Tomtec
FOCUS FEATURES präsentiert in Zusammenarbeit mit BBC FILMS
eine KUDOS PICTURES/SERENDIPITY POINT FILMS Produktion
in Zusammenarbeit mit SCION FILMS

TÖDLICHE VERSPRECHEN
- EASTERN PROMISES
Ein Film von
DAVID CRONENBERG
mit
VIGGO MORTENSEN, NAOMI WATTS, VINCENT CASSEL,
ARMIN MUELLER-STAHL u.v.a.
UK / Kanada 2007 * 100 Minuten * 1:1,85 * Dolby SRD/DTS
KINOSTART: 27. DEZEMBER 2007
DIE BESETZUNG
Nikolai
VIGGO MORTENSEN
Anna
NAOMI WATTS
Kirill
VINCENT CASSEL
Semyon
ARMIN MUELLER-STAHL
Helen
SINÉAD CUSACK
Stepan
JERZY SKOLIMOWSKI
Ekrem
JOSEF ALTIN
Azim
MINA E. MINA
Soyka
ALEKSANDER MIKIC
Tatiana
SARAH JEANNE LABROSSE
DER STAB
Regie
DAVID CRONENBERG
Drehbuch
STEVE KNIGHT
Produktion
PAUL WEBSTER
ROBERT LANTOS
Ausführende Produktion
STEPHEN GARRETT
DAVID M. THOMPSON
JEFF ABBERLEY
JULIA BLACKMAN
Co-Produktion
TRACEY SEAWARD
Kamera
PETER SUSCHITZKY
Ausstattung
CAROL SPIER
Schnitt
RONALD SANDERS
Kostüme
DENISE CRONENBERG
Maske
STEPHEN DUPUIS
Musik
HOWARD SHORE
Casting
DEIRDRE BOWEN
NINA GOLD

KURZINHALT
In einem Londoner Krankenhaus stirbt eine junge Mutter bei der Geburt ihres Kindes in den Armen der Hebamme Anna (Naomi Watts). Da die Identität der Toten, einer offenbar illegalen osteuropäischen Prostituierten, unbekannt ist, setzt Anna alles daran, die Angehörigen des verwaisten Säuglings zu finden. Ihre einzigen Hinweise sind ein in russisch geschriebenes Tagebuch und die Visitenkarte eines transsibirischen Restaurants. Anna folgt der Spur und trifft dabei auf den attraktiven Chauffeur Nikolai (Viggo Mortensen). Der arbeitet für den ebenso einflussreichen wie zwielichtigen Restaurant-Besitzer und Patriarchen Semyon (Armin Mueller-Stahl). Als Anna entdeckt, dass das Tagebuch Beweise enthält, die Semyon und seinen Sohn Kirill (Vincent Cassel) für viele Jahre hinter Gitter bringen könnten, schwebt sie bereits in höchster Gefahr...

PRESSENOTIZ
Bereits bei seiner Weltpremiere auf dem Internationalen Filmfestival von Toronto wurde David Cronenbergs TÖDLICHE VERSPRECHEN - EASTERN PROMISES von Kritik und Publikum begeistert aufgenommen und mit dem wichtigsten Preis des Festivals, dem People´s Choice Award, ausgezeichnet. Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit bei A HISTORY OF VIOLENCE drehte das neue Dreamteam Cronenberg/Mortensen erneut einen außergewöhnlichen Thriller, der wie einst DER PATE neue Maßstäbe für das Genre setzt. Der kanadische Kultregisseur (NAKED LUNCH, DIE FLIEGE) und sein Drehbuchautor Steve Knight (DIRTY PRETTY THINGS) verweben Familiendrama und Gangstergeschichte zu einem noch nie gesehenen düsteren Stimmungsbild, das unter die schillernde Oberfläche Londons mitten hinein in die verborgene Welt des organisierten Verbrechens führt.
Hauptdarsteller Viggo Mortensen (DER HERR DER RINGE) gelingt es, seine beeindruckende Leistung aus A HISTORY OF VIOLENCE noch einmal zu überbieten: Er brilliert mit einer atemberaubenden Performance in der Rolle des mysteriösen Nikolai. Unterstützt wird er dabei von einem absolut hochkarätigen und überaus internationalen Ensemble: der Oscar-nominierten Australierin Naomi Watts (21 GRAMM, KING KONG), dem französischen Enfant Terrible Vincent Cassel (DIE PURPURNEN FLÜSSE, OCEAN’S 12) und dem ebenfalls Oscar-nominierten deutschen Charaktermimen Armin Mueller-Stahl (NIGHT ON EARTH, DAS GEISTERHAUS), der eine denkwürdige darstellerische Leistung als zwielichtiger Patriarch und Mafia-Oberhaupt gibt. In weiteren Nebenrollen überzeugen u.a. die Irin Sinéad Cusack (GEFÜHL UND VERFÜHRUNG, V WIE VENDETTA) und der polnische Regisseur, Maler, Schriftsteller und Drehbuchautor (u.a. Polanskis DAS MESSER IM WASSER) Jerzy Skolimowski, hier in der Rolle des unerschrockenen Onkels Stepan.

INTERNATIONALE PRESSESTIMMEN
„Ein faszinierender, einschlagender Thriller … ein amtlich beängstigender Armin Mueller-Stahl ... Vincent Cassel ist herausragend ... Brillanter Film. Brillante Regie. Cronenbergs Filme tauchen plötzlich auf und hallen nach.“
Peter Travers, Rolling Stone
„Steven Knight zielt genau aufs Herz, aber David Cronenberg besteht darauf, unter die Haut zu gehen. Das Resultat ist ein Film, dessen Bilder und Eindrücke einen lange Zeit nicht los lassen.“
A.O. Scott, The New York Times
„Ein Film, der uns über Kriminalität, London und die russische Mafia hinaus in die geheimnisumwobene Welt der menschlichen Natur führt.“
Roger Ebert, Chicago Sun-Times
„TÖDLICHE VERSPRECHEN nimmt sofort einen Platz unter David Cronenbergs allerbesten Filmen ein.“
Todd McCarthy, Variety
„In TÖDLICHE VERSPRECHEN, David Cronenbergs höllischem, neuem Film über die russische Mafia, wird Viggo Mortensen als Schauspieler und als Filmstar endlich erwachsen.“
Ty Burr, Boston Globe
„TÖDLICHE VERSPRECHEN ist ein kluger und brutaler Film, der ohne einen einzigen belanglosen Moment sowohl faszinierend als auch spannend ist. Eine faszinierende, aussagekräftige Geschichte, großartige, nuancierte Regie und fabelhaft gespielte Rollen sorgen für einen intensiven und wahrlich unvergesslichen Film.“
Brian Webster, Apollo Movie Guide

INHALT
Irgendwo im Halbdunkel Londons wird ein Mann ermordet. Irgendwo bricht ein Mädchen blutend zusammen. Irgendwo gibt es in der Millionenstadt eine Unterwelt immigrierter, osteuropäischer Gangster. Von all dem ahnt Anna (Naomi Watts) nichts. Die Tochter eines Russen und einer Engländerin führt ein eher durchschnittliches, wenig aufregendes Leben. Nach der Trennung von ihrem Freund und einer Fehlgeburt ist sie vorübergehend wieder bei ihrer Mutter Helen (Sinéad Cusack) eingezogen und arbeitet als Hebamme im Krankenhaus.
Kurz vor Weihnachten wird während Annas Schicht eine junge, hochschwangere Frau (Sarah Jeanne Labrosse) mit starken Blutungen im Krankenhaus eingeliefert. Trotz des sofort eingeleiteten Kaiserschnitts verstirbt die junge Mutter und hinterlässt ihr Baby, ohne dass es einen Hinweis auf mögliche Angehörige gäbe. Annas Neugierde ist geweckt. Sie will die Verwandten des toten Mädchens aufspüren und so verhindern, dass das Kind in ein Heim abgeschoben wird. Einziger Hinweis auf die Identität der erst 14-jährigen verstorbenen Mutter ist ein Tagebuch, das Anna zusammen mit der Visitenkarte eines transsibirischen Restaurants in der Handtasche der Toten findet. Ihr Name war Tatiana. Anna nimmt das Tagebuch mit nach Hause, um es nach weiteren Anhaltspunkten durchzusehen. Doch sie kann es nicht lesen. Es ist in russischer Sprache geschrieben.
Annas russischer Onkel Stepan (Jerzy Skolimowski), der Bruder ihres verstorbenen Vaters, der über die Weihnachtsfeiertage bei Annas Mutter zu Besuch ist, könnte ihr bei der Übersetzung behilflich sein. Doch er weigert sich hartnäckig, sich in fremde Angelegenheiten einzumischen. Deshalb geht Anna zunächst dem anderen Hinweis auf Tatianas Umfeld nach. Nach Feierabend sucht sie die auf der Visitenkarte verzeichnete Adresse auf. Das russische Restaurant ist zwar noch geschlossen, aber der Besitzer, Semyon (Armin Mueller-Stahl), bittet Anna trotzdem überaus höflich hinein. Man bereitet gerade eine weihnachtliche Familienfeier vor. Die Tafel wird festlich gedeckt. Zwei kleine Mädchen proben ihren Geigenauftritt. Der freundliche alte Mann zeigt den beiden, wie man eine Geige richtig zum Weinen bringt. Nein, eine Tatiana kenne er nicht, verneint er Annas Frage. Vielleicht war sie einmal als Gast hier? Semyon lässt Anna seinen Borschtsch probieren. Der liebenswürdige Restaurantbesitzer ist offenbar ein guter Gastgeber und ein hervorragender Koch. Gern hätte er Anna geholfen, versichert er. Nicht so schlimm, entgegnet sie. Sobald sie jemanden findet, der ihr das Tagebuch der Toten übersetzt, erhält sie bestimmt auch Hinweise auf die Verwandtschaft. Semyon horcht auf: Ein Tagebuch? Natürlich wäre er Anna gern behilflich. Er könnte das Tagebuch übersetzen. Am nächsten Tag soll Anna es vorbei bringen.
Als Anna das Restaurant verlässt, macht sie eine weitere neue Bekanntschaft: Auf dem Bürgersteig, direkt neben Annas altem Motorrad, steht ein ebenso furchteinflößend wie faszinierend wirkender Mann slawischer Herkunft. Sein Name ist Nikolai. Wie sich herausstellt, ist er Chauffeur und hauptsächlich Semyons Sohn Kirill (Vincent Cassel) zu Diensten. Nikolai würde Anna gern ihr Motorrad abkaufen, aber sie lehnt sein Angebot ab, schließlich hat sie es von ihrem russischen Vater geerbt. Nikolai lässt nicht locker. Vielleicht würde sie sich ja wenigstens von ihm auf einen Drink einladen lassen? Aber auch jetzt bleibt Anna abweisend. Sie zieht es vor nach Hause zu fahren, zum Weihnachtsessen mit ihrer Mutter und ihrem Onkel Stepan. Dieser hat inzwischen doch einen Blick in das Tagebuch der Toten geworfen und ist alarmiert! Stepan bekniet Anna, sie solle ihre Suche nach den Leuten, die mit Tatiana zu tun hatten, sofort aufgeben, sonst begäbe sie sich in höchste Gefahr! Doch Anna weist die Warnungen als Spinnereien ihres Onkels ab.
Währenddessen haben Nikolai und Kirill etwas Geschäftliches zu erledigen. Im Keller eines Frisörsalons liegt eine Leiche in der Tiefkühltruhe, um die man sich kümmern muss. Mit gelassener Ungerührtheit nimmt sich Nikolai dieser Aufgabe an. Bevor er die Leiche für eine Identifikation unkenntlich macht, muss er den steifgefrorenen Körper erst einmal mit dem Fön antauen, dann entnimmt er die Brieftasche, schneidet die Fingerkuppen ab und entfernt die Zähne...
Am nächsten Tag kehrt Anna wie besprochen in Semyons Restaurant zurück. Damit er für sie das Tagebuch übersetzen kann, händigt sie ihm Kopien aus. Das Original will sie selbst behalten, um es später Tatianas Verwandten geben zu können. Semyon verspricht, ihr die Übersetzung am nächsten Tag persönlich zu bringen. Wo er sie erreichen könne, will er wissen. Anna ist vorsichtig: Sie komme lieber selbst vorbei, erwidert sie, und verabschiedet sich schnell.
Draußen springt ihr Motorrad nicht mehr an. Es regnet. Was nun? Wieder taucht der mysteriöse Nikolai auf und bietet, ganz Gentleman, seine Hilfe an. Er chauffiert Anna nach Hause. Sie befragt ihn erneut nach Tatiana: Vielleicht hatte das Mädchen Kontakt zu Semyons Sohn Kirill? Aber Nikolai betont noch einmal, nichts darüber zu wissen. Er sei nur der Fahrer. Er fährt links, rechts oder geradeaus. Mehr nicht.
Am nächsten Tag wird am Ufer der Themse eine verstümmelte Leiche angespült. Der Körper ist auffällig tätowiert. Ein untrüglicher Hinweis darauf, dass es sich bei dem Toten um ein Mitglied der Russenmafia handeln muss. In russischen Gefängnissen wird den Insassen ihre Lebensgeschichte in Form von Tattoos auf den Körper geschrieben. Die Art und Menge der Tattoos auf dem Körper der Leiche lässt die ermittelnden Kriminalbeamten schlussfolgern, dass der Tote zudem ein ranghohes Mitglied der russischen Mafia-Organisation Vory V Zakone gewesen sein muss.
Zu Hause hat Anna eine Auseinandersetzung mit Stepan. Obwohl er sich aus Pietätsgründen anfangs geweigert hatte, sich näher mit Tatianas Tagebuch zu beschäftigen, hat er es nun doch gelesen und Erschütterndes zu berichten: Tatiana war ein Opfer der russischen Verbrecherorganisation Vory V Zakone, zu deren Machenschaften unter anderem auch der Menschenhandel zählt. Ein „Freund“ hatte sie seinerzeit nach London gelockt, weil sie dort angeblich fürs Singen im Restaurant mehr Geld verdienen würde als ihr Vater im ganzen Jahr. Tödliche Versprechen. In London angekommen, wurde das erst 14-jährige Mädchen vergewaltigt, unter Drogen gesetzt und gefangen gehalten. In ihrem Tagebuch verrät Tatiana auch den Namen des Mannes, der sie damals, als sie selbst noch ein jungfräuliches Kind war, vergewaltigte. Anna wird schlagartig klar, wer der Vater des Babys sein muss. Sie kennt ihn bereits, und er weiß inzwischen ebenfalls, dass Anna ihm mit diesem Wissen gefährlich werden kann...
Semyon setzt derweil alle Hebel in Bewegung, um die bedrohliche Zeugenschaft des Tagebuchs und derjenigen, die es gelesen haben, zu neutralisieren. Erneut tritt Nikolai auf, diesmal als Bote zwischen Annas Familie und dem Mafia-Clan. Er lässt sich das Tagebuch aushändigen und liefert es bei Semyon ab. Von ihm bekommt er auch gleich den nächsten Auftrag: Er soll Annas Onkel „bei Seite“ schaffen...
Doch zunächst gilt es eine weitere Krise zu bewältigen: Semyon hat mittlerweile erfahren, dass sein Sohn Kirill hinter dem Auftragsmord an dem toten Mafiaboss aus der Themse steckte. Dessen „Familie“ sinnt nun auf Rache, und Semyon macht seinem Sohn schwere Vorwürfe, weil er hinter seinem Rücken operiert hat. Nikolai steht dem schwachen Kirill im ungleichen Kampf gegen seinen Vater bei und erklärt dem Patriarchen, dass es sich bei dem Mord um eine Art Ehrentat gehandelt habe, denn der Tote habe üble Gerüchte über Kyrill verbreitet, die dem Ruf der gesamten Familie hätten schaden können. Semyon lässt sich zwar besänftigen, fühlt sich aber in seinen schon lange bestehenden Zweifeln an der Mannhaftigkeit seines Sohnes bestätigt. Ob er sich auf seinen Sohn wirklich noch verlassen kann? Nikolai, der sich in letzter Zeit immer mehr um das Familienunternehmen verdient gemacht hat, soll sich auch dieser Sache annehmen. Höchste Zeit also, ihn zu befördern.
Und so kommt es zu einer eiligst einberufenen Versammlung der obersten Mitglieder des Clans. Nikolai wird einer eingehenden Prüfung unterzogen, die er mit Bravour besteht und die mit zwei neuen Tätowierungen besiegelt wird: dem Stern der Vory V Zakone auf der Brust, der darauf verweist, für wen sein Herz schlägt, und dem Stern auf der Kniescheibe als Zeichen dafür, dass er vor niemandem auf die Knie geht. Damit nimmt Nikolai nun den gleichen Rang in der Hierarchie ein wie Kirill und kann selbstständig die Geschäfte vorantreiben. Bei einem Saunagang sollen die nächsten Schritte mit einem Kontaktmann besprochen werden. Aber die Ereignisse nehmen plötzlich eine unerwartete Wendung...
Ich heiße Tatiana. Mein Vater starb im Bergwerk meines Dorfes. Er war also schon begraben, als er starb. Wir waren dort alle begraben. Begraben unter russischer Erde. Deshalb bin ich weggegangen. Um ein besseres Leben zu finden...

PRODUKTIONSNOTIZEN
Entstehung, Konzept, Casting
Die Produktion des Thrillers TÖDLICHE VERSPRECHEN - EASTERN PROMISES stellt das Ergebnis einer ungewöhnlichen, internationalen Kooperation dar. Das Zusammenspiel der kreativen Kräfte des kanadischen Regisseurs David Cronenberg, seines britischen Drehbuchautors Steve Knight und des Schauspielerensembles, das sich aus international anerkannten Spitzendarstellern zusammensetzt (Viggo Mortensen - USA, Naomi Watts - Australien, Armin Mueller-Stahl - Deutschland, Sinéad Cusack - Irland und Jerzy Skolimowski - Polen) entwirft ein ebenso verwirrend spannendes wie geschlossenes Bild einer wenig bekannten Welt.
Schon bevor David Cronenberg und sein Star Viggo Mortensen im Jahr 2005 den gefeierten Thriller A History of Violence ins Kino brachten, suchte Drehbuchautor Steve Knight nach einem Nachfolgeprojekt für sein erfolgreiches Kinodebüt Dirty Pretty Things. Knight wollte wieder über interessante Dinge, Leute und Orte schreiben, die normalerweise wenig Beachtung finden. „Ich schrieb Dirty Pretty Things weil ich neugierig war auf das ‚andere London’ der Immigranten, das unter der Oberfläche existiert“, erzählt Knight. „Es ist ein Gebiet, das durch mehr als nur einen Film erforscht werden sollte. In Dirty Pretty Things ging es um einen Afrikaner und eine Türkin, TÖDLICHE VERSPRECHEN spielt in einer anderen Gemeinschaft mit anderen Erfahrungen.“ Produzent Paul Webster meint: „London hat sich in den letzten 20 Jahren zu einer vielsprachigen Gesellschaft entwickelt. TÖDLICHE VERSPRECHEN ist einer der besten Filme, die diesem Umstand Rechnung tragen.“
Ursprünglich hatte Knight den Auftrag, einen einstündigen TV-Film über Menschenhandel in Osteuropa zu schreiben. Ausgehend davon versuchte er herauszufinden, wer von diesem Gewerbe profitiert. Dabei stieß er auf die Verbrecherorganisation Vory V Zakone, eine, wie Knight betont, tatsächlich existierende Bruderschaft. Während seiner Recherchen wurde deutlich, dass das Material besser für ein Spielfilmdrehbuch geeignet ist. Knight recherchierte unter Kriminellen in London und New York. Er befragte auch die Londoner Polizei, russische Ermittler in London und das FBI in den USA. „Die Realität ist so bizarr, dass ich sie für mein Drehbuch abschwächen musste“, erklärt Knight. „Sklaverei findet unbemerkt in normalen Vorortstraßen statt. Es hat mich überrascht festzustellen, dass die verschiedenen östlichen Nationen auf ähnliche Art arbeiten und dabei Verbindungen zueinander pflegen. Die Polizei kann kaum in diesen Untergrund eindringen. Diese Gruppen, die ihr Unwesen in London treiben, überwachen und reglementieren sich selbst. Dabei versuchen sie, allzu große Widersprüche zur Außenwelt zu vermeiden. Die Rolle des Semyon habe ich nach dem Vorbild eines New Yorker Restaurant-Besitzers geschrieben. Die Rolle der Anna habe ich der Hebamme gewidmet, die im Londoner Whittington Hospital half, meinen ältesten Sohn zur Welt zu bringen. Das Krankenhaus sehen wir übrigens auch im Film.“ Weiter führt Knight aus: „Anna ist eine typische Londonerin, durch die ich die Zuschauer in diese verborgene Welt führe. Diese beiden Welten treffen nur sehr selten aufeinander, deshalb benutzte ich den Kaiserschnitt, durch den die Hebamme auf die versklavte 14-Jährige treffen konnte.“ „Der Handel mit Sex ist in Großbritannien ein gigantischer Geschäftszweig“, stellt Webster klar. „Polizei-Akten beweisen, dass er zum großen Teil in der Hand von Osteuropäern ist.“
Produzenten und Produktionsfirmen aus Großbritannien, Kanada und den USA haben sich zusammengetan, um das Drehbuch zu realisieren. „Steve erzählt verständliche und aufregende Geschichten, bei denen er exotische Elemente mit bekannten Szenarien verschmelzen lässt. Ich fand das Drehbuch aufregend und bewegend als ich es im Jahr 2004 las. Wir brauchten dafür einen Top-Regisseur, und den haben wir auch bekommen.“ Cronenberg erinnert sich, dass er sich „sofort in diese dichte Welt der kriminellen Londoner Subkultur hineingezogen fühlte“, als er das Drehbuch las. „Hiermit hat Steve den Thriller neu erfunden. Sein Drehbuch bedient all die großen Teile des Genres, während er sie auf eine spannende Art umkehrt und unterläuft. Von Retro-Stilen ist das sehr weit weg. Dieser Film ist heftig und sehr modern. Das Drehbuch enthält zudem wunderbare Charakterstudien, und ich wollte diesen Charakteren ein Kinoleben schenken.“
David Cronenberg und Steve Knight nahmen ihre Zusammenarbeit auf. „Wir hatten eine perfekte Regisseur-Autor-Beziehung“, erinnert sich der Autor. „David hatte klare Vorstellungen, weshalb unsere Treffen sehr kurz waren. Danach machte ich mich an die Arbeit.“ Produzent Robert Lantos, Chef von Torontos Serendipity Point Pictures, hat schon zwei Cronenberg-Filme produziert. „David hat eine einmalige, magische Gabe. Er schafft hypnotisierende Kinorealitäten. Die Arbeit mit ihm ist bemerkenswert und produktiv. Davids Leidenschaft für TÖDLICHE VERSPRECHEN hat mein Interesse geweckt. Steves starkes, zeitgemäßes Drehbuch und Cronenbergs meisterhaft kunstfertige Regie: Das ist eine unwiderstehliche Kombination.“ Lantos kam an Bord, und so wurde der Film zu einer britisch-kanadischen Co-Produktion. Gefilmt wurde in England, die Postproduktion fand in Kanada statt.
Nur ein Schauspieler kam für die Hauptrolle des Vory V Zakone Fußsoldaten Nikolai in Frage. Cronenberg erinnert sich: „Als ich mit Viggo Mortensen A History of Violence drehte, fiel mir auf, dass er irgendwie russisch bzw. slawisch aussah. Tatsächlich hat er allerdings dänische Wurzeln. Nach A History of Violence wollte ich wieder mit ihm arbeiten. Als ich dann das Drehbuch las, dachte ich sofort an ihn. Viggo ist ein brillanter Schauspieler. Diesmal spielt er eine Person, die sehr genau, sehr kontrolliert und extrem verhalten ist. Auf den ersten Blick wirkt Nikolai wie ein Schläger, man bemerkt aber auch seine Sanftheit. Er ist gleichzeitig stark und empfindsam.“ „Wenn wir Nikolai zum ersten Mal begegnen ist er innerlich fast tot“, fügt Knight hinzu. „Er lebt in einer gewalttätigen Welt und ist deshalb auch ein gewalttätiger Mensch. Aber er hat auch eine liebenswürdige Seite, die Anna sehr überrascht.“
Mortensen sagt: „Nikolai ist ein Mann mit vielen Geheimnissen. Er kam nach London über den Ural, einem Gebirgszug, der mehrere Zeitzonen östlich von Moskau an der Grenze zu Sibirien liegt. Er hat bereits eine Menge gesehen. In Kirills Nähe hat er die Familiegeschäfte verfolgen können.“ Während er sich auf die Rolle vorbereitet hat, verbrachte Mortensen mehrere Wochen in Russland. Er besuchte auch den Ural. Er tauchte in die russische Kultur ein, indem er russische Filme und Fernsehen sah, er las Vladimir Nabokov und hörte sich russische Sprachbänder an. Er informierte sich auch über das Gewerbe der Sexhändler und über die Gangs im Ural. Knight staunt: „Er hat sich da komplett hineingeworfen. Er verbrachte Zeit mit einer Menge unehrenhafter, russischer Typen. Ich habe zwar die Dialoge geschrieben, aber Viggo hat Nikolai Leben eingehaucht.“
Während der Dreharbeiten umgab sich Mortensen mit Dingen, die er aus Russland mitgebracht hatte. So dekorierte er beispielsweise seinen Trailer mit Kopien von russischen Ikonen. Cronenberg berichtet: „Er lernte die russische Sprache. Wie all seinen Rollen verleiht er auch Nikolai Intensität, Humor und Subtilität. Doch hier spricht er die ganze Zeit mit einem russischen Akzent, so dass seine Stimme ein ganz anderes Timbre hat. Er hat sich von innen nach außen komplett verwandelt. In A History of Violence hat er eigentlich zwei Charaktere gespielt, bei seiner Darstellung des Nikolai distanziert er sich aber von diesen Charakteren.“ Webster sagt: „Viggo ist absolut einmalig, er ist bis ins kleinste Detail genau. Seine Recherchen, die er Monate vor Drehbeginn aufnahm, waren unglaublich. Er ist ja selbst ein Künstler und er fügt dem Prozess des Filmemachens diese besondere Sensibilität hinzu.“ Mortensen sagt: „Dass ich Bilder in meinen Gedanken abrufen kann, die ich bei meinen Recherchen in Russland gesehen habe, macht die Szenen realistisch und glaubwürdig. Ich glaube, dass es auch für die anderen Schauspieler hilfreich ist, wenn ich überzeugend bin.“
Die Partnerin für Viggo Mortensen musste eine äquivalente Schauspielerin sein. Mit Naomi Watts war sie bald gefunden. Cronenberg: „Naomi ist unter Schauspielern sehr angesehen. Man ist sich einig, dass sie eine fantastische Darstellerin ist, und auch, dass es ein Vergnügen ist mit ihr zu arbeiten. Wie sich herausgestellt hat, stimmte beides. Für einen Regisseur ist es leicht sie zu führen, weil sie ohne Umstände sofort die richtigen, sogar die feinsten Zwischentöne trifft. Ich bin sicher, dass sie sich innerlich auf ihre Rollen vorbereitet, aber ich habe davon nie etwas gesehen: Sie kommt zum Set und trifft ins Schwarze. Sie behält den Überblick und hat Zugang zum Innenleben ihrer Figur. Natürlich ist sie eine Schönheit. Besonders wertvoll für sie als Schauspielerin ist, dass sie über eine bodenständige Schönheit verfügt. Sie ist nicht so exotisch, dass sie keine normalen Personen verkörpern könnte. Sie kann Durchschnittsmenschen darstellen und dabei trotzdem glänzen. Ihre Figur Anna ist verletzlich und hat Verluste erlitten, die ihr Leben nachhaltig beeinträchtigen. Zur Hälfte hat sie russische Wurzeln: Ihr verstorbener Vater war nach England immigriert. Sie fühlt sich auch zu den russischen Immigranten und ihrem intensiven Lebensstil hingezogen, weil sie selbst so ein langweiliges, englisches Leben führt. Nikolai macht ihr Angst und trotzdem will sie mit der Gefahr flirten. Das ist ihr Versuch, durch Furcht einen Weg zurück in die Welt zu finden. Mit Leichtigkeit vermittelt Naomi alle Veränderungen und Modulationen Annas.“
Watts, die schon lange einmal mit Cronenberg arbeiten wollte, verschlang Knights Thriller, den sie als Fenster zu einer Welt empfand, von der man noch nicht viel gesehen hat. „Anna“, sagt Watts, „hat lange ihre russische Herkunft verleugnet. Zu Beginn des Films befindet sie sich in einem schlimmen Zustand. Sie versteckt sich hinter ihrer Arbeit, und sie will möglichst wenig Zeit mit ihrer Familie verbringen, weil die sie an ihre Wunden erinnert. Was mir gefällt, ist dass sie eine gewisse Lust an der Gefahr nicht verloren hat. Sie wird durch die Begegnung mit Nikolai wieder lebendig. Er ist wie der große, böse Wolf, der sie fasziniert. Dann versucht sie die Situation in den Griff zu bekommen, aber bald wird klar, dass sie in eine Welt geraten ist, in der sie sich nicht alleine zurecht findet. Sie muss ihre Familie um Hilfe bitten.“ Webster sagt: „Annas Reise, die sie nicht nur für das Mädchen und das Baby, sondern auch für sich selbst antritt, verleiht der Geschichte ihren emotionalen Kern. Naomi mischt dem Mitgefühl einen Hauch von störrischer Härte bei. Man spürt ihre Entschlossenheit, keine Angst zu haben.“
Naomi Watts besuchte das Whittington Hospital, um sich auf ihre Rolle vorzubereiten. Dort wohnte sie auch einem Kaiserschnitt bei und besuchte zusammen mit den Hebammen Frauen, die in den Wehen lagen. Watts erzählt: „Ich durfte diese wunderbaren Augenblicke im Leben anderer Leute erleben. Das war schön und poetisch. Die Arbeit einer Hebamme erfordert großes Vertrauen.“ Die Schauspielerin lernt auch Motorrad fahren. Watts lacht: „Ein paar hundert Pfund Stahl und fast genauso viele Leute, die zuschauen ... und ich fahre auf diesem Ding durch Londons Straßen - ich konnte es kaum glauben. Aber es gefiel mir, und nun kann ich es sogar auf die Liste meiner Qualifikationen setzen.“ „Ich habe noch nie einen Filmvertrag unterschrieben, ohne vorher mit dem Regisseur gesprochen und von seiner Vorstellung gehört zu haben“, fährt Watts fort. „Aber den Vertrag für TÖDLICHE VERSPRECHEN habe ich sofort unterschrieben. Dann wollten David und ich uns treffen, doch wir haben es erst geschafft als ich in London ankam. Das ist sehr ungewöhnlich, aber bei einem Regisseur wie David gibt es keinen Grund zur Panik. Als wir uns dann trafen, hat er mir Zuversicht gegeben.“
Der französische Schauspieler Vincent Cassel hat die Rolle des launischen Kirill übernommen. Cronenberg bemerkt: „Kirill ist wie der Sohn Saddam Husseins: zu viel Macht, zu wenig Substanz und viel Unsicherheit. Das ist eine sehr gefährliche Kombination. Anders als Nikolai, ist Kirill heißblütig und emotional. Sie sind ein seltsames Gespann.“ Knight fügt hinzu: „Kirill ist wie ein Knallkörper, der losgeht. Er kann gewalttätig sein, aber auch Zuneigung zeigen. Trotz all dem, was er tut, machen seine Energie und sein Enthusiasmus ihn sympathisch.“ Cronenberg meint: „Wenn man lang genug lebt, dann schafft man es, mit den Leuten zu arbeiten, die man bewundert und mit denen man unbedingt zusammenarbeiten möchte. Ich habe Vincent schon wegen anderer Projekte getroffen. Als ich das Drehbuch las, dachte ich wieder an ihn. Großartig, wie er diese Wildheit, Ambivalenz, Lebhaftigkeit und Verzweiflung herausgearbeitet hat, die Steve so wunderbar geschrieben hat. Vincent bringt äußeres und inneres Chaos mit großer Präzision und Selbstkontrolle auf die Leinwand. Mit ihm zu arbeiten ist wunderbar. Ich wusste auch, dass er schon wegen seines extremen Aussehens und seiner starken Leinwandpräsenz zu Viggo passen würde.“
Obwohl Vincent Cassel gerne mit Cronenberg und Mortensen zusammenarbeiten wollte, war er nicht so sicher, ob er schon wieder einen Verbrecher spielen wollte. „Ich fand diese Figur vielschichtig. Kirill ist das Opfer einer harten Kindheit. Ja, er ist gewalttätig und gefährlich, aber das ist gleichzeitig auch rührend, weil er nichts kennt außer dem ‚Familiengeschäft’ und seinem finsteren Vater. Kirills Beziehung zu Nikolai hat viele verschiedene Ebenen, darunter auch Eifersucht. Die größte Herausforderung für mich war, mit russischem Akzent und in russischer Sprache glaubwürdig zu sein. Ich habe hart daran gearbeitet.“ Webster wundert sich: „Es ist unglaublich zu sehen, wie Vincent vom Schurken zum quäkenden Kind eines barschen Vaters umschaltet. Er macht das so gut, dass er das Pathos in Kirill bloßlegt. Jedes Mal, wenn sein Vater auftritt, wird er zu einem kleinen Jungen reduziert.“ Cassel lacht: „Zwischen den Szenen schaute Armin zu mir rüber und sagte Sachen wie: ‚Ach mein Sohn, mein Sohn...’ oder ‚Warum bist du nur so?’ Also war ich der ungezogene Sohn und versteckte Armins persönliche Dinge irgendwo am Set. Das hat uns Spaß gemacht.“
Seit langer Zeit hat Armin Mueller-Stahl keine so bedeutende Rolle mehr gespielt, wie jetzt in
TÖDLICHE VERSPRECHEN. „Ich beobachte Armin schon seit Jahren - fantastische Stimme, fantastisches Gesicht“, sagt Cronenberg. „In seiner Haltung spürt man seine eigene Lebenserfahrung, wozu auch gehört, dass er gezwungen war, die DDR zu verlassen. Schon bevor ich ihn traf, fühlte ich, dass er eine ungeheuere Sanftheit aber auch eine unglaubliche Stärke in sich verbindet. Eine Kombination, die einem manchmal Angst machen kann. Genau das brauchten wir für die Rolle des Semyon. In diesem Film ist niemand so, wie er zu Beginn des Films zu sein scheint. Armin hat nicht nur die Rolle übernommen. Er hat auch die Herausforderung angenommen, Englisch mit einem russischen Akzent zu sprechen. Keine leichte Angelegenheit. Er hat mit Dialekt- und Dialogtrainern gearbeitet und es ist ihm gelungen, den Akzent genau hinzubekommen, so wie es auch den anderen Schauspielern im Film gelungen ist, die halb so alt sind wie er.“
Mueller-Stahl: „Diese Geschichte ist sehr düster. Semyon ist ein sehr brutaler Mann - die Welt ist voll von solchen Leuten. Monster, die nicht sichtbar sind, sondern tief verborgen leben. Aber es ist wichtig, dass man beide Seiten dieser Monster zeigt. Semyon hat eine sehr warme und gefühlvolle Beziehung zu seinen Enkeln und eine ähnliche Haltung pflegt er zur russischen Musik. Es gibt bestimmte Traditionen, wie man einen Gangsterboss im Kino spielt. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, dies auf meine eigene Art zu tun. Als ich David zum ersten Mal traf, dachte ich: Was für ein netter Mann, und der macht so beängstigende Filme?“ erzählt Mueller-Stahl weiter. „Auch am Set ist er sehr freundlich und auf die Geschichte konzentriert.“
Die irische Schauspielerin Sinéad Cusack kennt Cronenberg seit Jahren, hat er doch schon zwei Filme (DIE UNZERTRENNLICHEN und M. BUTTERFLY) mit ihrem Ehemann Jeremy Irons gedreht. TÖDLICHE VERSPRECHEN war nun die Gelegenheit, ihr eine Rolle anzubieten. Cusack sagt begeistert: „Seine Filme sind immer so vielschichtig und atmosphärisch. Ich fand dieses Drehbuch sehr erwachsen, die Charaktere sind genau gezeichnet und jeder, der in den letzten Jahren Zeitung gelesen hat, ist sich des Menschenhandels in Russland bewusst.“ David Cronenberg erklärt: „Ich wollte, dass Annas Mutter nichts großmütterliches anhaftet. Ich wollte, dass sie eine attraktive, starke Frau ist, wie sie Steve in seinem Drehbuch schon beschrieben hatte. Diese beiden Frauen, die im Schatten einer doppelten Tragödie zusammenleben, dem Tod von Annas russischem Vater und dem Verlust ihres Kindes, stellen eine dichte, kleine Hausgemeinschaft dar, erst recht, wenn der stolze, russische Onkel Stepan dazukommt.“
Jerzy Skolimowski spielt den Onkel Stepan. Er ist selbst ein Filmemacher, den Cronenberg schon lange bewundert. Cronenberg überlegt: „Jerzys polnische New Wave Filme der 60er haben mich umgehauen. Während der Produktionsvorbereitungen fiel mir ein, dass Jerzy in White Nights - DIE Nacht der Entscheidung (1986) einen KGB-Agenten gespielt hatte. Wir trafen uns in London, und ich freute mich, dass er bereit war, die Rolle in TÖDLICHE VERSPRECHEN anzunehmen. Wir haben ein aufregendes, zum großen Teil europäisches Schauspieler-Ensemble zusammengestellt. Das war für mich deshalb besonders aufregend, weil die Leute, über die ich Filme mache, normalerweise keine Europäer sind.“
Lantos sagt: „Ich war begeistert mit derart talentierten Darstellern zusammenzuarbeiten: In TÖDLICHE VERSPRECHEN sind sie alle in Bestform. Obwohl ich den Film schon oft gesehen habe, gibt es Darstellungen darin, die mir jedes Mal wieder den Atem rauben.“ Cassel erklärt: „Mit David zu arbeiten ist ein Vergnügen. Da ich mit seinen Arbeiten vertraut bin, war ich sicher, dass er gut mit Schauspielern umzugehen weiß. Er gewährt große Freiheiten und doch ist er sehr genau. Er macht auch den richtigen Witz zur richtigen Zeit. Er bleibt aber am Set immer der Mann, der das Sagen hat.“ Lantos fügt hinzu: „Er ist immer pünktlich und bleibt im Rahmen des Budgets. Er tut das, was er versprochen hat, und zwar extrem gut. Mit David zu arbeiten ist mühelos.“ Skolimowski: „David ist ruhig und selbstsicher und er verbreitet er eine harmonische Stimmung am Set. Alles läuft glatt und ziemlich flott. So muss ein Filmset sein. Meine sind leider selten so.“
Russian Palette
Untypisch für einen Cronenberg Film waren Besetzung, Thema und Kulisse. Die Crew, die geholfen hat, die Geschichte zu realisieren setzte sich jedoch aus langjährigen Mitarbeitern des Regisseurs zusammen. Eine der zentralen Figuren ist Produktionsdesignerin Carol Spier. Sie begann ihre Arbeit an TÖDLICHE VERSPRECHEN mit frühzeitigen Reisen nach London, wo sie Orte für die Außenaufnahmen aussuchte, um dann ihre Ausstattung auf sie abzustimmen. Spiers Design für TÖDLICHE VERSPRECHEN zielte darauf ab, die beiden nebeneinander existierenden Welten mitten in London herauszuarbeiten: „Wir stellten Annas Mittelschicht-Dasein - ihr Zuhause, wo sie mit ihrer Mutter lebt und das Krankenhaus, in dem sie arbeitet - der opulenten Welt des Verbrechens gegenüber, die das Leben von Nikolais ‚Familie’ ausmacht.“
Die Außenansicht des Whittington Hospital wurde schnell als Location gefunden. Noch wichtiger aber war das transsibirische Restaurant. Das leerstehende Gebäude zeigte außen eine interessante Struktur und einige historische Details. Spier schmückte es mit einem üppigen Innenleben aus. Dieses kostspielige Interieur weist sowohl auf Semyons kultivierten Geschmack als auch auf seinen unrechtmäßig erworbenen Reichtum hin. Um sich mit der russischen Architektur vertraut zu machen, verbrachte Spier ein verlängertes Wochenende in St. Petersburg. Sie berichtet: „In der Eremitage fand ich Details des opulenten Lebensstils von Katharina der Großen. Diesen Stil versuchte Semyon in seinem Restaurant zu realisieren. Semyon stammt nicht aus dieser Welt. Seine Bemühungen sind sehr gezwungen, deshalb stimmt alles nicht so ganz. Ein bisschen zu viel Kitsch ist auch dabei. Ich habe verschiedene Elemente und Bilder kombiniert, von Lampen über Gemälde bis hin zu Zierleisten.“
Für die Sequenz um die große Familienfeier, die Semyon veranstaltet, hat Food Consultant Syvena Rowe die typisch russischen Speisen zubereitet. „Es war wie die Vorbereitung auf eine richtige Party“, lacht Spier. „Dieses opulente Bankett war etwas völlig Neues für David. Seine Film sind üblicherweise karger.“ Der Regisseur fügt hinzu: „Dieser prächtige Aufwand erinnerte mich an Fellinis Satyricon (1970). Unser Mahl ist nicht so opulent und dekadent, aber während unserer Kamerafahrten musste ich immer wieder an Fellini denken. Syvena ist Bulgarin, die sich auf osteuropäische Küche spezialisiert und darüber auch Bücher geschrieben hat. Wir wollten diese Authentizität, die sie garantiert, da Speisen sehr symbolträchtig sind und das ‚alte Land’ versinnbildlichen, das mitten in London existiert. Genau das brauchten wir für Steves Drehbuch. Aber als wir anfingen, diese Subkultur in London zu suchen, konnten wir sie zunächst nicht ausfindig machen. Bald stellte sich heraus, dass es mindestens 10 russische Restaurants in London gibt, aber sie sind nicht leicht zu lokalisieren. Als wir sie dann gefunden hatten, half man uns dort mit Kontakten zu Russen, Ukrainern und Albanern für Statistenrollen. Die russisch-orthodoxe Kirche war auch sehr hilfreich.“
Cronenbergs langjährige Kostümbildnerin, seine Schwester Denise Cronenberg, nahm sich Dutzende Fotos von russischen Prostituierten und Kellnern vor. Bei ihren Besuchen in russischen Restaurants stellte sie fest, dass das Tragen von Rollkragenpullovern und schwarzen Lederjacken weit verbreitet war. „Schwarz bedeutet Macht“, erklärt Denise Cronenberg. „Wir hatten russische Statisten, die in schwarzen Lederjacken an den Set kamen. Wir mussten diese gegen unsere austauschen, weil unsere einen etwas spezielleren Look hatten. Die russischen Immigranten, die ich traf, fanden mich übrigens sehr russisch, weil ich auch immer bar bezahle. Für das Familienfest habe ich die russischen Gäste sehr elegant gekleidet, habe sie aber mit übertrieben viel Schmuck behängt. Anna dagegen denkt nicht viel über ihre Kleidung nach. Sie hat soviel anderes, was sie beschäftigt. Deshalb musste Naomi Watts sehr einfach gekleidet sein, und sie trägt immer die gleichen Sachen. In ihrer Freizeit, wenn sie nicht ihre Arbeitskleidung trägt, hat sie hauptsächlich Jeans und eine Wachsjacke an. Das ist ihre Motorraduniform.“
„Viggo Mortensen als Nikolai musste etwas Einschüchterndes haben“, fährt Denise Cronenberg fort. „Das durfte natürlich nicht zu weit gehen, denn offiziell war er ja der Chauffeur der Familie. Deshalb kleidete ich ihn in Anzug, Hemd und Krawatte, Mantel, Handschuhe und Sonnenbrille, wodurch der Eindruck entsteht, dass da noch etwas anderes ist. Wenn er seine Kleidung anlegte, schlüpfte er in seine Rolle, sogar die Schuhe halfen ihm dabei. Für Vincent Cassel als Kirill war die Entscheidung, was er tragen soll, am schwierigsten. Am Ende trug er fast den ganzen Film über schwarzes Leder. Er zeigt mit seiner Kleidung, dass er Geld hat, aber das Leder weist auf seinen russischen Hintergrund hin. Seine Mäntel fertigten wir selbst an, weil ich in den Läden nicht das Richtige finden konnte.“
Spier bemerkt: „Die Farbzusammenstellung ist der Dreh- und Angelpunkt bei fast jedem Film, den ich mit David gemacht habe. In Annas Welt ist alles einfach und nicht besonders farbenfroh. Man könnte es für beige halten, obwohl wir beige nicht benutzt haben. Bei der Gangsterfamilie ist alles knallig und opulenter, aber auch dunkler.“ Wie üblich bei Cronenbergs Filmen haben Spier und Denise Cronenberg ihre Arbeiten abgestimmt. Denise Cronenberg sagt: „Wir haben unsere Recherchen miteinander verglichen. David vertraut Carol und mir was den Look angeht, weil er weiß, dass wir seinen Geschmack genau kennen.“
Zu den anderen regulären Mitarbeitern Cronenbergs, die bei tödliche versprechen wieder mitmachen, gehören Kameramann Peter Suschitzky, Cutter Ronald Sanders, Maskenbildner Stephan Dupuis und der Komponist Howard Shore. Robert Lantons erzählt: „Davids brillanter, harter Mitarbeiterkern bestehend aus hervorragenden Kunsthandwerkern, steht ihm immer zur Verfügung, und lehnt andere Angebote ab, wenn er einen Film macht. Ihre Loyalität ist ein fantastisches Kapital für den Film und seine Produzenten.“ Suschitzky erklärt: „Weil wir uns alle gut kennen, können wir eine Menge Überflüssiges überspringen, das in normalen Produktionen Zeit frisst. Wir wissen, was jeder von uns leisten kann, und das erleichtert einiges.“
Die Tätowierungen
„Wenn Viggo Mortensen einmal beschlossen hat, eine Rolle anzunehmen, dann gibt er sich da voll und ganz hinein, dann ist er der beste Mitarbeiter, den man haben kann“, sagt David Cronenberg. Naomi Watts fügt hinzu: „Die Arbeit mit ihm war ganz außergewöhnlich. Er war so tief in seine Rolle geschlüpft, dass er Nikolai am Ende nur widerwillig zurückließ.“ Paul Webster verrät: „Viggos Einmannrecherche hat Davids Blick auf das Drehbuch geprägt. Sie hat auch unsere Arbeit mit Sachkenntnis unterfüttert.“
Besonders nützlich für alle Beteiligten war Alix Lamberts Dokumentarfilm The Mark of CaÏn (2000), den sie in russischen Gefängnissen gedreht hat. Mortensen hat unter anderem auch ihr Buch zu dem Thema Tätowierungen von Kriminellen gelesen. Dieser Aspekt von Mortensens Recherchen wurde „ein Dreh- und Angelpunkt bei der Feinabstimmung des Drehbuchs“, erklärt Cronenberg. „Viggo schickte mir Bücher über russische Kriminellentätowierungen, mit Fotos, Graphiken und Texten, die die Bedeutung der Tattoos erklärten. Er schickte mir auch The Mark of CaÏn. Da findet man die ganze verborgene Welt der Symbole, die so faszinierend ist.“
Cronenberg schickte das Buch und den Dokumentarfilm an Knight, der das Tätowierungselement in sein Drehbuch einbaute. Cronenberg sagt: „Plötzlich wurden die Tätowierungen zu einer starken Metapher in dem Film. Das ist eine Welt, die wegen der Veränderungen in Russland ausstirbt. Die Tätowierungen gehören zu einer alten russischen Kriminellenkaste mit einer hierarchischen Struktur, Vory V Zakone bedeutet soviel wie ‚Diebe im Recht’ und ist eine Art Bruderschaft. Man sagt ‚Diebe haben keine Ehre’, aber wir fanden heraus, dass es, wenn schon keine Ehre so doch einen Ehrenkodex bei Vory gibt, der bindend und sehr brutal ist.“ Cronenberg stellt klar: „Das ist anders als bei der Mafia. Außerdem verschwimmt es in der modernen russischen Welt und auch in der Londoner Diaspora zu einem anderen Bild, welches wir in tödliche versprechen zeigen wollen.“
Vory V Zakone kommen u.a. aus Russland, Georgien, Aserbaidschan und anderen Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Im Film sind auch Türken dabei. Vory entstand in den 30er Jahren des großen Terrors, als Stalin Staat und Partei von ‚Feinden des Volkes reinigen’ wollte und Millionen in die Gulags nach Sibirien schickte, wo sie Sklavenarbeiten verrichten mussten. In diesen Lagern entstanden die ersten Vory und ihr Kodex, der bis heute das Gesetz unter russischen Gangstern regelt. Dazu gehört die Hingabe an das „kriminelle Idealbild“ und die Verweigerung jeglicher ehrlicher Arbeit sowie jeglicher politischer Aktivität. Vory organisiert eigene Gerichte, die über Kodex-Verletzungen urteilen. Die Strafe ist oft Verstümmelung oder Tod. In den 70er Jahren unter Leonid Breschnew, als die Ökonomie der Sowjetunion zu stagnieren begann und der Schwarzmarkt blühte, wurde Vory stärker. Nach dem Fall der Sowjetunion stärkte sich Vorys Macht weiter und breitete sich vor allem in Europa und den Vereinigten Staaten aus. Heute leben viele Vory weit weg von zu Hause. Man schätzt, dass sie in Dutzenden Ländern mit vielen Tausend Mitgliedern operieren. Der rigide Kodex und die Verhaltensregeln gelten weiter. Die kriminelle Vory Aristokratie unterhält, wie schon vor 70 Jahren, ein Rekrutierungssystem, das sich auf die Gefängnisse stützt.
„Die Kriminellen in den russischen Gefängnissen sagen, dass deine Tätowierung dein Leben ist“, erklärt Cronenberg. „Deine Tätowierungen zeigen, wer du bist. Wenn du ohne kommst, dann existierst du nicht. Sie müssen genau sein, sie müssen sagen, welches Verbrechen man begangen hat, wie lange man im Gefängnis war, deine sexuelle Orientierung und vieles mehr. Wenn dein Tattoo sagt, dass du in der kriminellen Hierarchie höher stehst, als das wirklich der Fall ist, dann wirst du streng bestraft, oder auch getötet. Es wird gesagt, dass das Tattoo dein Pass ist, aber das ist der Pass eines sehr obskuren Landes. Das russische Verbrecherleben ist eine ziemlich kleine Welt. Die Tattoos, mit denen du gebrandmarkt wurdest, bestimmen dein Schicksal und weisen dir auch in deiner Privatsphäre den Weg.“ Knight sagt: „Sie kommunizieren durch ihre Tätowierungen. Diese Leute tragen ihren Lebenslauf auf der Haut. Im Fall von Nikolai fragt man sich, ob das, war er auf der Haut trägt, damit übereinstimmt, was er ist.“ Viele Tattoos werden im Gefängnis gemacht. Die Gefangenen brechen den Absatz ihrer Schuhe ab und verbrennen ihn. Der Ruß wird durch ein Taschentuch gesiebt und mit Urin versetzt. So gewinnt man eine haltbare Tinte. Mit angespitzten Gitarrensaiten wird damit dann tätowiert.
Um es für alle Beteiligten etwas einfacher zu machen, hat Carol Spier anhand der Recherchen ihrer Mitarbeiter am Oxford Tattoo Museum ein Tätowierungsgerät entworfen. Allerdings stach ihr Gerät nicht wirklich in die Haut, sondern diente nur zur Bemalung. Die Sterne, die in der Vory-Schlüsselszene auf Nikolais Knie tätowiert werden, geben zu verstehen, dass er nie wieder vor einer Autorität niederknien muss. Für die Saunasequenz hat ein Mitarbeiter von Stephan Dupuis in vier Stunden Arbeit 23 Tattoos auf Mortensens Körper gemalt. Dialekt-Coach Olegar Fedoro spielt auch Nikolais Tätowierer. Die Größe der Tätowierungen reichten von fingernagelgroßen Zeichen bis zu dem Tattoo, das fast Mortensens gesamten Rücken bedeckt. Dazu bekam er einige Tätowierungen um Hand- und Fußgelenke und um die Finger. Unter den 43 Tattoos gibt es einen Totenkopf mit Blumen, einen rauchenden Totenkopf, einen Tiger, einen Skorpion, Sterne, die Jungfrau Maria mit Kind, Jesus, eine Frau mit Messer, Schlange und Messer, ein Segelschiff, einen nackten Engel auf einem Rad, den Sensenmann, eine Krähe, eine Katze mit Pfeife, Stacheldraht, Armleuchter und sieben verschiedene Fingertattoos. 12 der Tätowierungen zeigen russische Sprichwörter.
Mortensen erklärt: „Einige der Tattoos waren humorvoll und andere waren poetisch. Auf meinem rechten Spann stand ‚Wo gehst du hin?’ Auf dem linken Spann stand ‚Was zum Teufel geht dich das an?’ Eines meiner liebsten war ‚Lass alles was ich erlebt habe Traum sein’, was so schön und traurig ist. ‚Ich bin ein Sklave des Schicksals aber kein Lakai des Gesetzes’, hieß ein anderes. Diese Tätowierungen gehören zum sogenannten ehrbaren Dieb, der absolut keine Autorität akzeptiert. Bei Vory gibt es Respekt nur für die, die Autorität ablehnen. So barbarisch sie auch sein können, sie achten die Geschichte und ihre Symbolik. Die tätowierte Fußgelenkkette beispielsweise ist eine Referenz an die Zeit Peter des Großen, als Gefangene an den Füßen gefesselt wurden. Das Kreuz auf meiner Brust bedeutet, dass ich ein Dieb mit gutem Ruf bin. Mit Religion hat das nichts zu tun. Die drei Kirchenkuppeln auf meinem Rücken stehen für drei Gefängnisstrafen, und das St. Petersburg Kreuz an meinem Finger zeigt, dass ich auch dort im Gefängnis war.“ Mortensens Tattoos waren so echt, dass die Gäste eines russischen Restaurant, das er während der Dreharbeiten besuchte, den Atem anhielten und schwiegen, als er eintrat. Sie glaubten er sei ein Top Vory. Erst als er dann englisch sprach, konnte man sehen wie die Leute sich entspannten. Armin Mueller-Stahl sagt jedoch, er habe gehört, dass einige Besucher sofort das Restaurant verließen.
Ein anderes London
Die Nachrichten über den Mord an dem ehemaligen KGB Agenten Alexander Litvinenko warf ein Licht auf die Tatsache, dass viele wohlhabende Russen in London zu Hause sind. David Cronenberg und Vincent Cassel wohnten nahe der Stelle, wo Spuren des Poloniums gefunden worden waren, mit dem man Litvinenko vergiftet hatte. Allerdings haben sich nur wenige Mitglieder der russischen Subkultur in den teuren, zentralen Bezirken Londons niedergelassen. Sie leben in den weniger teuren Außenbezirken der Stadt. Unbeachtet von Touristen haben ihre Gemeinschaften eigene Strukturen gebildet. Das ist auch der Grund, warum TÖDLICHE VERSPRECHEN nicht in den traditionellen Bezirken gedreht wurde, die jeder Londonbesucher und jeder Kinogänger kennt. „Wir haben dort gedreht“, betont Cronenberg, „wo die Immigranten wirklich wohnen, z.B. im East End. Wir fanden Orte in London, die von einem Hauch von Verfall umgeben sind, wofür ich ohnehin eine Vorliebe habe. Auf ihnen scheint das Gewicht der Ewigkeit zu lasten, welches wiederum auf Russland verweist. Es gibt einen Sinn fürs Historische, der durch die russischen Charaktere fließt und auch eine gewisse russische Traurigkeit und ein russischer Zynismus. Das ist mit dem modernen Russland nicht verschwunden, obwohl es sich schon ein wenig verändert hat. Viggo Mortensen und ich, wir haben beide Dostojewski gelesen“, führt der Regisseur aus. „Wie sich herausstellte, war es zufällig das gleiche Buch: ‚Die Dämonen’. Viel von dem, was der Autor geschrieben hat, schien Nikolai zu durchdringen. Die Verbindung seiner Stimme und seines Gesichts mit den verregneten Straßen und verfallenen Innenräumen gab uns eine starke, authentische Grundlage. Ich fand, dass wir mit Carol Spiers Produktionsdesign und den Nachtaufnahmen sowie dem Licht von Kameramann Peter Suschitzky visuelle Aspekte eines Film Noir geschaffen haben.“
Die Innenaufnahmen zu TÖDLICHE VERSPRECHEN wurden in den 3 Mills Studios in East London gedreht, einer ehemaligen Gin-Brennerei. Trotzdem war die Produktion für Filmarbeiten auch in anderen Teilen Großbritanniens unterwegs. So musste beispielsweise ein Vororthaus in Kilburn als Bordell herhalten. Weitere Drehorte waren Woolwich, Greenwich, Southwark, Brompton Cemetery, Cannon Street, Hackney und Harlesden. Paul Webster erzählt: „Harlesden gilt als derart gefährlich, dass wir in der Nacht, in der wir dort drehten, statt der üblichen vier Sicherheitsleute zwanzig beschäftigen mussten. Statt wie sonst nur eines Polizisten waren in dieser Nacht vier vor Ort. Um jede Aufmerksamkeit zu vermeiden hatten wir unsere Produktionsfahrzeuge versteckt.“ Deptford war dagegen ein sicherer Ort. In diesem Bezirk Londons hatte im 16. Jahrhundert Heinrich VIII. seine Flotte bauen lassen. Dort, an der Themse, filmte die Produktion das Versenken einer Leiche. Da der Wasserstand der Themse durch Ebbe und Flut sehr variiert, mussten die Dreharbeiten hier zeitlich sehr genau abgestimmt werden. Das einzige Touristenziel, an dem gedreht wurde, ist das Old Royal Naval College in Greenwich, das Sir Christopher Wren im 18. Jahrhundert entworfen hat. Allerdings erscheint die wunderschöne Fassade nicht auf der Leinwand. Das Gebäude wurde wegen seiner Küche ausgewählt, die dann als Küche in dem transsibirischen Restaurant zu sehen ist. Wenn Armin Mueller-Stahl nicht vor der Kamera stand, dann nutzte er die Gelegenheit, sich die Stadt anzuschauen. „London ist sehr aufregend“, schwärmt er. „Ich male selbst sehr gerne und deshalb habe ich mir in den Museen die Arbeiten von Cézanne und Hockney angesehen.“ Webster sagt: „tödliche versprechen sollte ein Gefühl für das London von heute vermitteln, das Gefühl einer multikulturellen Weltstadt. Wo immer man auch hinsieht, hier stößt das Alte auf das Neue, was gut zu unserer Geschichte passt.“
Knight fügt hinzu: „Die Verschiedenartigkeit der Orte spiegelt die Vielfalt des Londoner Lebens heute wider. In unserer Stadt werden einige hundert verschiedene Sprachen gesprochen und auch in unserem Film kommen verschiedene Sprachen vor.“ Um sicherzustellen, dass die Sprachen auch mit den richtigen Akzenten gesprochen werden, hatte die Produktion drei Dialekt- und Dialogtrainer eingestellt. Während der Dreharbeiten verfolgten die drei jedes gesprochene Wort aufmerksam über Kopfhörer. Der russische Dialekttrainer Olegar Fedoro hat sich für seine Arbeit mit Viggo Mortensen ein hohes Ziel gesetzt: „Ich hatte mir vorgenommen, dass die Leute, wenn sie in Moskau Mortensen in diesem Film sehen, sagen werden ‚Ich wusste gar nicht, dass er Russe ist’. Als Viggo aus Russland zurückkam, haben wir direkt mit den Vorbereitungen begonnen. Er ist sprachbegabter als viele seiner Kollegen.“ Dialogtrainer Andrew Jack konzentrierte sich vor allem darauf, dass die Schauspieler englisch mit dem jeweils passenden russischen Akzent sprachen. Besondere Aufmerksamkeit galt dem Franzosen Vincent Cassel und dem Deutschen Armin Mueller-Stahl, aber auch Naomi Watts musste an ihrem englischen Akzent arbeiten, da sie in Australien aufgewachsen war.“ Esin Harvey, die Beraterin für Türkisch, vervollständigte das lingustische Begleitpersonal. Sie arbeitete mit den Schauspielern, die die Mitglieder der rivalisierenden Gangsterfamilie verkörperten. Jack erklärt: „In diesem Film mussten wir bestimmen, wer für Dialekt und wer für Dialoge zuständig sein sollte. Olegar und Esin konzentrierten sich eher auf die Sprache. Wir alle haben aber großen Wert auf die Feinheiten gelegt, die die Charaktere glaubhaft werden lassen.“
Gehaltene Versprechen
David Cronenberg betrachtet den fertigen Film als „einen Banden-Thriller, der mit einem Familiendrama verwoben ist. Die Geschichte entfaltet sich in einer Subkultur, die in einer anderen starken Kultur existiert.“ Paul Webster bemerkt: „Das emotionale Dreieck zwischen Anna, Nikolai und Kirill hat mich schon an Steve Knights Drehbuch fasziniert. Unsere Schauspieler haben es mit Leben gefüllt. David hat auch das Drama eines Mannes eingefangen, der alles für seine Arbeit opfert. Viggo Mortensen schließt eine Art faustischen Vertrag. Aus den verschiedenen Elementen gewinnt David Cronenberg Drama und Spannung.“ Mortensen fügt hinzu: „Für mich ist es ein großes Glück, zwei Filme hintereinander mit David machen zu können. Mit diesem Film erforschen wir die Sprache, während in A History of Violence die Gestik Vorrang hatte. TÖDLICHE VERSPRECHEN ist ein konsequenter Nachfolger von A History of Violence. Hier geht es wieder im Fragen der Identität, um die Erforschung der traditionellen Familienstrukturen, darum wie Leute mit gefährlichen Situationen und moralischem Dilemma umgehen und auch wieder um die Frage ‚Ist Gewalt jemals gerechtfertigt?’“

DIE SCHAUSPIELER
VIGGO MORTENSEN (Nikolai)
Viggo Mortensen spielt nach A HISTORY OF VIOLENCE nun in TÖDLICHE VERSPRECHEN - EASTERN PROMISES bereits zum zweiten Mal eine Hauptrolle unter David Cronenbergs Regie. Seit seinem Leinwanddebüt in Peter Weirs preisgekröntem Film DER EINZIGE ZEUGE (1985) hat Viggo Mortensen in fast 50 Filmen sehr verschiedenartige Charaktere verkörpert. Zusammen mit den anderen Darstellern von Peter Jacksons Oscar-Gewinner DER HERR DER RINGE: DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS (2003) erhielt er den Screen Actors Guild Award für Outstanding Performance by a Cast in a Motion Picture. Mortensen hat mit Regisseur Sean Penn INDIAN RUNNER (1991) gedreht. In Brian De Palmas CARLITO’S WAY (1993) stand er mit Al Pacino und Sean Penn vor der Kamera und in Jane Campions THE PORTRAIT OF A LADY (1996) spielt er einen Verehrer von Isabel Archer, die von Nicole Kidman dargestellt wird. Viggo Mortensen hat u.a. mit Regisseuren wie Ridley Scott (DIE AKTE JANE, 1997), Tony Scott (CRIMSON TIDE, 1995), Gus Van Sant (PSYCHO, 1998 ) oder Agustín Díaz Yanes (ALATRISTE 2006) zusammengearbeitet. Momentan laufen die Dreharbeiten zu Appaloosa, bei dem Viggo Mortensen unter der Regie von Ed Harris die Hauptrolle übernommen hat.
Der gebürtige New Yorker lebte mehrere Jahre in Venezuela, Argentinien und Dänemark, bevor er in seiner Heimatstadt ein Schauspielstudium bei Warren Robertson aufnahm. Währenddessen begann er, Theater zu spielen. Viggo Mortensen hat sich auch einen Namen als Poet, Fotograf und Maler gemacht. 2002 gründete er seinen unabhängigen Verlag Perceval Press, der Bücher und CDs mit und über Kunst, Poesie und Fotografie veröffentlicht. Perceval Press hat sich die Aufgabe gestellt, interessante Künstler und Autoren zu präsentieren, die auf dem Massenmarkt keine Chance hätten. In der Galerie „16 Track“ in Santa Monica hat Viggo Mortensen seine eigene Landschaftsfotoserie zusammen mit den Bildern des isländischen Malers Gudni ausgestellt. Im nächsten Jahr sind in Island und Dänemark Ausstellungen seiner Malerei und seiner Fotokunst geplant. Er hatte Ausstellungen in der Stephen Cohen Gallery in Los Angeles, in der Addison Ripley Gallery in Washington und der Robert Mann Gallery in New York City.
Filmografie (Auswahl)
2007
EASTERN PROMISES (Tödliche Versprechen - Eastern Promises)
Regie: David Cronenberg
2006
ALATRISTE
Regie: Agustín Díaz Yanes
2005
A HISTORY OF VIOLENCE (A History of Violence)
Regie: David Cronenberg
2003
THE LORD OF THE RINGS: THE RETURN OF THE KING (Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs)
Regie: Peter Jackson
2002
THE LORD OF THE RINGS: THE TWO TOWERS (Der Herr der Ringe: Die zwei Türme)
Regie: Peter Jackson
2001
THE LORD OF THE RINGS: THE FELLOWSHIP OF THE RING (Der Herr der Ringe: Die Gefährten)
Regie: Peter Jackson
2000
28 DAYS (28 Tage)
Regie: Betty Thomas
1998
PSYCHO (Psycho)
Regie: Gus Van Sant
1997
G.I. JANE (Die Akte Jane)
Ridley Scott
1996
THE PORTRAIT OF A LADY (Portrait of a Lady)
Regie: Jane Campion
1995
CRIMSON TIDE (Crimson Tide - In tiefster Gefahr)
Regie: Tony Scott
1993
AMERICAN YAKUZA (Bloodbrother II - Champ gegen Champ)
Regie: Frank A. Cappello
1991
THE INDIAN RUNNER (Indian Runner)
Regie: Sean Penn
1990
THE REFLECTING SKIN (Schrei in der Stille)
Regie: Philip Ridley
1988
PRISON (Prison - eine Rückkehr aus der Hölle)
Regie: Renny Harlin
1985
WITNESS (Der einzige Zeuge)
Regie: Peter Weir
NAOMI WATTS (Anna)
Naomi Watts wurde für ihre Darstellung in Alejandro González Iñárritus 21 GRAMM (2003) sowohl für den Oscar als auch für den BAFTA, den Critics Choice und den Screen Actors Guild Award nominiert. Beim Internationalen Filmfestival in Venedig erhielt sie den Publikumspreis als Beste Schauspielerin. 2001 war für Naomi Watts das Jahr, in dem sie sich mit ihrer Doppelrolle in David Lynchs MULHOLLAND DRIVE international einen Namen gemacht hat. Der Film hatte bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. Ihre Darstellung wurde mit einer Reihe von Preisen bedacht. So wurde sie von der National Society of Film Critics und der Chicago Film Critics Association zur Besten Schauspielerin gekürt. Auf der ShoWest wurde sie zum Female Star of Tomorrow gewählt, auf dem Hollywood Film Festival erhielt sie den Hollywood Discovery Award for Breakthrough Acting, und schließlich erhielt sie auch den Breakthrough Actress Award des National Board of Review. Naomi Watts spielte Ann Darrow in Peter Jacksons KING KONG (2005), wofür sie der London Film Critics Circle zur Schauspielerin des Jahres wählte. Weitere Hauptrollen spielte sie u.a. in Gore Verbinskis THE RING - DAS GRAUEN SCHLÄFT NIE (2002), in Merchant Ivorys EINE AFFÄRE IN PARIS (2003) und in John Currans We Don’t Live Here Anymore (2004). 2006 produzierte sie mit demselben Regisseur The Painted Veil, in dem sie wieder die Hauptrolle spielte. Als ausführende Produzentin und Darstellerin der Anna hat sich Naomi Watts für Michael Hanekes Remake von FUNNY GAMES engagiert.
Naomi Watts wurde in England geboren. Mit 14 zog die Familie nach Australien. Ihre erste Nebenrolle spielte sie in John Duigans FLIRTING - SPIEL MIT DER LIEBE (1991). Der Kurzfilm „Ellie Parker“, in dem sie die Titelrolle spielte und den sie auch produziert hatte, wurde 2001 auf dem Sundance Film Festival gezeigt. 2005 hatte die Langversion ELLIE PARKER -SCHAUSPIELERIN ebenfalls in Sundance Premiere.
Filmografie (Auswahl)
2007
EASTERN PROMISES (Tödliche Versprechungen - Eastern Promises)
Regie: David Cronenberg
2006
THE PAINTED VEIL
Regie: John Curran
2005
KING KONG (King Kong)
Regie: Peter Jackson
STAY (Stay)
Regie: Marc Forster
THE RING TWO (Ring 2)
Regie: Hideo Nakata
ELLIE PARKER (Elli Parker - Schauspielerin)
Regie: Scott Coffey
2004
I HEART HUCKABEES (I heart Huckabees)
Regie: David O. Russell
THE ASSASSINATION OF RICHARD NIXON
Regie: Niels Mueller
WE DON´T LIVE HERE ANYMORE
Regie: John Curran
2003
21 GRAMS (21 Gramm)
Regie: Alejandro González Iñárritu
LE DIVORCE (Eine Affäre in Paris)
Regie: James Ivory
2002
THE RING (Ring)
Regie: Gore Verbinski
2001
MULHOLLAND DR. (Mulholland Drive)
Regie: David Lynch
VINCENT CASSEL (Kirill)
Vincent Cassel ist einer der prominentesten Schauspieler Frankreichs. Seine Karriere begann er, damals noch Student der Fratellini Circus School, bereits mit 17 Jahren als Ballett-Tänzer. Es folgte eine Zeit, in der er sich dem Straßentheater widmete. Seine Liebe zum amerikanischen Kino der 70er Jahre führte ihn ans New Yorker Actor’s Institute, wo er sein Schauspielstudium fortsetzte. Mit 20 kehrte er zurück nach Frankreich und arbeitete mit Jean-Louis Barrault am Theater. Cassels Durchbruch als Filmstar begann mit der Premiere von HASS (1995) bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Von nun an war Cassel ein international begehrter Star. Er spielte u.a. in Shekar Kapurs ELIZABETH (1998 ), Luc Bessons JOHANNA VON ORLEANS (1999), Mathieu Kassovitz’ DIE PURPURNEN FLÜSSE (2000) und Christophe Gans’ PAKT DER WÖLFE (2001). Für Jan Kounen stand er bereits zweimal vor der Kamera, und zwar für DOBERMANN (1997) und BLUEBERRY UND DER FLUCH DER DÄMONEN (2004). In SHREK - DER TOLLKÜHNE HELD (2001) lieh er Monsieur Hood seine Stimme. Cassel hat mit Steven Soderbergh OCEAN’S 12 (2004) und OCEAN’S 13 (2007) gedreht. Für seine Darstellung des Paul in Jacques Audiards Sur mes lèvres (2001) war er sowohl für den Europäischen Filmpreis als auch für den César nominiert worden.
Vincent Cassel ist auch Chef der Filmproduktion 120 Films, die zuletzt Kim Chapirons SHEITAN (2006) produziert hat. In dem Film übernahm Vincent Cassel die Hauptrolle. Weiterhin hat er mit Regisseur Jean-Jacques Annaud Sa majéste Minor abgedreht. Zur Zeit arbeitet er mit Jean-François Ríchet an zwei Filmen, in denen er die Verbrecherlegende Jacques Mesrine verkörpert (L´Instinct de mort und L´Ennemi public n 1).
Filmografie (Auswahl)
2007
EASTERN PROMISES (Eastern Promises - Tödliche Versprechen)
Regie: David Cronenberg
2006
SHEITAN
Regie: Kim Chapiron
2004
BLUEBERRY (Blueberry und der Fluch der Dämonen)
Regie: Jan Kounen
OCEAN’S TWELVE (Ocean's 12)
Regie: Steven Soderbergh
2002
IRRÉVERSIBLE (Irreversibel)
Regie: Gaspar Noé
2001
LE PACTE DES LOUPS (Der Pakt der Wölfe)
Regie: Christophe Gans
2000
LES RIVIÈRES POURPRES (Die purpurnen Flüsse)
Regie: Mathieu Kassovitz
1999
The Messenger: The Story of Joan of Arc (Johanna von Orléans)
Regie: Luc Besson
1998
ELIZABETH (Elizabeth)
Regie: Shekhar Kapur
1997
DOBERMANN (Dobermann)
Regie: Jan Kounen
1996
L'APPARTEMENT (Liebe und Lügen)
Regie: Gilles Mimouni
1995
JEFFERSON IN PARIS (Jefferson in Paris)
Regie: James Ivory
LA HAINE (Hass)
Regie: Mathieu Kassovitz
1993
MÉTISSE (Kreuzungen)
Regie: Mathieu Kassovitz
1991
LES CLÉS DU PARADIS (Gemischtes Doppel)
Regie: Philippe de Broca
ARMIN MUELLER-STAHL (Semyon)
Für seine Darstellung in Scott Hicks’ SHINE - DER WEG INS LICHT (1996) wurde Armin Mueller-Stahl für einen Oscar nominiert. Die Screen Actors Guild nominierte die Schauspieler dieses Films für ihre Outstanding Performance by a Cast. Der Schauspieler, Musiker, Maler, Autor und Regisseur Armin Mueller-Stahl, der in Ostberlin aufwuchs, wurde in Tilsit geboren. Nach seinem Studium spielte er ab 1952 an der Berliner Volksbühne. Er arbeitete währenddessen auch fürs Fernsehen. Seine erste Kinorolle spielte er in Gustav von Wangenheims HEIMLICHE EHEN (1956). Mit Frank Beyer arbeitete er sechs Mal zusammen: bei FÜNF PATRONENHÜLSEN (1960), KÖNIGSKINDER (1962), NACKT UNTER WÖLFEN (1963), DIE SIEBEN AFFÄREN DER DONA JUANITA (1973), JACOB DER LÜGNER (1975) und GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT (1978 ). Mueller-Stahl machte auch mit seinen Darstellungen in Egon Günthers DER DRITTE (1972) und Roland Gräfs DIE FLUCHT (1977) auf sich aufmerksam.
1979 ging Mueller-Stahl in den Westen. Für Rainer Werner Fassbinder stand er bei den Dreharbeiten von LOLA (1981) und DIE SEHNSUCHT DER VERONIKA VOSS (1982) vor der Kamera. Für LOLA erhielt er den Deutschen Filmpreis. 1985 gewann er auf dem Montréal World Film Festival den Preis als Bester Schauspieler für seine Rolle in Agnieszka Hollands BITTERE ERNTE. Mit Patrice Chéreau hat Mueller-Stahl DER VERFÜHRTE MANN (L’Homme blessé, 1983) gedreht, mit István Szabó OBERST REDL (1985), mit Costa-Gavras MUSIC BOX - DIE GANZE WAHRHEIT (1989), mit Barry Levinson AVALON (1990), mit Jim Jarmusch NIGHT ON EARTH (1991) und mit Steven Soderbergh KAFKA (1991). Auch in Rob Bowmans AKTE X - DER FILM (1998 ) und Peter Kassovitz’ JAKOB DER LÜGNER (1999) hat Mueller-Stahl mitgewirkt. Für seine Darstellung in George Sluizers UTZ (1992) erhielt er auf der Berlinale den Goldenen Bären. GESPRÄCH MIT DEM BIEST (1996), für den er das Drehbuch geschrieben hatte, und in dem er Adolf Hitler verkörpert, war seine erste Regiearbeit. Aktuell steht Armin Mueller-Stahl unter der Regie von Tom Tykwer in The International wieder mit Naomi Watts vor der Kamera.
Vom Autor Armin Mueller-Stahl sind u.a. die Bücher „Drehtage“ (1991), „Unterwegs nach Hause“ (1996), „In Gedanken an Marie Louise. Eine Liebesgeschichte“ (1998 ), „Hannah“ (2004) und „Venice. Ein amerikanisches Tagebuch“ (2005) erschienen. In diesem Jahr wurde Armin Mueller-Stahl für „hervorragende Verdienste um den deutschen Film“ mit dem deutschen Filmpreis Lola geehrt.
Filmografie (Auswahl)
2007
EASTERN PROMISES (Eastern Promises - Tödliche Versprechen)
Regie: David Cronenberg
2000
PILGRIM (Jagd auf einen Namenlosen)
Regie: Harley Cokeliss
1999
THE THIRTEENTH FLOOR (Abwärts in die Zukunft)
Regie: Josef Rusnak
1997
THE COMMISSIONER (Der Commissioner - Im Zentrum der Macht)
Regie: George Sluizer
1996
GESPRÄCH MIT DEM BIEST
Regie: Armin Mueller-Stahl
SHINE (Shine - Der Weg ans Licht)
Regie: Scott Hicks
1994
HOLY MATRIMONY (Holy Days)
Regie: Leonard Nimoy
1993
THE HOUSE OF THE SPIRITS (Das Geisterhaus)
Regie: Bille August
DER KINOERZÄHLER
Regie: Bernhard Sinkel
1992
UTZ (Utz)
Regie: George Sluizer
1991
BRONSTEINS KINDER
Regie: Jerzy Kawalerowicz
NIGHT ON EARTH (Night On Earth)
Regie: Jim Jarmusch
1990
AVALON (Avalon)
Regie: Barry Levinson
1989
MUSIC BOX (Music Box - Die ganze Wahrheit)
Regie: Costa-Gavras
1987
TAUSEND AUGEN
Regie: Hans-Christoph Blumenberg
1985
OBERST REDL
Regie: István Szabó
1983
EINE LIEBE IN DEUTSCHLAND
Regie: Andrzej Wajda
1982
DIE SEHNSUCHT DER VERONIKA VOSS
Regie: Rainer Werner Fassbinder
1981
LOLA
Regie: Rainer Werner Fassbinder
1977
DIE FLUCHT
Regie: Roland Gräf
1972
DER DRITTE
Regie: Egon Günther
1962
NACKT UNTER WÖLFEN
Regie: Frank Beyer
1960
FÜNF PATRONENHÜLSEN
Regie: Frank Beyer
SINÉAD CUSACK (Helen)
Clive Donners ALFRED DER GROSSE - BEZWINGER DER WIKINGER (Alfred the Great, 1969) war der erste Film, in dem die gebürtige Irin Sinéad Cusack eine Rolle übernahm. Es folgte die Hauptrolle neben Peter Sellers in Alvin Rakoffs Komödie HOFFMAN (1970). Am Anfang ihrer Schauspielkarriere stand ein Engagement am berühmten Abbey Theatre in Dublin. Bei ihren Auftritten mit der Royal Shakespeare Company erregte sie bald auch in London die Aufmerksamkeit der Theaterwelt, unter anderem mit ihrer Darstellung der Lady Macbeth, der Katerina in „Der Widerspenstigen Zähmung“ und der Portia in „Der Kaufmann von Venedig“. Am Broadway machte sie mit der Beatrice in „Viel Lärm um Nichts” Furore. Hierfür erhielt sie auch eine Tony Award-Nominierung. 1990 stand Sinéad Cusack im Londoner West End zusammen mit ihrem Vater, dem bekannten Schauspieler Cyril Cusack, und ihren Schwestern Sorcha und Niamh in Anton Tschechows Stück „Drei Schwestern“ auf der Bühne. 1998 wurde sie sowohl vom Evening Standard als auch vom London Critics Circle für ihre Rolle in „Our Lady of Sligo“ als Beste Schauspielerin ausgezeichnet. Auch für ihre Darstellung in Tom Stoppards „Rock’n’Roll“ wurde sie wieder für den Theatre Award des Evening Standard nominiert. Ab 4. November 2007 ist sie in dieser Inszenierung am Broadway im Bernard B. Jacobs Theatre zu sehen.
Mit ihrem Ehemann Jeremy Irons spielte sie in Stephen Gyllenhaals DAS GEHEIMNIS EINER LIEBE (Waterland, 1992) und in Bernardo Bertoluccis GEFÜHL UND VERFÜHRUNG (Stealing Beauty, 1996). Zu sehen war sie auch in Marty Feldmans DREI FREMDENLEGIONÄRE (The Last Remake of Beau Geste, 1977), Daniel Petries ROCKET GIBRALTAR (1988 ) Andrew Birkins DER ZEMENTGARTEN (The Cement Garden, 1993), James McTeigues V WIE VENDETTA (V for Vendetta, 2005) und John Boormans The Tiger’s Tail (2006). Für diese Rolle wurde sie für den Irish Film and Television (IFTA) Award nominiert.
JERZY SKOLIMOWSKI (Stepan)
Der Schauspieler, Schriftsteller und Maler Jerzy Skolimowski wurde im polnischen Lodz geboren. Er hat in Warschau Literatur, Geschichte und Ethnologie studiert, bevor er an der renommierten Filmschule in Lodz ein Regie-Studium aufnahm. Während seiner Studienzeit begann er mit dem Boxsport. Boxen war auch das Thema seines Films Boks (1961) und in Andrzej Wajdas DER UNSCHULDIGE ZAUBERER (Niewinni czarodzieje, 1960), für den er auch das Drehbuch schrieb, spielte Jerzy Skolimowski einen Boxer. Bevor er begann, Drehbücher zu schreiben, darunter Polanskis DAS MESSER IM WASSER (Nóz w wodzie, 1962), hatte er bereits mehrere Bücher mit Poesie und Kurzgeschichten veröffentlicht. Jerzy Skolimowski hat über 20 Filme als Regisseur gedreht, darunter auch SCHWARZARBEIT (Moonlighting, 1982) mit Jeremy Irons in der Hauptrolle. Sein Drehbuch zu diesem Film wurde bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet. DER START (Le Départ, 1967) mit Jean-Pierre Léaud bekam den Goldenen Bären auf der Berlinale. TODESSCHREI (The Shout, 197
, mit Alan Bates und Susannah York, erhielt den Grand Prix von Cannes, und Das FEUERSCHIFF (The Lightship, 1986), mit Robert Duvall und Klaus Maria Brandauer, wurde in Venedig mit dem Spezialpreis der Jury für Robert Duvall prämiert. Mit Jane Asher und John Moulder-Brown hat er DEEP END (1971) gedreht, mit David Niven und Gina Lollobrigida KÖNIG, DAME, BUBE (King, Queen, Knave, 1972) und mit Michael York Success Is the Best Revenge (1984). Als Schauspieler arbeitet Skolimowski nicht nur in den eigenen Filmen. Unter der Regie von Taylor Hackford hat er WHITE NIGHTS - NACHT DER ENTSCHEIDUNG (1985) gedreht, und er hat auch in Tim Burtons MARS ATTACKS! (1996) eine Rolle gespielt. Mit Julian Schnabel hat er BEVOR ES NACHT WIRD (Before Night Falls, 2000) und mit Volker Schlöndorf DIE FÄLSCHUNG (1981) gemacht. Die Bilder des Malers Skolimowski wurden in vielen amerikanischen und europäischen Galerien ausgestellt. Seine Werke wurden auch auf der Biennale in Venedig gezeigt.
DER STAB
DAVID CRONENBERG (Regie)
Für die meisten seiner Filme hat Regisseur David Cronenberg auch das Drehbuch geschrieben, unter ihnen PARASITEN-MÖRDER (Shivers, 1975), ÜBERFALL DER TEUFLISCHEN BESTIEN (Rabid, 1977), 10.000 PS - VOLLGASRAUSCH IM GRENZBEREICH (Fast Company, 1979), DIE BRUT (1979), SCANNERS - IHRE GEDANKEN KÖNNEN TÖTEN (1981), VIDEODROME (1983), DIE FLIEGE (1986), DIE UNZERTRENNLICHEN (Dead Ringers, 1988 ), NAKED LUNCH (1991), CRASH (1996) und eXistenZ (1999). Folgende Filme hat Cronenberg nach den Drehbüchern anderer Autoren gemacht: DEAD ZONE - DER ATTENTÄTER (1983), M. BUTTERFLY (1993), SPIDER (2002) und A HISTORY OF VIOLENCE (2005), den er auch produziert hat. Auch TÖDLICHE VERSPRECHEN liegt ein Drehbuch eines anderen Autoren zugrunde.
Wie kein anderer kanadischer Regisseur wird Torontos bedeutendster Filmemacher auf der ganzen Welt geschätzt. 2001 erhielt er den Ehrendoktor der University of Toronto. 1990 wurde ihm in Frankreich der Titel „Chevalier des Ordre des Arts et des Lettres“ verliehen, 1997 folgte der „Officer des Ordre des Arts et des Lettres“. Auch die Glamour-Welt verbeugte sich vor Cronenberg: 2005 war er bei GQ „Man of the Year”. Auf dem Internationalen Filmfestival von Palm Springs erhielt er den Sonny Bono Visionary Award. Das National Board of Review verlieh ihm den Billy Wilder Award, und auf dem Stockholm Film Festival wurde Cronenberg mit dem Achievement Award geehrt. 2006 fungierte er als Kurator der Ausstellung „Andy Warhol/Supernova: Stars, Deaths and Disasters, 1962-1964“, die in der Art Gallery of Toronto stattfand. Retrospektiven der Arbeit von David Cronenberg wurden in Japan, in den USA, in Großbritannien, Frankreich, Brasilien, Italien, Portugal und Kanada gezeigt. Unter anderem wurden folgende Bücher über sein Werk veröffentlicht: „The Shape of Rage - the Films of David Cronenberg“, „The Artist as Monster: The Cinema of David Cronenberg“, „Cronenberg on Cronenberg“. Auch die französische Filmzeitschrift Cahiers du Cinema hat eine Interviewserie mit Cronenberg veröffentlicht.
Der Filmemacher hat an der University of Toronto studiert. Während dieser Zeit hat er zwei 16mm Kurzfilme gedreht, „Transfer“ (1966) und „From the Drain“ (1967). STEREO (1969) und Crimes of the Future (1970) waren seine ersten 35mm-Arbeiten. In ihnen findet man bereits die Themen, die sein Werk charakterisieren, wie Gewalt und Sexualität, Veränderungen der Realitäten, Sozialsatire und biologischen Horror. Sein erster Kinofilm war PARASITEN-MÖRDER (1975), der seine Produktionskosten so schnell wieder eingespielt hatte, wie sonst kein anderer Film in der Geschichte Kanadas. Bald wurden seine Projekte wie VIDEODROME und DEAD ZONE - DER ATTENTÄTER größer und aufwendiger, und sie wurden auch von Hollywoodstudios mitproduziert. Es folgten DIE FLIEGE, ein Remake des gleichnamigen Horrorklassikers aus dem Jahre 1958, und DIE UNZERTRENNLICHEN, für den Cronenberg der Best Director Award der Los Angeles Film Critics Association verliehen wurde. Cronenbergs NAKED LUNCH (nach dem Roman von William S. Burroughs) bekam von der National Society of Film Critics den Preis für die Beste Regie. Diese, wie auch die Kritiker des New York Film Critics Circle, kürten sein Drehbuch zum Besten Drehbuch des Jahres. Der Film wurde auch acht Mal mit Kanadas Oscar, dem Genie Award geehrt (u.a. Bester Film und Bester Regisseur).
Weiterhin erhielt Cronenberg folgende Preise: Spezialpreis der Jury in Cannes für CRASH und den Silbernen Bären auf der Berlinale für eXistenZ. Auch A HISTORY OF VIOLENCE erhielt eine Reihe von Auszeichnungen sowie zwei Oscarnominierungen, und zwar für den Besten Nebendarsteller (William Hurt) und für das Beste Drehbuch (Josh Olson). Seine neueren Kurzfilme sind „Camera“ (2000) und „At the Suicide of the Last Jew in the World in the Last Cinema in the World“ (2007), ein Teil von CHACUN SON CINEMA, dem Gemeinschaftsprojekt, das 36 Spitzenregisseure zu Ehren des 60. Geburtstags des Filmfestivals von Cannes gemacht haben. Und erst kürzlich wurde Cronenberg beim diesjährigen Filmfest Hamburg mit dem Douglas-Sirk-Preis geehrt.
David Cronenberg hat auch in eigenen Filmen, wie auch in denen von anderen Regisseuren, als Schauspieler vor der Kamera gestanden, beispielsweise in Gus Van Sants TO DIE FOR (1995), Clive Barkers CABAL -DIE BRUT DER NACHT (Nightbreed, 1990) und Don McKellars DIE LETZTE NACHT (Last Night, 1998 ). 2008 wird Cronenberg im Pariser Théâtre du Châtelet eine neue Oper inszenieren. Als Vorlage dient sein Film DIE FLIEGE. Musik: Howard Shore. Libretto: David Henry Hwang.
Filmografie (Auswahl)
2007 EASTERN PROMISES (Tödliche Versprechen - Eastern Promises)
2005 A HISTORY OF VIOLENCE (A History of Violence)
2002 SPIDER (Spider)
1999 existenZ (existenZ)
1996 CRASH (Crash)
1993 M. BUTTERFLY (M. Butterfly)
1991 NAKED LUNCH (Naked Lunch)
1988 DEAD RINGERS (Die Unzertrennlichen)
1986 THE FLY (Die Fliege)
1983 THE DEAD ZONE (Dead Zone - Der Attentäter)
1983 VIDEODROME (Videodrome)
1981 SCANNERS (Scanners - Ihre Gedanken können töten)
1979 THE BROOD (Die Brut)
1975 SHIVERS (Parasiten-Mörder)
1970 CRIMES OF THE FUTURE
1969 STEREO
STEVE KNIGHT (Drehbuch)
Steve Knights erstes Drehbuch, DIRTY PRETTY THINGS (2002), wurde von Stephen Frears verfilmt. Bei seiner Premiere auf dem Internationalen Filmfestival von Venedig 2002 wurde der Film von Kritikern aus aller Welt gefeiert. Es folgte eine Welle von angesehenen Preisen, unter ihnen vier British Independent Film Awards - auch der für das Beste Drehbuch - und British Film Awards für den Besten Film und den Besten Schauspieler. Steve Knight erhielt für sein Drehbuch zu DIRTY PRETTY THINGS auch den Humanitas Prize, den Edgar Allan Poe Award sowie Nominierungen für den Oscar, für den BAFTA und den Writers Guild of America Award. Der gebürtige Engländer studierte Literatur am University College in London. Danach arbeitete er als Werbetexter und Producer in einer Werbeagentur in seiner Heimatstadt und später in gleicher Funktion für Capital Radio. 1988 gründete Steve Knight eine Zusammenarbeit mit Mike Whitehill. Sie schrieben als Autorenteam Bücher für Fernsehsendungen. Neben anderen TV-Programmen gingen „Commercial Breakdown” und „The Detectives” aus dieser Zusammenarbeit hervor. Steve Knight war auch Miterfinder und Produzent von „Who wants to be a millionaire?”. Die Show gewann weltweit ein großes Publikum und den BAFTA Award, den National Television Award, die Silver Rose of Montreux und den Queen’s Award for Enterprise.
Drei Romane hat Steve Knight bereits veröffentlicht: „The Movie House”, „Alphabet City”, (dt: „Alphabet City. Roman eines verhängnisvollen Irrtums“) und „Out of the Blue”. Knights erstes Theaterstück, „The President of an Empty Room“, wurde 2005 in der Regie von Howard Davies am London’s National Theatre uraufgeführt. Momentan arbeitet er an seinem zweiten Bühnenstück. Amazing Grace (2006), Knights letztes Drehbuch, wurde von Michael Apted verfilmt. Ioan Gruffudd verkörperte den britischen Aktivisten William Wilberforce, der sich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzte. Zur Zeit schreibt Steve Knight die Drehbuchfassung der Reportage „Curveball: Spies, Lies and the Man Behind Them - The Real Reason America Went to War in Iraq”, von Pulitzer Preisträger Bob Drogin. Curveball war der Deckname eines Geheimdienstinformanten, dessen falsche Aussage über Waffenarsenale die US-Regierung als Rechtfertigung für ihren Irakkrieg benutzt hat.
PAUL WEBSTER (Produktion)
Paul Webster arbeitet als unabhängiger Filmproduzent in London. Im Jahr 2004 gründete er die Spielfilmabteilung von Kudos Film & Television Ltd., eine der führenden TV-Produktionsfirmen Großbritanniens. Geschäftsführer und Gründer sind Jane Featherstone und Stephen Garrett. TÖDLICHE VERSPRECHEN - EASTERN PROMISES ist das erste Projekt dieser Spielfilmabteilung. Seit der Kundos-Gründung im Jahr 1992 hat die Firma folgende TV-Hits produziert: „Hustle“ (2004), die für den BAFTA Award nominierte Polizei-Serie „Life on Mars - Gefangen in den 70ern“ (2006 - 2007), Paul Lynchs Emmy Award-Gewinner „The Magician’s House“, Grant Gees für den Grammy nominierte Dokumentation über die Gruppe Radiohead „Meeting People is Easy“ und den BAFTA Award-Gewinner „Spooks“, eine Spionage-Serie mit Matthew Macfadyen. Mit diesem Darsteller hat Webster auch den preisgekrönten Film STOLZ & VORURTEIL (Pride & Prejudice, 2005) gedreht. In Co-Produktion mit Working Title Films hat Webster kürzlich ABBITTE (Atonement, Regie: Joe Wright, 2007) produziert. Als ausführender Produzent hat Paul Webster MISS PETTIGREW LIVES FOR A DAY (Regie: Bharat Nalluri) mit Frances McDormand produziert, der im nächsten Jahr in die Kinos kommt. Schließlich arbeitet Webster momentan auch noch an dem Dokumentarfilm „The Crimson Wing“, im Auftrag von Walt Disney Pictures.
Paul Webster war auch als ausführender Produzent an der Herstellung von Walter Salles’ DIE REISE DES JUNGEN CHE (Diarios de motocicleta, 2004) beteiligt. Als Chef und Gründer von FilmFour, der Spielfilmsektion des TV-Senders Channel Four, war er von 1998 bis 2002 für eine Reihe von Projekten zuständig, darunter Gregor Jordans ARMY GO HOME! (2001), Jez Butterworths BIRTHDAY GIRL - BRAUT AUF BESTELLUNG (2001), Gillian Armstrongs DIE LIEBE DER CHARLOTTE GRAY (2001) und Jonathan Glazers SEXY BEAST (2000). Sir Ben Kingsley wurde für seine Darstellung in diesem Film für den Oscar nominiert. Vor der Gründung von FilmFour war Webster Produktionsleiter bei Miramax Films. Während dieser Zeit entstanden unter seiner Leitung Oscar-Gewinner wie Anthony Minghellas DER ENGLISCHE PATIENT (1996), Gus Van Sants GOOD WILL HUNTING (1997), and John Maddens SHAKESPEARE IN LOVE (1998 ). Davor hat der Produzent sowohl unabhängig als auch bei Working Title Films gearbeitet. Produziert hat er während dieser Zeit Mel Smiths DAS LANGE ELEND (1989), Peter Medaks ROMEO IS BLEEDING (1993) und James Grays LITTLE ODESSA - EISKALT WIE DER TOT (1994), der auf dem Filmfestival von Venedig den Silbernen Löwen gewann. Mit James Gray realisierte er später noch THE YARDS - IM HINTERHOF DER MACHT (2000).
Bevor Paul Webster sich ins Produzentengeschäft stürzte, betrieb er Palace Pictures, den Filmverleih der britischen Produktionsfirma Palace. Mitte der 70er Jahre tat Paul Webster seinen ersten Schritt ins Filmbusiness, er arbeitete an der Kasse des Gate Kinos in Notting Hill.
ROBERT LANTOS (Produktion)
TÖDLICHE VERSPRECHEN - EASTERN PROMISES stellt nach CRASH und eXistenZ die dritte Zusammenarbeit von David Cronenberg und Robert Lantos dar. Fugitive Pieces (Regie: Jeremy Podeswa), Lantos’ andere aktuelle Produktion, hat in diesem Jahr das Toronto International Film Festival eröffnet. Lantos hatte Kanadas führende Film- und Fernsehproduktion Alliance Communications gegründet, wo er Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor war. 1998 verkaufte er seine Aktienmehrheit. Seine Projekte produziert er jetzt mit seiner neuen Firma Serendipity Point Films. L’Ange et la femme (1976, Regie: Gilles Carle) war der erste Film, den er produziert hat. Seitdem hat er über 30 Filme produziert. Lantos hat gute Beziehungen zu den bedeutendsten Regisseuren, so hat er sowohl István Szabós Filme ALLE LIEBEN JULIA (Being Julia, 2004) und SUNSHINE - EIN HAUCH VON SONNENSCHEIN (1999) als auch Atom Egoyans DAS SÜSSE JENSEITS (The Sweet Hereafter, 1997), WAHRE LÜGEN (Where the Truth Lies, 2005) und ARARAT (2002) produziert. Weitere seiner Spielfilme sind LUST AUF LIEBE (In Praise of Older Women (1978 ) von George Kaczender, EINE LIEBE IN MONTREAL (Joshua Then and Now, 1985) von Ted Kotcheff, BLACK ROBE - AM FLUSS DER IROKESEN (1991) von Bruce Beresford, VERNETZT (Johnny Mnemonic, 1995) von Robert Longo sowie Denys Arcands STARDOM (2000).
Lantos hat TV-Material wie die Serien „Due South“ und „E.N.G.“ sowie Fernsehfilme und Miniserien wie „Shot Through the Heart“, „The Hunchback“, „Sword of Gideon“, „Family of Strangers“, und „Woman on the Run“ produziert. Er hat den Order of Canada und die Ehrendoktorwürde der McGill University verliehen bekommen, und er ist Mitglied des Board of Indigo Books & Music.
PETER SUSCHITZKY (Kamera)
TÖDLICHE VERSPRECHEN - EASTERN PROMISES ist der achte Film, den Peter Suschitzky mit Regisseur David Cronenberg realisiert hat. Tatsächlich führte Suschitzky die Kamera bei allen Spielfilmen Cronenbergs, seit er 1988 bei den Dreharbeiten von DIE UNZERTRENNLICHEN zum ersten Mal die Leitung für Licht und Kamera übernommen hatte. Peter Suschitzky wurde als Sohn des Kameramanns Wolfgang Suschitzky in Warschau geboren und wuchs in London auf. Obwohl seine Leidenschaft der Musik galt, wählte er den Beruf des Kameramanns. Er studierte in Paris am IDHEC. In Südafrika drehte er Dokumentarfilme und arbeitete im Alter von 22 Jahren an seinem ersten Spielfilm IT HAPPENED HERE (1965, Regie: Kevin Brownlow und Andrew Mollo), womit er bis heute in Großbritannien der jüngste Kameramann eines Spielfilms aller Zeiten ist. Seitdem hat er mit Regisseuren auf der ganzen Welt gearbeitet, u.a. mit Irvin Kershner (DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK, 1980), mit Jim Sharman (THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW, 1975), mit Peter Watkins (PRIVILEG, 1967 und The Peace Game, 1969), mit John Boorman (LEO DER LETZTE, 1970 und DIE ZEIT DER BUNTEN VÖGEL, 1990) und mit Ken Russell (LISZTOMANIA, 1975 und VALENTINO, 1977).
CAROL SPIER (Ausstattung)
Mit TÖDLICHE VERSPRECHEN - EASTERN PROMISES setzt Carol Spier ihre langjährige Zusammenarbeit mit Regisseur David Cronenberg fort. Folgende Cronenberg-Filme hat sie bereits ausgestattet: A HISTORY OF VIOLENCE, eXistenz, CRASH, M. BUTTERFLY, NAKED LUNCH, DIE UNZERTRENNLICHEN, DIE FLIEGE, THE DEAD ZONE - DER ATTENTÄTER, VIDEODROME, SCANNERS - IHRE GEDANKEN KÖNNEN TÖTEN, DIE BRUT und 10.000 PS VOLLGAS IM GRENZBEREICH sowie das TV-Doku-Drama „Scales of Justice“ und den Kurzfilm „Camera“. Den Genie Award bekam sie für NAKED LUNCH und DIE UNZERTRENNLICHEN. Für DIE BRUT, VIDEODROME, SCANNERS und eXistenZ war sie nominiert.
Die gebürtige Kanadierin studierte Innenarchitektur an der University of Manitoba. Zu Beginn ihrer Karriere entwarf sie Innenausstattungen in Winnipeg. Während dieser Zeit arbeitete sie auch schon gelegentlich als Set-Designerin und Kostümbildnerin für verschiedene Theatergruppen, unter ihnen das Manitoba Theater Center. Ihr erster Kinofilm war Leonard Yakirs DER TRAUERZUG (The Mourning Suit, 1975). Danach arbeitete sie als Assistentin des Artdirectors an verschiedenen Spielfilmen, unter ihnen Sidney Lumets EQUUS - BLINDE PFERDE (1977). Später arbeitete sie als Art-Director u.a. für Norman Jewison (AGNES OF GOD - ENGEL IM FEUER, 1985) und John Schlesinger (DAS RITUAL, 1987). Unter anderem hat sie auch mit John Boorman (DIE ZEIT DER BUNTEN VÖGEL, 1990), mit Alan J. Pakula (GEWAGTES SPIEL, 1992) und mit Guillermo del Toro (BLADE II, 2002 und MIMIC - ANGRIFF DER KILLERINSEKTEN, 1997) gearbeitet. Für die Ausstattung der TV-Serie „Anne of Green Gables“ wurde sie mit dem Gemini Award ausgezeichnet.
RONALD SANDERS (Schnitt)
TÖDLICHE VERPSRECHEN - EASTERN PROMISES ist der 14. Film, den Ronald Sanders für David Cronenberg geschnitten hat. Er hat bereits bei folgenden Filmen mit Cronenberg zusammengearbeitet: A History of Violence, Spider, eXistenZ, Crash, M. Butterfly, Naked Lunch, die unzertrennlichen, die fliege, The Dead Zone - der attentäter, Videodrome, Scanners - ihre gedanken können töten, 10.000 PS VOLLGAS IM GRENZBEREICH sowie bei dem Kurzfilm „Camera“.
Sanders, der in Winnipeg geboren wurde, lernte früh das Kino kennen: Sein Vater war Filmvorführer. Nach seinem Abschluss an der Universität Manitoba zog er nach Toronto wo er begann, als Cutter zu arbeiten.
DENISE CRONENBERG (Kostüme)
Denise Cronenberg hat die Kostüme für acht Filme ihres Bruder entworfen: DIE FLIGE, DIE UNZERTRENNLICHEN, NAKED LUNCH, M. BUTTERFLY, eXistenZ, CRASH, SPIDER, A HISTORY OF VIOLENCE und nun TÖDLICHE VERSPRECHEN - EASTERN PROMISES. Dreimal wurde sie für ihre Arbeit bei den Genie Awards nominiert. Nachdem sie in Toronto Ballett studiert hatte, machte sie den Abschluss im Fach „Radio and Television Arts“ am Ryerson Polytech. Danach ging sie zum American Ballet Theatre, später tanzte sie beim Royal Winnipeg Ballet. Schließlich begann sie eine neue Karriere als Modedesignerin mit einer eigenen Linie, bevor sie sich für den Beruf der Kostümdesignerin entschied.
Zur Zeit arbeitet sie an den Kostümen für Louis Leterriers The Incredible Hulk (2008 ) mit Edward Norton, Liv Tyler und William Hurt. Unter anderem hat sie die Kostüme für Agnieszka Hollands DAS DRITTE WUNDER (1999), Kasi Lemmons THE CAVEMAN´S VALENTINE - TOD EINES ENGELS (2001), James Wans Dead Silence (2007), Zack Snyders DAWN OF THE DEAD (2004) und Michael Davis Shoot ’Em Up (2007) entworfen.
HOWARD SHORE (Musik)
Howard Shore hat schon mehrfach mit David Cronenberg zusammengearbeitet. Für folgende Cronenberg-Filme hat er bereits zuvor Filmmusiken komponiert: DIE BRUT, SCANNERS - IHRE GEDANKEN KÖNNEN TÖTEN, VIDEODROME, DIE FLIEGE, DIE UNZERTRENNLICHEN, NAKED LUNCH, M. BUTTERFLY, CRASH eXistenZ, SPIDER und A HISTORY OF VIOLENCE.
Shore ist einer der angesehensten Filmkomponisten und Dirigenten unserer Zeit. Neben vielen anderen Preisen hat er bereits drei Oscars gewonnen. Einen erhielt er für seine Musik zu Peter Jacksons DER HERR DER RINGE - DIE GEFÄHRTEN (2001, Best Original Score) und zwei für DER HERR DER RINGE - DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS (2003, Best Original Score und Best Original Song). Seine Arbeit für die Trilogie brachte ihm vier Grammy Awards und zwei Golden Globes ein. Seinen dritten Golden Globe bekam er für seine Musik zu Martin Scorseses AVIATOR (2004).
Shore war Gründungsmitglied der Gruppe „Lighthouse“, mit der er zwischen 1969 und 1972 auftrat und Platten aufnahm. Danach wurde er Musical Director bei „Saturday Night Live“. Er schrieb die Titelmelodie der Show und dirigierte von 1975 bis 1980 die Musik der Live-Übertragungen.
Weitere Filmkompositionen von Shore waren in folgenden Filmen zu hören: In Martin Scorseses DEPARTED - UNTER FEINDEN (2006), GANGS OF NEW YORK (2002), DIE ZEIT NACH MITTERNACHT (1985) und AVIATOR (2004), Tim Burtons ED WOOD (1994), in Jonathan Demmes DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER (1991) und PHILADELPHIA (1993), in David Finchers PANIC ROOM (2002), THE GAME (1997) und SIEBEN (1995), in Penny Marshalls BIG (1988 ) und in Chris Columbus MRS. DOUBTFIRE - DAS STACHELIGE KINDERMÄDCHEN (1993). Neben seinen Filmprojekten schreibt Shore grade die Musik zu der Oper „The Fly“, die das Théâtre du Châtelet in Paris in Auftrag gegeben hat. David Cronenberg wird Regie führen.
STEPHAN DUPUIS (Maske)
SCANNERS - IHRE GEDANKEN KÖNNEN TÖTEN war der erste Cronenberg-Film, an dem Stephan Dupuis als Maskenbildner mitgearbeitet hat. Es folgten NAKED LUNCH, CRASH eXistenz, SPIDER, A HISTORY OF VIOLENCE und DIE FLIEGE, für den er zusammen mit Chris Walas den Oscar gewann. Drei Mal war er für den Emmy Award nominiert, für sein Make-up von Ivan Passers „Stalin“, mit Robert Duval, für Robert Dornhelms „Rudy: The Rudy Giuliani Story“ mit James Woods und für Robert Allan Ackermans „The Reagans“ mit James Brolin. Unter anderem hat Dupuis an Wolfgang Petersens ENEMY MINE - GELIEBTER FEIND (1985) in der Maske mitgewirkt und das Make-up für Paul Verhoevens Filme ROBOCOP (1987) und TOTAL RECALL - DIE TOTALE ERINNERUNG (1990), für Steven Spielbergs INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG (1989), Martin Scorseses CAPE FEAR (1991), Mel Gibsons DER MANN OHNE GESICHT (1993) und George Clooneys CONFESSIONS OF A DANGEROUS MIND (2002) entworfen.
Schon als Junge hatte er begonnen im Keller des elterlichen Hauses in Montreal mit Schaumlatex zu experimentieren. Während er noch zur Uni ging, bekam er seinen ersten Job als Assistent des Make-up-Chefs bei Alvin Rakoffs STADT IN FLAMMEN (1979).
EASTERN PROMISES - Original Soundtrack
Die Musik zu dem spannenden Thriller Tödliche Versprechen - Eastern Promises stammt von Howard Shore, der auch die Filmmusik zur Trilogie DER Herr der Ringe komponierte und dafür mit drei Oscars, zwei Golden Globe Awards und vier Grammys ausgezeichnet wurde.
Der kanadische Dirigent und Komponist zählt zu den gefragtesten Filmkomponisten der heutigen Zeit. Zu seinen zahlreichen Filmkompositionen gehören neben DER Herr der Ringe, Departed - Unter Feinden, Gangs of New York, Das Schweigen der Lämmer, Philadelphia, Panic Room, Mrs. Doubtfire, Aviator u.v.m.
Der instrumentale Soundtrack zu Tödliche Versprechen wurde von der 20-jährigen britischen Stargeigerin Nicola Benedetti und dem London Philharmonic Orchestra, unter der Leitung von Howard Shore selbst, eingespielt.
Produkt-Nr.: 88697166872
Im Handel ab: 14.12.2007
Bestellung ab: Mitte November
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