Host, The - Special

Tomtec


M F A + FilmDistribution

präsentiert

eine Chungeorahm Film Produktion

einen JOON-HO BONG Film



T H E H O S T

( Originaltitel: GWOE MUL )



In den Hauptrollen: Kang-ho Song, Hae-il Park, Du-na Bae, Hie-bong Byeon, Ah-sung Goh

Regie: Joon-ho Bong


Südkorea 2006 / Länge: 119 Minuten / Format: 35mm 1.85:1 / Farbe / Dolby SRD/ FSK ab 16 beantragt




DARSTELLER/ ROLLE

Kang-ho Song: Gang-du Park
Hie-bong Byeon: Hie-bong Park
Hae-il Park: Nam-il Park
Du-na Bae: Nam-joo Park
Ah-sung Goh: Hyun-seo Park
Dong-ho Lee: Se-ju
Je-moon Yoon: Stadtstreicher
Pil-sung Yim: Exkommilitone von Nam-il



TEAM

Regie: Joon-ho Bong
Produktion: Yong-bae Choi
Drehbuch: Joon-ho Bong, Joon-won Ha, Chul-hyun Baek
Originalstory: Joon-ho Bong
Kamera: Hyung-goo Kim
Schnitt: Seon-min Kim
Ausstattung: Seong-hie Ryu
Kostüm: Sang-gyoung Cho
Maske: Yong-hie Song
Musik: Byeong-woo Lee
Animatronik: John Cox, James Paul
Visuelle Effekte (Leitung): Kevin Rafferty







KURZINHALT

Ein ganz normaler Tage am Ufer des Hanflusses: Familien beim Picknick, Gang-du schläft mal wieder im Kiosk und wartet auf seine halbwüchsige Tochter Hyun-seo. Doch plötzlich bewegt sich etwas im Wasser. Schneller als die geschockte Menge begreifen kann, was geschieht, taucht ein Monster aus dem Fluss auf und macht Jagd auf sie. Zu den Opfern, die das Monster in die Tiefe reißt, gehört Hyun-Seo.

Die Behörden verhängen daraufhin den Ausnahmezustand, das Flussgebiet wird abgesperrt. Die Überlebenden der Monster-Attacke werden interniert. Unter ihnen Gang-du, fassungslos. Da klingelt sein Handy, und er hört einen Hilferuf seiner Tochter! Sie ist in einen Abwasserschacht verschleppt worden. Aber sie lebt! Noch.

Gang-du macht sich zusammen mit seinem Bruder Nam-il, einem Alkoholiker, seiner Schwester Nam-joo, Koreas berühmtester Bogenschützin, und seinem Vater auf die Suche nach dem Mädchen. Dabei steht sich die Familie nicht nur ständig selbst im Weg, sie wird auch von der Polizei und der Regierung, die mithilfe amerikanischer Militärs einen Giftgaseinsatz vorbereitet, verfolgt. Doch der Familie gelingt es, mit Gewehren bewaffnet ins Sperrgebiet einzudringen – wo sie dem Monster plötzlich Auge in Auge gegenübersteht...



PRESSENOTIZ

„A terrific hybrid genre fantasy (...), a monster movie and a science fiction thriller, but also a comedy, a family drama, a political critique and, at times, a seriously scary freak-out“, schrieb die New York Times über THE HOST, und schwärmte von „tensely wound scenes as effective as any in Steven Spielberg’s ‚War of the Worlds’“. In Südkorea brach THE HOST alle Kassenrekorde: mit über 13 Millionen verkauften Eintrittskarten – in einer Nation mit rund 48 Millionen Einwohnern. Auf internationalen Filmfestivals riss der Kino-Megahit das Publikum und professionelle Filmkritiker gleichermaßen zu lautstarken Beifallsbekundungen hin. Derek Elley von Filmbranchenblatt Variety prognostizierte dem Film „Kultstatus“, und schon längst sind die Rechte für ein Hollywood-Remake an das Universal-Studio verkauft worden.

Das Original von Regisseur Joon-ho Bong ist eine einzigartige Kombination aus Horror-Thriller und Familiendrama. Die Geschichte einer dysfunktionalen Familie, die beim Kampf gegen das Untier wieder zusammenfindet und Stärke beweist, verbindet Filmemacher Bong geschickt und unterhaltsam mit ätzender Sozial- oder Politsatire, und oft verblüffendem, manchmal absurdem Humor.

In einer Programm-Mitteilung des New York International Film Festivals heißt es zu THE HOST: „Der begeisternde dritte Film von Joon-ho Bong ist das beste Monster-Movie des Jahrzehnts. (...) Eine pointierter Kommentar zur koreanischen Gesellschaft, mit ihrem Konformitätsdruck, ihrer Raffgier und ihrer wachsenden Entfremdung von Amerika. THE HOST ist all das, was unsere einheimischen Horror-Filme nicht sind – witzig, spannungsreich, einfallsreich, und intelligent in der Art, wie familiäre Wertvorstellungen (family values) dargestellt werden.“



LANGINHALT

Yongsan, im Februar 2000
Ein amerikanischer Militär-Mediziner im Leichenschauhaus eines US-Armee-Stützpunkts in Südkorea befiehlt seinem asiatischen Assistenten, hunderte von Flaschen mit Formaldehyd in den Ausguss des Spülbeckens zu entleeren. Entsetzt protestiert der Koreaner und wendet ein, dass die giftigen Chemikalien dann in den Fluss Han gelangen würden, der mitten durch die Hauptstadt Seoul strömt. Der Han ist ein sehr breiter Fluss, bemerkt der Amerikaner, und besteht auf seinem Befehl. Widerwillig gehorcht der Assistent, setzt sich eine Gasmaske zum Schutz gegen die stechend riechenden Dämpfe auf und schüttet die Giftbrühe in den Ausguss.

Han, Juni 2002
Beim Angeln im Fluss entdecken zwei Koreaner ein kleines, missgebildetes Tier im Wasser, das flugs davon schwimmt.

Seoul, im Oktober 2006
An einem schönen, sonnigen Herbsttag suchen viele Bürger der südkoreanischen Metropole etwas Erholung im Citizen’s Park am Flussufer des Han, wo der alte Hie-bong mit seinem Sohn Gang-du einen Kiosk betreibt und die Leute mit Bier und Snacks versorgt. Obschon längst erwachsen, benimmt sich Gang-du noch immer etwas kindisch, er scheint zwischen den Ohren nicht sonderlich helle zu sein und schläft ständig ein. Seit ihm seine Frau davon gelaufen ist, kümmert sich Gang-du zusammen mit Großvater Hie-bong fürsorglich um seine 12-jährige Tochter Hyun-seo.

Gang-du bedient gerade einige durstige Müßiggänger am Flussufer mit Dosenbier, als jemand etwas Seltsames entdeckt: Nahebei unter der Brücke hängt eine eigenartige Kreatur! Sie hält sich dort mit ihrem langen, tentakelartigen Greifschwanz ein paar Augenblicke lang fest und lässt sich dann kopfüber ins Wasser fallen.
Aufgeregt verfolgt die Menschenmenge am Ufer, wie das merkwürdige Wesen heranschwimmt, und füttert es mit Bierdosen. Das muss ein Flussdelfin aus dem Amazonas sein, meint einer der Männer - und liegt damit leider völlig falsch, wie sich gleich darauf zeigt:
Das Biest kommt aus dem Wasser, prescht erschreckend flink die Uferpromenade entlang und trampelt alles nieder, was ihm in den Weg kommt. Das amphibische Monster sieht aus wie ein riesenhafter, monströs mutierter Olm - und es hat Hunger auf Menschenfleisch!

Eine Massenpanik bricht aus im Park. Gang-du greift sich seine geliebte Tochter, rennt mit ihr davon, fällt hin, rappelt sich wieder auf und greift blindlings wieder nach Hyun-seos Hand, bekommt dabei aber ein fremdes Mädchen zu fassen. Entsetzt muss der Vater mit ansehen, wie sein auf der Wiese liegen gebliebenes Kind von dem Monster gepackt und verschleppt wird.

Gang-du steht unter Schock, Großvater Hie-bong schwört, das Biest eigenhändig abzuschlachten und auszuweiden. In der Trauerhalle für die vielen Todesopfer der Monster-Attacke finden sich auch Gang-dus jüngere Geschwister ein: Nam-il, ein ehemaliger, radikaler Aktivist in der Studentenbewegung, der auch nach dem Ende der Militärdiktatur in Südkorea rebellisch ist und keine Arbeit findet; seine Verbitterung darüber dämpft er mit Alkohol. Die Schwester Nam-joo ist der Stolz der Familie, eine erfolgreiche Sportlerin: Gerade erst gewann sie die Bronzemedaille im Bogenschießen.

Die Überlebenden des Gemetzels im Park werden interniert, um sie auf bakterielle oder virulente Verseuchung durch den Kontakt mit dem unbekannten, offensichtlich mutierten Raubtier zu untersuchen. Da klingelt plötzlich ein Handy, und Gang-du fällt aus allen Wolken, als er kurz die Stimme seiner tot geglaubten Tochter vernimmt. Sie lebt! Noch.

Gang-du, Hie-bong, Nam-il und Nam-joo flüchten aus der Isolierstation des Krankenhauses, in dem sie eingesperrt sind. Auf eigene Faust machen sie sich unter den Brücken am Fluss auf die Suche nach Hyun-seo. Das Mädchen wurde vom Monster in einen Abwasserschacht bei der Won-hyo Brücke verschleppt, welcher der gefräßigen Bestie als Schlupfwinkel und Vorratslager für Menschenfleisch dient. Inmitten der Leichenberge hat Hyun-seo überlebt, zusammen mit einem kleinen Jungen namens Se-ju.

Großvater Hie-bong und seine beiden Söhne haben sich mit Gewehren bewaffnet, Tochter Nam-joo hat ihren Sportbogen dabei, als die Familie auf das Monster trifft. Schüsse fallen, zeigen aber wenig Wirkung beim Zielobjekt. Das angeschossene Untier wird nur noch rasender, bekommt den alten Hie-bong zu fassen, zerschmettert ihn und flüchtet dann. Gang-du, der erschüttert bei seinem toten Vater ausharrt, wird von heran nahenden Regierungsbeamten festgenommen, seine beiden Geschwister flüchten.

Während Gang-du in einer Klinik qualvolle Gehirnuntersuchungen erdulden muss, versuchen Nam-il und Nam-joo im Alleingang, Hyun-seo zu finden. Dabei wird Nam-il von einem tückischen ehemaligen Kommilitonen, der vorgibt, ihm bei der Suche helfen zu wollen, in eine Falle gelockt.
Dort lauern Häscher der Regierung auf Nam-il, doch der frühere Straßenkämpfer ist immer noch spurtstark und kann entkommen. Ebenso Gang-du, der im Hospital eine Geisel genommen und damit seine Flucht erpresst hat.

Hyun-seos Fluchtversuch aus der Höhle des Monsters dagegen scheitert schrecklich, bissig schnappt das Untier nach ihr und dem Jungen.

Am Ende kommt es zum Grossangriff auf das Monster: Koreanisches und amerikanisches Militär rückt an und versucht, es mit dem Giftgas Agent Yellow zur Strecke zu bringen. Gegen den Gaseinsatz mitten in der Stadt protestieren derweil aufgebrachte Bürger. Nam-il greift das Monster gewohnheitsgemäß (aber leider etwas aus der Übung) mit Molotow-Cocktails an, Nam-joo gezielt mit Brandpfeilen, und Gang-du rammt ihm todesmutig eine Eisenstange in den Schlund – in dem, noch unzerkaut, die beiden Kinder stecken.




PRODUKTIONSNOTIZEN

THE HOST ist der bis dato größte Triumph des nun schon fast neun Jahre andauernden koreanischen Kinowirtschaftswunders: THE HOST ist die erfolgreichste koreanische Filmproduktion aller Zeiten, sie brach in Südkorea alle vorherigen Kassenrekorde und spielte umgerechnet rund 93 Millionen Dollar ein, das neunfache der Produktionskosten. Vom Kinostart am 27. Juli 2006 bis zum 8. November 2006 - eine sensationell lange Laufzeit in Korea - wurden 13.019.725 Kinokarten verkauft. Über 13 Millionen in einem Land mit rund 48 Millionen Einwohnern!

Im westlichen Ausland sorgte THE HOST ebenfalls für Furore, auf Filmfestivals in Cannes, Toronto, New York und anderswo. Höchst erfolgreich sind auch die Auslandsverkäufe des Kino-Superhits, und natürlich wird es eine Hollywood-Verfilmung geben: Den Kampf um die Remake-Rechte konnte das Universal-Studio für sich entscheiden, die Filmfirmen Vertigo und Gold Circle sollen die englischsprachige Version von THE HOST produzieren.

Das Original mit dem koreanischen Titel GWOE MUL wurde von der Filmfirma Chungeorahm in Seoul produziert. Regie führte Joon-ho Bong, der bereits 2003 mit seinem von Kritik und Publikum gefeierten Kriminalfilm „Memories of Murder“ einen Kinohit landen konnte. Das Drehbuch für THE HOST schrieb Joon-ho Bong mit Chul-hyun Baek und Jun-won Ha, nach einer Geschichte von Joon-ho Bong. Der Hauptdarsteller und Star in THE HOST ist Kang-ho Song, der schon in Bongs „Memories of Murder“ die Hauptrolle spielte, und der mit seiner sympathischen Darstellung eines nordkoreanischen Grenzsoldaten in „Joint Security Area“ (2000) sowie als Catcher in der Komödie „Foul King“ (2000) zum Publikumsliebling in Südkorea avancierte.

Die Erfolgsgeschichte von THE HOST begann mit einem Traum. Schon als Mittelschüler in Seoul träumte Joon-ho Bong davon, Filmregisseur zu werden. Eines Tages, als er aus dem Fenster blickte, sah er etwas Merkwürdiges: An einem der Stützpfeiler der Jamsil Brücke über dem Han Fluss bewegte sich eine eigenartige schwarze Masse hoch. Bong hat bis heute keine Ahnung, was das gewesen sein könnte, doch an jenem Tag kam ihm die Idee, einen Film über den Kampf der Menschen gegen ein Monster aus dem Fluss zu drehen. Es dauerte mehr als dreizehn Jahre, bis die Idee neue Nahrung bekam. Im Jahre 2000 - Bong hatte inzwischen studiert, drei Kurzfilme und einen ersten Spielfilm gedreht („Barking Dogs Never Bite“) – las Bong in der Zeitung Berichte über den „McFarland-Skandal“: McFarland war ein amerikanischer Zivil-Angestellter der in Südkorea stationierten US-Armee. Im Februar 2000 befahl er einem seiner koreanischen Assistenten im Leichenschauhaus des US-Stützpunktes, rund 470 Flaschen mit Formaldehyd in den Ausguss zu schütten. Von da aus gelangte die giftige Chemikalie über die Seouler Abwasserleitungen in den Han. „Umweltschützer werden entsetzt sein, so etwas zu hören, aber ich war heimlich froh“, gesteht Regisseur Bong, „denn ich dachte, genau das kann ich für mein Drehbuch brauchen.“ (McFarland wurde vom US-Militär zunächst nicht der koreanischen Justiz überstellt, und von einem koreanischen Richter in Abwesenheit verurteilt. Erst nach massiven Protesten und fünf Jahre nach der illegalen Giftentsorgung wurde der Umweltsünder in Seoul vor Gericht für schuldig befunden. Seine Gefängnisstrafe musste McFarland jedoch nie antreten.)

Im Frühjahr 2002 begann Bong konkret mit der Arbeit am Drehbuch für THE HOST, und bemühte sich, einen Produzenten für sein Traumprojekt zu finden. Er traf sich mit Yong-bae Choi, dem Präsidenten der Chungeorahm Filmproduktionsgesellschaft, und legte ihm eine Fotomontage vor, die das Ungeheuer von Loch Ness im Han bei der großen Eisenbahnbrücke in Seoul zeigte. Choi war zunächst skeptisch, denn Monsterfilme waren in Korea kaum produziert worden, abgesehen vom dilettantischen B-Movie „Taekoesu Yonggari“ (1967) mit einem Mann im Gummikostüm als Monster nach Godzilla-Vorbild; und dem nordkoreanischen Film „Pulgasari“ (1985), für dessen Produktion Jong-il Kim, der filmbegeisterte Sohn des damaligen Diktators Il-sung Kim, persönlich verantwortlich gezeichnet hatte. „Aber ich wusste“, sagt Choi, „dass er (Bong) nur solche Projekte vorschlagen würde, die er auch wirklich durchziehen kann“, und so gab Choi grünes Licht für die Produktion von THE HOST.

Ende 2003, nachdem Bongs meisterhafter Krimi „Memories of Murder“ erfolgreich im Kino gestartet worden war, begann Bong full time mit der Arbeit an THE HOST. Er schrieb ein erstes Drehbuch und dachte über die Gestalt des Monsters nach. Er sah sich am Han in Seoul nach geeigneten Drehorten um und machte Fotos. Er engagierte die Hauptdarsteller Kang-ho Song, Hae-il Park, Du-na Bae und Hie-bong Byeon, die bereits in früheren Filmen von Bong mitgespielt hatten. Da er sie menschlich schon recht gut kannte, konnte er persönliche Wesenszüge von ihnen in ihre Film-Charaktere integrieren. „Außerdem wusste ich, das ich beim Dreh viel Zeit für die Spezialeffekt-Arbeit aufwenden musste, schließlich hatte ich so etwas noch nie vorher gemacht“, erklärt Bong. Da war es hilfreich, dass Regisseur und Hauptdarsteller sich schon kannten aus gemeinsamer Arbeit und aufeinander eingespielt waren. Auch mit Kameramann Hyung-gu Kim und Produktionsdesigner Seong-hie Ryu hatte Bong bereits zusammen gearbeitet, bei seinem vorherigen Film „Memories of Murder“.

Bong folgte dem Filmteam seines Regiekollegen Pil-sung Yim zu den Dreharbeiten für „Antarctic Journal“ (Bong war Koautor des Drehbuchs) nach Neuseeland, wo er die Firma Weta Workshop aufsuchte. Im Weta Workshop waren die Märchenkreaturen und viele Spezialeffekte für „The Lord of the Rings“ kreiert worden, und Bong bemühte sich um eine Zusammenarbeit mit den neuseeländischen Fachleuten. Zusammen mit Hee-cheol Jang machte Bong erste Entwürfe für die Gestalt seines Monsters. Jang recherchierte monatelang, sichtete Dokumentarfilme und sah Biologiebücher durch, um reale Vorbilder für das amphibische Film-Monster zu finden, das sich ebenso behände im Wasser wie an Land bewegen sollte.
„Den größten Anteil am Design des Ungeheuers hatte dann Wei-chen Chin“, sagt Bong. „Doch ich habe ihm gleich zu Beginn klar gemacht, was mir vorschwebte. Es sollte nicht so groß wie ein Gebäude sein, so dass es sich hinter einem Lastzug verstecken kann. Und es sollte keine reine Fantasie-Gestalt sein, es sollte aussehen, als wenn es zur realen Welt gehört. Wirklich wie eine mutierte Kreatur. Es sollte Rückwärts-Saltos machen und einige komplizierte akrobatische Bewegungen vollführen. Von diesem Konzept sollten die Designer ausgehen.“

Nach einem Jahr nahm das Monster Gestalt an, das Skript wurde langsam drehreif. Bong ging seine Entwürfe mit den Leuten vom Weta Workshop durch, und sie erstellten ein Modell des Ungeheuers. Später flog Bong mit seinem Produktionsteam nach San Franzisko zur renommierten Firma The Orphanage, die computergenerierte Bilder und Spezialeffekte kreiert und unter anderem bei Großproduktionen wie „Superman Returns“, „Sin City“, „Hellboy“ und „Harry Potter And the Goblet of Fire“ mitgewirkt hat. „Als Bong zu uns kam, hatte er schon eine Menge Vorarbeit geleistet“, erinnert sich der Visual Effects Supevisor Kevin Rafferty. „Seine Storyboards zeigten uns genau, welche Einstellungen er wollte, und die wichtigen Szenen mit dem Monster waren als Animation vorbereitet.“ Die für THE HOST benötigten animatronischen Modelle und Körperteile des Ungeheuers wurden in John Cox’s Creature Workshop hergestellt, der für „Babe“ mit dem Oscar ausgezeichnet worden war und die Fantasiefiguren für „Peter Pan“ gebaut hatte.

Mitte 2005, nach rund 1000 Entwicklungsstadien und 2000 Entwürfen, hatte das Monster seine endgültige Gestalt angenommen, und im Juli konnten die Dreharbeiten für THE HOST beginnen. Gefilmt wurde hauptsächlich am Fluss Han, mit aktiver Unterstützung der Seouler Stadtverwaltung. Bong hatte vor, den Han und seine Brücken aus ungewöhnlichen Blickwinkeln zu zeigen, um die Bevölkerung der 10 Millionen-Metropole, die den Fluss beim Autofahren ja ständig passieren, zu überraschen. Probleme bei den Szenenübergängen, bei den Anschlüssen der einzelnen an unterschiedlichen Tagen gefilmten Einstellungen, bereitete der häufig wechselnde Wasserpegel, der mal höher, mal deutlich niedriger war. Beim Kampf der Familie mit dem Monster unter der Dongjak-Brücke regnete es in Strömen, dabei war es schwer für die Schauspieler, intensive Gefühle stimmig auszudrücken, weil die Aufnahmen immer wieder abgebrochen und verschoben werden mussten. So waren die Schauspieler gezwungen, sich jedes Mal neu in die jeweilige Gefühlslage hineinzuversetzen. Und natürlich hatten sie das Angsteinflössende Ungeheuer beim Filmen gar nicht vor Augen, es wurde ja erst später als Computeranimation eingefugt in die Filmbilder. Der Dreh für die Szene, in der Großvater Hie-bong dem Monster Auge in Auge gegenübersteht und getötet wird, wurde 18 Tage lang wieder und wieder verschoben wegen der Unwetter. Später, gegen Ende des Jahres, hatten die Schauspieler und das Team dann mit Kälte und Schnee zu kämpfen.

Im Januar 2006, nach sechsmonatiger Drehzeit, waren die Aufnahmen im Kasten und die Schauspieler fertig - im doppelten Sinne. Regisseur Joon-ho Bong hatte nun umso mehr zu tun: Neben dem Filmschnitt und der Tonmontage daheim in Korea musste er auch die Computerarbeit bei The Orphanage in San Franzisko überwachen und mit der Postproduktion koordinieren, was mittels Filmübertragung via Internet und Videokonferenzen geschah. Bedenkt man den Uhrzeitunterschied zwischen Seoul und San Franzisko, kann man sich ausrechnen, wie wenig Schlaf Regisseur Bong während dieser Zeit fand.

Gerade noch rechtzeitig für die Präsentation von THE HOST beim Cannes Filmfestival im Mai 2006 wurde eine erste Filmfassung fertig. Die Reaktionen waren enthusiastisch, Manohla Dargis schrieb am 23. Mai im „Cannes Journal“ der New York Times: „The best film I’ve seen to date at this year’s festival. (...) When the loudly appreciative audience wasn’t laughing at the witty dialogue, it was shrieking at tensely wound scenes as effective as any in Steven Spielberg’s ‚War of the Worlds’“.

Aus Frankreich zurück in der Heimat überarbeitete Bong THE HOST noch einmal, verbesserte Computer- und Soundeffekte sowie den Einsatz der Filmmusik. Diese revidierte Version von THE HOST kam am 27. Juli 2006 in die südkoreanischen Kinos, wo Filmkopien gleichzeitig auf 620 Leinwänden präsentiert wurden. Schon nach zwei Tagen hatten eine Million Zuschauer den Film gesehen, nach einer Woche vier Millionen, nach zwölf Tagen sieben Millionen. Am Ende der Spielzeit des Kinosuperhits des Jahres 2006, am 8. November: dreizehn Millionen und 19.725 verkaufte Kinokarten!
(Zum Vergleich: Der erfolgreichste US-Film in Korea 2006 war „Mission: Impossible 3“, und das Tom Cruise-Starvehikel spielte nur etwa halb soviel wie THE HOST ein)

„Was mir an Herrn Bongs Arbeit so gefällt“, sagt Kang-ho Song, der Star des Films: „Er macht keine Filme, die man nur einmal anschaut und dann abhakt. Man entdeckt immer mehr Details, andere Aspekte und Attraktionen, je öfter man sie sieht. Das ist höchst außergewöhnlich.“ Song zählt zu den beliebtesten Schauspielern in Südkorea, er hat sich sowohl als Komiker (wie in „Foul King“) wie auch als Charakterdarsteller (Wie in „Joint Security Area“ oder Bongs „Memories of Murder“) profiliert. In THE HOST zieht er alle Register in komischen, dramatischen und tragischen Szenen, wie auch als Action-Held und „Drachentöter“. Zu Beginn des Films erscheint er als geistig beschränkt wirkender Faulpelz und als Schlafmütze. Als dann das Monster auftaucht und im Flussufer-Park massenweise Menschen tötet, wächst er über sich hinaus und attackiert todesmutig das riesige Untier. Er liebt seine Tochter über alles und tut im Verlauf der Handlung dann auch alles menschenmögliche, um sie aus den Klauen des Monsters zu retten.

„Ich denke, das Erfolgsgeheimnis dieses Films sind unsere Schauspieler“, sagt Regisseur Bong. „Ob in komischen, in tragischen, oder in spannenden Szenen – sie geben ihr bestes im Rahmen der Filmhandlung. Sie treiben es nie zu weit.“

„Anders als in den meisten Monsterfilmen, in denen die Hauptfiguren wie Superhelden erscheinen, habe ich so eine Art ‚Verlierer’-Typen gewählt, die ziemlich gewöhnlich sind. Ich denke, das ist der Grund, warum das Publikum Sympathie für sie empfindet. Und dann gibt es da das Thema Familie, das ist universell, nicht nur in Korea, auch in anderen Ländern. Das sind, glaube ich, Gründe, weshalb die Zuschauer tatsächlich etwas für die Figuren empfinden. Sie sind nicht nur einfach ‚die Opfer’. Die zentrale Figur des Films ist das kleine Mädchen, Hyun-seo. Denn während ihre gesamte Familie versucht, sie zu retten, entdeckt sie im Abwasserschacht ein Kind, das noch schwächer, hilfloser ist als sie selber, und sie tut ihr bestes, es zu retten. So versucht also die ‚schwache’ Familie, das ‚schwache’ Mädchen zu retten, das aber an Stärke gewinnt, indem sie das noch verletzlichere Kind beschützt.“ Die ‚schwachen’ Menschen, die sich sonst kaum um andere kümmern, wachsen angesichts der Bedrohung über sich hinaus und helfen sich gegenseitig - nicht nur innerhalb der Familie, man hilft auch anderen, auch Fremden. „Darum, glaube ich, geht es vor allem in diesem Film.“

Am Ende adoptiert Gang-du, der Held wider Willen in THE HOST, sogar den kleinen Se-ju, nachdem er ihn aus dem Rachen des Monsters gerettet hat. Das Untier selber ist zwar erschreckend hässlich, eine menschenfressende Bestie und manchmal tückisch, aber nicht böse oder zerstörungswütig. Es tötet aus Jagdinstinkt und frisst Fleisch, weil es Hunger hat - wie normale Raubtiere, seien es Haie oder Löwen, auch. In Aktion, wenn es durchs Brückengerüst turnt oder kopfüber ins Wasser hechtet, mutet diese Akrobatik bisweilen erstaunlich elegant an. Manchmal wirkt das Monster auch etwas lächerlich in der Art, wie es mutiert ist, in seiner grotesken Hässlichkeit, und wie es im Film animiert wird. Aber dadurch gewinnt es einen gewissen „Charme’, vergleichbar mit den amerikanischen Filmmonstern aus den 1950er Jahren, Tarantula und Co., die ja auch Mutationen waren, oft entstanden durch atomare Verseuchung.

Auch in THE HOST ist das US-amerikanische Militär verantwortlich für das Desaster. Zwei amerikanische Mediziner im Dienste der Armee werden negativ dargestellt, zynisch, skrupellos, inhuman. Der eine lässt das Gift in den Fluss „entsorgen“, der andere lässt Gang-dus Kopf in der Klinik aufbohren, um das Gehirn auf Viren zu untersuchen – obwohl er weiß, dass es gar keine Viren-Epidemie gibt. Trotzdem setzen die Amerikaner in Seoul das Giftgas „Agent Yellow“ gegen Viren ein, die das Monster angeblich in sich trägt (als Wirtskörper für die Mikroorganismen, daher auch der englischen Titel THE HOST).


„Agent Yellow“ ist eine Anspielung auf „Agent Orange“, das Pflanzengift, das die Amerikaner im Vietnamkrieg versprüht hatten, und durch das zahllose Menschen, auch amerikanische Soldaten, verseucht und krank wurden. Wenn der amerikanische Mediziner im Film hinter vorgehaltener Hand zugibt, dass es gar keinen Virus gibt, „so ist damit natürlich die Tatsache gemeint, dass es keine Massenvernichtungswaffen im Irak gab“, erklärt Bong, und zeigt in THE HOST Original-Archivaufnahmen von Krieg im Irak, wo die Amerikaner bekanntlich dennoch einmarschiert sind. Die dominante Präsenz und die militärischen Aktionen der US-Amerikaner in THE HOST kann man als Allegorie auf ihre aggressives Verhalten im Weltgeschehen seit dem vielzitierten „11. September“ sehen. Vater Gang-du wird im Film ohne rechtliche Grundlage gewaltsam gefasst, in einen Plastiksack gesteckt und interniert – ähnlich erging es in Wirklichkeit auch vielen unschuldigen, vermeintlich vom Terrorismus-Virus infizierten Muslimen.

So reflektiert THE HOST das in der koreanischen Bevölkerung zunehmendes Gefühl der Entfremdung, der Ablehnung gegenüber den USA, die in Südkorea noch eine große militärische „Schutzmacht“ stationiert haben. Doch den Film einfach als anti-amerikanisch zu bezeichnen, wäre kurzsichtig. „Es gibt mehrere satirische Anspielungen im Film“, erläutert Bong - vor allem die koreanische Gesellschaft betreffend. „Korrupte Beamte, die Bestechungsgeld von den Bürgern nehmen, ausbeuterische Regierungsagenten und abartige Polizisten.“ Die Familie in THE HOST hat fast mehr mit überheblichen Medizinern, wichtigtuerischen Beamten, sturen Polizisten und Militärs zu kämpfen als mit dem Monster. Ein Exkommilitone von Nam-il und ehemaliger Aktivist der Studentenbewegung, hat die alten Ideale langst aufgegeben und verrät treulos seinen alten Freund, nur um Geld dafür zu kassieren.
„Der Film zeigt, wie ganz normale, gewöhnliche ‚kleine Leute’ über sich hinauswachsen und zu Monster-Fightern werden“, erklärt Bong. „Dabei wird offenkundig, dass die ganze Welt um sie herum das wirkliche Monster ist. Letztendlich ist der Film eine Darstellung ihres rührenden Kampfes auf Leben und Tod mit dem teilnahmslosen, berechnenden und manipulativen Monster, das man Die Welt nennt.“

Joon-ho Bong führt der koreanischen Bevölkerung - wo seit der Demokratisierung und mit zunehmenden Wohlstand egoistisches, eigennütziges, unsoziales, apolitisches Verhalten und Konsumgier zunehmen, und wo traditionelle Großfamilienstrukturen auseinander brechen - eine Familie vor Augen, kleine Leute, die in der Not zusammenhalten und nicht nur für sich da sind, sondern auch anderen helfen. Selbst ein unter den Brücken lebender Pennbruder gibt seine zunächst abweisende Haltung auf und hilft am Ende mit, das Monster zu töten. Oberflächlich mag man THE HOST als Monsterfilm betrachten, dabei geht es im Grunde um eine Auseinandersetzung mit der koreanischen Realität. So bietet THE HOST eine gelungene Mischung aus spektakulärem Entertainment, inhaltlichem Anspruch und Gesellschaftskritik.


Damit gelang es Joon-ho Bong und seinen Mitarbeitern, die Messlatte im koreanischen Kino ein Stück höher zu legen, und den Traum eines jungen Mittelschülers von einer Erfolgs-Karriere als Filmregisseur wahr werden zu lassen.
(Quellen: Produktionsmitteilungen zu THE HOST, Toronto International Film Festival „Cinematica“, „Bong Joon-ho – Mapping Reality within the Maze of Genre“ [Korean Film Council, Hrsg.], sowie „Korean Film Observatory“, Ausgabe Herbst 2006, und Spezialausgabe zum Pusan International Film Festival 2006)




DIE DARSTELLER

KANG-HO SONG als etwas einfältiger, aber mutiger Vater und Monsterbezwinger Gang-du Park

Zuerst scheint nicht viel mit ihm los zu sein. Zu Beginn von THE HOST sieht man Gang-du Park schlafend hinter der Theke eines Kiosks, und als er aufwacht, erweist er sich als rechter Faulpelz. Doch sobald das Ungeheuer auftaucht, verwandelt sich Gang-du spontan in einen tapferen Kämpfer, der die Bestie todesmutig attackiert. Und nachdem seine geliebte Tochter Hyun-seo vom Monster verschleppt worden ist, tut er alles menschenmögliche, um sie zu retten. Am Ende tritt er dem riesenhaften Untier nur mit einem Eisenrohr bewaffnet alleine entgegen.

Der am 17. Januar 1967 in Kyungnam geborene Kang-ho Song ist einer der beliebtesten Kinostars in Südkorea. Er begeisterte als Komiker und überzeugte als Charakterdarsteller, dabei hat er nie eine Schauspielschule besucht. Nach seinem Schulabschluss an der Kimhae High School trat er mit Amateurtheatergruppen auf, bevor er sich Kuk-seo Kees Theatertruppe anschloss, wo Wert auf Improvisation und instinktive Darstellung gelegt wurde, und wo Song Übung beim Spiel auf der Bühne bekam. Obwohl er Angebote erhielt, lehnte Song es eine Zeit lang ab, im Kino aufzutreten. Bis ihm der Regisseur Sang-soo Hong für seinen fulminanten Film „The Day a Pig Fell Into a Well“ castete, der auch in Deutschland auf der Berlinale und im Fernsehen zu sehen war. Im herausragenden Underground-Movie „Timeless, Bottomless Bad Movie“ von Sun-woo Jang, dem Enfant Terrible unter den koreanischen Regisseuren, spielte Song einen Obdachlosen. Markante Nebenrollen in den Gangsterdramen „Green Fish“ und „No. 3“ bescherten Song eine erste Fangemeinde, in einem dieser Krimis ist sein bevorzugtes Mordwerkzeug ein schwerer Aschenbecher. Noch populärer wurde er als Partner des damaligen jugendlichen Topstars Suk-kyu Han im Thriller „Shiri“, der 1999 alle damaligen Kassenrekorde brach und das koreanische Kinowirtschaftswunder mitbegründete.

Doch es war seine sympathisch-menschliche Darstellung des nordkoreanischen Feldwebels Kyeong-pil Oh im Grenzsoldaten-Drama „Joint Security Area“, dem Tophit des Jahres 2000, die Song landesweit bekannt und beliebt machte. Daraufhin bekam er seine erste Hauptrolle, als Catcher in der Komödie „Foul King“, wobei ihm seine für Koreaner außergewöhnliche Größe von 1.80 m zustatten kam. Seitdem gehört er zur ersten Liga der Kinostars in Korea. Tragische Vaterrollen wie in THE HOST hat er schon des Öfteren gespielt: In „Sympathy for Mr. Vengeance“ wird ebenfalls seine Tochter verschleppt und getötet, und er nimmt unbarmherzig Rache. In „Antarctic Journal“ wird angedeutet, dass sein Sohn Selbstmord begangen hat. In „The President’s Barber“ wird sein Sohn durch Folter verkrüppelt. „Auch in meinem aktuellen Projekt (im Oktober 2006) ‚A Wonderful World’ spiele ich einen Vater, dessen Kinder sich von ihm abwenden, weil er ein Gangster ist“, fügt Kang-ho Song hinzu. Tatsächlich sind Vaterkonflikte ein Standardmotiv im zeitgenössischen koreanischen Kino.

Filme mit Kang-ho Song: The Day a Pig Fell Into a Well (1996), Green Fish (1997), No. 3 (1997), The Quiet Family (1998 ), Timeless, Bottomless Bad Movie (1998 ), Shiri (1999), Joint Security Area (2000), Foul King (2000), Sympathy for Mr Vengeance (2002), YMCA Baseball Team (2002), Memories of Murder (2003), The President’s Barber (2004), Antarctic Journal (2005), Sympathy for Lady Vengeance (2005), THE HOST (2006), Secret Sunshine (2007).


HIE-BONG BYEON als ebenso gutherziger wie tapferer Großvater Hie-bong Park

Er wolle dem Ungeheuer die Eingeweide aufschneiden, verspricht der noch sehr rüstige Großvater Hie-bong hasserfüllt und wild entschlossen, als seine Enkeltochter Hyun-seo dem Monster zum Opfer fällt. Dabei ist er im Grunde ein herzensguter Mann, mit viel Verständnis für seinen antriebsschwachen Sohn Gang-du, den er in der Kindheit vernachlässigt hatte, was er tief bereut. Er hat sicher ein hartes Leben hinter sich, hat den Koreakrieg noch miterlebt, und die schwere Zeit, die Armut danach. Nun versucht er, die zerstrittene Familie wieder zusammen zu bringen, und bittet seine verbitterten Kinder Nam-il und Nam-joo um Verständnis und Toleranz im Umgang mit ihrem geistig etwas zurück gebliebenen, manchmal eigenartig somnambul wirkenden Bruder.

Der Darsteller des Großvaters hört auch im wirklichen Leben auf den Vornamen Hie-Bong, sein Familienname ist Byeon, Jahrgang 1942. Byeon hatte sich in den 70er Jahren einen Namen gemacht mit oft exzentrischen Nebenrollen in Fernsehserien. Zum Kino kam er erst spät, sein Leinwanddebüt gab er anno 2000 als Furcht einflößender Wachmann im ersten Spielfilm von Joon-ho Bong „Barking Dogs Never Bite“, auch in Bongs zweiten Film „Memories of Murder“ wirkte er mit. Und nun in THE HOST, was zeigt, wie groß die gegenseitige Wertschätzung von Byeon und Bong ist.
„Herr Byeon ist ein großartiger, sehr erfahrener Schauspieler“, sagt Bong. „Er hat immer enorm viel beigetragen zu meinen Filmen.“ Andere Kinofilme, in denen Byeon auftrat, oft als absonderlicher Charakter mit perversem Sinn für Humor, sind:
Volcano High (2001), Scent of Chrysanthemums (2003), My Teacher, Mr. Kim (2003), Spring Breeze (2003), Au Revoir UFO (2004), Sisily: 2 km (2004), Lovely Rivals (2004), Public Enemy 2 (2005), Crying Fist (2005), Detective Mr. Gong (2006), THE HOST (2006).


HAE-IL PARK als frustrierter, rebellischer Bruder Nam-il Park

Nam-il hat sich als intellektuell begabtester Sohn von Hie-bong schon früh von seiner proletarischen Familie distanziert. Für seinen einfältigen älteren Bruder Gang-du hat er nur Verachtung übrig, tut dann im Notfall aber doch alles, um ihm zu helfen, seine Tochter zu retten. Als Student hatte er aktiv gegen die Militärdiktatur agitiert und gekämpft. Dann, als es endlich eine demokratische Regierung im Lande gab, kam er in der kapitalistischen Marktwirtschaft nicht zurecht, sah seine idealistischen Ziele verraten. „Ich habe dafür gelitten, dass dieses Land demokratisiert wurde“, ruft Nam-il verbittert in einer Szene des Films, „und nun geben sie mir nicht mal einen Job!“

Wie seine Kollegen Kang-ho Song und Hie-Bong Byeon hat auch Hae-il Park (geboren am 26. Januar 1977) schon in „Memories of Murder“ (2003) mit Regisseur Joon-ho Bong zusammen gearbeitet, er spielte in dem Kriminalfilm die Rolle des Mordverdächtigen Hyeon-gu Park. „Park ist wie eine frisch aus der Plastikverpackung genommene Batterie. Er ist so unglaublich voll von Energie“, bemerkt Regisseur Bong. Sein Leinwanddebüt gab der wandlungsfähige Schauspieler 2001 in „Waikiki Brothers“. Weitere Kinofilme, in denen Park mitgewirkt hat, sind: Who Are You (2002), Jealousy Is My Middle Name (2002), Scent od Chrysanthemums (2003), My Mother the Mermaid (2004), Rules of Dating (2005), A Boy Who Went to Heaven (2005), THE HOST (2006).


DU-NA BAE als introvertierte, aber tapfere Schwester und Bogenschützin Nam-joo Park

Nam-joo ist ebenso sensibel und innerlich unglücklich wie ihr Bruder Nam-il, ganz im Gegensatz zu ihm aber verschlossen und still. So weiß man nicht, warum oder woran sie leidet, für ihre Brüder scheint sie jedenfalls nicht viel übrig zu haben. Sie ist eine Einzelgängerin, sportlich talentiert, aber nicht sehr nervenstark: Beim Wettkampf-Finale im Bogenschießen vergibt sie den Sieg wegen eines Zeitfehlers. Beim Endkampf gegen das Ungeheuer aber schießt sie dann zielgenau und im richtigen Moment einen Branntpfeil ab, durch den die Bestie in Flammen gesetzt wird.

Du-na Bae wurde in der Hauptstadt Seoul geboren, am 11. Oktober 1979. Ihre erste Kinorolle war die junge Eun-suh 1999 in „Ring Virus“; ihre zweite spielte sie 2000 unter der Regie von Joon-ho Bong in „Barking Dogs Never Bite“, wo Bae als Hausangestellte in einem Appartment-Komplex auf der Suche nach einem verschwundenen Hund ist. In Chan-wook Parks „Sympathy for Mr. Vengeance“ (2002) spielte Bae die Freundin eines jungen, behinderten Kidnappers, der die Tochter seines Ex-Arbeitgebers entführt und tötet (der rachedurstige Vater wird von Kang-ho Song verkörpert). Bae hat bereits in allen möglichen Filmgenres gearbeitet und allen Rollen ihren persönlichen Stempel aufgedrückt, mit dem ihr eigenen Charme. „Mit einer Schauspielerin wie Du-na Bae zu arbeiten, die total in ihren Rollen aufgeht, ist ein vollkommenes Vergnügen für einen Regisseur“, schwärmt Bong. Für ihre Rolle in THE HOST hatte Bae eigens ein viertel Jahr lang Unterricht im Bogenschießen genommen. Weitere Filme mit Du-na Bae sind:
Plum Blossom (a.k.a. Youth, 2000), Take Care of My Cat (2001), Saving My Hubby (2002), Tube (2003), Spring Bears Love (2003), Linda, Linda, Linda, (2005), Tea Date (2005), THE HOST (2006).


AH-SUNG GOH als unerschrockene Tochter, Enkeltochter und Nichte Hyun-seo Park, zu deren Rettung aus den Klauen des Ungeheuers die ganze Familie in den Kampf zieht.

Hyun-seo ist ein aufgewecktes, zwölfjähriges Schulmädchen und die über alles geliebte Tochter von Gang-du Park, der sie schon früh ans Biertrinken gewöhnt. (Tatsächlich ist es in Südkorea nicht ungewöhnlich, wenn Schulmädchen nach dem Unterricht im Lokal Bier oder sogar Soju-Schnaps trinken.) Trotz der schockierenden Erfahrung, von einem Monster mit einem tentakelartigen Schwanz gepackt und entführt zu werden, verzagt das tapfere Teenie-Girl nicht, im Gegenteil: Als sie unter den Leichen im Schlupfwinkel der Bestie einen noch unverletzt lebenden kleinen Jungen entdeckt, kümmert sie sich führsorglich um ihn, spricht ihm Mut zu und versucht, ihn zu beschützen.

Eindrucksvoll und emotional überzeugend gespielt wurde das mutige Mädchen von Ah-sung Goh. Die am 10. August 1992 in Seoul geborene Ah-sung stellt nicht nur den Dreh- und Angelpunkt der Filmhandlung dar, sie ist auch die große schauspielerische Entdeckung von Joon-ho Bong, unter dessen Regie sie ihr vielversprechendes Filmdebüt in THE HOST gab. Zuvor hatte die enthusiastische Elevin schon auf dem Bildschirm mit Verve auf sich aufmerksam gemacht, im Fernsehspiel „Murmur of the Heart“. „Goh ist jung“, sagt Bong, „aber ich würde sie nicht als Kinderstar bezeichnen. Sie ist eine Schauspielerin – Punkt um“.





DER REGISSEUR: JOON-HO BONG

Eine Traumkarriere: Schon mit seinem zweiten Spielfilm „Memories of Murder“ lieferte Joon-ho Bong 2003 eine reife Meisterleistung und avancierte prompt in die erste Liga koreanischer Regisseure. Mit seinem dritten Film THE HOST schrieb er 2006 Kinogeschichte in Korea, wurde weltbekannt und erhielt Angebote aus Hollywood. „Zur Zeit jedoch habe ich schon zwei neue Filme in Planung, und so werden ich in nächster Zukunft nicht international arbeiten“, sagt Joon-ho Bong, der im Oktober 1969 in der südkoreanischen Provinzmetropole Daegu geboren wurde - nach Ansicht von Bong „die konservativste Stadt Koreas“. So zog er bald in die Hauptstadt Seoul. Bong besuchte die Mittelschule, als er sich vornahm, Filmregisseur zu werden. Seinen Eltern sagte er vorsichtshalber nichts, denn „sie wären sonst ausgerastet“. Bongs Vater war zwar selber Künstler und Professor für Grafikdesign, aber Menschen seiner Generation sahen Kino nicht als Kunst an. So frönte Bong seiner Filmleidenschaft unauffällig und sah amerikanische Filme im Fernsehsender AFKN der in Korea stationierten US-Armee. An der Yonsei Universität studierte er Soziologie. Die Uni war in der 1980er Jahren eines der Zentren der Studentenbewegung, die agitatorisch und auch militant im Straßenkampf für Demokratie und den Sturz der Militärdiktatur stritt. Bong trat derweil einem Filmklub der Universität bei und studierte bis ins Detail Filme von Hou Hsiao-hsien, Edward Yang und anderen asiatischen Regisseuren. Dabei schätzte er durchaus auch US-Regisseure wie Coppola, Frankenheimer, Friedkin, Spielberg oder Peckinpah. Doch der entscheidende kreative Impuls, erklärt Bong, kam nicht primär vom Kino, sondern aus seiner Familie, seinem Vater und seinem Großvater Tae-won Park, ein Literat und Autor von „Landscape of the Riverside“. Ist es da ein Zufall, dass der Hauptschauplatz von Bongs größtem Filmerfolg THE HOST auch ein Flussufer ist?

Im College drehte Bong Kurzfilme auf 16mm, und irgendwann brachte er endlich den Mut auf, die Eltern mit seinem Berufswunsch zu konfrontieren, um dann ein Jahr an der Korean Academy of Film Arts zu studieren, wo 1995 seine Abschlussarbeit, der Kurzfilm „Incoherence“ entstand. Im Jahr zuvor hatte er bereits die Kurzfilme „White Man“ und „Memories In My Frame“ fertig gestellt. Mitte der 90er bemüht sich Bong auch um den Eintritt in die Filmindustrie, die damals aufzublühen begann und jungen Talenten wie Bong oder auch Kim Ki-duk kreative Entfaltungsmöglichkeiten bot. Bong assistierte bei Produktionen wie „Motel Cactus“, wo der geniale Christopher Doyle die Kamera führte, und bei „Phantom, the Submarine“ (1999). Bei beiden Filmen arbeitete Bong auch am Drehbuch mit.

Anno 2000 erschien Bongs Spielfilmdebüt „Barking Dogs Never Bite“, über einen Universitätsdozenten, der in einem Apartmentkomplex wohnt, wo ihm ein bellender Hund dermaßen auf die Nerven geht, dass er beschließt, ihn zum Schweigen zu bringen. Zuerst erwischt er den falschen Hund, dann aber bekommt er den quälenden Kläffer zu fassen und wirft ihn vom Hausdach in die Tiefe, was einige unvorhersehbare Ereignisse in Gang setzt.
Das originelle und zuweilen hochkomische Erstlingswerk wurde beim Hong Kong International Film Festival mit einem Fipresci-Filmpreis ausgezeichnet.

Basierend auf dem wahren Fall von Koreas erstem Serienkiller, der bis Anfang der 90er mehrere Frauen vergewaltigte und zerstückelte, drehte Bong dann „Memories of Murder“ (2003) und transzendiert das Krimigenre in Richtung Neorealismus, mit einer Dosis schwarzem Humor. Der Film spielt in den 1980er Jahren, noch zur Zeit der Diktatur, wo Folter bei Verhören noch an der Tagesordnung war. Der Star des Films, Kang-ho Song, liefert eine Oscar-reife Leistung in der Rolle eines Kriminalkommissars, der in der Provinz gegen Borniertheit, Sturheit und Hass kämpft im Bemühen, den Mörder zu fassen.

2004 erschienen zwei Kurzfilme von Joon-ho Bong - „Influenza“ und „Sink And Rise“ - bevor ihm dann mit THE HOST der ganz große Wurf gelang.



INTERVIEW MIT JOON-HO BONG

Haben sich Ihre Vorstellungen vom Filmemachen geändert im Laufe der Zeit, seit ihrem Kurzfilm „Incoherence“ bis zu Großproduktionen wie THE HOST?

Nach wie vor mache ich Filme, die ich selber gerne sehen möchte. Bei kommerziellen Filmproduktionen gibt es natürlich Einschränkungen, man muss die Interessen des Investors, der Besetzung, der Vermarktung usw. beachten. Also muss ich mein Anliegen und meine Vorstellungen entsprechend gestalten, zum Beispiel in Form eines Genrefilms wie THE HOST, der Film muss unterhaltsam für das Publikum sein. Aber im Grunde ist es noch so, dass ich Filme mache, die ich selber sehen möchte.

Welche Filme haben Sie als Cinephiler früher gerne gesehen?

Wenn cinephil bedeutet, dass man viele Filme sieht, dann bin ich keiner. Ich tendiere eher dazu, die Filme, die mir gefallen, wieder und wieder zu sehen. Als ich in der Grundschule war, habe ich mit großem Vergnügen „The Wages of Fear“ von Henri Georges Couzot gesehen, der lief hier im Fernsehen. Mir gefiel auch „The Wild Bunch“ und „Cross of Iron“ von Sam Peckinpah, und „Papillon“ mit Steve McQueen. Nachdem ich dann aufs College ging, schaute ich mir Filme von asiatischen Regisseuren an – Hou Hsiao-hsien, Shohei Imamura, Kiyoshi Kurosawa – die ich eingehend studierte, denn ich dachte mir, es wäre toll, wenn es solche Filme auch in Korea gäbe.

Kritiker warfen Ihrem ersten Spielfilm „Barking Dogs Never Bite“ vor, er wirke wie ein Manga.

Ich lese jede Menge Mangas. Ich mag Leute wie Urazawa Naoki. Ich zeichne gerne Mangas, und ich zeichne auch die Szenenentwürfe für meine Filme selber. Romane lese ich kaum. Aber ich schaue mir gerne Fotos an.

Ich habe früher selber gerne Fotos gemacht. Wenn mir Fotos gut gefallen, bewahre ich sie auf, und oft bekomme ich durch solche Bilder Anregungen für meine Filme.

Wie beurteilen Sie Ihren neuen Film THE HOST im Vergleich zu Ihren ersten beiden Spielfilmen „Barking Dogs“ und „Memories of Murder“?

In „Barking Dogs“ ging es zentral um die Konfrontation von alltäglichem Leben und manga-artigen Fantasien. In „Memories of Murder“ ging es um die Konfrontation von Krimigenre-Konventionen und dem Realismus des Films, der die Zustände auf Land im Korea der 80er Jahre darstellt. Das Monster Genre ist, abgesehen mal von der „Godzilla“-Serie in Japan, grundsätzlich ziemlich amerikanisch. THE HOST mag auf den ersten Blick so aussehen, als folge der Film den Konventionen und Attraktionen früherer Genrefilme, doch gibt es Szenen darin, die man in Filmen aus dem Westen noch nie zuvor gesehen hat, wie zum Beispiel eine riesige Trauerhalle mit herumliegenden Leichen, wo Familien sich weinend umarmen.

Es gibt in THE HOST oft krasse Wechsel zwischen sehr komischen und sehr erschreckenden Situationen.

Das hat sich so ergeben. Eine Katastrophe ist erschreckend und tragisch, aber gleichzeitig kann es dabei auch zu Szenen kommen, die komisch wirken. Ich war sehr schockiert und traurig, als ich erfuhr, dass das Sampoong Kaufhaus zusammengestürzt war. Aber es war schon lustig, wie Diebe aus der ganzen Stadt den Laden stürmten nach dem Zusammensturz, und in der Ruine Golf-Ausrüstungen und Luxusgüter klauten. Wenn es zu solch extremen Katastrophen kommt, kommt es auch unweigerlich zu Tragik und Komik, denn die Leute sind außer Rand und Band. THE HOST ist, zusammenfassend gesagt, eine Geschichte über eine Familie, die gegen ein Monster kämpft. Aber das ist lustig, denn sie kämpfen nicht mit irgendwelchen coolen Laserwaffen. Natürlich ging es mir nicht um billige Lacheffekte. Es ist eher so wie absurdes Theater.

Gibt es in THE HOST auch die Art von Komik wie in ihren vorherigen Filmen?

Ich denke, ich habe einfach Sinn für Humor, oder dafür, Leute zum Lachen zu bringen. In „Memories of Murder“ beispielsweise brauchte ich gar nicht nach geeigneten Szenen suchen, um Humor einzubringen, das geschah ganz natürlich, war nicht kalkuliert. Ich glaube nicht, dass ich jemals einen Film ohne Humor machen könnte. Sogar wenn ich einen Horror-Film drehen sollte, würde ich dabei etwas Komisches finden.

In „Memories of Murder“ waren die Polizisten nicht sonderlich gebildet, die Hauptfiguren in THE HOST kommen hauptsächlich aus der Arbeiterklasse, die Familie, die gegen das Monster kämpft, betreibt einen Kiosk. Wählen sie solche Leute aus der Unterschicht absichtlich als Hauptfiguren?

Ich fühle mich einfach zu ihnen hingezogen. (Lacht) Große Tiere stinken! Wie kann man ein Drama über Leute schreiben, die ein komfortables Leben führen?

Warum haben Sie den Fluss Han als Hauptschauplatz für THE HOST gewählt?

Das ist ein Ort, an dem jeder in Seoul täglich vorbeikommt. Es ist auch ein Ort für die Arbeiterklasse, sei es nun eine Familie, die dort einen Kiosk betreibt, oder Leute, die da im Sommer ihre Abende verbringen, weil sie zu Hause keine Klimaanlage haben. Doch wenn dann das Monster im Fluss auftaucht, wird die Gegend zu einem dramatischen, unheimlichen Ort. Ich denke, alle meine Filme handeln vom Zusammenprall vom alltäglichen Leben und Fantasy, von Genre-Aspekten und koreanischen Themen.

Gab es Filme, die Sie inspiriert haben bei THE HOST?

Nur „Signs“ von M. Night Shyamalan, aber auch in gewisser Hinsicht Steven Spielbergs „Jaws“, der weiße Hai ist ja auch ein Monster. In THE HOST geht es um eine übernatürliche Katastrophe, aber sie spielt sich ab in einer ganz realen Umgebung am Han Fluss. Die Figuren gehören zur Abeiterklasse. Alles ist, abgesehen von der Riesen-Katastrophe, ganz normal. Dadurch wirkt das Geschehen sehr real. Und das Gefühl soll THE HOST vermitteln.
(Interview-Auszüge aus „Bong Joon-ho: Mapping Reality Within the Maze of Genre“, Hrsg. Korean Film Council & Cine 21)



DAS TEAM

Chefkameramann: HYUNG-GU KIM

Der Kameramann Hyung-gu Kim hat die Perspektiven des koreanischen Kinos mit seinen visuellen Experimenten in solch herausragenden Filmen wie „Beat“ (1997), „Spring In My Hometown“ (1998 ), „One Fine Spring Day“ (2002) und „Memories of Murder“ (2003) erweitert. Er ist ein großer Stilist, gleichermaßen versiert bei der dynamischen Darstellung großer Schlachtengemälde wie in „Musa“ (2001) oder ruhiger Stimmungsbilder wie in „Xiaos Weg“ (2002). Bei THE HOST verzichtete Kim auf nahe liegende, konventionelle Bildoptionen wie Unterwasser- oder Luftaufnahmen, und konzentrierte sich stattdessen darauf, die Emotionen der Hauptfiguren ins rechte Licht zu setzen.

Weitere Filme, in denen Kim für die Kameraarbeit verantwortlich zeichnete, sind: Dead End (1993), A Man Among Men (1996), The Uprising (1999), Peppermint Candy (2000), Woman is the Future of Man (2004), Rikidozan (2004), Tale of Cinema (2005), Woman On the Beach (2006), THE HOST (2006).


Ausstattung: SEONG-HIE RYU

Gleich am Beginn ihrer Karriere wirkte Seong-hie Ryu bei der Gestaltung eines der schönsten und anrührendsten koeranischen Filme der vergangenen Jahre mit: „Flower Island“ (2001) von Il-gon Song, ein stimmungsvolles Road-Movie über die Suche eines Mädchens nach ihrer Mutter, über Verlust und Verlorenheit, über Sterbehilfe und eine mythische Insel, wo man angeblich alle Sorgen vergisst. „No Blood No Tears“ (2002), „A Bittersweet Life“ (2005) und Chan-wook Parks Schocker „Old Boy“ (2003) waren weitere bemerkenswerte Filme, denen Ryu einen passenden Look verlieh. Mit Joon-ho Bong hatte sie schon bei „Memories of Murder“ (2003) zusammen gearbeitet, wo es ihr wie auch in „Old Boy“ gelang, durch ihr Design nicht nur die Atmosphäre des Films mitzukreieren, sondern auch die Charaktere der Figuren zu betonen. Bei THE HOST meisterte sie die Herausforderung, an eigentlich normalen Schauplätzen wie etwa einem Krankenhaus einen verstörenden, futuristischen Eindruck zu erwecken. Das Leichenschauhaus zu Beginn des Films wirkt gar nicht klinisch, sondern etwas unheimlich und unordentlich, wie das Labor eines Mad Scientist.


Schnittmeister: SEON-MIN KIM

Seon-Min Kim gehört zu den renommiertesten und vielbeschäftigten Cuttern in der koreanischen Filmindustrie, in den vergangenen sechs Jahren hat er achtzehn Filme geschnitten, darunter Ki-duk Kims Militär-Groteske „The Coast Guard“ (2002), sowie Joon-ho Bongs „Memories of Murder“ (2003) und THE HOST (2006).

Weitere Arbeiten als Cutter: Jakarta (2000), My Boss, My Hero (2001), Yesterday (2002), Sex Is Zero (2002), Love Impossible, Into the Mirror, Nangman Jagack (alle 2003), Spygirl, That Guy Was Cool, Love So Devine (alle 2004), Art of Seduction (2005), Barefoot Kibong, Gangster High, APT, (alle 2006), Metro Ni Notte (2007).


Filmmusik: BYEONG-WOO LEE

Byeong-woo Lee zählt zu den besten Gitarristen Koreas und arbeitete als Filmkomponist schon in allen möglichen Genres. Für THE HOST nutzte er ganz unterschiedliche Musikstile aus verschiedenen Kulturen, um wechselweise die Tragik, Komik oder Fantastik der einzelnen Szenen zu betonen.

Lee komponierte außerdem die Musik für: Three Friends (1996), My Beautiful Girl Mari, My Beautiful Days, Three Extremes 2 (Segment: „Memories“), The Romantic President (alle 2002), A Tale of Two Sisters, Untold Scandal (beide 2003), Rules of Dating, The Red Shoes, My Lovely Week, The King and the Clown (alle 2005), My Piano (2006).


Visuelle Effekte (Leitung): KEVIN RAFFERTY / THE ORPHANAGE

Die in San Franzisko ansässige Firma The Orphanage wurde von ehemaligen Mitarbeitern des legendären Industrial Light and Magic Computereffekte-Studios gegründet, und erwarb sich schnell den Ruf als eines der besten Häuser für computergenerierte Bildgestaltung (CGI) und Animation. Die Firma kreierte das spektakuläre Effekt-Design für Großproduktionen wie „The Day After Tomorrow“, „Hell Boy“, „Harry Potter and the Goblet of Fire“ sowie „Superman Returns“, und erschloss ästhetisches Neuland mit „Sin City“.

Nachdem Effekte-Spezialist Kevin Rafferty, der unter anderem schon die computergenerierte Bildgestaltung von Kinohits wie „Star Wars: Episode 1 – The Phantom Menace“ und „Men in Black 2“ geleitet hatte, Joon-ho Bongs Kriminaldrama „Memories of Murder“ gesehen hatte, war er hellauf begeistert von dem Film. Als er dann von Bong das Drehbuch und Entwürfe für THE HOST bekam, war er sofort bereit, mit dem Koreaner zusammen zu arbeiten. „Im Gegensatz zu oft klischeehaften Hollywoodfilmen“, sagt Rafferty, „empfand ich (THE HOST) als sehr interessant und gleichzeitig als Herausforderung, denn ich habe noch nie an einem Projekt mitgearbeitet, das derart einzigartig war“. Rafferty arbeitete schon vor Drehbeginn eng mit Bong zusammen und reiste oft nach Korea, um die Arbeit dort mit der Arbeit bei The Orphanage zu koordinieren und das bestmögliche Ergebnis auf der Leinwand zu erzielen. Mit Lob für den koreanischen Regisseur hält Rafferty nicht zurück und schwärmt: „Ich bin glücklich und fühle mich geehrt, mit einem so großartigen Regisseur wie Joon-ho Bong zusammenarbeiten zu können.“


Modellgestaltung: WETA WORKSHOP

Mit drei Oscars in Folge für die „The Lord of the Rings“-Trilogie und Peter Jacksons gelungenes Remake von „King Kong“ ist der neuseeländische Weta Workshop eine der weltweit erfolgreichsten Produktionsfirmen für Kino-Spezialeffekte, auch die Märchenfiguren für „Chronicles of Narnia“ (2005) wurden in Neuseeland kreiert. Für THE HOST konstruierten die Spezialisten im Weta Workshop detaillierte plastische Modelle des Monsters, die dann von den Kollegen bei The Orpanage digital eingescannt werden konnten als Grundlage für die sensationellen CGI-Aufnahmen des Monsters, die im Kino zu sehen sind.


Animatronik: JOHN COX und JAMES PAUL

Mit sprechenden Schafen und einem smarten Schweinchen, das gerne ein Schäferhund sein möchte, begann die Erfolgstory von John Cox und seinem Creature Workshop in Australien, und mit seiner Arbeit für „Babe“ (1995) wurde Cox auch prompt mit einem Oscar ausgezeichnet.
Cox hat sich auf Robotertechnologie fürs Kino spezialisiert, mittels Animatronik erweckt er wie eine Art High-Tech-Puppenspieler kompliziert konstruierte Fantasiefiguren zum Leben. In THE HOST wurden animatronisch bewegte Modelle beispielsweise eingesetzt, wenn man in Grossaufnahme sieht, wie das Mädchen von Schwanz des Monsters beim vergeblichen Fluchtversuch im Abwasser-Schacht umschlungen wird. Cox Mitarbeiter James Paul konstruierte und kontrollierte die entsprechenden animatronischen Modelle.

John Cox’s Firma arbeitete u.a. bei folgenden Filmen mit: Joey (1997), Babe: Pig in the City (1998 ), Komodo (1999), Pitch Black (2000), Ozzie (2001), Scooby Doo (2002), Inspector Gadget 2 (2003), Peter Pan (2003), Racing Stripes (2005), Siegfried (2005), Rogue (2006), THE HOST (2006).


Produktion: YONG-BAE CHOI

Yong-bae Choi ist Geschäftsführer (CEO) der 2001 gegründeten Seouler Filmfirma Chungeorahm, die sich exklusiv auf koreanische Film konzentriert. Zunächst als Verleihgesellschaft für qualitativ anspruchsvolle Filme wie „Singles“, „A Good Lawyer’s Wife“ oder „A Tale of Two Sisters“ (alle 2003), seit 2004 auch als Produktionsfirma, das erste Projekt war „The President’s Barber“. Mit „Sa-kwa“, „The Art of Seduction“ ( beide 2005) und dem Blockbuster THE HOST (2006) rückte Chungeorahm in die Liga der führenden Filmproduktionsfirmen in Korea auf. Im Jahr 2003 hatte Regisseur Joon-ho Bong dem Firmenleiter Choi eine Fotomontage mit dem Loch Ness Monster im Han Fluss gezeigt und vorgeschlagen, einen koreanischen Monsterfilm zu produzieren. Nach anfänglicher Skepsis hatte Choi eingewilligt, der Rest ist Kinogeschichte.



STIMMEN ZU T H E H O S T

„(Regisseur) Bong, ein begabter visueller Stilist, hat einen Film mit einer Reihe wirklich ikonenhafter Bilder gemacht. Die Monster-Effekte sind exzellent. (...) Eine starke Arbeit, die Bongs Reputation als einer der großen Regietalente in der Welt festigt. (...) Ein wahnsinnig unterhaltsamer Film, der zudem intelligent, verständnisvoll und wirklich anrührend ist.“ (Toronto International Film Festival 2006, Report)

„Jeder Horror-Fan wird einen Heidenspaß haben an THE HOST, ein Volltreffer in jeder Hinsicht. Er ist urwüchsig und postmodern, erschreckend und witzig, grausam und doch gutmütig. (...) Einer der erfrischendsten Monsterfilme der letzten Jahrzehnte.“ (Toronto International Film Festival 2006, Cinematical)

„Eine scharfsichtige Satire mit einer clever vermittelten, deutlichen politischen Botschaft – ohne dabei den Spaß an einem Monster-Movie aus dem Blick zu verlieren.“ (Katalog, Pusan International Film Festival 2006)

„Joon-ho Bong zeigt hier, dass er ein Händchen hat für virtuose Schlachtszenen (mayhem), die denen von Spielberg nicht nachstehen. (...) Der erste Auftritt des Monsters gehört zu den packendsten und einfallsreichsten Action-Sequenzen der letzten Zeit.“ (Katalog, Viennale 2006)



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