Legende von Beowulf, Die - Special

Tomtec


WARNER BROS. PICTURES präsentiert
in Zusammenarbeit mit Shangri-La Entertainment
eine ImageMovers Produktion
Ein Robert Zemeckis Film



Ray Winstone
Anthony Hopkins
John Malkovich
Robin Wright Penn
Brendan Gleeson
Crispin Glover
Alison Lohman
und Angelina Jolie

Regie Robert Zemeckis
Produzenten Steve Starkey, Robert Zemeckis, Jack Rapke
Drehbuch Neil Gaiman & Roger Avary
Executive Producers Martin Shafer, Roger Avary, Neil Gaiman
Kamera Robert Presley
Produktionsdesign Doug Chiang
Schnitt Jeremiah O’Driscoll
Co-Produzent Steven Boyd
Senior Visual Effects Supervisor Jerome Chen
Bildanimation von SONY PICTURES IMAGEWORKS INC.
Originalsongs von Glen Ballard und Alan Silvestri
Musik Alan Silvestri
Kostümdesign Gabriella Pescucci
Casting RONNA KRESS C.S.A. und NINA GOLD C.D.G.



Deutscher Kinostart: 15. November 2007
im Verleih von Warner Bros. Pictures Germany
a division of Warner Bros. Entertainment GmbH
www.beowulf-derfilm.de





KURZINHALT

In grauer Vorzeit der Heldensagen stellt sich der mächtige Krieger Beowulf dem Duell mit dem monströsen Dämon Grendel. Der Sieg über ihn erregt den höllischen Zorn von Grendels ruchlos-verführerischer Mutter, der für ihre Rache jedes Mittel recht ist. Gewaltige Schlachtpanoramen, spektakuläre Kämpfe mit sagenhaften Drachen, Verrat und Intrigen am Königshof, die urwüchsige Gier des Menschen nach Reichtum und Macht – sie alle verwebt der Oscar-preisgekrönte Regisseur Robert Zemeckis („Forrest Gump“) zu einem digital gefilmten und animierten Monumentalepos, das mit seinen buchstäblich grenzenlosen Fantasy-Dimensionen alle bisherigen Seherfahrungen in den Schatten stellt.





ÜBER DIE PRODUKTION


Ein zeitloses Heldenepos


Verklärt von den Nebeln der Zeit, kämpften in einer magischen Ära verwegene Helden und Monster um Gold, Ruhm und Ehre. Selbst in jener Epoche war Beowulf eine Ausnahmegestalt: Er trat an, um das alte dänische Königreich vor der Vernichtung durch eine gottlose Kreatur zu bewahren. Dafür erhält der zwei Meter große, unerschütterlich selbstbewusste und ehrgeizige Wikinger die Königswürde.
Über Beowulf entstanden im ganzen Königreich Lieder, die seine gewaltige Kraft und seine Heldentaten besingen: Er eilt König Hrothgar zu Hilfe, dessen Reich von dem ruchlosen Monster Grendel verwüstet wird: Grendel verbreitet Angst und Schrecken, indem er die Bürger quält und verschlingt.
Als Beowulf das Reich von dieser wilden Bestie befreit, bringt ihm das Ruhm und Reichtum ein: Er bekommt verführerische Angebote. Ob es ihm gelingt, mit dieser neuen Macht weise umzugehen, wird seinen Ruf als Krieger, Sieger, Führer, Ehemann und vor allem als Mensch prägen.
„Beowulf“ ist das älteste bekannte Versepos in englischer Sprache. Robert Zemeckis’ Filmfassung übernimmt viele Figuren und Motive des Gedichts – gewaltige Monster und Helden, den ewigen Kampf Gut gegen Böse, die vielschichtigen Facetten von Tapferkeit und Ruhm –, aber mit dem Schulstoff „Beowulf“ hat der Film dennoch wenig gemein.
„Offen gesagt: Das Originalepos hat mich nicht angesprochen“, gibt Zemeckis zu. „Ich weiß noch, dass ich es in der Mittelstufe lesen musste, aber ich verstand es nicht, weil es in Altenglisch abgefasst ist. Also einer dieser schrecklichen Pflichtlektüren. Seitdem habe ich nie wieder daran gedacht, ich bin nie darauf gekommen, dass eine interessante Geschichte darin stecken könnte. Doch als ich dann das Drehbuch von Neil Gaiman und Roger Avary las, war ich auf der Stelle fasziniert. Ich fragte sie: ,Wieso reißt mich euer Skript derart mit, während ich mich bei dem Epos so gelangweilt habe?‘ Ihre Antwort: ,Na ja, das Epos entstand zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert. Und schon damals hatte man sich die Geschichte jahrhundertelang weitererzählt. Im 7. Jahrhundert beherrschten ausschließlich Mönche die Schriftsprache. Wir gehen also davon aus, dass sie die Geschichte stark bearbeitet haben.‘ Neil und Roger lasen zwischen den Zeilen, entdeckten, dass Teile des Quellenmaterials unvollständig waren, und ergänzten, was die Mönche ihrer Meinung nach ausgelassen hatten. Die Essenz des Epos blieb erhalten, aber die beiden bereiteten es für das moderne Publikum auf – und machten im Verlauf ihrer Arbeit revolutionäre Entdeckungen. Das wird unter den Wissenschaftlern große Diskussionen auslösen.“
Als Zemeckis die Story mit den beiden Autoren weiterentwickelte, arbeitete er sich derart in das Thema ein, dass jeder Schullehrer stolz auf ihn wäre: „Als ich durch das Skript Feuer gefangen hatte, las ich das Epos erneut, sprach mit Beowulf-Experten und tauchte tief in die Legende ein. Viele Motive des Beowulf-Epos entstammen der Bibel: der Werdegang des Helden, der Kampf Gut gegen Böse, der Preis des Ruhms. Und so kommt es, dass ,Beowulf‘ wiederum die Grundlage für alle unseren modernen Helden bildet – von Conan bis zu Superman und dem unglaublichen Hulk.“
„Was die Beowulf-Legende so attraktiv macht: Sie ist ein großartiges, mythisches Action-Abenteuer mit Monstern und verführerischen Frauen – Wesen, die zumindest in unserem Unterbewusstsein seit Urzeiten existieren“, fügt Produzent Jack Rapke hinzu.
Rückblickend erweisen sich Gaiman und Avary als für dieses Projekt perfekt geeignet: In Gaimans Lebenslauf heißt es: „Im ,Dictionary of Literary Biography‘ wird er unter den zehn bedeutendsten postmodernen Autoren geführt, er hat sich durch Prosa, Lyrik, Drehbücher, journalistische Artikel, Comics, Songtexte und Theaterstücke einen Namen gemacht.“ Vor allem die Comic-Fans schätzen seine DC-Comics-Serie „Sandman“, die mit neun Will Eisner Awards der Comic-Branche sowie mit drei Harvey Awards ausgezeichnet wurde. „Sandman Nr. 19“ erhielt 1991 den World Fantasy Award als Beste Kurzgeschichte und war damit der erste Comic, der einen Literaturpreis gewann.
Auch Avary genießt großes Ansehen aufgrund seiner düsteren, provokanten und innovativen Drehbücher und Filme, zu denen das Oscar-preisgekrönte Skript zu „Pulp Fiction“ (Pulp Fiction; gemeinsam mit Quentin Tarantino) sowie einflussreiche Regiearbeiten wie der in Cannes ausgezeichnete „Killing Zoe“ (Killing Zoe) und die Kinofassung von Bret Easton Ellis’ Roman „The Rules of Attraction“ (Einfach unwiderstehlich!; Kinotitel: Die Regeln des Spiels) gehören.
Gaiman und Avary begannen ihre Zusammenarbeit mit einem Drehbuch zu Gaimans „Sandman“. Daraus wurde zwar nie ein Film, aber die beiden merkten, wie gut sie harmonierten. Dennoch erwies sich die Kinofassung des Versepos „Beowulf“ für Gaiman und Avary als eine lange, seltsame, schließlich aber sehr fruchtbare Odyssee.
„Bei der Arbeit an ,Sandman‘ verstand ich mich bestens mit Roger. Ich mag ihn und auch, wie er denkt“, sagt Gaiman. „Irgendwann erwähnte er, dass er immer schon ,Beowulf‘ verfilmen wollte, aber bisher war er jeweils an der Verbindung der ersten beiden Akte mit dem dritten gescheitert, denn laut Struktur geht es zunächst um Beowulfs Kampf, dann um die Auseinandersetzung mit Grendels Mutter, und dann folgt 50 Jahre später sein Kampf gegen den Drachen. Das entspricht nicht der normalen Drei-Akt-Struktur von Drehbüchern. Ich schlug ihm ein paar Lösungsmöglichkeiten vor. Es entstand eine Pause, und dann sagte Roger: ,Wann hast du Zeit?‘“
„Letztlich konstruierte Neil den Schlüssel zur einheitlichen Feldtheorie zu ,Beowulf‘, an dem ich schon zehn Jahre laboriert hatte“, sagt Avary. „Das Epos erschien mir immer zusammenhaltlos – vor allem wirkt Beowulf nie als ein verlässlicher Erzähler. Ein Beispiel: Grendel greift Hrothgar niemals an, sondern quält ihn nur. Warum? Daraus ergab sich die simple Frage, die aus unerfindlichen Gründen bisher niemand gestellt hatte: Wer ist Grendels Vater? Das machte mir wirklich zu schaffen. Grendels Verhalten erschien plötzlich logisch, wenn man es unter diesem Gesichtspunkt betrachtete. Später reißt Beowulf Grendel den Arm ab, und Grendel zieht sich zum Sterben in seine Höhle zurück. Nachdem Grendels Mutter Vergeltung geübt hat, wagt sich Beowulf in die Höhle – angeblich, um Grendels Mutter zu töten. Doch er kommt aus der Höhle mit Grendels Kopf wieder, nicht mit dem seiner Mutter – das ist sehr verwirrend. Beowulf behauptet, er habe Grendels Mutter getötet – aber das erfahren wir nur von ihm. Wo bleibt der Beweis, dass er die Mutter getötet hat? Für mich war klar, dass Beowulf genau wie (meiner Meinung nach auch) Hrothgar der Verführung nachgegeben hat – den Versuchungen einer Sirene. Er schloss den Pakt mit einem Dämon. Dann, im zweiten Teil des Gedichts, ist Beowulf König geworden – sein Reich wird von einem Drachen angegriffen. Ich konnte nicht begreifen, wie das alles zusammenhängt. Ich sprach mit Neil über meine Vermutungen, als er die erstaunliche Bemerkung machte, dass der Drache Beowulfs Sohn sein könnte – eine Sünde, die sich jetzt gegen ihn wendet. Plötzlich ergaben die beiden Hälften des Beowulf-Epos, die nie zusammenpassen wollten, einen perfekten Spannungsbogen. Wäre es eine Schlange gewesen, hätte sie mich gebissen. Es ist durchaus möglich, dass diese Strukturelemente in den Hunderten von Jahren mündlicher Überlieferung verloren gingen und später von den christlichen Mönchen weiter verwässert wurden, die christliche Elemente hinzufügten, als sie das Epos auf dem Pergament niederschrieben, das heute als Manuskript Cotton Vitellius A.xv bekannt ist.“
Gaiman und Avary waren nicht die Ersten, denen die ungelenke Konstruktion des Originalgedichts auffiel. David Wright schreibt in der Penguin-Classics-Ausgabe des „Beowulf“: „Frühe Kritiker und Kommentatoren des ,Beowulf‘, aber auch viele spätere haben sich sarkastisch darüber ausgelassen, wie unbeholfen die Handlung wirkt. Denn auch als Gedicht ist das Epos schlampig konstruiert – vollgestopft mit Fragmenten aus der Geschichte skandinavischer Stämme und mit unordentlich wirkenden Anspielungen auf scheinbar irrelevante Begebenheiten und Legenden.“ Wright berichtet auch, dass J.R.R. Tolkien, Schöpfer von „The Lord of the Rings“ (Der Herr der Ringe), von der kraftvollen Dichtung beeindruckt war. In seinem berühmten Essay „Beowulf: The Monsters and Critics“ (Die Ungeheuer und ihre Kritiker) stellte Tolkien unter anderem fest, dass Beowulf zwar eine Art Superheld ist, sich am Ende aber menschlich, allzu menschlich verhält und dadurch untergeht: „Er ist ein Mensch, und das ist für ihn und viele andere schon Tragödie genug.“ Zemeckis beurteilt den Helden ganz ähnlich: „Unser Beowulf hat deutlich mehr Fehler, er ist eher ein menschlicher Held als ein Gott. Er ist keine Figur wie Thor, sondern eine reale Person mit vielen Schwächen – von denen die Überheblichkeit die entscheidende ist.“
Es ist ziemlich offensichtlich, dass es Tolkien weit weniger Spaß machte als Gaiman und Avary, über die Hauptfigur zu schreiben. „Roger und ich flogen nach Mexiko, wo er sich von einem Freund für eine Woche ein Haus gemietet hatte“, sagt Gaiman. „Diese Woche arbeiteten wir wie wahnsinnig. Wir saßen mitten in Stapeln von Beowulf-Übersetzungen – alle, die wir auftreiben konnten. Manche stellten auf jeder Seite den altenglischen Text der englischen Übersetzung gegenüber. Wir installierten unsere Computer und schrieben wie die Irren. Dann kehrten wir mit einem Drehbuch zurück, das Bob Zemeckis las und sofort verfilmen wollte.“
Zemeckis hatte mit seinem innovativen Film „The Polar Express“ (Der Polarexpress) ein neues Format namens Performance Capture entwickelt und merkte sofort, dass diese neue Kunstform wunderbar für Gaimans und Avarys Epos „Beowulf“ geeignet ist – in der Geschichte geht es um überlebensgroße Helden und Dämonen, um spektakuläre Schlachten vor der Kulisse eines mythenumwobenen Landes.
„Bob erkannte die Möglichkeiten, diese Geschichte in genau dem Stil zu erzählen, den wir mit ,Polarexpress‘ geschaffen haben“, sagt Produzent Steve Starkey. Der Vorteil beim Performance-Capture-Verfahren liegt laut Starkey nicht so sehr in der Technik, sondern bei den Schauspielern. Unzählige digitale Sensoren werden auf ihren Gesichtern und mithilfe eines eng anliegenden Lycra-Trikots an ihren Körpern befestigt, so dass die realen Darstellungen der Schauspieler als Input-Daten von einem Computer „fixiert“ werden können. Das Spiel der Akteure findet in einem unsichtbaren Raum statt, der als „Volume“ bezeichnet wird – er ist aufgeteilt in Quadranten und kann bis zu 40 Kameras enthalten. („Volume“ ist ein Fachbegriff der Performance-Capture-Techniker und bezeichnet eine Studiobühne. Der Name wurde gewählt, weil viele Kameras die Szenen gleichzeitig in drei Dimensionen aufnehmen können. Die klassische geometrische Formel für „Volumen“ umfasst die Achsen x, y und z, mit denen Breite, Höhe und Länge definiert werden.) Genauer gesagt: Ein Volume ist der Bereich, auf den alle Kameras gerichtet sind und in dem die mimischen und körperlichen Bewegungsdaten aufgenommen werden können. Takes oder „Beats“ der zahlreichen Capture-Aufnahmen kann man bearbeiten, mischen und einander anpassen. Mit „Der Polarexpress“ hat Zemeckis demonstriert, dass das neue Medium mitreißende Resultate hervorbringt, die überhaupt nicht wie „Cartoons“ wirken, sondern sehr eng am ursprünglichen kreativen Ausdruck der Schauspieler und der Inszenierung orientiert sind.
Bei „Beowulf“ stößt Zemeckis nun in eine neue technologische Dimension vor. „Bei einem Performance-Capture-Film kann man jede Rolle doppelt besetzen – einerseits für die Darstellung, andererseits für das Aussehen. Das heißt: Man trennt das Aussehen einer Figur von dem Darsteller, der die Rolle spielt“, sagt Starkey. „Das ist einer der Gründe, warum wir uns für dieses Verfahren entschieden. Ein Beispiel: Auf unserem gesamten Planeten gibt es keinen Menschen, der so aussieht, wie Bob sich den Beowulf vorstellt, niemand kann ihn so spielen, wie Bob das erwartet. Beowulf ist überlebensgroß, und kein realer Mensch kann verkörpern, was Bob in dieser Figur sieht. Wie kann man also zusammenbringen, was sich von vornherein ausschließt? Indem man den bestmöglichen Schauspieler besetzt und dann den Look einer zwei Meter großen, Christus-ähnlichen Figur im Computer schafft. Das Gleiche gilt für Grendel. Wenn wir Grendel traditionell filmen würden, würden wir eine 3,5 Meter große Puppe auf dem Set dirigieren und ergänzende Computerbilder hinzufügen. In diesem Fall engagierten wir den perfekten Darsteller, der Grendels Qual und Leid ausdrücken kann, ohne von Masken oder unbequemen Kostümen behindert zu werden. Im traditionellen Stil hätten wir das niemals machen können“, sagt Starkey abschließend.
„Weil es sich um eine mythologische Geschichte handelt, spielt die fotografisch naturgetreu nachgebildete Realität gar keine so große Rolle“, fügt Produzent Rapke hinzu. „Außerdem wäre es in der 2-D-Welt praktisch unmöglich, Bobs visuelles Konzept umzusetzen. Doch mit unserem Verfahren hatten wir die Möglichkeit, jede Rolle mit dem Darsteller zu besetzen, den wir für geeignet hielten. Auf diese Weise konnten wir bestimmte Hürden nehmen und viele Aspekte umsetzen, die im traditionellen Filmstil einfach nicht realisierbar wären.“
Avary fügt hinzu, dass mithilfe von Performance Capture der Film so gedreht werden konnte, wie er ihn sich immer vorgestellt hatte – nichts war unmöglich: „Ich fand es vor allem interessant, dass wir uns mit diesem Verfahren tatsächlich auf die Darstellungen konzentrieren konnten. Ich hatte mir den Film immer als Kammerspiel vorgestellt – er spielt am Königshof, wo es zu Intrigen zwischen den Menschen mit ihren vielschichtigen Beziehungen kommt. Ich habe mir immer eine voll ausgearbeitete, von Gefühlen getragene Geschichte vorgestellt. Ich erinnere mich, dass Bob sagte: ,Jungs, macht, was ihr wollt – wenn Beowulf gegen den Drachen kämpft, dann soll er wirklich mit dem Drachen kämpfen.‘ Es gab keinerlei Auflagen oder Einschränkungen – Neil und ich konnten also ganz ohne die Handschellen schreiben, wie sie sonst beim Film üblich sind“, bemerkt Avary.
Zunächst hatte Avary den Film geschrieben, weil er ihn selbst inszenieren wollte. Doch dann wurde ihm klar, dass Zemeckis’ Performance Capture eindeutig die beste Methode ist, seine Vision auf die Leinwand zu bringen. Umso überraschter und dankbarer war Avary, dass er auch weiterhin in den Produktionsprozess einbezogen wurde.
„Beim üblichen Hollywood-Verfahren hätte man mich in einen sibirischen Gulag verbannt. Darauf war ich gefasst. Dass Bob genau das Gegenteil tat, zeugt davon, was für ein großer Regisseur und Mensch er ist. Er hat mit seinem Ego kein Problem und lud mich in seinen Kreis ein. Er begriff, dass Neil und ich dem Stoff gegenüber eine ganz spezifische Haltung entwickelt hatten, und war für unser Engagement, für unsere Beiträge immer dankbar“, erklärt Avary.
Das Aufnehmen großartiger Schauspielerleistungen


Bei Performance Capture spielen Aussehen, Alter, Hautfarbe und Geschlecht der Darsteller praktisch keine Rolle mehr. Dass Zemeckis Ray Winstone als Hauptdarsteller auswählte, belegt sehr gut, wie frei man aufgrund von Performance Capture bei der Wahl der Darsteller entscheiden kann. Zunächst hatte Zemeckis gar nicht an Winstone gedacht, aber als er dessen unverwechselbare Stimme hörte, war er sofort überzeugt, seinen Beowulf gefunden zu haben: „Meine Frau sah Ray in einer TV-Fassung von ,Henry VIII‘ (König Heinrich VIII.), und als ich seine Stimme hörte, sagte ich sofort: ,Mein Gott, der klingt genau wie Beowulf!‘ Ich schaute genauer zu und begriff, welche Dynamik in ihm steckt und wie er die animalischen Triebe seines Menschseins auslotet. Das ist ein wesentlicher Aspekt bei Beowulf – er handelt aus dem Bauch heraus. Ihm geht es immer nur darum, wen er umbringen, was er essen und wen er vögeln kann. Ray ist ein umwerfender, mitreißender Schauspieler, der sich in diesen urwüchsigen Aspekt einfühlen kann“, sagt Zemeckis.
Winstone war selbst am meisten überrascht, als Zemeckis ihm die Rolle anbot. „Ich arbeitete mit Martin Scorsese an ,The Departed‘ (Departed – Unter Feinden) in New York, als man mich wegen ,Beowulf‘ telefonisch zum Gespräch einlud. Ich flog nach Los Angeles, traf mich mit Bob und dachte: Eine ganz schön weite Reise für ein Vorstellungsgespräch. Aber ich willigte ein, weil ich ihn für ein Genie halte. Er wollte meine Meinung zum Skript hören. Ich sagte also, es handele sich um die Story eines Mannes, der von seinem Ehrgeiz, von der Gier nach Macht und Ruhm letztlich zerfressen wird. In mancher Hinsicht ist er monströser als die Dämonen, die er bekämpft. Im Lauf der Unterhaltung wurde mir klar, dass es sich gar nicht um ein Vorsprechen handelte. Bob wollte mich wirklich engagieren – ich war völlig geschockt“, erinnert sich Winstone.
Die Abenteuerelemente reizten Winstone ebenso wie die Chance, sich mit dem neuen Medium auseinanderzusetzen. Er gesteht freimütig: „Von dem ursprünglichen Epos wusste ich überhaupt nichts. Meine Kinder erzählen aber, dass sie es durchaus kennen. Doch das Drehbuch bietet eine fantastische Story – ich wollte immer schon mal einen Wikinger spielen. Das Tolle bei dieser neuen Technik: Ich kann einen zwei Meter großen Wikinger mit goldenem Haar spielen, obwohl ich nur 1,77 Meter groß und eher vollschlank bin. Zunächst hörte sich das Verfahren sehr kompliziert und eher ungemütlich an, aber ich begeistere mich gern für Dinge, die ich mir eigentlich nicht zutraue – und deshalb war ich Feuer und Flamme“, sagt Winstone.
Ebenso begeistert war Winstone von dem Staraufgebot an Kollegen, die Zemeckis als seine Partner engagierte. „Echt erstaunlich, wer alles in diesem Film mitwirkt – eine endlose Liste. Anthony Hopkins habe ich schon in meinen Kindertagen geschätzt – es ist die reine Freude, ihm bei der Arbeit zuzuschauen. Mit Robin Wright Penn habe ich bereits in London gearbeitet, sie ist eine ebenso gute Schauspielerin wie Angelina Jolie, die ich seit fünf Jahren kenne und die fantastische Leistungen zeigt. Und mit meinem alten Kumpel Brendan Gleeson habe ich bereits „Cold Mountain“ (Unterwegs nach Cold Mountain) gedreht. Hinzu kommen die cleveren und sehr inspirierten Kollegen Crispin Glover und John Malkovich, hervorragende Schauspieler – mir war durchaus klar, dass ich angesichts meiner Partner bei solch einem Projekt viel dazulernen würde“, sagt Winstone.
Nicht nur Winstone konnte sich den Wunsch erfüllen, einen Wikinger zu spielen. Zemeckis stellt fest, dass Performance Capture allen Darstellern erlaubt, die von konventionellen Drehmethoden vorgegebenen Einschränkungen zu vergessen. „Was ich an Performance Capture so schätze: Der Schauspieler kann dem Regisseur magische Momente präsentieren, die man ihm niemals zutrauen würde“, erklärt Zemeckis. „Die Leinwand ist buchstäblich weiß – der Schauspieler kann seine Figur darauf zeichnen, wie er will, weil er sich nicht wie bei Realaufnahmen an bestimmte Vorgaben halten muss. Die Schauspieler sind befreit von der Tyrannei eines normalen Films – es geht nicht mehr um die Beleuchtung, Kamerapositionen, um Frisuren, Make-up oder Kostüme. Ihre Darstellung wird absolut, und große Schauspieler, wie wir sie in diesem Film haben, wissen das zu schätzen. Man muss die Szene nicht aufteilen, um sie von allen Seiten zu filmen – die Totalen und die Nahaufnahmen drehen wir gleichzeitig. Also geben die Schauspieler den Rhythmus der Szene vor – so sind wir von Anfang bis Ende fast ausschließlich vorgegangen. Das war wie auf der Theaterbühne – außer dass wir es in 3-D aufzeichneten.“
Anthony Hopkins, der den König Hrothgar spielt, stellt fest, dass die neue Technik in Verbindung mit Zemeckis’ Regiestil eine sehr lockere Arbeitsatmosphäre schuf, die dem kreativen Schaffensprozess deutlich zugute kam. „Interessanterweise kann man bei dieser Methode die gesamte Szene in einem Durchgang aufnehmen – ohne Sets, ohne Kostüme, nur mit diesen komischen Anzügen und all den Punkten im Gesicht. Das geht sehr schnell, weil man nicht wie beim konventionellen Film ständig unterbrechen muss. Und Robert Zemeckis ist ein sehr lockerer Regisseur, wobei er aber ganz präzise Vorstellungen hat und genau weiß, was er will. Wir spielten fünf oder sechs Drehbuchseiten lange Szenen komplett durch, und nach fünf oder sechs Takes war’s das, wenn Bob mit den Darstellungen zufrieden war. Dann ging’s zur nächsten Szene. Das heißt: Meine Figur tritt schon früh auf, auf Seite 3 oder 4, und ich habe bis Seite 76 zu tun. Trotzdem hatte ich meine Rolle in etwa acht Tagen abgedreht, was bei einem traditionellen Film absolut unmöglich wäre. Am ersten Tag hatte ich bei dem Verfahren einige Bedenken, aber diese Methode gibt uns jede Menge Freiheit – einfach alles ist möglich“, sagt Hopkins.
König Hrothgar hütet ein Geheimnis, was sich schließlich gegen ihn und sein Reich wendet: das Monster Grendel. Doch bis der grässliche Grendel auftaucht, genießt Hrothgar ein angenehmes Leben. Er und sein Volk prassen und feiern gern, sind den Sinnenfreuden in jeder Hinsicht zugetan.
„Ich dachte mir: Na, Hrothgar ist ein Mann seines Volkes – also spiele ich ihn zu Beginn ganz offen als betrunkenen Narr – das brachte richtig Spaß. Doch ich habe auch seinen dunkleren Seiten nachgespürt – da erreicht er eine andere Dimension“, erklärt Hopkins.
Hopkins war der erste Darsteller, der besetzt wurde. Er beschloss, den walisischen Akzent seiner Heimat zu benutzen, „denn Walisisch ist eine jahrtausendealte Sprache“. Dazu Zemeckis: „Wir haben lange diskutiert, wie sich das Walisische aus dem Altenglischen entwickelt haben könnte. Egal – als Anthony Rogers und Neils wundervolle Dialoge mit seinem walisischen Akzent sprach, klangen sie perfekt.“
Hopkins’ singende Satzmelodie diente den übrigen Schauspielern als Vorbild. „Wir alle entschieden uns für einen walisischartigen Akzent“, sagt Robin Wright Penn, die Hrothgars schöne, aber unglückliche Königin und Ehefrau Wealthow spielt. „Natürlich spielt die Geschichte in Dänemark, wurde aber in altenglischer Sprache niedergeschrieben, und Tony spricht von Hause aus mit einem wunderbaren walisischen Akzent. Das erschien als gute Richtschnur, statt sich aufs traditionelle britische Englisch zu versteifen, und Altenglisch können wir nun wirklich nicht sprechen, weil uns niemand verstehen würde. Der Dialog schrieb vor, dass wir das R rollen, und mithilfe des walisischen Akzents gelang uns das.“
Wright Penn und Zemeckis hatten bereits den Oscar-preisgekrönten „Forrest Gump“ (Forrest Gump) gemeinsam gedreht. Wie im damaligen Film umfasst auch ihre Rolle in „Beowulf“ mehrere Jahrzehnte.
„Robin wirkt in jeder ihrer Rollen ganz hervorragend – sehr subtil, realistisch und mit beiden Beinen auf der Erde“, sagt Zemeckis. „Sie verleiht der Figur die nötige Reife – sogar wenn sie die 16-jährige Wealthow spielt. Das ist ein weiterer Vorteil bei der Arbeit mit Performance Capture: Robin konnte sich mit all ihrer Erfahrung einbringen, und die Technik erlaubt ihr, als Teenager aufzutreten und die Biografie bis in die Erwachsenenjahre durchzuspielen. Das meistert sie überwältigend. Sie spürt die Qualen sehr genau, denen Beowulf sie ausssetzt – sie spielt das so realistisch, dass einem der Atem stockt.“
Beowulf verliebt sich in Wealthow, als er zur Hilfe eilt, um das Königreich ihres Mannes zu retten. Aber Beowulf gleicht Hrothgar: Auch er hat große Schwächen, giert nach Macht und Ruhm, verfällt anderen Frauen und schließt einen faustischen Pakt mit einer dämonischen, unwiderstehlichen Verführerin – was schließlich seine Beziehung zu Wealthow vergiftet.
„Sie heiratet König Hrothgar als ganz junges Mädchen – eine arrangierte Ehe. Und sie wird ihm untreu“, berichtet Wright Penn. „Später verliebt sich Wealthow in den Retter Beowulf, doch leider wiederholt sich die Geschichte. Man kann sagen, dass sie sich in den Helden verliebt und dabei übersieht, was wirklicher Heldenmut bedeutet. Beowulf ist ein Held, bleibt letztlich aber doch ein Mensch, und als er sie genau wie der König betrügt, kann sie ihn nicht mehr lieben oder bewundern.“
Laut Drehbuch erlebt Wealthow etliche emotional aufwühlende Momente, und Wright Penn stellt fest, dass ihr die Performance-Capture-Methode bei der Umsetzung sehr geholfen hat. „Die Arbeit verging wie im Flug, es war wunderbar, die Szenen im Ganzen durchzuspielen. Man muss nicht zwölf Stunden ausharren, um eine Szene aus 4000 verschiedenen Kamerapositionen zu filmen. Manchmal hatten wir eine Szene in 15 Minuten im Kasten – für fünf Drehbuchseiten brauchten wir zwei Takes. Letztlich wünscht man sich das immer, wenn man einen Set betritt – man will das in einem durchziehen. Man kommt sich vor wie in einer Tretmühle: Man will nicht fünf Minuten treten und dann 20 Minuten herumsitzen, um dann wieder den Anschluss zu finden und genau dieselbe Pulszahl zu erreichen. Doch so wie Bob vorgeht, können wir die Szenen am Set äußerst konzentriert durchspielen und trotzdem um 17 Uhr nach Hause gehen. Das nenne ich zivilisiert. Besonders wenn es um Gefühle geht, sind die langen Unterbrechungen, das ständige Aus- und Einschalten sehr ermüdend“, sagt sie.
Auch Crispin Glover hatte zuvor mit Zemeckis gearbeitet – diesmal spielt er das gequälte Monster Grendel. „Mit Crispin habe ich bereits ,Back to the Future‘ (Zurück in die Zukunft) gedreht, und deshalb konnte ich ihn mir sofort als diese Figur vorstellen“, sagt Zemeckis. „Er spielt Monster und missgestaltete Figuren besonders gern – ob es um körperliche oder auch seelische Handicaps geht. Mir war auf der Stelle klar, dass Crispin sich bestens in Grendel hineinversetzen kann. Er spielt Grendel nicht nur als Monster, sondern gestaltet eine hilflose, gequälte Figur, die zufällig ein körperliches Monstrum ist – Grendel wird nur wegen seines Aussehens verfolgt und buchstäblich dämonisiert. Crispin spielt dieses unglaublich abstoßende Wesen mit viel Wärme, sehr menschlich. Ich habe ihm nur eine Regieanweisung gegeben: Alles, was Grendel tut, bereitet ihm körperliche Schmerzen. Crispin nahm diese Anweisung auf und füllte sie aus – er setzte jede Zelle, jedes Haar seines Körpers als Instrument seiner Darstellung ein.“
„Es ist jetzt 21 Jahre her, seit Bob und ich den ersten ,Zurück in die Zukunft‘-Film gemacht haben – ich war also etwas überrascht von dem Angebot“, sagt Glover. „Doch von Beowulf und Grendel hatte ich gehört – ich wusste sofort, was für eine tolle Rolle darin steckt. Ich drehte gerade einen anderen Film, konnte die Kollegen vorher also nicht kennen lernen. Deshalb baten sie mich, ein Video aufzunehmen. Das machte ich zu Hause mit dem Computer und schickte es ab. Schließlich kam das Vorsprechen mit Bob zustande – ihm gefiel mein Spiel, und ich bekam die Rolle. Darüber freue ich mich sehr, denn es ist wirklich eine tolle Rolle.“
Grendel, die Verkörperung von Leid und Wut, kann sich nicht besonders gut ausdrücken. Um seine urwüchsige Seite auszuloten, machte Glover eine ganz persönliche Urschrei-Therapie. „Grendel muss in sehr knappen Dialogen eine große emotionale Bandbreite unterbringen“, sagt Glover. „Zunächst hatte ich gar nicht vor, so viel zu schreien, aber vom Konzept her eignete sich das als Ausdruck seiner schrecklichen Schmerzen. Bob sagte: ,Schrei immer weiter.‘ Ich bin froh, dass er mich darin unterstützt hat – der Tipp war sehr gut, weil der Schrei eine sehr emotionale Dimension hat: Da steckt sehr viel Gefühl drin – mir war gar nicht klar, was man alles damit ausdrücken kann. Schon früh, Wochen vor Drehstart, hat Bob mich darauf hingewiesen, dass die Schmerzen Grendel sehr zu schaffen machen und die Mehrzahl seiner Reaktionen beeinflussen. Also gerade in den Kampfszenen führt jede Bewegung zu einer Reaktion. Zusammen mit der Stimme, dem Schreien ergibt sich daraus hoffentlich ein beeindruckendes Bild.“
Dass Glover in der Lage war, Grendels Schmerzen, Leidenschaft und Hass derart ungewöhnlich und mitreißend zu gestalten, beeindruckte seine Kollegen oft so sehr, dass sie spontan applaudierten. „Das war ganz erstaunlich“, sagt Winstone. „Als ich ihn beobachtete, dachte ich mir: Na ja, der ist clever und weiß seine Chance zu nutzen. Er drehte voll auf, obwohl er von vielen Mitarbeitern umringt war, aber er lief nie aus dem Ruder, wusste ganz genau, was er tat. Er bringt das Grausige an Grendel genau auf den Punkt, und trotz des Taucheranzugs mit den Punkten konnte man ganz genau nachvollziehen, was er da gestaltete. Wirklich sehr beeindruckend.“
Für Grendel entwickelte Glover seine eigene Variante des Altenglischen. Es erscheint logisch, dass Grendel, der alle Menschen verabscheut, laut Glover „letztlich ein ************** ist – all seine (menschlichen) Nachbarn wollen ihn nur ärgern, ihr Gekeife schmerzt in seinen Ohren.“ Daher spricht er eine alte Sprache, in der er sich nur mit seiner Mutter verständigen kann.
„Das Drehbuch schreibt keine altenglische Klangfärbung vor“, sagt Glover. „Aber ich finde, es passt zu Grendel, derart zu sprechen. „Mir ging ein bestimmter Sound durch den Kopf – ich fand es lohnenswert, mich durch die altenglische Version des ,Beowulf‘ zu arbeiten und angemessene Worte zu finden, die man gleichzeitig auch verstehen kann, denn in manchen wörtlichen Übersetzungen des Textes ist die Sprache eine völlig andere. Das Altenglisch kann man zwar nicht verstehen, aber es gibt auch ähnliche Wörter. Dazwischen wollten wir einen Mittelweg finden.“
Grendels einzige Vertraute, Beschützerin und Rächerin ist natürlich seine Mutter – eine gefährliche, verführerische Frau, die die Schwächen der Männer für ihre teuflischen Intrigen auszunutzen weiß. Die Rolle dieser überwältigenden Gegenspielerin vertraute man Angelina Jolie an. „Grendels Mutter ist eine Dämonin, eine unwiderstehliche Verführerin – niemand füllt eine so temperamentvolle Rolle besser aus als Angelina Jolie“, sagt Zemeckis. „Als sie den Set betrat und mit der Figur verschmolz, war das wirklich beeindruckend. Mit ihrer magnetischen Ausstrahlung hypnotisierte sie das gesamte Team.“
Jolie erkannte Performance Capture als verlockendes Machtinstrument: „Ich finde die Methode wunderbar. Meine erste Reaktion war: Das wird wohl richtig abgedreht, wenn wir alle mit diesen Punkten im Gesicht und den Taucheranzügen herumlaufen – auf dem leeren Set ohne Requisiten… aber was letztlich passiert: Das Schauspielen wird auf das Grundsätzliche reduziert – vor allem in den Szenen zwischen Crispin und mir. Die Reinheit des Gefühls war wirklich erstaunlich. Man kann sich völlig frei dem Moment hingeben, alles einsetzen, weil man von allen Seiten aufgenommen wird – man kann den anderen verdecken, die Rolle voll ausspielen und improvisieren. Und zwischen den Schauspielern entwickelt sich sofort ein freundschaftliches Gefühl. Wenn beide mit Punkten übersät sind, kommt man sich sehr nah, man verlässt sich aufeinander. Wunderbar war auch, dass man das Gefühl bekommt, dass jeder einzelne Mitarbeiter essenziellen Anteil am Schaffensprozess hat. Sonst verziehen wir Schauspieler uns in unsere Wohnwagen und kommen nur heraus, um von Zeit zu Zeit in einer Szene aufzutreten. Diesmal jedoch ist jeder in jeder Sekunde voll involviert.“
Belustigt stellt Jolie fest: „Wenn man Grendels Mutter erwähnt, hat jeder seine eigene Meinung über sie. Ich finde sie ganz toll, aber alle anderen finden sie ziemlich schräg.“
Jolie betont, dass die Handlungsweise ihrer Figur jenseits von Gut und Böse ist und von einem urwüchsigen Mutterinstinkt dominiert wird. „Ja, sie ist ein Monster, aber auch eine Mutter, und das bestimmt alles, was sie tut. Grendel ist ein erwachsener Mann, wirkt aber verletzlich wie ein Kind. Ich sehe sie vor allem als Mutter. Wenn jemand einem Kind wehtut, dann geht man bis ans Ende der Welt, um sich zu rächen. Das war mein Ansatz.“
Jolie kannte zwar Bildskizzen der Endfassung ihrer Figur – sie beschreibt sie als „sexy Eidechse“, die eine quasi-menschliche Gestalt annehmen kann. Doch die Darstellung einer verführerischen Schlangenfrau ohne die Hilfe von Kostümen, Masken, Requisiten oder Make-up war eine ganz neue Erfahrung. Jolie musste sich ihre Rolle teilweise nach Zemeckis’ Anweisungen erarbeiten.
„Einmal meinte Bob, ich dürfte ruhig lispeln. Also dachte ich mir: Vielleicht habe ich ja eine Echsenzunge. Oder ich tat etwas in der Frauengestalt, und Bob reagierte: ,Heb das auf!‘ Worauf ich sagte: ,Aber ich habe doch beide Hände am Schwert.‘ Darauf Bob: ,Na, dann hebst du es eben mit deinem Schwanz auf.‘ Da kapierte ich, dass ich einen Schwanz habe. Einmal forderte er mich auf, mich so hinzustellen, als ob ich einen hochhackigen Schuh tragen würde, und ich dachte: ,Nett, dadurch fühle ich mich attraktiver.‘ Aber Bob sagte: ,Nein, nein, deine Hand ist wie ein Fuß, dein Fuß ist wie eine Hand.‘ Was mich völlig verwirrte. Er zeigte mir das Bild einer sehr verführerischen Frau ganz aus Gold, und wenn man sich ihre Füße genauer anschaut, wirken die sehr seltsam. Ich habe also einen Schwanz und Füße wie Hände, und die sind auch noch hochhackig! Ich bin wirklich gespannt auf den Film und möchte sehen, wie ich aussehe!“
Sie sieht in der Tat fantastisch verführerisch aus – ein gerissenes, gefährliches weibliches Wesen mit schillernden Augen, hochhackigen Klauen und einem wie ein Wurmfortsatz wirkenden Haarzopf.
Dazu Zemeckis: „Wir überlegten, dass ihr langer Zopf wie eine Art Schwanz wirkt. Um das Gefühl für die Bewegung ihres Schwanz-Zopfes zu bekommen, ließ ich sie in einer Einstellung die Hand so bewegen, wie sich später der Schwanz verhalten sollte. Und der Rhythmus war perfekt. Das liebe ich besonders an dieser Kunstform: Die Schauspieler interpretieren wirklich alles – bis hin zur Bewegung eines Zauberschwanzes.“
Aufgrund des Performance-Capture-Verfahrens können Schauspieler auch gleich mehrere Rollen spielen und mit ihrem Spiel jedes Detail der späteren animierten Version vorgeben. Regisseur Zemeckis setzte John Malkovichs Talent sehr wirkungsvoll ein: Malkovich spielt nicht nur Unferth, der dem legendären Beowulf zunächst sehr skeptisch begegnet, sondern später sogar auch dessen Sohn.
„John zählt zu meinen Lieblingsdarstellern. Er kann einfach alles spielen – man weiß nie, was er einem anbietet“, sagt Zemeckis. „Er versetzt dem Unferth einen ungeheuren Drive – er hat vollkommen begriffen, was wir uns unter Beowulfs Erzfeind vorstellten: den Neinsager, der unseren Helden vom Sockel holt und ihm Übertreibungen vorwirft. Wie John sich in die Rolle und den Akzent verbiss – das lässt sich nicht beschreiben, aber er interpretiert die Rolle einfach überwältigend. Und das Tolle daran: Durch Performance Capture kann John nicht nur seinen eigenen Sohn spielen, sondern auch sich selbst als älteren Mann. Er spielt ihn, als ob er einen Schlaganfall erlitten hätte, als physisch gebrochenen Mann. Aufgrund seiner Darstellung konnten wir ihn als ausgemergelten, vertrockneten Greis zeigen.“
Malkovich erinnert sich, dass er „Beowulf“ als Jugendlicher gelesen hat. „Seit ich das Buch im Englischunterricht lesen musste, hatte ich es nicht mehr in der Hand. Ich besuchte eine altmodische Schule – man zwang uns damals noch, den Text zu lesen. Ich kannte den Stoff also“, sagt er. „Generell ist es wohl immer gefährlich, ein Drehbuch mit der Vorlage zu vergleichen – ob es sich um einen Roman oder einen Zeitungsartikel handelt – oder wie in diesem Fall um ein Versepos.“ Malkovich fühlte sich von den unheimlichen Aspekten angesprochen: „Ich halte das Skript für erstklassig – sehr düster und spannend, in der Art märchenhafter Mythen.“
Ähnlich wie Zemeckis lernte Malkovich die kreativen Möglichkeiten von Performance Capture schätzen: „Das Verfahren ist fantastisch. Ich kann meine Rolle als Jungen und später als alten Mann und sogar den Sohn spielen. In einem konventionellen Film hätte ich damit sicher meine Schwierigkeiten.“
Als altgedienter Theatermann vergleicht Malkovich das Verfahren mit der Bühnenarbeit – in der arktischen Kälte: „Eine solche Filmarbeit ist praktisch ein Ausdruck der Fantasie, wie auf der Theaterbühne, denn mein Spiel wird von allen vier Seiten aufgenommen – ich bin ständig im Bild, in der Totalen, in der Nahaufnahme, in der Detailaufnahme meiner Finger, auf meinem Rücken. Wunderbar daran ist, dass ich einfach nur spielen muss und sonst auf nichts weiter zu achten habe. Selbst der ,Set‘ sieht praktisch wie eine Probebühne aus – die Türen werden mit Klebeband auf dem Boden markiert, es gibt nur minimale Requisiten, damit man sie sich räumlich vorstellen kann. Aber es war ständig eiskalt – ich glaube, das hat mit den Geräten zu tun und dem Umstand, dass all die Punkte im Gesicht aufgenommen und unsere Mimik und Bewegungen registriert werden. Die Techniker wollen nicht, dass wir schwitzen. An einem normalen Filmset herrschen dagegen wegen der Scheinwerfer meist 65.000 Grad – auch das ein großer Unterschied“, lacht Malkovich. „Das Tragen der Sensoren und des eng anliegenden Trikots ist bald auch nicht anders als ein normaler Filmauftritt, obwohl man sich anfangs wie ein Alien vorkommt. Man kommt morgens ins Studio und bekommt eine durchsichtige Gesichtsmaske angelegt. Darauf befindet sich eine Art Schachbrettmuster, auf dem die Sensoren verteilt werden, vor allem im Augen- und Mundbereich. Außerdem trägt man eine Art Fahrradhelm mit allen möglichen Elektroden und sonstigen Vorrichtungen. Außerdem tragen wir eine Art Taucheranzug und Handschuhe, die mit Sensoren übersät sind. Die ganze Vorbereitung dauerte nicht viel länger als ein intensives Make-up. Daran gewöhnt man sich schnell. Ehrlich gesagt: Am zweiten Tag habe ich schon nicht mehr darüber nachgedacht.“
Laut Malkovich wird die Arbeit durch einen so ausgeglichenen und ehrlichen Regisseur wie Zemeckis sehr erleichtert: „Es war sehr erfreulich, mit Bob zu arbeiten: Er stammt aus dem Mittelwesten, hat eine sehr direkte, unmissverständliche Art – wenn er nicht sieht, was er will, dann sagt er das auch. Wenn er selbst unsicher ist, formuliert er das, gibt aber eine generelle Richtung vor. Er ist enthusiastisch und sehr konzentriert bei der Sache, hat die Organisation seines Teams voll im Griff. Wirklich ein reines Vergnügen.“
Zur Besetzung zählt auch der erfahrene britische Schauspieler Brendan Gleeson, der Beowulfs treuen und unerschütterlichen Gefährten Wiglaf spielt. Wiglaf kämpft bis zum Ende auf der Seite seines Königs. Obwohl er seine Zweifel in Bezug auf Beowulfs Geheimnisse und wahren Intentionen hat, erbt Wiglaf schließlich Beowulfs Ruhm und Versuchung. Was er daraus macht, darf sich das Publikum selbst ausmalen.
„Bei meinem Casting-Termin in London kam Brendan herein – und sofort sah ich in ihm Wiglaf vor mir“, erinnert sich Zemeckis. „Er bildet den klassischen Gegenpart zu Beowulf, ist aber sein treuester Freund, der ihn als Helden verehrt und ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Wiglaf zählt zu den Gefolgsleuten, die ihren charismatischen Vorbildern unbedingt die Treue halten. Er würde jederzeit für Beowulf und seine Ziele in den Tod gehen. Und Brendan hat das sofort intuitiv begriffen. Meiner Meinung nach ist er eine der interessantesten Figuren der Story – wenn nicht sogar die interessanteste überhaupt. Brendan brachte zusätzlich mit ein, dass Wiglaf neben seiner Liebe zu Beowulf auch seine Zweifel hat und ihn infrage stellt. Er hat einen inneren Kampf auszufechten: Die Wahrheit, die er sich wünscht, unterscheidet sich von dem, was er als Wahrheit erkennt.“

Zunächst war Gleeson nicht begeistert von der Aussicht, in „Beowulf“ mitzuwirken – doch diese Zweifel konnte Zemeckis bald ausräumen. „Ich gebe zu, dass sich ein gewisser Widerstand in mir regte, weil ich schon in etlichen Filmepen mitgewirkt hatte – ich war in „Troy“ (Troja) und „Kingdom of Heaven“ (Königreich der Himmel) dabei und fürchtete, abgestempelt zu werden. Doch als ich Bob kennen lernte, überlegte ich es mir anders. Sein Enthusiasmus ist phänomenal, und die Arbeitsmethode fasziniert mich“, sagt Gleeson.
Gleeson, der auch in den „Harry Potter“-Filmen mitwirkt, ist es durchaus gewohnt, in Filmen mit umfangreichen visuellen Effekten aufzutreten. Doch diesmal war alles völlig anders: „Der Schlüsselbegriff war das Black-Box-Theater – das überzeugte mich. Alle Schauspieler versammeln sich auf einem großen Quadrat und schaffen ihre Welt in diesem Rahmen – das hat mit Blue- oder Greenscreen nichts zu tun. Das Konzept ist völlig neu. Als ich zum Beispiel in den 80er-Jahren Theater machte, sind wir vorwiegend auf schwarzen Kastenbühnen aufgetreten – wir konnten uns keine Requisiten leisten und ,spielten‘ sie einfach, kreierten sie im Kopf der Zuschauer, und daran erinnert dieses Verfahren ein wenig. Mal von den ganzen Punkten und dem peinlichen Anzug abgesehen, ist es letztlich dasselbe: Ich muss mich im Rahmen dieses Volume ausdrücken.“
Als Beowulfs rechte Hand durfte Gleeson ein weiteres Mal mit Winstone zusammenarbeiten: „Wir lernten uns bei der Arbeit an ,Unterwegs nach Cold Mountain‘ in Rumänien kennen, und ein Dreh mit Ray macht immer viel Spaß – er ist grundsätzlich zu allen Schandtaten bereit“, sagt Gleeson.
Die „Schandtaten“ umfassen diesmal das Erschlagen etlicher Dämonen – den Höhepunkt bildet ein atemberaubender Kampf gegen einen feuerspeienden, übel gelaunten und rachsüchtigen Flugdrachen. „Die beiden machen wirklich urwüchsige Erfahrungen“, sagt Gleeson. „Ich habe den Eindruck, dass Beowulf und Wiglaf sich ständig nach Kämpfen und neuen Abenteuern sehnen. Dennoch werden dabei ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten deutlich. Wiglafs Verlässlichkeit bildet die Grundlage, auf der Beowulf seinen Wahnsinn, sein Charisma entfalten kann. Als sie gegen den Drachen kämpfen, zielt Wiglaf auf die seiner Meinung nach nahe liegende, verwundbarste Stelle – aber das funktioniert überhaupt nicht. Erst Beowulf heckt eine Methode aus, mit der man den Drachen besiegen kann. In seiner Rücksichtslosigkeit wirkt Beowulf elektrisierend – damit überzeugt er viele Menschen, auch Wiglaf; aber wohin das führen kann, wissen wir ja alle.“
Gleeson fand es faszinierend, wie sehr Wiglafs und Beowulfs Schicksal verwoben ist: „Sie bilden ein Team, obwohl Wiglaf Beowulf ein ums andere Mal ausbremsen möchte. Aber wichtig ist für mich auch, dass Wiglaf am Ende die Königswürde von Beowulf übernimmt. In bestimmten Phasen erleben wir Wiglafs Führungsqualitäten, und einige von Beowulfs Schwächen deuten auf das Ende hin. Für mich ist Wiglaf nicht nur ein Offizier, sondern ein Thronanwärter. Das fand ich sehr interessant.“
Gewaltige Kreuzzüge und todesmutige Duelle gegen 3,50 Meter große Dämonen und wütende Drachen erfordern eine Menge Stunts – auch wenn es keine Sets gibt und die Kostüme aus einem Punktemuster bestehen. Winstone war überrascht, obwohl er wie der von ihm gespielte Held mit Haut und Haaren ein Abenteurer ist.
„Ich hatte keine Ahnung, dass ich jede Menge Stunts ausführen musste – auch nicht, dass ich dazu überhaupt in der Lage bin, ganz ehrlich!“, sagt Winstone. „Das brachte derart viel Spaß, dass ein Stunt zum nächsten führte. Anfangs glaubte ich: Na, da übernehmen wohl die Stuntleute – die können das, und das ist ihre Aufgabe. Deshalb sagte ich: ,Ich mache alles, was ihr mir zutraut.‘ Doch dann stellte sich heraus, dass ich alles selbst machen konnte! Und das spüre ich jetzt noch in meinen Knochen! Aber ich kam mir vor wie damals als Siebenjähriger, als ich jetzt am Seil durch den Saal flog und in Wände krachte. Ich freue mich, dass ich das gemacht habe.“
Genau diese todesmutigen Stunts sollen laut Avary das breite Publikum und vor allem die jungen Zuschauer begeistern.
„Die Teenager werden sicher total mitgehen“, sagt er. „Für die jüngere Generation gibt es Achterbahn-Momente, die Bob im Vergleich zum Drehbuch etwa hundertfach intensiviert hat. Er weiß wirklich, wie man Spannung erzeugt, Action gestaltet und dabei eine mitreißende, von den Hauptfiguren getragene Geschichte erzählt. Und auch für die Zuschauer, die sich gewisse Ansprüche an die Story wünschen, gibt es genug Fleisch am Knochen.“


2-D-Bilder in der dritten Dimension



Obwohl die digitale Technik bei der Herstellung des Films eine wesentliche Rolle spielt, wird die Kunst des Filmemachens laut Zemeckis auch weiterhin traditionell strukturiert. „Der Kinoeindruck entsteht, weil ich die Kamera wie bei einem normalen, zweidimensionalen Film in Bewegung setze. Jede endgültige Kameraposition wird von menschlicher Hand eingerichtet, nämlich von Kameramann Robert Presleys Assistenten. Wenn wir die Einstellung nach unseren Wünschen eingerichtet haben, verbinden wir ein Kamerafernsteuerungssystem mit dem Computer, und so lenkt er die digitalen Kameras per Hand“, stellt Zemeckis fest.
Diese Kinoanmutung gibt dem Film laut Zemeckis seinen realistischen Look: „Wenn man sich heutige Cartoons anschaut, merkt man, dass die Kamera – schwupps! – immer sofort dort ist, wo sich die Figur hinbewegt. Diesem Stil fehlt jegliche Eleganz. Das wirkt wie ein Mausklick. Ich nenne das die Klick-und-Zieh-Kamera. Doch bei einem Film hinkt die Kamera der Figur im Bild immer etwas hinterher, auch wenn die Zuschauer das nicht merken. Die Kamera kommt immer etwas später an. Sie folgt dem Schauspieler, was uns ein gutes Gefühl vermittelt, weil wir der Handlung nicht vorgreifen. Denn das kann den Zuschauer manchmal nervös machen. Im Idealfall fühlt sich der Zuschauer wie ein Voyeur, der sich daran freut, wie sich die Szene entwickelt, und die paar Einzelbilder, die die Kamera hinterherhinkt, empfindet der Zuschauer als angenehm. Das ist ein weiterer Grund, warum wir einen Menschen brauchen, der die Kamera führt. Wenn wir alles dem Computer überlassen, würde sie nie mehr hinterherhinken, denn das Computerprogramm ist auf die Millisekunde präzise. Doch so wie das menschliche Auge das Filmbild wahrnimmt, vermittelt dieses winzige Hinterherhinken, diese kleine Unvollkommenheit das Gefühl von Realismus.“
Wenn man den Prozess des Filmemachens so beschreibt, muss das auf die Techniker des Performance-Capture-Verfahrens wie eine Fremdsprache wirken. Dafür haben die Layouter, die die Einstellungen im Computer zusammensetzen, ihr ganz eigenes Geheimvokabular.
„Bei ,Beowulf‘ habe ich begriffen, dass sie aus einem ganz anderen Berufsbereich stammen und völlig andere Begriffe verwenden – wir mussten also eine gemeinsame Basis schaffen“, sagt Zemeckis. „Ich benutze viele Slangbegriffe, die sich aus meinen 25 Jahren als Filmemacher ergeben. Ausdrücke wie: ,Wir rutschen mit der Kamera da rüber‘ oder ,Lass sie fallen‘ oder ,Wir verkanten sie nach rechts‘, solche Sachen. Da schauen sie mich nur verständnislos an. Also haben wir uns eines Tages während der Mittagspause alle auf dem Parkplatz versammelt und gaben ihnen einen Einführungskurs in 2-D-Kamerabewegungen: wie wir die verschiedenen Einstellungen nennen, all die Fachbegriffe. Wir demonstrierten ihnen Techniken, die für uns selbstverständlich sind. Ein Beispiel: Wenn man eine Kraneinstellung nach rechts dreht, muss man die Kamera gleichzeitig nach links bewegen, damit die gezeigte Figur im Bild bleibt. Am Ende sprachen wir dann dieselbe Sprache.“
Auch die anderen traditionellen Filmbereiche wie Kostüme und Ausstattung wurden zwar nicht wie üblich eingesetzt, mussten aber trotzdem auf innovative Art integriert werden. Dazu Produzent Starkey: „Als ich mit dieser Art Film anfing, merkte ich sehr schnell, wie sehr ich im traditionellen Film verhaftet bin. Ob Kostüme oder Ausstattung – viel lieber beschäftigte ich mich dabei mit realen Gegenständen, die dann in den Computer übersetzt wurden, statt sie gleich im Computer zu bauen. Der komplizierte Aspekt bei ,Der Polarexpress‘ war herauszufinden, wie wir diese Informationen unseren Darstellern auf der Bühne mitteilen sollten. Wir machten also unsere Hausaufgaben und entwickelten ein ausgeklügeltes System, das uns inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Das gilt auch für die Garderobe. Wir engagierten unsere Kostümbildnerin Gabriella Pescucci, die die Kostüme traditionell entwirft – jedes, das im Film auftaucht, muss zuvor angefertigt werden. Jeder Schauspieler wird im Kostüm in den Computer gescannt – dieses Modell bildet den Ausgangspunkt. Dasselbe gilt für die Frisuren und so weiter. Sogar die Körper der Schauspieler werden eingescannt, um den Layoutern als Orientierung zu dienen, mit deren Hilfe sie die endgültige Filmfigur gestalten. Jedes Detail bezieht sich also auf eine reale Quelle und nicht auf ein abstraktes Computerkonzept.“
Die realistische Ebene verließen die Macher nur bei der Gestaltung der dämonischen Mythenwesen, die die glücklosen Menschen entweder erschrecken oder bezirzen. „Bei der Gestaltung eines in unserer Welt nicht vorhandenen Wesens wie Grendel müssen wir ganz von vorn anfangen, indem wir ein kleines Modell formen. Dieses Modell wird in den Computer gescannt und bildet die Basis des Monsters. Das gilt auch für den Drachen. Wir gingen von einem Vorbild aus, das ihm möglichst ähnlich sieht, und veränderten es dann“, erklärt Starkey.
Laut Zemeckis bietet der Film eine Kombination aus realen und fantastischen Bildern, wie sie sich bei einer Story à la „Beowulf“ anbietet: „So entsteht ein interessanter Hybrid. Die Bilder sind fotorealistisch, aber nicht ganz real. Dadurch können wir Geschichten erzählen, die real wirken, es aber nicht sind – so steht uns eine umfassende Palette zur Verfügung, mit der wir überlebensgroße, mythische Geschichten präsentieren. Interessanterweise kann man sich einen Film wie ,Beowulf‘ zwar auch als konventionellen Film vorstellen, zögert dabei aber sofort: Das wirkt nie so richtig echt, wenn Schauspieler mit Plastikschwertern herumlaufen, die eigentlich aus Stahl sein sollten. Der Geschmack der modernen Kinozuschauer hat sich verändert, und das hat wahrscheinlich mit den vielen digitalen Bildern zu tun, die wir wahrnehmen – ob auf dem Fernsehbildschirm, im Computer oder in Videogames. Als Filmemachern steht uns beim Erzählen eine neue visuelle Palette zur Verfügung. Und was wir in ,Beowulf‘ zeigen, schöpft sie recht weitgehend aus.“
Diese Palette ergibt sich auch aus den Beleuchtungseffekten.
„Im Film verwenden wir drei Beleuchtungskonzepte und orientieren uns dabei an der Welt, wie sie im vierten Jahrhundert ausgesehen haben mag“, sagt Zemeckis. „Die Sonne scheint, aber als dänische Sonne im Winter – ziemlich kühl und diffus. Es gibt Feuer. Und es gibt Gold, die Lichtreflexe auf goldenen Oberflächen. So entsteht unsere Farbpalette, mit der wir alles ausleuchten. Das Wunderbare: Man kann im Computer das Feuer als Hauptlichtquelle verwenden. So erzeugen wir im Rechner einen Effekt, der sich mit elektrischem Licht nie erreichen ließe.“
Die speziell für „Beowulf“ entwickelte Technologie namens EOG verbindet den Computer mit der traditionellen Filmwelt. Das menschliche Auge ist mit seiner spezifischen Form und Bewegung, mit der es Emotionen transportiert, immer der Maßstab der Filmemacher und eine Herausforderung für die Animatoren und Motion-Capture-Techniker gewesen. Doch bei „Beowulf“ war dies kein Thema mehr. „Eine der gravierendsten Einschränkungen bei der Produktion von ,Polarexpress‘ war der Umstand, dass wir die Augenbewegung nicht simultan mit der Gesichtsmimik aufnehmen konnten“, erklärt Starkey. „Der einfache Grund: Wir konnten keine Punkte auf die Augen kleben und ihre Bewegungen registrieren. Für ,Beowulf‘ wurde das EOG-Verfahren entwickelt, mit dem man tatsächlich Muskelimpulse aufnehmen kann, die vom Auge und den Augenlidern ausgehen, während man gleichzeitig auch die Gesichtsmimik und die Körperaktion speichert.“
Doch letztlich sollen all die Punkte, Anzüge und EOG, die gesamte Technik unsichtbar bleiben, während Beowulfs Welt als nahtlose Einheit auf der Leinwand erscheint und die Zuschauer den prekären Werdegang des Helden verfolgen.
Die überwältigend positiven Reaktionen auf die 3-D-Produktion „Der Polarexpress“, dem ersten mit Performance Capture hergestellten Film, überzeugte die Filmemacher, alle nachfolgenden Projekte mit diesem Verfahren zu gestalten. „Nachdem wir ,Der Polarexpress‘ in 3-D gedreht hatten und im Kino so begeistert gefeiert wurden, wollen wir alle unsere Filme in 3-D präsentieren“, sagt Produzent Starkey. „Unsere Performance-Capture-Filme werde komplett in 3-D produziert, so dass sie ohne Probleme auch in 3-D präsentiert werden können.“
Der besondere Effekt der 3-D-Projektion hängt laut Starkey mit dem Umstand zusammen, „dass der Zuschauer voll in die Szene eintaucht und von den Dimensionen, von der Raumtiefe stimuliert wird. Die Filmhandlung spielt sich scheinbar in der unmittelbaren Umgebung des Zuschauers ab.“
„Beowulf“ wird mit mehr 3-D-Kopien gestartet als je ein Film zuvor. Dazu gehören über 700 amerikanische Kinos mit IMAX 3-D, Real D und Dolby 3-D Digital Cinema Technik. Dennoch werden die übrigen Zuschauer, die „Beowulf“ wie „Der Polarexpress“ als 2-D-Erlebnis sehen, durchaus nicht enttäuscht. „Nachdem ich ,Der Polarexpress‘ in beiden Formaten gesehen hatte, war ich überzeugt, dass die 2-D-Fassung mit jedem spannenden Film der letzten Jahre mithalten konnte – und ich glaube, dass ,Beowulf‘ ähnlich spektakulär wirken wird.“
Doch letztlich spielt das Format nicht die Hauptrolle: „Auf jeden Fall ist dies ein Film für alle Zuschauer. Seine sehr intensive, menschliche Geschichte präsentiert reichlich Action und viele Themen, die zum Nachdenken anregen und Parallelen zu unserer modernen Welt aufzeigen“, sagt Zemeckis. „Denn das Streben nach Ruhm, Macht und Gold, der zeitlose Kampf Gut gegen Böse – all das ist nach wie vor aktuell.“


Eine kurze Geschichte des „Beowulf“



„Beowulf“ ist eine in sich geschlossene Dichtung aus 3000 Versen. Die geschilderten Ereignisse spielen im sechsten Jahrhundert nach Christus – sie gründen sich auf eine Schlacht, die sich historisch belegen lässt. Obwohl die Geschichte vorwiegend in Dänemark spielt, wurde sie 200 Jahre später von den Angelsachsen im nördlichen England erzählt. Die Angelsachsen sahen sich selbst nicht als Briten, sondern als Wikinger, und alle ihre Helden stammten aus Skandinavien.
Der eigentliche Autor des „Beowulf“ ist nicht bekannt. Das Original-Versepos wurde auf dünnen Streifen aus gegerbtem Leder niedergeschrieben. Im Laufe der folgenden 200 Jahre wurde es immer wieder kopiert. Im zehnten Jahrhundert wurde es in einen Band aufgenommen, in dem auch die Geschichte des Heiligen Christophorus, eine Sammlung fantastischer Anekdoten aus dem Fernen Osten, ein angeblicher Brief Alexanders des Großen und ein Gedicht über die biblische Heldin Judith enthalten sind.
Dieser Band wurde bei einem Brand in der Cotton Library, der umfangreichsten Sammlung mittelalterlicher Texte, am 23. Oktober 1731 teilweise zerstört. Nicht nur das Dokument war verkohlt – auch die Reputation des Gedichts litt in den darauffolgenden Jahren. Es ist in altenglischer Sprache abgefasst, und man fand die Mischung aus heidnischen und christlichen Themen inzwischen eher verwirrend. Auch in der Erzählstruktur entdeckte man Mängel, weil es statt nur einem gleich drei Gegenspieler gibt, wobei der letzte erst ein halbes Jahrhundert nach den anderen beiden auftritt.
Außerdem reimen sich die „Beowulf“-Verse nicht, vielmehr arbeitet der Autor mit Alliterationen. Die Verse sind auch nicht im jambischen Pentameter verfasst, weil es laut den angelsächsischen Erzählern keine Rolle spielte, aus wie vielen Silben ein Vers bestand – wenn er nur kurz war und drei Alliterationen enthielt. Im Vergleich zu antiken Meisterwerken wie Homers „Odyssee“ und Vergils „Aeneis“ wirkte „Beowulf“ wie minderwerte Lyrik. Noch schlimmer war der Umstand, dass Heldentum und Moral sich auf einen Mann beziehen, der Monster bekämpft. Die Wissenschaftler mochten ein Gedicht über Trolle und Drachen nicht recht ernstnehmen.
Erst im 20. Jahrhundert wurde „Beowulf“ wieder gewürdigt – von niemand anderem als J.R.R. Tolkien, dem Autor von „The Hobbit“ (Der kleine Hobbit) und „The Lord of the Rings“ (Der Herr der Ringe). 1936 veröffentlichte er sein Essay „Beowulf: The Monster and the Critics“ (Die Ungeheuer und ihre Kritiker). Darin schrieb er, dass die allgemeine Ablehnung des „Beowulf“ nichts mit der Qualität zu tun habe, sondern durch den unangemessenen Vergleich mit Homer und Vergil entstand. „Beowulf“ hält sich nicht an die Regeln der Versepen der alten Griechen und Römer, weil es als skandinavische Dichtung ein eigenes Versmaß hat, das weder besser noch schlechter, sondern schlicht anders ist. Und im Gegensatz zu den bisherigen Wissenschaftlern behauptete Tolkien, dass gerade die 50 Jahre zwischen dem Kampf mit Grendels Mutter und dem Kampf mit dem Drachen das Großartige des Gedichts ausmachen. „Beowulf“ ist laut Tolkien eben nicht die Geschichte eines jungen Helden, der Monster bezwingt, auch nicht die eines alten Königs, der beim Versuch, den Drachen zu überwinden, stirbt, sondern vielmehr die kombinierte Story eines Mannes, der in seiner Jugend unüberwindlich schien und bewusst in seinen tragischen Tod geht. Gerade durch seine beiden Hälften funktioniert die Geschichte.
Ohne Tolkiens neuerliche Würdigung wäre „Beowulf“ ein obskurer Text geblieben, den höchstens Doktoranden der mittelalterlichen englischen Literatur gelesen hätten. Heute gehört das Epos in den angelsächsischen Ländern zur Schullektüre. Tolkien verhalf dem Gedicht nicht nur zu seinem guten Ruf, sondern imitierte es auch in seinen eigenen Werken. Das Kapitel „Der König des Goldenen Saales“ aus „Die zwei Türme“ übernimmt den Beginn des „Beowulf“. Der feuerspeiende Drache in „Beowulf“, der wütend reagiert, als ein Dieb seinen Schatz stiehlt, kommt auch auf dem Höhepunkt des „Kleinen Hobbit“ vor.
Auch andere Autoren haben das Gedicht in ihren eigenen Werken verarbeitet. Schriftsteller John Gardner veröffentlichte 1971 den populären Roman „Grendel“ (Grendel), in dem das Monster über die Beliebigkeit des Lebens philosophiert. Michael Crichton („Jurassic Park“), verwendete alle Monster der Geschichte und verwob sie in die historische Action-Fantasy „Eaters of the Dead“ (Die ihre Toten essen).

– Auszug aus dem Essay von Jason Tondro, Ph.D., Ausgabe Nr. 3
der BEOWULF-Comic-Romanserie im Verlag IDW Publishing



DARSTELLER

RAY WINSTONE
Beowulf

Winstone trat aktuell in Martin Scorseses Oscar-preisgekröntem „The Departed“ (Departed – Unter Feinden) und Anthony Minghellas „Breaking and Entering“ (Breaking and Entering – Einbruch und Diebstahl) neben Jude Law und Juliette Binoche auf. Demnächst ist er in Steven Spielbergs viertem Film der „Indiana Jones“-Serie neben Harrison Ford und Shia LaBeouf sowie in John Hillcoats Komödie „Death of a Ladies’ Man“ nach einem Drehbuch von Nick Cave zu sehen.
1998 gewann Winstone den British Independent Film Award als Bester Darsteller mit Gary Oldmans Drama „Nil by Mouth“, außerdem wurde er für den British Academy Award nominiert. Ein Jahr später wurde er erneut für den British Independent Film Award nominiert, und zwar mit Tim Roths Drama „The War Zone“ (The War Zone).
Seine dritte Nominierung für den British Independent Film Award erhielt Winstone 2000 mit dem Krimi „Sexy Beast“ (Sexy Beast), in dem er neben Ben Kingsley auftrat. 2001 gewann er als Ensemble-Mitglied von „Last Orders“ (Letzte Runde) den Preis des National Board of Review. Aktuell wurde Winstone mit „The Proposition“ vom Australian Film Institute nominiert.
Winstone stammt aus Hackney im Londoner East End. In der Schule profilierte er sich als Boxmeister, zweimal kämpfte er für England. Seine Schauspielausbildung machte er an der Corona School. Dann besetzte ihn Regisseur Alan Clarke in dem heiß diskutierten Projekt „Scum“, das ursprünglich als BBC-Fernsehspiel geplant war, aber wegen seiner ultrabrutalen Szenen nicht gezeigt werden durfte. Mit dem daraus entstandenen Spielfilm „Scum“ (Abschaum – Scum) begann Winstone seine Karriere. Weitere Filme: „Quadrophenia“ (Quadrophenia), „Ladybird Ladybird“ (Ladybird Ladybird), „Face“ (Face – Abgerechnet wird zum Schluss), „The Sea Change“ (Sea Change), „The Very Thought of You“, „Agnes Browne“ (Frauen unter sich) und „Fanny and Elvis“ (Fanny und Elvis). Kürzlich war Winstone in Anthony Minghellas „Cold Mountain“ (Unterwegs nach Cold Mountain) und Antoine Fuquas „King Arthur“ (King Arthur – Beherrsche dein Schicksal) zu sehen. Und er sprach den Mr. Beaver in dem Fantasy-Blockbuster „The Chronicles of Narnia: The Lion, The Witch and the Wardrobe“ (Die Chroniken von Narnia).
Winstone ist häufig im Fernsehen aufgetreten – in Serien und in TV-Filmen. Aktuell spielte er die Titelrollen in den britischen Fernsehfilmen „Henry VIII“ und „Sweeney Todd“.


ANTHONY HOPKINS
Hrothgar

Den Oscar als Bester Darsteller gewann Anthony Hopkins für „The Silence of the Lambs“ (Das Schweigen der Lämmer, 1991). Später folgten Nominierungen für „The Remains of the Day“ (Was vom Tage übrigblieb, 1993) und „Nixon“ (Nixon – Der Untergang eines Präsidenten, 1995). Die British Academy of Film & Television Arts (BAFTA) zeichnete ihn als Besten Darsteller für „Was vom Tage übrigblieb“ aus. 1993 brachte ihm seine Rolle in Richard Attenboroughs „Shadowlands“ (Shadowlands – Ein Geschenk des Augenblicks) mit Debra Winger zahlreiche Kritikerpreise in den USA und Großbritannien ein. 1998 wurde er mit Steven Spielbergs „Amistad“ (Amistad) in der Kategorie Bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert.
Anfang 2001 feierte Hopkins mit Ridley Scotts „Schweigen der Lämmer“-Fortsetzung „Hannibal“ in der Titelrolle einen phänomenalen Erfolg – allein in den USA spielte der von Ridley Scott inszenierte Film über 100 Millionen Dollar ein. Seine Partnerin war Julianne Moore. Als Sprecher wirkte er 2000 in dem erfolgreichen Weihnachtsfilm „Dr. Seuss’ How the Grinch Stole Christmas“ (Der Grinch) mit.
1998 trat er in Martin Brests „Meet Joe Black“ (Rendezvous mit Joe Black), Jon Turteltaubs „Instinct“ (Instinkt) und Julie Taymors „Titus“ (Titus) auf, der Verfilmung von Shakespeares „Titus Andronicus“ (Titus Andronicus) mit Jessica Lange.
1992 war Hopkins in „Howards End“ (Wiedersehen in Howards End) und „Bram Stoker’s Dracula“ (Bram Stoker’s Dracula) zu sehen, bevor er in „Legends of the Fall“ (Legenden der Leidenschaft) und „The Road to Wellville“ (Willkommen in Wellville) mitwirkte. 1995 inszenierte er seinen ersten Spielfilm „August“ (August), eine Bearbeitung von Tschechows „Onkel Wanja“, in der er Wanja spielte und zu der er auch die Musik schrieb. Außerdem übernahm er die Titelrolle in „Surviving Picasso“ (Mein Mann Picasso) und trat neben Alec Baldwin in dem Abenteuerfilm „The Edge“ (Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund) auf, den David Mamet schrieb und Lee Tamahori inszenierte. Martin Campbells „The Mask of Zorro“ (Die Maske des Zorro) mit den Partnern Antonio Banderas und Catherine Zeta-Jones kam im Juli 1998 in die Kinos, und Steven Spielbergs „Amistad“ (Amistad) lief im Dezember 1997 an.
Zu seinen früheren Filmen zählen „84 Charing Cross Road“ (Zwischen den Zeilen), „The Elephant Man“ (Der Elefantenmensch), „Magic“ (Magic – Eine unheimliche Liebesgeschichte; auch: Magic – Die Puppe des Grauens) und „A Bridge Too Far“ (Die Brücke von Arnheim). „The Bounty“ (Die Bounty) und „Desperate Hours“ (24 Stunden in seiner Gewalt) waren seine ersten Filme für die Dino De Laurentis Company. Im amerikanischen Fernsehen erhielt er zwei Emmys für „The Lindbergh Kidnapping Case“ (Die Entführung des Lindbergh-Babys, 1976), in dem er als Bruno Hauptmann zu sehen war, und „The Bunker“ (Der Bunker; auch: Der Führerbunker, 1981), in dem er Adolf Hitler spielte.
Philip Anthony Hopkins wurde am 31. Dezember 1937 als einziges Kind von Muriel und Richard Hopkins in Margam bei Port Talbot/Wales geboren. Sein Vater war Bäcker. Anthony besuchte die Cowbridge Grammar School. Als 17-Jähriger übernahm er eine Theaterrolle in einer Amateuraufführung der YMCA (Young Men’s Christian Association), und sofort war ihm klar, dass er seine Berufung gefunden hatte. Mit seinem plötzlichen Enthusiasmus und beachtlichen Fertigkeiten auf dem Klavier ergatterte er ein Stipendium für das Welsh College of Music & Drama in Cardiff, wo er von 1955-1957 studierte.
1958 wurde er in die Britische Armee eingezogen. Den Großteil seiner zwei Wehrdienstjahre verbrachte er auf der Schreibstube in einer Einheit der Royal Artillery in Bulford.
1960 lud in Sir Laurence Olivier zum Vorsprechen am National Theatre im Old Vic ein, das Olivier damals leitete. Zwei Jahre später war Hopkins Oliviers zweite Besetzung in Strindbergs „Dance of Death“ (Totentanz). Seine erste wichtige Kinorolle, den Richard Löwenherz, spielte er 1967 neben Peter O’Toole und Katharine Hepburn in „The Lion in Winter“ (Der Löwe im Winter). Hopkins wurde für den BAFTA nominiert, und der Film gewann den Oscar als Bester Film.
Dem amerikanischen Fernsehpublikum stellte sich Hopkins 1973 mit der ABC-Miniserie „QB VII“ nach Leon Uris’ Roman vor: Er spielte den adeligen britischen Arzt Adam Kleno, einen geborenen Polen, den seine Kriegsvergangenheit unentrinnbar einholt. Ein Jahr später übernahm er am Broadway die Hauptrolle in der National-Theatre-Inszenierung von „Equus“. Später brachte er dasselbe Stück auch in Los Angeles auf die Bühne, wo er anschließend zehn Jahre lebte und intensiv beim amerikanischen Film und Fernsehen arbeitete.
Nach seinem Auftritt als Captain Bligh in „Die Bounty“ (1984) kehrte er nach England zurück und trat am National Theatre in David Hares „Pravda“ auf. Diese Rolle brachte ihm den Darstellerpreis der British Theatre Association sowie bei der Verleihung der Laurence Olivier Awards 1985 den Observer Award für Hervorragende Leistungen ein. Am National Theatre war er anschließend in „Antony and Cleopatra“ (Antonius und Cleopatra) und „King Lear“ (König Lear) zu sehen.
Hopkins wirkte außerdem in Scott Hicks’ Stephen-King-Verfilmung „Hearts in Atlantis“ (Hearts in Atlantis) mit, in der Action-Komödie „Bad Company“ (Bad Company) mit Chris Rock, im erfolgreichen Prequel zu „Das Schweigen der Lämmer“ unter dem Titel „Red Dragon“ (Roter Drache) mit Ed Norton, Ralph Fiennes und Emily Watson sowie in Robert Bentons Miramax-Verfilmung des Philip-Roth-Romans „The Human Stain“ (Der menschliche Makel) mit Nicole Kidman.
Zuletzt trat Hopkins in dem Miramax-Film „Proof“ (Der Beweis) neben Gwyneth Paltrow auf, in Roger Donaldsons „The World’s Fastest Indian“ (Mit Herz und Hand), Steven Zaillians „All the King’s Men“ (Das Spiel der Macht) mit Sean Penn, Jude Law und Kate Winslet sowie im Krimi „Fracture“ (Das perfekte Verbrechen) mit Ryan Gosling. Als Autor, Regisseur und Filmkomponist war er an dem unabhängig produzierten Spielfilm „Slipstream“ beteiligt, der 2007 in Sundance uraufgeführt wurde.
Hopkins wurde 1993 von Königin Elizabeth zum Ritter geschlagen. 2000 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an.


John Malkovich
Unferth

Malkovich zählt zu den meistbeschäftigten Schauspielern des internationalen Kinos und tritt häufig sowohl in amerikanischen als auch internationalen Produktionen auf. Er hat mit vielen der bedeutendsten Regisseure gearbeitet und spielte unvergessliche Rollen in Filmen wie Liliana Cavanis „Ripley’s Game“ (Ripley’s Game), Spike Jonzes „Being John Malkovich“ (Being John Malkovich), Jane Campions „The Portrait of a Lady“ (Portrait of a Lady), Wolfgang Petersens „In the Line of Fire“ (In the the Line of Fire – Die zweite Chance), Gary Sinises „Of Mice and Men“ (Von Mäusen und Menschen), Bernardo Bertoluccis „The Sheltering Sky“ (Himmel über der Wüste), Stephen Frears’ „Dangerous Liaisons“ (Gefährliche Liebschaften), Steven Spielbergs „Empire of the Sun“ (Das Reich der Sonne), Paul Newmans „The Glass Menagerie“ (Die Glasmenagerie), Roland Joffés „The Killing Fields“ (The Killing Fields – Schreiendes Land) und Robert Bentons „Places in the Heart“ (Ein Platz im Herzen). Zweimal wurde er in der Kategorie Nebendarsteller für den Oscar nominiert: 1985 mit „Ein Platz im Herzen“ und 1994 mit „In the Line of Fire – Die zweite Chance“. Mit seinem Auftritt in „Ein Platz im Herzen“ gewann er auch den Preis der US-Filmkritiker und des National Board of Review (branchenunabhängige Institution zur Förderung der Filmkunst). 1999 erhielt er mit „Being John Malkovich“ den Preis der New Yorker Filmkritiker als Bester Nebendarsteller. Aktuell war er in dem Abenteuerepos „Eragon“ (Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter) nach dem Romanbestseller zu sehen. Aktuelle Rollen übernahm er in „The Great Buck Howard“ neben Tom Hanks, in „Drunkboat“, „Gardens of the Night“, „In Tranzit“, „Disgrace“, „The Mutant Chronicles“ und „Afterwards“.
Seit Langem gehört Malkovich dem innovativen Ensemble Steppenwolf Theatre Company in Chicago an. Gleich nach seinem College-Abschluss wurde er aufgenommen. Zwischen 1976 und 1982 war er als Darsteller, Regisseur und Bühnenbildner an über 50 Steppenwolf-Inszenierungen beteiligt. Sein New Yorker Bühnendebüt gab Malkovich in der Steppenwolf-Produktion von Sam Shepards „True West“ (Goldener Westen) – damit gewann er den Obie. Weitere bedeutende Bühnenrollen spielte er in „Death of a Salesman“ (Tod eines Handlungsreisenden), „Slip of the Tongue“ (Im Tal der Ahnungslosen), Sam Shepards „State of Shock“ (Schocks) und Lanford Wilsons „Burn This“, mit dem er in New York, London und Los Angeles auftrat. Zu seinen zahlreichen Steppenwolf-Inszenierungen gehören das gefeierte „Balm in Gilead“ in Chicago und Off-Broadway, „The Caretaker“ (Der Hausmeister) in Chicago und am Broadway, „Hysteria“ und „Libra“, das Malkovich nach Don DeLillos Roman verfasste.
Malkovich ist auch in etlichen berühmten TV-Produktionen aufgetreten und gewann den Emmy für seine Leistung in Volker Schlöndorffs TV-Film „Death of a Salesman“ (Tod eines Handlungsreisenden) mit Dustin Hoffman. Weitere TV-Rollen: die Miniserie „Napoleon“ (Napoleon) und der gefeierte HBO-Film „RKO 281“ (Citizen Kane – Die Hollywood-Legende) – beide brachten ihm Emmy-Nominierungen ein.
Neben seiner Regiearbeit „The Dancer Upstairs“ (Der Obrist und die Tänzerin) inszenierte Malkovich drei Modekurzfilme („Strap Hangings“, „Lady Behave“, „Hideous Man“) für die Londoner Designerin Bella Freud. 2003 wurde seine französische Bühneninszenierung „Hysteria“ mit fünf Molière-Nominierungen gewürdigt – darunter in der Kategorie Beste Regie.


ROBIN WRIGHT PENN
Wealthow

Robin Wright Penn gab ihr Filmdebüt in Rob Reiners Kultklassiker „The Princess Bride“ (Die Braut des Prinzen) und entwickelte sich in der Folge zu einer der berühmtesten Schauspielerinnen der Kinoszene.
Immer wieder wurde sie für ihre hervorragenden Leistungen ausgezeichnet. Ihre ersten beiden Nominierungen – für den Golden Globe und den Preis der Screen Actors Guild (SAG; US-Gewerkschaft der Film- und TV-Schauspieler) – erhielt sie 1995 für ihre unvergessliche Rolle als Jenny neben Tom Hanks in Robert Zemeckis’ als Bester Film mit dem Oscar ausgezeichneten „Forrest Gump“ (Forrest Gump). Die zweite SAG-Nominierung folgte in der Kategorie Beste Darstellerin mit Nick Cassavetes’ „She’s So Lovely/Call It Love“ (Alles aus Liebe – Call It Love) und die dritte für Fred Schepisis „Empire Falls“ (Empire Falls). Dreimal wurde sie für den Independent Spirit Award nominiert – mit Erin Dingmans „Loved“ (Loved – Missbrauchte Liebe) neben William Hurt; mit Rodrigo Garcias „Nine Lives“ (Nine Lives) und mit Jeff Stanzlers „Sorry, Haters“ (Sorry, Haters). Als Darstellerin und Executive Producer war Wright Penn an Deborah Kampmeiers „Virgin“ beteiligt, der in der Kategorie Bester Erstlingsfilm (unter 500.000 Dollar; auch als John Cassavetes Award bezeichnet) für den Independent Spirit Award nominiert wurde.
Weitere Filme: Keith Gordons „The Singing Detective“ (The Singing Detective) mit Robert Downey Jr.; Peter Kosminskys „White Oleander“ (Weißer Oleander) mit Alison Lohman; Anthony Drazans „Hurlyburly“ (Hurlyburly) mit Kevin Spacey; Sean Penns „The Pledge“ (Das Versprechen) mit Jack Nicholson; Luis Mandokis „Message in a Bottle“ (Message in a Bottle – Der Beginn einer großen Liebe) mit Kevin Costner und Paul Newman; M. Night Shyamalan's „Unbreakable“ (Unbreakable – Unzerbrechlich) mit Bruce Willis und Samuel L. Jackson; Pen Denshams „Moll Flanders“ (Moll Flanders – **** wider Willen) mit Morgan Freeman; und Barry Levinsons „Toys“ (Toys) mit Robin Williams. Aktuell war Wright Penn in dem Kurzfilm „Room 10“ zu sehen, den Jennifer Aniston für die „Reel Women Film Series“ des Magazins Glamour inszenierte.
Zuletzt trat Wright Penn in Anthony Minghellas „Breaking and Entering“ (Breaking and Entering – Einbruch und Diebstahl) neben Jude Law auf und wirkte in Deborah Kampmeiers „Hounddog“ neben Dakota Fanning mit, den sie auch als Executive Producer betreute – der Film wurde 2007 in Sundance uraufgeführt.
Wright Penn inszeniert derzeit eine Dokumentation über Surferinnen.


BRENDAN GLEESON
Wiglaf

Gleeson war kürzlich in der Rolle des Mad-Eye Moody zu sehen, die er erstmals in „Harry Potter and the Goblet of Fire“ (Harry Potter und der Feuerkelch) und dann auch in „Harry Potter and the Order of the Phoenix“ (Harry Potter und der Orden des Phönix) verkörperte.
Seit seinem Filmdebüt in Jim Sheridans „The Field“ (Das Feld) wirkte Gleeson in über 40 Filmen mit. Er spielte zunächst kleinere Rollen in Filmen wie Mike Newells „Into the West“ (Into the West; auch: Das weißen Zauberpferd) und Ron Howards „Far and Away“ (In einem fernen Land), bevor er die Rolle des Hamish in Mel Gibsons als Bester Film mit dem Oscar ausgezeichneten „Braveheart“ (Braveheart) übernahm. Es folgten Neil Jordans Filme „Michael Collins“ (Michael Collins) und „The Butcher Boy“ (The Butcher Boy – Der Schlächterbursche), und er spielte auch die Hauptrolle in dem Independent-Film „Angela Mooney“, den John Boorman als Executive Producer betreute.
1998 war Gleeson unter der Regie von Boorman als irischer Volksheld Martin Cahill in der gefeierten Filmbiografie „The General“ (Der General; auch: Der Meisterdieb von Dublin) zu sehen. Für diese Leistung wurde Gleeson mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als Bester Darsteller mit dem Preis der Londoner Filmkritiker. Die Zusammenarbeit mit John Boorman setzte er in den Filmen „The Tailor of Panama“ (Der Schneider von Panama), „Country of My Skull“ (In My Country) und „The Tiger’s Tail“ fort.
Zu Gleesons weiteren Filmen zählen John Woos „Mission: Impossible II“ (Mission: Impossible II), „Harrison’s Flowers“, „Wild About Harry“ (Wild About Harry), Steven Spielbergs „Artificial Intelligence: A.I.“ (A.I. – Künstliche Intelligenz), Danny Boyles „28 Days Later…“ (28 Days Later), Martin Scorseses „Gangs of New York“ (Gangs of New York), Anthony Minghellas „Cold Mountain“ (Unterwegs nach Cold Mountain), Wolfgang Petersens „Troy“ (Troja), M. Night Shyamalans „The Village“ (The Village – Das Dorf), Ridley Scotts „Kingdom of Heaven“ (Königreich der Himmel), Neil Jordans „Breakfast on Pluto“ (Breakfast on Pluto) und „Black Irish“. Im Fernsehen übernahm Gleeson die Titelrolle in der aktuellen HBO-Produktion „Churchill at War“.
Der gebürtige Ire Gleeson begann als Lehrer, gab den Beruf aber zugunsten seiner Schauspielkarriere auf. Er wurde Mitglied des irischen Theaterensembles Passion Machine. Zu seinen Theaterauftritten zählen „King of the Castle“, „The Plough and the Stars“ (Der Pflug und die Sterne), „Prayers of Sherkin“, „The Cherry Orchard“ (Der Kirschgarten) und „Juno and the Paycock“ (Juno und der Pfau) am Gaiety Theatre in Dublin sowie auf dem Chicago Theatre Festival. 2001 kehrte er auf die Bühne zurück: Am Dubliner Peacock Theatre trat er in Billy Roches Stück „On Such as We“ unter der Regie von Wilson Milam auf.


Crispin Glover
Grendel

Ein typischer Hauptdarsteller ist Crispin Glover nie gewesen, aber dennoch hat er sich als eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der Filmbranche profiliert. Durch seine ungewöhnlichen Rollen und Kunstobjekte scharte sich eine Art Kultgemeinde um ihn – er wird als Wahnsinniger und als Genie verehrt. In über 30 Filmen hat Glover hervorragende Leistungen gezeigt, zum Beispiel in „River’s Edge“ (Das Messer am Ufer), „Back to the Future“ (Zurück in die Zukunft), „Wild at Heart“ (Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula), „The Doors“ (The Doors; als Andy Warhol), „The People vs. Larry Flynt“ (Larry Flynt – Die nackte Wahrheit) „Nurse Betty“ (Nurse Betty – Gefährliche Träume), „Charlie’s Angels“ (3 Engel für Charlie) und im Sequel „Charlie’s Angels: Full Throttle“ (3 Engel für Charlie – Volle Power) sowie in der Neuverfilmung des klassischen Horrorfilms „Willard (Willard). Aktuelle Rollen spielte er in „Drop Dead Sexy“ (Drop Dead Sexy – Totgesagte l(i)eben länger...), „Simon Says“, „The Wizard of Gore“ und „Epic Movie“ (Fantastic Movie). Glover hat etliche Geschichten geschrieben und verantwortet auch die gesprochene Bühnen-Performance „The Big Slide Show“. Außerdem schrieb, produzierte und inszenierte Glover den Spielfilm „What Is It?“. Anschließend inszenierte und produzierte er die Fortsetzung „It Is Fine. Everything Is Fine!“, die Hauptdarsteller Steven C. Stewart geschrieben hat.


ALISON LOHMAN
Ursula

Begeisterung löste die vielseitige Alison Lohman mit ihrer Hauptrolle in „White Oleander“ (Weißer Oleander) aus: Sie spielt die jugendliche Tochter einer Strafgefangenen, die eine Reihe traumatischer Erfahrungen in Pflegefamilien erdulden muss. Ihre Leinwandpartnerinnen waren Robin Wright Penn und die jeweils für den Oscar nominierten Michelle Pfeiffer und Renée Zellweger.
Alison Lohman stammt aus Palm Springs/California. Schon als Neunjährige sang und tanzte sie und begann ihre Bühnenkarriere als Gretl von Trapp in „The Sound of Music“. Sie erhielt ein Stipendium der National Foundation for the Advancement of the Arts (Stiftung zur Förderung der Künste) für die berühmte Tisch School of the Arts an der New York University, entschied sich aber dagegen und zog nach ihrem Highschool-Abschluss nach Los Angeles, um als Profi in der Film- und Fernsehbranche zu arbeiten.
Vor „Weißer Oleander“ war Lohman neben Mare Winingham in dem TV-Film „Sharing the Secret“ (Verborgene Vergangenheit) zu sehen.
Weitere Filmrollen: neben Nicolas Cage und Sam Rockwell in Ridley Scotts „Matchstick Men“ (Tricks), neben Ewan McGregor in Tim Burtons „Big Fish“ (Big Fish), „The Big White“ (The Big White – Immer Ärger mit Raymond) mit Giovanni Ribisi und Atom Egoyans „Where the Truth Lies“ (Wahre Lügen) mit Kevin Bacon und Colin Firth.
Aktuell trat Lohman in Michael Mayers „Flicka“ (Flicka – Freiheit. Freundschaft. Abenteuer), in „Delirious“ mit Michael Pitt und in Susanne Biers „Things We Lost in the Fire“ (Eine neue Chance) mit Benicio Del Toro und Halle Berry auf.


ANGELINA JOLIE
Grendels Mutter

Anfang 2007 trat die Oscar-Preisträgerin und dreifache Golden-Globe-Gewinnerin Angelina Jolie neben Dan Futterman in der bewegenden Story von Mariane und Daniel Pearl namens „A Mighty Heart“ (Ein mutiger Weg) auf. Zuvor war sie neben Matt Damon in Robert De Niros „The Good Shepherd“ (Der gute Hirte) und neben Brad Pitt in Doug Limans Action-Liebeskomödie „Mr. & Mrs. Smith“ (Mr. & Mrs. Smith) zu sehen. 2004 übernahm sie Hauptrollen in Oliver Stones Epos „Alexander“ (Alexander) mit Colin Farrell, Val Kilmer und Anthony Hopkins sowie im Action-Abenteuer „Sky Captain and the World of Tomorrow“ (Sky Captain and the World of Tomorrow) mit Jude Law und Gwyneth Paltrow. Als Sprecherin wirkte sie in dem animierten Film „Shark Tale“ (Große Haie – Kleine Fische) neben Will Smith, Jack Black und Robert De Niro mit. Außerdem war sie in dem Thriller „Taking Lives“ (Taking Lives – Für dein Leben würde er töten) neben Ethan Hawke zu sehen.
Die Titelrolle spielte Jolie 2003 zum zweiten Mal in „Lara Croft Tomb Raider: The Cradle of Life“ (Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens) – im selben Jahr wirkte sie in „Beyond Borders“ (Jenseits aller Grenzen) mit. Zuvor war sie in der Liebeskomödie „Life or Something Like It“ (Leben oder so ähnlich) zu sehen. 2001 drehte sie Simon Wests „Lara Croft: Tomb Raider“ (Lara Croft: Tomb Raider) und „Original Sin“ (Original Sin) mit Antonio Banderas. 2000 traten Jolie, Nic Cage und Robert Duvall in Produzent Jerry Bruckheimers „Gone in 60 Seconds“ (Nur noch 60 Sekunden) auf.
Für die Darstellung einer Psychiatrie-Patientin in „Girl, Interrupted“ (Durchgeknallt) erhielt Jolie den Oscar als Beste Nebendarstellerin, ihren dritten Golden Globe, den Preis der US-Rundfunkkritiker, den Preis der Screen Actors Guild (US-Gewerkschaft der Filmschauspieler) sowie den Preis als Nebendarstellerin des Jahres auf dem Kinobetreiber-Kongress ShoWest.
Zuvor spielte Jolie neben Denzel Washington als altgedientem Detective eine Nachwuchspolizistin in Phillip Noyces Thriller „The Bone Collector“ (Der Knochenjäger). Und sie war in Mike Newells „Pushing Tin“ (Turbulenzen – und andere Katastrophen) neben Billy Bob Thornton und John Cusack zu sehen. Für ihre „Durchbruch-Darstellung“ in „Playing by Heart“ (Leben und lieben in L.A.) erhielt sie den Preis des National Board of Review (branchenunabhängige Institution zur Förderung der Filmkunst). In diesem von Willard Carroll inszenierten, ganz auf die Darsteller zugeschnittenen Drama spielten Sean Connery, Gena Rowlands und Ellen Burstyn weitere Hauptrollen.
Der HBO-Film „Gia“ (Gia – Der Preis der Schönheit) brachte ihr nicht nur begeisterte Kritiken ein – Jolie gewann mit ihrer Darstellung des an Aids gestorbenen Supermodels auch den Golden Globe, den Preis der Screen Actors Guild, und sie wurde für den Emmy nominiert. Eine weitere Emmy-Nominierung erhielt sie für ihre Rolle an der Seite von Gary Sinise in John Frankenheimers TNT-Fernsehfilm „George Wallace“ (Wallace) über den umstrittenen Gouverneur von Alabama. Mit diesem Film gewann Jolie ihren ersten Golden Globe, außerdem wurde sie für ihre Darstellung von Wallaces zweiter Frau Cornelia für den Kabel-TV-Preis ACE nominiert.
Jolie ist Mitglied des berühmten MET Theatre Ensemble Workshop, sie machte ihre Ausbildung am Lee Strasberg Theatre Institute und nahm außerdem Schauspielunterricht bei Jan Tarrant in New York und Silvana Gallardo in Los Angeles.
Am 27. August 2001 wurde Jolie zur Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) ernannt und übernahm die Aufgabe, Flüchtlinge in fünf Kontinenten zu betreuen und für ihren Schutz einzutreten.



HINTER DER KAMERA


ROBERT ZEMECKIS
Regie/Produzent

Den Oscar, den Golden Globe und den Preis der Director’s Guild of America (Gewerkschaft der US-Regisseure) gewann Robert Zemeckis 1994 als Bester Regisseur für den äußerst erfolgreichen „Forrest Gump“ (Forrest Gump). „Forrest Gump“ wurde außerdem als Bester Film und für die Beste Hauptrolle (Tom Hanks) mit Oscars ausgezeichnet. Seitdem arbeitete er erneut mit Tom Hanks zusammen: Sie drehten „Cast Away“ (Cast Away – Verschollen), wobei die Produktion in zwei Abschnitte unterteilt wurde – zwischendurch entstand die Produktion „What Lies Beneath“ (Schatten der Wahrheit). Zemeckis und Hanks fungierten bei „Cast Away“ neben Steve Starkey und Jack Rapke auch als Produzenten.
1985 war Zemeckis’ „Back to the Future“ (Zurück in die Zukunft) der erfolgreichste Film des Jahres – er hatte ihn (mit Bob Gale) geschrieben und inszeniert. Als Autor wurde er für den Oscar und den Golden Globe nominiert. Auf diesen Einstieg in eine der populärsten Filmtrilogien überhaupt folgten „Back to the Future, Part II and Part III“ (Zurück in die Zukunft II & III).
Zemeckis inszenierte und produzierte außerdem „Contact“ (Contact) mit Jodie Foster nach dem Romanbestseller von Carl Sagan und den makabren Komödienhit „Death Becomes Her“ (Der Tod steht ihr gut) mit Meryl Streep, Goldie Hawn und Bruce Willis. Zuvor schrieb und inszenierte er „Who Framed Roger Rabbit?“ (Falsches Spiel mit Roger Rabbit), die clevere Verbindung von Realfilm und Zeichentrick; er inszenierte das romantische Abenteuer „Romancing the Stone“ (Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten) mit Michael Douglas und Kathleen Turner sowie die Komödien „Used Cars“ (Mit einem Bein im Kittchen) und „I Wanna Hold Your Hand“ (I Wanna Hold Your Hand).
Neben seinen Aufgaben als Regisseur und Drehbuchautor betreute Zemeckis als Produzent „House on Haunted Hill“ (Haunted Hill) und als Executive Producer Peter Jacksons „The Frighteners“ (The Frighteners), „The Public Eye“ (Der Reporter) und Walter Hills „Trespass“ (Trespass), zu dem er mit Bob Gale auch das Drehbuch lieferte. Mit seinem Kommilitonen Bob Gale hatte er bereits das Drehbuch zu „1941“ (1941 – Wo, bitte, geht’s nach Hollywood?) geschrieben, bei dem er erstmals mit Steven Spielberg zusammenarbeitete.
Fernsehstoffe hat Zemeckis ebenfalls inszeniert, zum Beispiel die abendfüllende Showtime-Dokumentation „The Pursuit of Happiness“, in der er die Auswirkungen von Drogen und Alkohol auf die Gesellschaft des 20. Jahrhunderts untersucht. Hinzu kommen eine Folge von Steven Spielbergs Serie „Amazing Stories“ (Fantastische Geschichten) und drei Episoden der HBO-Serie „Tales From the Crypt“ (Geschichten aus der Gruft), die er außerdem als Executive Producer verantwortete.
1998 gründeten Zemeckis, Steve Starkey und Jack Rapke gemeinsam die Film und TV-Produktionsfirma ImageMovers. „Schatten der Wahrheit“ war der erste Film, der unter diesem Label startete. Es folgten „Cast Away – Verschollen“, der im Herbst 2000 bei Kritik und Publikum begeistert aufgenommen wurde, und „Matchstick Men“ (Tricks).
Im März 2001 weihte die School of Cinema-Television unter dem Dach der University of Southern California das Robert Zemeckis Center for Digital Arts ein. Dieses Institut bietet als einziges komplett digitalisierte Arbeitsplätze auf dem neuesten Stand der Technik und ist auf die aktuellsten Computer-Filmproduktions- und Post-Production-Verfahren und Studios ausgerichtet. Hinzu kommen ein Vorführraum mit 50 Plätzen und ein von den Studenten geleiteter Uni-Fernsehsender namens Trojan Vision. Außerdem gab er als Erster an der USC einen Kurs im Motion-Capture-Verfahren.
2004 produzierte und inszenierte Zemeckis den Motion-Capture-Film „The Polar Express“ (Der Polarexpress) mit Tom Hanks. Aktuell verfilmte er die authentische Geschichte „The Prize Winner of Defiance, Ohio“ mit Julianne Moore und Woody Harrelson. Außerdem betreute er als Executive Producer „Monster House“ (Monster House) und die Komödie „Last Holiday“ (Noch einmal Ferien) mit Queen Latifah.


Neil Gaiman
Drehbuch/Executive Producer

Gaiman profilierte sich als preisgekrönter Autor von Prosa, Lyrik, Filmdrehbüchern, journalistischen Artikeln, Comics, Songtexten und Theaterstücken. Sein berühmter vierteiliger Roman „Stardust“ (Sternwanderer) erschien 1997 bei DC Comics mit Illustrationen von Charles Vess – aktuell wurde er von Matthew Vaughn mit Claire Danes verfilmt. Sein Bestseller „American Gods“ (American Gods) gewann den Hugo Award, Nebula Award, Bram Stoker Award, SFX Award und Locus Award. Hinzu kommen zahlreiche Nominierungen, darunter für den World Fantasy Award und den Minnesota Book Award. Außerdem war er auf vielen Jahresbestenlisten verzeichnet. Gaimans Roman „Anansi Boys“ (Anansi Boys) erschien im September 2005 auf der Bestsellerliste der New York Times.
Gaiman schrieb die Kinofassung seines Kinderromans „Coraline“ (Coraline – Gefangen hinter dem Spiegel), die Henry Sellick inszenierte. Außerdem schrieb Gaiman den Spielfilm „MirrorMask“ (MirrorMask), den Dave McKean für The Jim Henson Company inszenierte. „MirrorMask“ wurde 2005 in Sundance uraufgeführt und kam im selben Jahr ins Kino, begleitet von dem verschwenderisch ausgestatteten gleichnamigen Buch sowie einem Bilderbuch für jüngere Leser, die Gaiman ebenfalls verfasste.
Mit Terry Pratchett schrieb Gaiman den Comic-Roman „Good Omens“ (Ein gutes Omen) über das Ende der Welt – 1990 stand das Buch 17 Wochen hintereinander auf der Bestsellerliste der London Sunday Times und erwies sich auch international als Bestseller. Gaiman schuf und schrieb die monatliche DC-Comics-Horror-Kultserie „Sandman“ (Sandman), die mit neun Will Eisner Awards der Comic-Branche ausgezeichnet wurde – darunter viermal Gaiman als Bester Autor – und außerdem mit drei Harvey Awards. „Sandman Nr. 19“ wurde 1991 als Beste Kurzgeschichte mit dem World Fantasy Award geehrt und war damit der allererste Comic, der je einen Literaturpreis gewann.
Gaimans sechsteilige Fantasy-BBC-Serie „Neverwhere“ wurde 1996 augestrahlt. Sein Roman „Neverwhere“ (Niemalsland) spielt in derselben merkwürdigen Unterwelt wie die TV-Serie und erschien 1997. Er war auf vielen Bestsellerlisten verzeichnet. Zusätzlich schrieb Gaiman nach diesem Roman ein Drehbuch für Jim Henson Productions.
Gaimans erstes Kinderbuch „The Day I Swapped My Dad for Two Goldfish“ wurde von Dave McKean illustriert, erschien im Mai 1997 und wurde von Newsweek in die Liste der Zehn besten Kinderbücher des Jahres aufgenommen. HarperCollins brachte das Buch 2003 erneut heraus und löste ein großes Echo aus. Seine Kurzgeschichtensammlung „Smoke and Mirrors: Short Fictions and Illusions“ erschien 1998. Sie wurde in Großbritannien für den MacMillan Silver Pen Award nominiert.
1999 kehrte Gaiman zum „Sandman“-Stoff zurück: Das Prosabuch „The Dream Hunters“ mit Bildern von Yoshitaka Amano gewann den Bram Stoker Award der Horror Writers Association für das beste illustrierte Werk und erhielt eine Nominierung für den Hugo Award. „Two Plays for Voices“ (2002), das Hörbuch zu zwei von Gaimans Kurzgeschichten, wurde von Brian Dennehy und Bebe Neuwirth gelesen – es wurde 2002 mit dem Audie Award der Audio Publishers Association ausgezeichnet. 2003 veröffentlichte Gaiman nach sieben Jahren wieder einen „Sandman“-Comic-Roman: „Endless Nights“ (Das Erwachen) aus dem Verlag DC Comics war der erste Comic-Roman, der auf der Bestsellerliste der New York Times verzeichnet war. 2004 veröffentlichte Gaiman den ersten Band einer Seriengeschichte namens „1602“ im Verlag Marvel – er war der Comic-Bestseller des Jahres.
Ende 2002 schrieb und inszenierte Gaiman seinen eigenen Film in Zusammenarbeit mit Ska Films – die kurze schwarze Komödie „A Short Film About John Bolton“.
Gaimans Werke sind in Dutzende von Sprachen übersetzt worden. Seine journalistischen Artikel erschienen in Wired, Time Out London, The London Sunday Times, Punch und The Observer Color Supplement. Er schrieb Buchrezensionen für The New York Times Book Review und The Washington Post Bookworld.
Tori Amos singt über Gaiman auf ihren Alben „Little Earthquakes“, „Under the Pink“, „Boys for Pele“ und „Scarlett’s Walk“. Gaiman schrieb Lieder für die Minneapolis-Band The Flash Girls, für Chris Ewens The Hidden Variable und für die Band One Ring Zero. Im August 1997 verlieh der Comic Book Legal Defense Fund Gaiman den Defender of Liberty Award.
Gaimans offizielle Website: www.neilgaiman.com <http://www.neilgaiman.com/>.


Roger Avary
Drehbuch/Executive Producer

Der preisgekrönte Filmemacher begann Ende der 1970er-Jahre auf Beta I Video und 8mm-Film zu experimentieren. 1983 gewann sein Super-8mm-Fantasy-Thriller „The Worm Turns“ den Preis als Bester Film auf der Filmausstellung der Los Angeles Film Teachers Association Film Expo. Dann nahm Avary an der renommierten Filmausbildung am Pasadena Art Center College of Design teil, wo seine Kommilitonen die Regisseure Michael Bay und Tarsem Singh waren.
1994 gewann Avary als Autor zusammen mit Quentin Tarantino den Drehbuch-Oscar für „Pulp Fiction“ (Pulp Fiction). Überreicht bekam er den Preis von jenem Mann, der später Hrothgar spielen sollte: Anthony Hopkins. Bei derselben Verleihung wurde der spätere „Beowulf“-Regisseur Robert Zemeckis für „Forrest Gump“ (Forrest Gump) ausgezeichnet. Mit dem Drehbuch zu „Pulp Fiction“ erhielten Avary und Tarantino weitere Preise, darunter den Preis der British Film Academy (BAFTA), den Preis der Filmkritiker in Boston, Chicago, Los Angeles und New York sowie den Independent Spirit Award.
1994 schrieb und inszenierte Avary außerdem den französischen Neo-Noir-Thriller „Killing Zoe“ (Killing Zoe), den Roger Ebert als „ersten Bankraub-Film der Generation X“ pries. „Killing Zoe“ war übrigens der erste Spielfilm, bei dem Schwing- und Kipp-Balgobjektive zum Einsatz kamen. In Cannes gewann der Film den Prix très spécial, während „Pulp Fiction“ gleichzeitig mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. „Killing Zoe“ erhielt weitere Preise auf anderen Festivals – als Bester Film auf dem Yubari International Film Festival in Japan und auf dem italienischen Mystfest. Der Film wurde von der Cinémathèque Française gefeiert, die Avary während der Retrospektive „Kino der Grausamkeit“ als „Antonin Artaud des Kinos“ bezeichnete.
1996 inszenierte Avary für die Go-Gos das Musikvideo zum Song „The Whole World Lost Its Head“. 1997 produzierte Avary den Independent-Film „Boogie Boy“ (Hard Proof) und 2000 „The Last Man“. Daneben produzierte er etliche Pilotfilme fürs Fernsehen. 1997 tat er sich mit dem auf der Bestseller-Liste der New York Times vertretenen Autor Neil Gaiman zusammen und schrieb das Drehbuch zur ältesten Geschichte der englischen Literatur: „Beowulf“ (Die Legende von Beowulf).
2002 schrieb und inszenierte Avary die Verfilmung von Bret Easton Ellis’ Roman „The Rules of Attraction“ (Die Regeln des Spiels), die er auch als Executive Producer betreute. „Die Regeln des Spiels“ war die erste Studioproduktion, bei der sich das Apple-Schnittsystem Final Cut Pro bewährte. Roger Avary wurde Repräsentant von Final Cut Pro 3 und war weltweit in Print- und Online-Anzeigen zu sehen. Sein Film im Film „Glitterati“ (2004) verwendete Elemente von Victors Wards Europareise und wurde von dem Mitarbeiter-Duo (Avary und Produzent Greg Shapiro) komplett auf Digitalvideo gedreht. 2005 erwarb Avary die Rechte zu einem weitere Roman von Bret Easton Ellis, „Glamorama“ (Glamorama), zu dem er das Drehbuch in seiner Firma entwickelt – er will auch selbst Regie führen.
2006 schrieb er die Kinofassung zum erfolgreichen Konami-Videogame „Silent Hill“ (Silent Hill) für den französischen Regisseur Christophe Gans. „Silent Hill“ schaffte es auf Anhieb auf Platz eins der US-Boxoffice-Charts und wurde von Videogame-Fans als eine der ersten Game-Verfilmungen gefeiert, die die Bildwelt und den Geist der Vorlage erfolgreich nachempfinden.
2007 wurde Avarys und Gaimans „Beowulf“-Teamarbeit von Regisseur Robert Zemeckis erfolgreich verfilmt. Mit komplizierten digital aufbereiteten Realszenen erzählt der Film die uralte englische Geschichte mit der modernsten Technik.
Derzeit bereitet sich Avary auf die Verfilmung der erfolgreichen id-Software-Videogame-Serie „Castle Wolfenstein“ für „Killing Zoe“-Produzent Samuel Hadida vor.
Als Hobby sammelt und restauriert Avary alte Atari XY-Monitor-Spielautomaten wie „Battlezone“, „Tempes“ und „Lunar Lander“. Avary lebt abwechselnd auf seiner Olivenfarm in Kalifornien sowie in Wohnungen in Rio de Janeiro und Paris.


STEVE STARKEY
Produzent

Als einer der Produzenten von Robert Zemeckis’ „Forrest Gump“ (Forrest Gump) mit Tom Hanks gewann Starkey den Oscar für den Besten Film. Der Film zählt zu den größten Kassenerfolgen aller Zeiten und gewann sechs Oscars (auch für Regie und Hauptdarsteller) sowie den Golden Globe, die höchste Auszeichnung des National Board of Review (branchenunabhängige Institution zur Förderung der Filmkunst), zwei People’s Choice Awards, den Goldenen Lorbeer der Producers Guild (Gewerkschaft der Produzenten) und eine Nominierung für den British Academy Award (BAFTA) in der Kategorie Bester Film.
Starkey produzierte Zemeckis’ Kinofassung von Chris Van Allsburgs beliebtem Kinderbuch „The Polar Express“ (Der Polarexpress) mit Tom Hanks, Jane Andersons „The Prize Winner of Defiance, Ohio“ und Gil Kenans „Monster House“ (Monster House).
1998 gründeten Starkey, Zemeckis und Jack Rapke gemeinsam die Film und TV-Produktionsfirma ImageMovers. Mit Zemeckis und Tom Hanks drehte Starkey das dramatische Epos „Cast Away“ (Cast Away – Verschollen), und er produzierte den Psycho-Thriller „What Lies Beneath“ (Schatten der Wahrheit) mit Harrison Ford und Michelle Pfeiffer, wieder inszeniert von Zemeckis.
Seit 1986 arbeitet Starkey mit Zemeckis zusammen – damals als Associate Producer bei dem innovativen Spielfilm „Who Framed Roger Rabbit?“ (Falsches Spiel mit Roger Rabbit). In derselben Funktion betreute er Teil 2 und 3 der „Back to the Future“-Trilogie (Zurück in die Zukunft). Zemeckis’ schwarze Komödie „Death Becomes Her“ (Der Tod steht ihr gut) mit Goldie Hawn, Meryl Streep und Bruce Willis hat Starkey ebenfalls produziert. Dann folgten „Forrest Gump“ und „Contact“ (Contact) mit Jodie Foster nach dem Romanbestseller von Carl Sagan. Als Co-Produzent taucht er im Vorspann zu Peter Bogdanovichs Farce „Noises Off“ (Noises Off – Der nackte Wahnsinn) auf. Daneben produzierte er für den Sender Showtime die abendfüllende Doku „The Pursuit of Happiness“ über Alkohol- und Drogensucht, die Robert Zemeckis als Regisseur und Executive Producer betreute.
Seine erste Chance in der Filmbranche bekam Starkey bei Lucasfilm – er assistierte dem Cutter bei „The Empire Strikes Back“ (Das Imperium schlägt zurück) und „Return of the Jedi“ (Die Rückkehr der Jedi-Ritter). Später arbeitete er als eigenverantwortlicher Cutter an Dokumentationen für Steven Spielbergs Firma Amblin Entertainment. Bei Spielbergs Fernsehserie „Amazing Stories“ (Fantastische Geschichten) fungierte Starkey als Associate Producer, bei der CBS-Serie „Johnny Bago“ übernahm er 1993 die Verantwortung als Executive Producer.


JACK RAPKE
Produzent

Zusammen mit Steve Starkey und Robert Zemeckis gründete Rapke 1998 die Firma ImageMovers, die sich auf die Produktion von Kinofilmen konzentriert. Die ersten Filme der Firma waren „Cast Away“ (Cast Away – Verschollen) mit Tom Hanks und der Thriller „What Lies Beneath“ (Schatten der Wahrheit) mit Harrison Ford und Michelle Pfeiffer, beide inszeniert von Zemeckis und beide große Kinoerfolge.
Es folgte Ridley Scotts „Matchstick Men“ (Tricks) mit Nicolas Cage und Alison Lohman. Dann produzierte die Firma den innovativen „The Polar Express“ (Der Polarexpress) im Motion-Capture-Verfahren – Rapke verantwortete das Projekt als Executive Producer. Regie führte Zemeckis, die Hauptrolle spielte Tom Hanks. Als Vorlage diente das klassische Weihnachtsbuch von Chris Van Allsburg.
Dann produzierte Rapke Wayne Wangs „Last Holiday“ (Noch einmal Ferien) mit Queen Latifah; „The Prize Winner of Defiance, Ohio“ mit Julianne Moore und Woody Harrelson; und Gil Kenans Motion-Capture-Film „Monster House“ (Monster House).
Nach dem Studium an der Film School unter dem Dach der New York University kam Rapke 1975 nach Los Angeles und ergatterte einen Job in der Poststelle der Künstleragentur William Morris Agency. Vier Jahre später wechselte er zur Künstleragentur CAA (Creative Artists Agency), in der er 17 erfolgreiche Jahre wirkte. Rapke betreute nicht nur Autor/Regisseur/Produzent Robert Zemeckis, sondern auch so renommierte Filmemacher wie Jerry Bruckheimer, Ridley Scott, die Imagine-Entertainment-Partner Ron Howard und Brian Grazer, Martin Brest, Michael Mann, Joel Schumacher, Harold Ramis, Michael Bay, John Hughes, Chris Columbus, Terry Gilliam, Bob Gale, Bo Goldman, Steve Kloves, Howard Franklin, Scott Frank und Robert Kamen.
Rapke verließ die CAA als einer der erfolgreichsten und angesehensten Agenten. Sieben Jahre lang hatte er als Co-Vorsitzender der Filmabteilung gewirkt. Dort war er in der Spielfilmabteilung für die Gründung von Produktionsfirmen zuständig, die auf hochkarätige Klienten zugeschnitten wurden.


Martin Shafer
Produzent

Shafer ist Vorsitzender und Chief Executive Officer von Castle Rock Entertainment. Castle Rock produzierte aktuell „Fracture“ (Das perfekte Verbrechen), „Music and Lyrics“ (Mitten ins Herz – Ein Song für Dich), „No Reservations“ (Rezept zum Verlieben), „Sleuth“ (1 Mord für 2), „Michael Clayton“ (Michael Clayton) und „The Polar Express“ (Der Polarexpress). Die Firma produzierte außerdem so berühmte Filme wie „When Harry Met Sally…“ (Harry und Sally), „A Few Good Men“ (Eine Frage der Ehre), „Absolute Power“ (Absolute Power), „City Slickers“ (City Slickers – Die Großstadt-Helden), „In the Line of Fire“ (In the Line of Fire – Die zweite Chance), „Honeymoon in Vegas“ (…aber nicht mit meiner Braut – Honeymoon in Vegas), „Misery“ (Misery; Kathy Bates erhielt dafür den Oscar als Beste Darstellerin), „The American President“ (Hallo, Mr. President), „The Shawshank Redemption“ (Die Verurteilten) und „The Green Mile“ (The Green Mile; Oscar-Nominierung). Daneben produzierte Castle Rock die ungeheuer beliebte TV-Serie „Seinfeld“ (Seinfeld). 1995 wurde Castle Rock Entertainment auf dem ShoWest (Kongress der US-Kinobetreiber) für Hervorragendes Filmemachen ausgezeichnet.
Vor der Gründung von Castle Rock war Shafer Produktionschef von Embassy Pictures und arbeitete als Executive Vice President of Production bei der Twentieth Century Fox Film Corporation. Im Oktober 2000 wurde er auf der ShowEast für sein Lebenswerk mit dem Lifetime Achievement Award geehrt.


ROBERT PRESLEY
Kamera

Mit Don Burgess war Robert Presley als Kameramann für Regisseur Zemeckis’ „The Polar Express“ (Der Polarexpress) verantwortlich. Als Zweiter Kameramann und Steadicam-Kameramann arbeitete Presley schon bei den 2000 angelaufenen Filmen „What Lies Beneath“ (Schatten der Wahrheit) und „Cast Away“ (Cast Away – Verschollen) mit Zemeckis zusammen.
In seiner Laufbahn hat er an vielen berühmten und bedeutenden Filmen mitgewirkt, darunter aktuell an dem modernen Märchenfilm „Enchanted“ (Verwünscht), an „Radio“ (Sie nennen ihn Radio) „When a Stranger Calls“ (Unbekannter Anrufer), „Die Hard: With a Vengeance“ (Stirb langsam – jetzt erst recht) und „The 13th Warrior“ (Der 13. Krieger) für Regisseur John McTiernan. Hinzu kommen Joel Schumachers „A Time to Kill“ (Die Jury); „Breakdown“ (Breakdown); „Hard Rain“ (Hard Rain); Ron Howards „EdTv“ (EdTv); „The General’s Daughter“ (Wehrlos – Die Tochter des Generals); Disneys „The Kid“ (The Kid – Image ist alles), Michael Bays „Pearl Harbor“ (Pearl Harbor); und „The Rookie“ (Die Entscheidung – eine wahre Geschichte). Im Fernsehbereich arbeitete er an den erfolgreichen Serien „The Agency“ (The Agency – Im Fadenkreuz der CIA) und „L.A. Doctors“ (L.A. Docs).


DOUG CHIANG
Produktionsdesign

Chiang studierte Film an der University of California/Los Angeles und Industriedesign im Center of Creative Studies, College of Art and Design. Seine Laufbahn begann er als Stop-Motion-Animator bei der Serie „Pee Wee’s Playhouse“. Schon wenig später gewann er als Regisseur und Designer von Werbespots den Clio. Er arbeitete unter anderem für die Firmen Rhythm and Hues, Digital Productions sowie Robert Abel and Associates.
1989 wechselte Chiang zu Industrial Light and Magic, wo er 1993 zum Creative Director aufstieg. Als Art Director im Bereich der visuellen Effekte arbeitete er an „Ghost“ (Ghost – Nachricht von Sam), „Back to the Future II“ (Zurück in die Zukunft II), „The Doors“ (The Doors), „Terminator 2“ (Terminator 2 – Tag der Abrechnung), „Death Becomes Her“ (Der Tod steht ihr gut), „Forrest Gump“ (Forrest Gump), „Jumanji“ (Jumanji) und „The Mask“ (Die Maske). Den Oscar und den British Academy Award (BAFTA) gewann er mit „Der Tod steht ihr gut“ sowie einen weiteren BAFTA mit „Forrest Gump“.
1995 verließ Chiang ILM, um die Design-Leitung in der Ausstattungsabteilung von „Star Wars: Episode I – The Phantom Menace“ (Star Wars: Episode 1 – Die dunkle Bedrohung) und „Episode II – Attack of the Clones“ (Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger) zu übernehmen. Als Produktionsdesigner gestaltete er „The Polar Express“ (Der Polarexpress).
Chiang veröffentlichte das Buch „Robota“ und ist als unabhängiger Filmemacher mehrfach ausgezeichnet worden, zum Beispiel mit dem 1. Platz bei den FOCUS Awards für den Film „Mental Block“. Sein kurzer Werbetrailer für sein Buch und das dazugehörige Videogame „Robota“ gewann den „Prix du rendu“ auf dem Imagina Filmfestival 2003 und auch den Preis für den Besten Werbe-/PR-Film auf dem Animationsfestival 2003 in Annecy.
Chiangs Gemälde sind in etlichen amerikanischen Publikationen erschienen, und limitierte Auflagen seiner Drucke und Poster waren in bedeutenden amerikanischen und internationalen Ausstellungen zu sehen. 2003 wurde er mit der Ehrendoktorwürde des renommierten Academy of Art College in San Francisco geehrt.


JEREMIAH O’DRISCOLL
Schnitt

O’Driscoll hat mit Robert Zemeckis bereits an sechs Spielfilmen des Regisseurs gearbeitet, und zwar zusammen mit R. Orlando Duenas an „The Polar Express“ (Der Polarexpress) sowie als Assistent von Arthur Schmid an „Death Becomes Her“ (Der Tod steht ihr gut), „Forrest Gump“ (Forrest Gump), „Contact“ (Contact), „What Lies Beneath“ (Scha