Kunstschau. Die Debatten über die Fakultätsbilder weiten sich zu einem öffentlichen Streit aus, Klimt verweigert die Übergabe der Werke an das Unterrichtsministerium.
Er erstattet das bereits gezahlte Honorar zurück.
1907 findet das erste Zusammentreffen zwischen Klimt und Egon Schiele statt. Klimt wird zu einem der wichtigsten Wegbegleiter Schieles.
1908 und 1909 widmet sich Klimt Arbeiten für die Kunstschau. Es finden zwei Ausstellungen statt.
1911 erhält Klimt auf der Internationalen Kunstausstellung in Rom den ersten Preis für sein Werk „Tod und Leben“. Die Meinungen über sein Werk sind wie immer gespalten.
Er empfängt zahlreiche Ehrungen, erntet aber auch viel Kritik.
1916 nimmt Klimt zusammen mit Schiele, Oskar Kokoschka und Anton Feistauer an der Ausstellung des „Bundes Österreichischer Künstler“ in der Berliner Secession teil.
1917 wird Klimt zum Ehrenmitglied der Akademien der Bildenden Künste in Wien und in München ernannt.
Am 6. Februar 1918 stirbt Klimt in Wien an den Folgen eines Schlaganfalls.
FILMOGRAFIE - Raoúl Ruiz (Auswahl)
Geboren 1941 in Chile. Lebt in Frankreich.
Le livre à rendre 2006
Klimt 2005
Le domain perdu 2005
Responso 2005
Díaz de campo 2004
Vertige de la page blanche 2003
Tot unter Lebenden 2003
Ce jour-là 2003
Les âmes fortes 2001
Combat d'amour en songe 2000
Fils de deux meres ou comedie de l'innocence 2000
Die wiedergefundene Zeit 1999
L' inconnu de Strasbourg 1998
Shattered Image 1998
Généalogies d'un crime 1996
Trois vies et une seule mort 1996
Elle 1995
À propos de Nice, la suite 1995
Fado majeur et mineur 1994
Il viaggio clandestino: vite di santi e peccatori 1994
Brise-Glace 1987
Erinnerung an die Erscheinungen 1986
L' éveillé du pont de l'Alma 1985
L' hypothèse du tableau volé 1979
Dora et la lanterne magique 1978
Die Enteignung 1972
Tres tristes tigres 1968
Mensch verstreut und die Welt verkehrt 1967
Auszeichnungen (Auswahl):
47. Internationale Filmfestspiele in Berlin 1997, Silberner Bär für einen herausragenden Beitrag zur Filmkunst
INTERVIEW:
Jeder ist sich selbst am fernsten. Raoúl Ruiz über fließende Bilder und seine Liebe zu Schnitzler, Roth und Polgar.
Sie haben gesagt, dass die Komposition ihres Filmes einem Walzer gleicht. Können Sie das näher erklären?
RAOÚL RUIZ: Damit meine ich nur die Struktur des Films, sicher nicht die Musik. Außerdem bezog ich mich auf La Valse von Ravel. Das ist gar kein richtiger Walzer, sondern wie Ravel selbst sagt, das Porträt, die Fotografie eines Walzers. Wenn ich filme, arbeite ich ähnlich. Ich suche Bilder, die sehr genau eine bestimmte Zeit abbilden, aber gleichzeitig so fließend sind wie nur möglich. Mein Film ist pure Bewegung. Aber ich verwende keine Walzer. Das wäre eine billige Idee gewesen. Das einzige Element, das in KLIMT pausenlos Walzer tanzt, ist die Kamera.
Auch das Drehbuch ist dauernd in Bewegung. Zum Beispiel die Figur des Sekretärs, der auf- und abtaucht, das Geschehen aufhält, es aber auch wieder vorantreibt.
RAOÚL RUIZ: Der Sekretär, gespielt von Stephen Dillane, ist eine Allegorie, ein Symbol für die Staatsmacht in all ihren Facetten. Er verkörpert diese spezielle Form von Beamten, die in jedem Ministerium an jeder Stelle arbeiten könnte und überall kompetent und inkompetent zugleich wäre.
Sie haben von Arthur Schnitzler als einen ihrer Einflüsse gesprochen.
RAOÚL RUIZ: Ich bin Chilene. Wir lieben die Imitation, nur aus der Parodie heraus können wir eigenständige Werke schaffen. Wenn ich an einem Film arbeite, schreibe ich zu jeder Figur eine oder mehrere Kurzgeschichten im Stil berühmter Autoren. Balzac und Stendhal kann ich sehr gut imitieren, bei KLIMT habe ich mich an Schnitzler gehalten, aber auch Joseph Roth und Alfred Polgar waren wichtige Einflüsse. Diese Geschichten sollen den Schauspielern helfen, in ihre Rollen zu finden.
Wäre dieser Film ohne John Malkovich möglich gewesen?
RAOÚL RUIZ: John Malkovich ist ein intelligenter Schauspieler, der auf sein Gespür vertraut und sein Handwerk perfekt beherrscht. Um ihm die Rolle von Klimt zu beschreiben, habe ich ein Zitat von Alfred Polgar verwendet, wonach jeder Mensch sich selbst am fernsten ist. Malkovich versteht solche Sätze. Das macht seine Qualität aus. Als wir zum ersten Mal über den Film sprachen, meinte er, er würde nur interessiert sein, wenn es keine Biografie wird. ”Ich mache keine Biografien!” Das war ihm ein Anliegen. So wie andere Schauspieler sagen: ”Ich nehme keine Drogen!”
FILMOGRAFIE - John Malkovich (als Darsteller, Auswahl)
Geboren 1953 in Illinois, USA.
Klimt 2005
Art School Confidential 2005
Per Anhalter durch die Galaxis 2005
Johnny English 2003
Hideous Man 2002
Ripley's Game 2002
Ich geh' nach Hause 2001
Der Obrist und die Tänzerin 2001(auch Regie)
Ghost World 2000
Shadow of the Vampire 2000
Die wiedergefundene Zeit 1999
Being John Malkovich 1999
Johanna von Orleans 1999
Rounders 1998
Der Mann in der eisernen Maske 1997
Con Air 1997
Nach eigenen Regeln 1996
Mary Reilly 1996
Portrait of a Lady 1995-1996
Der Unhold 1995-1996
Jenseits der Wolken 1995
O convento 1995
In The Line Of Fire - Die zweite Chance 1993
Überleben! 1993
Jennifer 8 1992
Von Mäusen und Menschen 1992
Schatten und Nebel 1991
Himmel über der Wüste 1990
Gefährliche Liebschaften 1988
Die Reisen des Mr. Leary 1988
Das Reich der Sonne 1987
The Killing Fields - Schreiendes Land 1984
Interview
Ein einzigartiger Moment in der Geschichte - JOHN MALKOVICH über sein Verhältnis zu Klimts Wien und seine Abscheu vor herkömmlichen Künstler-Biografien.
Gustav Klimt ist wahrscheinlich der bedeutendste Maler der österreichischen Kunstgeschichte, gleichzeitig ein herausragender Vertreter einer bedeutenden Epoche. Wie sind Sie dieser Figur nahe gekommen? Wurden Sie von seinen Bildern inspiriert?
JOHN MALKOVICH: Viele Menschen malen Bilder, aber das ist noch lange kein Grund, einen Film über sie zu machen. Außerdem ist es wirklich unangenehm schwierig, die Gefühlswelt eines Malers in Filmbilder zu übertragen. Ich habe diese Rolle vor allem übernommen, weil Raoúl Ruiz, mit dem ich schon zweimal zuvor gearbeitet hatte, für Regie und Drehbuch verantwortlich war.
Was hat Ihnen am Drehbuch gefallen?
JOHN MALKOVICH: Ich fand gut, dass es keine herkömmliche Künstler-Biografie ist, so etwas liest man doch viel lieber, das muss man wirklich nicht auch noch im Kino sehen. Raoúl Ruiz praktiziert in seinen Filmen eine schwer zu definierende, fast flüssige Herangehensweise an die Welt. Gleichzeitig hat er eine sehr klare Vorstellung von dem, was er will. Das gefällt mir. Ich meine, etwas Improvisation ist schon in Ordnung, aber wenn einer dauernd nur improvisiert, wozu ist er dann noch Regisseur?
Glauben Sie, dass die Stadt Wien zur Zeit von Gustav Klimt ein besonderer Ort mit besonderen Menschen war?
JOHN MALKOVICH: Ja, davon bin ich überzeugt. Damals trafen so verschiedene Felder wie Kunst, Architektur, Philosophie und Psychiatrie aufeinander, es wurde wild diskutiert und analysiert, weil wirklich alle glaubten, damit gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten. Ich bin überdies der Meinung, dass dieser Moment einzigartig war, ich kenne keinen zweiten in der Geschichte.
KLIMT wurde an Originalschauplätzen in und um Wien gedreht. Haben Sie da noch etwas von der Aura dieser Zeit gespürt?
JOHN MALKOVICH: Als Stadt hat Wien eine verführerische, sehr weibliche Seite an sich, die diese Stimmung sicher unterstützt. Aber im Grunde konzentriert man sich als Schauspieler auf den Job und nicht auf die Stadt.

FILMOGRAFIE - Veronica Ferres (Auswahl)
Geboren 1965 in Solingen, Deutschland.
Die Frau vom Checkpoint Charly 2006
Mein alter Freund Fritz 2006
Vom Ende der Eiszeit 2006
Die wilden Hühner 2005
Neger, Neger, Schornsteinfeger 2005
Bye, Bye Harry 2005
Klimt 2005
Kein Himmel über Afrika 2004
Sterne leuchten auch am Tag 2004
Die Rückkehr des Tanzlehrers 2003
Stärker als der Tod 2003
Annas Heimkehr 2003
Für immer verloren 2002
Die Manns – Ein Jahrhundertroman 2001
Bobby 2000
Sans famille 2000
Les Misérables – Gefangene des Schicksals 2000
Die Braut 1999
Late Show 1999
Ladies Room 1998
Jack's Baby 1998
Eine ungehorsame Frau 1997
Rossini 1996
Doktor Knock 1996
Honigmond 1995
Die Chaos –Queen 1995
Fatale Mutterliebe 1995
Das Superweib 1995
Tonino und Toinette 1994
Voll normaaal 1994
Katharina die Große 1993
Tatort – Alles Palermo 1993
Der Papagei 1992
Tatort...und die Musi spielt dazu 1992
Unser Lehrer Dr. Specht 1991-1993
Schtonk! 1991
Tatort – Blutspur 1989
Die zweite Heimat 1989
Auszeichnungen (Auswahl):
Bambi in der Kategorie “Schauspiel” 2005
DIVA-Award für ”Kein Himmel über Afrika” 2005
Bayerischer Fernsehpreis für ”Annas Heimkehr”,
”Für immer verloren” und ”Stärker als der Tod” 2004
Romy-Preis für "Die beliebteste Schauspielerin des Jahres in Österreich” 2002
Bayerischer Fernsehpreis für ”Die Manns” 2002
Goldene Kamera für ”Bobby” 2002
Adolf-Grimme-Preis in Gold für ”Die Manns” 2002
”Beste Schauspielerin” für ”Die Braut”,
9. Internationales Film-Festival Pescara, Italien 1999
Goldene Kamera für ”Rossini”, ”Die Chaos Queen”,
”Doktor Knock” und ”Eine ungehorsame Frau” 1998
Bambi für ”Schtonk! 1992
INTERVIEW
So etwas wie Heimat - Veronica Ferres über eine sehr moderne und unkonventionelle Liebe.
Gustav Klimt hatte viele Musen. Sie aber spielen die Frau, die ihm am wichtigsten war.
VERONICA FERRES: Emilie Flöge war die einzige Frau, die ein Leben lang an Klimts Seite war. Durch ihre Kontakte fand Klimt Kundinnen für seine Porträts. Die beiden hat eine große Liebe verbunden, die sehr modern und sehr unkonventionell war. Emilie Flöge hat begriffen, dass sie ab einem gewissen Punkt ihrer Beziehung dem Genie Klimt nicht mehr das geben konnte, was er brauchte, um inspiriert zu sein. Da hat sie ihm die Modelle und Geliebten nicht nur ausgesucht und zugespielt, sondern auch mit einer unglaublichen Offenheit darüber gesprochen. Er hatte mit Sicherheit auch Angst davor, weil er sich selber kannte. Jede Verliebtheit, jede Leidenschaft war bei ihm ein Strohfeuer, das schnell brannte, aber genauso schnell auch wieder erlosch. Mit dem Verglimmen der Leidenschaft beendete Klimt auch immer die Beziehungen zu seinen Geliebten. Und das wollte er mit Emilie nicht riskieren. Sie war die einzige, die ihn seelischen aufbauen konnte. Für Gustav Klimt war Emile Flöge so etwas wie Heimat.
Nun mussten Sie diese Leidenschaft zwischen Emilie Flöge und Gustav Klimt auch spielen. Wie sehr kam Ihnen da John Malkovich entgegen?
VERONICA FERRES: Wir spielen keine Leidenschaft, wir spielen Liebe. Diese tiefe Seelenverwandtschaft, diese komplexe Verbundenheit von zwei Menschen, die im Schulterschluss durch Dick und Dünn gehen. Emilie hat Klimt immer wieder aus finanziellen Engpässen herausgeholt. Sie hat ihn der Gesellschaft wie in der Politik für ihn Fürsprache gehalten. Und sie hat ihm auch durchaus mitgeteilt, wenn mal wieder eines seiner vielen unehelichen Kinder auf die Welt kam, weil sie wusste, wie er sich darüber freut. Diese Vielschichtigkeit, diese Sehnsucht, diese Sinnlichkeit, und all das Gebrochene dahinter zu spielen war für mich eine ganz große Herausforderung – besonders an der Seite von John Malkovich, der nicht nur ein perfekter Gustav Klimt ist, sondern überhaupt ein Traumpartner. Es ist auch so, dass John Malkovich ein unglaublich begabter Zeichner ist. In Drehpausen sitzt er immer und zeichnet und malt, es gibt viele Parallelen, die ich zwischen beiden sehe.
War es für Sie wichtig, dass KLIMT an Originalschauplätzen gedreht wurde?
VERONICA FERRES: Natürlich, das ist schon sehr inspirierend. Man hat als Schauspieler schon beim Lesen des Drehbuchs immer ein bestimmtes Bild der Szene vor Augen, das wird dann meistens enttäuscht. Bei diesem Film wurde es immer übertroffen.

FILMOGRAFIE - Saffron Burrows (Auswahl)
Geboren 1973 in London, Großbritannien.
Klimt 2005
Perfect Creature 2005
Troja 2004
El misterio Galindez 2003
Frida 2002
Hotel 2001
Enigma - Das Geheimnis 2001
Time Code 2000
Gangster No. 1 2000
Miss Julie 1999
Deep Blue Sea 1999
Wing Commander 1998
The Loss of Sexual Innocence 1998
Nevada 1997
Heirat nicht ausgeschlossen 1997
Hotel de Love 1996
Circle of Friends - Im Kreis der Freunde 1995
Interview
Mindestens so viele Fragen wie Antworten - Saffron Burrows über die Herausforderung, ein Geheimnis zu spielen.
Erzählen Sie mir etwas über ihre Rolle. Sie scheint die einzige Frau zu sein, die mit Klimt spielt, während sonst immer er derjenige ist, der mit den Frauen spielt.
SAFFRON BURROWS: Das Problem mit diesem Film ist, dass er mindestens so viele Fragen stellt, wie er Antworten gibt. Immer wenn man glaubt, man weiß, wohin die Geschichte führt, ändert das Drehbuch sofort seine Richtung. Für mich als Schauspielerin sind das gute und schlechte Nachrichten zugleich – immerhin muss ich eine Frau darstellen, die sich dauernd ändert, die immer für eine Überraschung gut ist. Sie versucht gar nicht unbedingt ein Geheimnis zu sein. Aber trotzdem ist sie eines.
Wie würden Sie Raoúl Ruiz beschreiben?
SAFFRON BURROWS: Er bringt mich zum Lachen. Er ist ein außerordentlicher Regisseur. Und er ist absolut unfähig, direkt auf eine Frage zu antworten. Wenn ich ihn zum Beispiel frage: ”Ist die Figur, die ich im Film spiele, eine Französin? Oder hat sie doch eher etwas mehr von einer Italienerin? Was glaubst du?”
Na ja, würde Raoul Ruiz dann antworten, es gibt einen griechischen Mythos über einen Apfel, der vom Baum fällt und so weiter und so fort. Als Schauspielerin gefällt mir das sehr gut. Mit Raoúl Ruiz zu arbeiten ist eine Herausforderung. Seine Filme haben Textur und Tiefe. Das tut mit gut.
Filmografie - Stephen Dillane
Geboren 1957 in London, Großbritannien.
Klimt 2005
Nine Lives 2005
Das größte Spiels eines Lebens 2005
Goal! 2005
Haven 2004
King Arthur 2003
The Gathering 2003
The Truth about Charlie 2002
The Hours 2002
The Parole Officer 2001
Spy Game - Der finale Countdown 2001
Ein ganz gewöhnlicher Dieb - Ordinary Decent Criminal 2000
Love & Rage 1999
The Darkest Light 1999
Déjà vu 1997
Verborgenes Feuer 1997
Welcome to Sarajevo 1997
Gestohlene Herzen 1995
Hamlet 1990
INTERVIEW
Zwischen Realität und Erinnerung - Stephen Dillane über seine Rolle als der Sekretär.
Sie spielen den Sekretär. Gibt es diese Figur im Film wirklich oder ist sie nur eine Vision, die in Klimts Fantasie existiert?
STEPHEN DILLANE: In meiner Interpretation ist der Sekretär eine Figur, die Klimt wirklich in Paris getroffen hat, die sich aber im Laufe der Handlung immer mehr zu einem Trugbild hin entwickelt. Er entfernt sich ebenso sehr von der Realität wie sich Klimt selbst von der Realität entfernt. Aber ich könnte mich natürlich auch irren. Ich bin ja nur der Schauspieler.
Trotzdem ist es vielleicht gerade diese Figur, in der man die Arbeitsweise von Raoúl Ruiz am besten erkennen kann.
STEPHEN DILLANE: Das mag sein. Der Sekretär verkörpert all diese verschiedenen Ebenen zwischen Realität und Erinnerung. Was existiert? Was existiert nicht? Was glauben wir nur, dass es existiert? Was wollen wir nur, dass es existiert?
Waren sie schon vor diesem Film mit Klimt und seiner Zeit vertraut?
STEPHEN DILLANE: Nicht sehr. Deshalb habe ich auch viele Nuancen des Drehbuchs beim ersten Studium schlicht überlesen. Ich musste mich erst mit dieser speziellen Zeit vertraut machen, um Raoúl Ruiz zu verstehen. Aber dann hat mich diese Periode fasziniert. Sie gehört zu diesen kurzen, genialen Momenten der Geschichte, wo unglaublich verschiedene kreative und intellektuelle Richtungen an einem Ort zusammentreffen, sich gegenseitig beeinflussen und befruchten, ohne dass irgendwer sagen kann, warum das eigentlich so ist.

FILMOGRAFIE - Nikolai Kinski
Geboren 1976 in Paris, Frankreich
Klimt 2005
Aeon Flux 2005
Dirty Sky 2002
Tortilla Soup 2001
Jamila 1994
INTERVIEW
Nur an die Bilder denken - Nikolai Kinski über seine Rolle als Egon Schiele.
Egon Schiele ist ein Künstler, dessen äußere Erscheinung vor allem wegen seiner vielen Selbstporträts als allgemein bekannt gilt. Wie schwer ist es, so eine quasi öffentliche Figur zu spielen?
NIKOLAI KINSKI: Was Sie sagen gilt vielleicht für Österreich, außerhalb von Österreich ist es nicht ganz so. Ich etwa bin erst durch dieses Projekt auf Egon Schiele aufmerksam geworden, erst nach einem Treffen mit Raoúl Ruiz habe ich in der Albertina meine ersten Schiele-Zeichnungen gesehen. Aber seitdem bin ich besessen. Seine Bilder und sein Leben lassen mich nicht mehr los. Das ist mir noch nie vorher passiert. Seine Linien brennen Löcher in mein Unterbewusstsein. Ich fühle mich extrem glücklich, dass ich eine Künstler spielen darf, dessen Werk mich dermaßen begeistert.
Sie haben durch die Bilder zur Figur gefunden?
NIKOLAI KINSKI: Unbedingt. Natürlich habe ich mich auch mit Schieles Leben beschäftigt. Aber schon als ich vor seinen Bildern stand, hatte ich das Gefühl, genau zu wissen, was es bedeutet haben muss, dieser Mensch zu sein. Fakten und Zahlen waren nur noch Hintergrund. Um Schiele zu werden, musste ich nur an seine Bilder denken. Das war eine absolut neue Erfahrung für mich. So habe ich mich noch nie zuvor einer Rolle genähert. Seine Selbstporträts waren der Ausgangspunkt. Ich musste sie nur zum Leben erwecken.

Anmerkungen des Regisseurs
von Raoúl Ruiz
Es ist kein leichtes Unterfangen, diese Gedanken zu Papier zu bringen. Doch begann ich mich, zu meiner Überraschung, während des Schreibens als Medium für Karl Kraus' Geist zu fühlen, als ich mich während eines Mittagschläfchens dabei ertappte, wie ich ihn um Rat fragte. So gesehen, bin ich nicht dafür verantwortlich (denn ich habe eher ein friedfertiges Temperament), wenn irgendeine Unverschämtheit im Text vorkommen sollte.
Dieser Film ist keine lineare Darstellung des Lebens und der Zeit Gustav Klimts. Er ist vielmehr eine Fantasie, oder wenn man so will, Fantasmagorie – ähnlich einem seiner Bilder, in welchem sich Material und imaginäre Figuren vereinen und um einen Mittelpunkt kreisen, nämlich um den Maler Klimt. Ich beabsichtige, die einzigartigen stilistischen Merkmale seiner Kunst, die vorherrschende Schönheit, das Übermaß an Farbe, die räumliche Verzerrung sowie die komplexen Sichtwinkel hervorzuheben, um eine der reichsten, widersprüchlichsten und unheimlichsten Epochen der modernen Geschichte zum Leben zu erwecken und zu beleuchten.
Der Film wird in der Erzählweise Arthur Schnitzlers gebracht, vielleicht nicht nur der wienerischste, sondern auch der weithin berühmteste Autor der Epoche. Ausgestattet mit einer kreisförmigen Erzählstruktur, vermischen sich Traum und Wirklichkeit, Vernunft und Wahnsinn in seinen Dramen. Schnitzlers Lesepublikum zu Beginn des 20. Jahrhunderts war schockiert und verwirrt, und einige Leser dieses Drehbuchs sind es heutzutage vermutlich auch… aber irgendwie scheint das ganz normal. Übrigens, sogar der Wiener Walzer schockierte damals. Dieser Film ist, in vielfacher Hinsicht, genauso ein Walzer: sich unaufhörlich drehend, immer schneller, Schwindel erregend und belebend. In der Tat hatte ich während der ganzen Zeit Ravels „La Valse“ in meinem Kopf, welcher auch mit unheimlicher Rasanz bis zum Höhepunkt kommt, um umso unerwarteter und abrupter zu enden.
Allgemeiner ausgedrückt, möchte ich andeuten, dass nichts endgültig gesichert und unumstößlich ist. Es gibt keine Gewissheit in Bezug auf das Wahrnehmen – zutiefst durch Klimts eigenes Schicksal veranschaulicht, nämlich durch seine sich durch die Syphilis verschlechternde geistige Verfassung. Räume werden sich nicht wahrnehmbar durch die Bewegung von Gegenständen und Wänden verändern; die Lichtquelle wird wechseln, die Bewegungen des Schauspielers werden choreographiert und die Handlung fragmentiert. Es würde zu weit führen, all diese technischen Vorgänge zu beschreiben, doch eines sei noch hinzugefügt: In meinem Proust-Film „Le temps retrouvé“ verwendete ich über 60 stilistische Effekte, und ich denke, in diesem Film ist das Doppelte erreichbar.
Nun aber zum Inhalt: Zuerst treffen wir den Maler Klimt in seiner Todesstunde, wie er sich an eine bestimmte und verborgene Episode in seinem Leben erinnert – seine leidenschaftliche Liebesaffäre mit der welterfahrenen Tänzerin Lea de Castro. Während eines Paris-Aufenthaltes trifft er zunächst eine Schauspielerin, die sich als falsche Lea ausgibt, aber verspricht, ihn zur echten Lea zu führen, die er zuvor in einem Film von Méliès sah. Von dieser ersten Begegnung an drehen sich zahlreiche weitere Episoden um dieses zentrale Thema, die Liaison mit dieser Frau, die tatsächlich zwei oder drei verschiedene Frauen verkörperte. Eine Affäre, die von fehlgeschlagenen Rendezvous und brennender Sehnsucht gekennzeichnet ist. All das vor dem Hintergrund eines sterbenden Habsburger Reiches und eines hypen Wiens des ausklingenden Jahrhunderts: Eine Ansammlung von genialen Geistern, Intrigen und sexuellen Spannungen tritt gelegentlich in den Mittelpunkt des Geschehens. Der Film bewegt sich in einer Zeit des gewaltigen Umbruches, gekennzeichnet von der Geburt des künstlerischen und persönlichen Individualismus. Für Klimt bedeutet dies jedoch, alle gesellschaftlichen und häuslichen Zwänge abzulegen, um als Pionier dieser neuen Strömung zu fungieren. Er erreicht dies einerseits mit romantischen Abenteuern und andrerseits mit der Normalität eines Familienlebens. Tragischerweise werden jedoch die Abenteuer zur Routine und das Familienleben zum Wahnsinn.
Ich erwarte mir Kritik an diesem Drehbuch, ähnlich jener, die einst an der Darstellungsweise von Klimts Kunst geübt wurde. Nämlich dass er dem Detail vor dem Ganzen den Vorzug gab, dem Ornamentalen vor dem Expressiven. Aber diese Tendenz repräsentiert diese ganze Epoche, wie sie in diesem Film wiedergegeben wird – wo sich die Menschheit im Detail verliert (um nicht zu vergessen, dass auch der Teufel im Detail liegt). Der Film ist voll der Schönheit, Freude und Dekadenz dieser Ära, wird aber auch gezügelt von Todesahnungen. Ich hoffe, dass dieser Film das Ende einer Ära reflektiert.
Ja, in diesem Film ist der Tod fröhlich: Um mit Karl Kraus zu enden, „nur der Tod lügt nicht.“
Raoúl Ruiz (in posthumer Zusammenarbeit mit Karl Kraus)
März 2004
Der Roman zum Film von Christine Eichel – erschienen bei List
Gustav Klimt – ein Ausnahmekünstler, der Werke von faszinierender Ausdruckskraft, Leidenschaft und Sinnlichkeit schuf. Seiner Zeit weit voraus, wurde er in Paris gefeiert und zu Hause in Wien als Provokateur verdammt.
In ihrem Roman entführt uns Christine Eichel in das Wien des Fin de Siècle und zeichnet ein schillerndes Porträt des großen Malers, der seine Bilder wie sein Leben den Frauen widmete.
Die Autorin
Christine Eichel arbeitete als Autorin, Regisseurin und Moderatorin fürs Fernsehen und lehrte drei Jahre als Gastprofessorin an der UdK Berlin. Sie hat bereits mehrere Romane veröffentlicht und ist außerdem Ressortleiterin beim Politischen Monatsmagazin Cicero. Ihr Roman Klimt beruht auf dem Drehbuch von Raoul Ruiz.
Christine Eichel: Klimt
Roman zum Film, mit vierfarbigem Bildteil
224 Seiten
Originalausgabe
€ (D) 8,00 / € (A) 8,30 / sFr 14,80
ISBN-13: 978-3-548-60609-5
ISBN-10: 3-548-60609-1
KLIMT
Ein photographischer Essay von Konrad Rufus Müller
Der international bekannte deutsche Fotograf, Konrad Rufus Müller, der „Kanzlerfotograf“, begleitete für einige Tage die Dreharbeiten mit seiner Kamera: Das Resultat sind 34 grandiose Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die nun hier präsentiert werden. Es ist nicht das Buch zum Film, nein es ist, wie Konrad Rufus Müller es nennt, ein „photographischer Essay“.
Konrad Rufus Müller: geb. in Berlin, wollte eigentlich Schauspieler werden, danach Maler, schließlich landete er bei der Photographie und ist als der „Kanzlerphotograph“ berühmt geworden. Er hat sie alle porträtiert: Adenauer, Brandt, Schmidt und Schröder. Wenn es in Deutschland keine Kanzler mehr zum Porträtieren gab, fuhr Müller zu Kreisky, Mitterand und Putin. Konrad Rufus Müller ist der Fotograf für Amt und Würden, ein Zeremoniemeister mit der Kamera.
Bibliographische Angaben:
Klimt
Ein photographischer Essay von Konrad Rufus Müller
Akademische Druck- u. Verlagsanstalt, Graz 2005
96S, 34 SW-Aufnahmen, geb. mit SU, 28x22cm
ISBN: 3-201-01859-7
EUR 29,90
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