Juno ist eigentlich einer dieser Filme, die das Zeug zum Geheimtipp hätten...wenn nicht schon die ganze Welt gemerkt hätte, dass es ein toller Film ist.
Und zwar ein wirklich sehr schöner Film.
Der Film schafft nämlich so ziemlich die perfekte Vermischung aus Spaß und Ernst. Man kann mit Juno und ihrer Umgebung genug lachen um den Film noch als höchst amüsante schwarzhumorige Komödie durchgehen zu lassen und der Film vermittelt genug Gefühl um nicht alles zu belanglos wirken zu lassen.
Gerade an letzterem hat natürlich auch Ellen Page, Kanadas neuer Shooting Star enormen Anteil. Sie bietet eine sehr gute Darstellung der, auf der einen Seite schon fast erwachsenen, auf der anderen Seite aber auch noch furchtbar unreifen Juno. Und das in so ziemlich jeder Lebenslage, von der wir ja durchaus einige im Film durchgehen
Doch nicht nur sie glänzt. Mir haben ebenfalls Michael Cera, der auf den Loser getrimmt war, dem man aber auch ansieht, dass er wohl durchaus anders kann, und Jennifer Garner sehr gut gefallen. Jason Bateman hat kaum etwas anderes zu tun denn in fast jeder Einstellung verschmitzt zu grinsen, hier war demnach garnicht viel Raum für echte Bemühungen.
Jason Reitmann hat als Regisseur anständige Arbeit geleistet, gerade auch was die Führung der Schauspieler angeht, tatsächlich reicht es aber in fast keiner Weise an die beiden Oscar-Vergleichsfilme heran, die ich auch bisher gesehen habe, Tony Gilroy für Michael Clayton Joe Wright für Abbitte.
Die echten Stärken von Juno liegen woanders. Versteht mich nicht falsch, die Inszenierung ist absolut in Ordnung, teilweise sehr gut, mit äußerst interessanten Details aber im Vergleich nicht ausdrucksstark genug.
Die wahre Stärke ist, wie bereits erwähnt, die Verbindung aus Humor und dem ernsten Thema, mit allen Problemen die so eine Schwangerschaft eben mit sich bringt. Dabei kann ich es nur als Segen betrachten, das der Fokus stark auf der Person Juno und den Personen in ihrer direkten Umgebung liegt. Dass man all die Themen (hauptsächlich High School-Dinge), bei denen man das Gefühl gehabt hätte, sowas schon hundert mal gesehen zu haben, außern vor gelassen hat.
Ein besonder schöner Lacher:
SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
Su-Chin: Nein danke, ich bin runter von den Pillen.
Juno: Eine gute Entscheidung, denn ich kenne da dieses Mädchen das total ausgeflippt ist nachdem es zuviel genommen hatte und sich dann die Kleider vom Leib gerissen hatte, in den Springbrunnen der Ridgdale Mall gesprungen ist und gerufen hat: "Blah...ich bin der Kraken aus dem Meer."
Su-Chin: Ich habe gehört das warst du...
SPOILER ENDE
Insgesamt ein einfach sehr erfrischender Film, der den Independentgedanken hinter der Story mit einer großen Portion schauspielerischer Klasse und viel Hunor verbindet. Was herauskommt ist ein zurecht erfolgreicher und gefeierter Film, der mit seiner Erfolgsgeschichte vllt etwas zur Konsolidierung von Hollywood beitragen könnte.
Konsolidierung in dem Sinne, dass man weg geht von den ganz großen Budgets, von den ganz aufgeplusterten Filmen und seinen Blick mehr dahin richtet wo es noch echte Filmperlen gibt.
Kann den Film nur empfehlen. Und dass er nicht nur mir sehr gut gefallen hatte bewies mir ein Blick in die Gesichter der anderen ca. 100 Zuschauer, von denen keiner unzufrieden dreinblickte.
Sehr gute
8,5/10 alte Sessel.