Eine Ausgrabungsstätte tief im mexikanischem Dschungel. Sechs Junge Menschen, die ein harmloses Abenteuer erleben wollten und den blanken Horror erleben. Gefangen zwischen blutrünstigen Mayas und einem bluthunrigem Wesen müssen sie um ihr überleben kämpfen. Scott B. Smiths Roman "Dickicht" ("The Ruins") erzählt diese Geschichte, welche mit "Ruinen" zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung seine Verfilmung findet.
Gestern lief also "Ruinen" in meiner Sneak Preview und ich habe mich wirklich gefreut, weil das Kinodebüt von Regisseur Carter Smith mein Most Wanted-Film seit Monaten war. Wurde ich enttäuscht: ein klares "Nein", wurde ich komplett zufrieden gestellt: ebenfalls ein "Nein", auch wenn ich insgesamt mit der filmischen Umsetzung sehr zufrieden bin.
Eine weinende Frau, ein klingelndes Handy und ein Angriff von Hinten. So beginnt der Horror-Schocker "Ruinen", düster und atmosphärisch. Nach einer Kamerafahrt über den mexikanischen Dschungel schlägt es ins Gegenteil um. Wir sehen die Freundinnen Amy und Stacy, die mit ihren Freunden Jeff und Eric am Pool ihres Hotels sitzen. Sie relaxen, haben Spaß, trinken... und lernen schließlich drei Griechen sowie den deutschen Matthias kennen. Dieser berichtet ihnen, dass er mit seinem Bruder in Mexiko ist, welcher mit einer Archäologin zu einer Ausgrabungsstätte gefahren ist, bisher aber nicht wieder aufgetaucht ist. Kurzerhand beschließen die vier, sich mit ihm und einem der Griechen - Dimitri - auf die Suche nach seinem Bruder zu begeben.
Die Anfahrt ist kompliziert, doch kaum im Dschungel angekommen entdecken sie die Ausgrabungsstätte und werden von Mayas umzingelt, die sie mit Waffen bedrohen. Es gibt ein Gerangel und den ersten Toten, die restlichen fünf fliehen auf den Hügel, auf dem sie ein Zelt, aber keine Menschenseele finden. Sie wissen nicht, wie sie von dort wegkommen sollen, doch dann klingelt ein Handy in der Ausgrabungsstätte. Matthias wird herabgelassen, das Seil reißt und er verletzt sich schwer. Es beginnt eine Rettungsaktion, doch noch weiß keiner der fünf, dass nicht nur die Mayas eine Gefahr darstellen, sondern alles, was sich in um der Ausgrabungsstätte herum befindet! Die Pflanzen um sie herum entwickeln ein Eigenleben und fordern Menschenfleisch! Ein Kampf ums nackter Überleben beginnt, denn das Wasser und Proviant ist ebenfalls knapp.
Abgeschottet von der Außenwelt und kaum Hoffnung tragen zu Konflikten bei, trotz der ohnehin schon schwierigen Situation und für mich wird dies sehr gut dargestellt. Überall lauern Bedrohungen, Mayas, fleischfressende Pflanzen mit Eigenleben, kaum Nahrung und Wasser. Das sind zwar ziemlich viele Bedrohungen, aber im Film ist das alles schlüssig und passt ins Konzept.
Ich habe das Buch von Scott B. Smith gelesen und muss sagen, dass es eines der interessantesten und spannendsten Bücher war, die ich seit langem gelesen habe. Es war packend, schockierend und ziemlich... überraschend! Ich wusste zwar wegen dem Trailer bereits, dass es ein paar Änderungen im Film geben wird, aber dass es so viele und gravierende sein würden, damit hätte ich nicht gerechnet. Aber ich bin auch der Meinung, dass der Film dadurch nicht unbedingt schlechter geworden ist, das Gegenteil ist leider auch nicht eingetroffen. Wäre die Handlung so wie im Buch verlaufen, hätte es keinen Zuschauer gegeben, der nicht überrascht gewesen wäre, somit blieb dieser Effekt zwar aus, aber ich bin nicht enttäuscht, dass es so gekommen ist.
Ich denke, ich gehe im Folgenden nach dem Pro/Contra-Prinzip vor, weil ich einiges zu schreiben habe, alleine schon weil ich das Buch kenne und großer Fan des Romans bin. Da ich mehr Positives zu berichten habe, fange ich einmal mit den negativen Dingen an!
Wie geschrieben fallen die meisten Änderungen des Buches nicht so stark ins Gewicht, doch zwei kleine Dinge haben mich schon gestört. Zunächst wäre da die Tatsache, dass das erste Opfer zu beklagen ist, bevor die Opferstätte der Mayas überhaupt betreten wurde. Das war im Buch anders. Eigentlich fand ich das auch schade, somit wurde auch der spätere Verlauf verändert, was ein klein wenig Spielraum mehr hätte füllen können. Weiter fand ich die Änderung am Ende ziemlich typisch, aber was will man machen. Es ist okay, jedoch hätte der Showdown etwas länger ausfallen können.
Weiter ist mir ein Logikfehler aufgefallen, den ganz gewitzte Zuschauer auch bemerkt haben könnten, Leute die das Buch gelesen haben müssten einen kleinen Fehler erkennen. Es geht darum, dass die Pflanzen Geräusche imitieren können und Stacy ihren Freund Eric "stöhnen" hört. Sie hat gleich eine böse Vermutung, aber wie kann die Pflanze das Stöhnen nachmachen? Im Buch gab es dazu eine gewisse Szene, da die im Film weggelassen wurde, hätte man die Eifersuchtsszene auch weglassen können.
Das war zwar nur eine Kleinigkeit, aber es ist mir halt aufgefallen und wenn ich ganz ehrlich bin, fällt mir persönlich jetzt gar nichts negatives mehr ein. Eine sehr patriotische Szene von wegen vier Amerikaner können im Urlaub nicht verschwinden und eine dazugehörige Ansprache oder ein paar kleine Ungereimtheiten sind, zumindest mir, kaum negativ aufgefallen.
Wenn ich noch etwas negativ anmerken müsste, würde ich die Brutalität nehmen, denn die war wirklich heftig. Es ist nicht wirklich ein Minuspunkt, aber ein paar Szenen taten beim Zuschauen weh und dass der Film eine Freigabe ab 16 bekommen hat grenzt für mich an ein Wunder. Trotz der Brutalität wird noch eine Unrated-Version des Films erscheinen, welche noch blutiger sein soll, als die Kinoversion.
Wo ich die Brutalität noch als kleinen Negativpunkt aufgezählt habe, möchte ich sie auch positiv ansprechen, wo ich direkt zu meinen positiven Dingen am Film komme. Die Brutalität fand ich persönlich heftig, vielleicht sogar ein wenig zu heftig, besonders wenn man die Freigabe bedenkt (aber da kann ja der Film nichts für), aber alleine die Tatsache, dass es beim Zusehen fast wehtut, hat es mir ermöglicht, mitzufiebern. Es gab wirklich ein bis zwei Szenen, bei denen dachte ich nur: "Wenn das jetzt Wirklichkeit wäre... Autsch".
Wirklich positiv ist die Story, die sehr unverbraucht daherkommt. Im mexikanischen Dschungel, eine Opferstätte der Maya wird zum Schauplatz eines Horrortrips, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Wie ich bereits geschrieben habe bin ich ein Fan der Romanvorlage und storytechnisch wurde der Film sehr gut umgesetzt. Änderungen beziehen sich lediglich auf die Charaktere, einiges wurde umgewandelt, was ich jedoch auch nicht so schlecht fand und schließlich das Ende, welches ich persönlich nicht so toll finde wie das im Buch, aber naja. Fast alle Ideen vom Autor wurden übernommen und das finde ich sehr gut!
Ebenfalls sehr gut finde ich die Atmosphäre. Der Beginn ist sehr düster, dann ist die Stimmung locker, die Charaktere werden vorgestellt und man lernt sie etwas kennen. Dann geht es auf den Ausflug und von der einen auf die andere Sekunde ändert sich wieder alles. Es wird wieder sehr düster, die Situation scheint aussichtslos. Das kam, zumindest bei mir, auch so rüber! Ich habe auf der Leinwand einen Survival-Horrortrip erlebt, dem ich in fast jeder Sekunde geglaubt habe, abgesehen vielleicht von einer Onkel Doktor Szene, die im Film nicht so gut wie im Buch gelöst wurde. Und wenn es in die Ruinen geht ist die Atmosphäre sehr düster und bei einem Besuch in den Ruinen wurde es auch ziemlich spannend.
Auch wenn man das Buch kennt, kann der Film spannend sein. Zwar gibt es einige negativen Kritiken, aber wenn man sich in dem Genre wohlfühlt, dann könnte "Ruinen" durchaus etwas taugen. Das schreibe ich, weil die Situation im Film zwar die Gleiche ist, aber weil die Änderungen auch für den Leser bedeuten, dass man nicht weiß, was als nächstes passiert, oder wem. Trotz negativer Kritiken habe ich mich als Fan des Romans auf den Film und auf die Änderungen eingelassen und wurde mit einem für mich spannenden Film belohnt.
"Ruinen" kommt zwar mit ein paar bekannten jungen Darstellern aus, deren Gesichter aber noch nicht für die Leinwand verbraucht sind und die auch nicht jeder kennen wird. Auf die komme ich gleich noch einmal zu sprechen, aber jedenfalls waren sie nicht sehr teuer, wie sonst soll der Film mit 8 Mio. Dollar Budget ausgekommen sein, obwohl die Aufmachung sowie die Effekte sehr hochwertig sind? Da können die Macher es locker verkraften, dass der Film in den USA nicht sonderlich gut lief, aber alleine dort mehr als das doppelte seiner Kosten wieder einspielen konnte. Das eigentlich relativ niedrige Budget sieht man dem Film in keinster Weise an. Seien es die Gore-Szenen, die wirklich gut gemacht sind oder die ein oder anderen Effekte, hier sah alles ziemlich echt aus!
Carter Smith hat meiner Meinung nach einen sehr guten Horrorfilm gemacht, für sein Kinodebüt auf alle Fälle nicht schlecht. Ich muss aber eigentlich noch viel mehr loben. Die Kulissen sind wirklich toll und bringen eine gute Atmosphäre rüber. Ebenfalls ist mir der Score aufgefallen, der besonders in den hektischeren Momenten zu packen weiß.
Dann komme ich jetzt noch einmal auf die Schauspieler zu sprechen und ich befinde mich immer noch auf der Pro-Seite, denn die jungen Schauspieler machen ihre Sache wirklich gut.
Shawn Ashmore spielt zum Beispiel in den "X-Men"-Filmen mit und dürfte einigen bekannt sein. In "Ruinen" liefert er eine gute und glaubhafte Leitung ab. Auch Joe Anderson, bekannt aus "Across the Universe", der eigentlich Brite ist, hier aber einen Deutschen spielt, macht seine Sache wirklich gut und ist verdammt überzeugend. Dann gibt es da noch Jonathan Tucker, den ich aus vielen Nebenrollen kenne und hier endlich mal eine größere Rolle hat.
Dann komme ich einmal zur weiblichen Darstellerriege des Films, wo wir Jena Malone und Laura Ramsey hätten. Beide spielen sehr überzeugend, wobei ich leider sagen muss, dass Jena Malone ein klein wenig zurückstecken musste. Es ist interessant, sie nach Filmen wie "Donnie Darko", "Stolz & Vorurteil" und "Into the Wild - In der Wildnis" in einem Horrorfilm zu sehen. Sie ist zwar sehr sympathisch, kommt aber meiner Meinung nach nicht an Laura Ramsey heran, die hier wirklich eine sehr gute Leistung abliefert, hätte ich ihr nach "Der Pakt - The Covenant" oder "She's the Man" fast nicht zugetraut!
Fazit:
Jetzt denke ich, habe ich genug geschrieben und werde das noch einmal kurz zusammenfassen. Für mich war "Ruinen" lange Zeit mein Most Wanted-Film und die Wartezeit hat sich gelohnt. Ich fand den Film sehr spannend und atmosphärisch, die Schauspieler haben ihre Sache wirklich gut gemacht und mit dem kleinen Budget wurde wirklich das Maximum herausgeholt. Ein paar Änderungen zur Romanvorlage sowie das kurze Ende und die etwas übertrieben Brutalität schmälern meinen Gesamteindruck nur ein ganz klein wenig. Zwar reicht "Ruinen" nicht an seine Buchvorlage heran, aber für mich ist er ein sehr guter und innovativer Film.
8,5/10
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Für alle die die Änderungen zwischen Buch und Film wissen möchte, vor (ne melbone!

, auch wenn du schon vieles weißt!) oder nachdem sie den Film gesehen haben, schreibe ich einmal ein paar Dinge in einem Spoiler:
SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
Sie werden alle belagert von den Mayas, aber niemand wird umgebracht.
Im Buch stürzt der Grieche, der im Buch Pablo, im Film Dimitri heißt, in die Ruine, nicht Matthias.
Im Buch hat nicht Stacy, sondern Eric die Pflanzen in sich.
Und sie sterben komplett anders; Erst der Grieche (nachdem auch die Beinstummel abgehackt wurden), dann Amy und Jeff (obwohl sie auch im Buch die Hauptpersonen sind!), dann erst Matthias, fast am Ende erst, schließlich erlöst Stacy Eric (Nicht wir im Film Amy Stacy) bevor sie sich selbst verstümmelt und von den Pflanzen geholt wird.
Es überlebt also keiner im Buch, was ich ziemlich überraschend fand!
SPOILER ENDE