Marquis de Sade: Justine

Jason Voorhees


Marquis de Sade - Justine




Originaltitel:
Marquis de Sade: Justine

Erscheinungsjahr:
1969

DVD-Fassung/Label:
X-Cess – UNCUT
X-Rated – UNCUT
Corona Film - CUT!!!
Anchor Bay (GB) - UNCUT






Regie:
Jess Franco

Darsteller:
Klaus Kinski
Romina Power
Akim Tamiroff
Maria Rohm
Jack Palance
Harald Leipnitz
Horst Frank
Rosemary Dexter

Länge:
ca. 120 Minuten

FSK:
ungeprüft

Trailer:
Leider kein Trailer, sondern nur ein Szenenausschnitt

Hier eine zweite Szene, in der auch Kinski mit dabei ist

Inhalt:
Dies ist die Geschichte zweier junger Mädchen: die eine, Justine, voller Tugend und Güte, die andere, Juliet, voller Gier und Unzucht. Während Juliet das süße Leben der Prostitution und Macht genießt, gerät Justine auf den Pfad des Leidens. Ihre Unschuld öffnet ihr nur eine Tür, nämlich die des Leidens!

(Quelle: DVD Cover)




Sonstiges:
Klaus Kinski hat als Marquis de Sade in der Originalversion keinen Sprachakt. Lediglich in der deutschen Version hat man ihm die "Gedankensprache" zugeführt, in welchen er über die Entwicklung von Justine und über ihr Leiden spricht.

Entstehungsgeschichte:
Die Filmfassung von Marquis de Sades Roman Justine, ergänzt mit einigen Versatzstücken aus anderen seiner Romane. Anders als man vermuten könnte, handelt es sich dabei um eine eher zahme Geschichte, an der auch die Fernsehzensur bisher nichtsauszusetzen hatte.
Klaus Kinski spielt im Film den eingekerkerten Marquis de Sade - allerdings ist seine Rolle auf einige wenige Szenen begrenzt und er hat keinen Sprechtext.

Klaus Kinski über den Regisseur und den Film:
"Jess Franco...! Ein sehr eigenartiger Kerl. Er hat mit mir einmal Marquis de Sade: Justine gedreht, wo ich die Hauptrolle von Sade hatte und meine ganze Rolle mit drei Kameras in vier Stunden abfilmte. Er hat dann diese Szenen in den Rest des Films hineingeschnitten. Ich war gerade dabei, in Barcelona einen anderen Film zu machen, und der englische Produzent Harry Alan Towers - für den ich neun oder zehn Filme gemacht habe und der ein Kerl ist, der die Hälfte seiner Zeit im Gefängnis zubringt und die andere Hälfte beim Filmeproduzieren - hat mir gesagt: "Sei nett, mach was du willst aber spiel mir den Marquis de Sade im Gefängnis." Also habe ich ihm den Gefallen getan und den ersten Film mit Franco gedreht. Franco war Assistent von Buñuel gewesen, er ist also kein Schwachkopf. Nur war er einige Male von den Produzenten gezwungen worden, Filme in zehn Tagen zu machen".


(Quelle: http://us.geocities.com/kinski1926/filme/justine.html)


Fazit:
Ein interessantes Werk in nicht ganz so üblicher Manier des Jess Franco. Man kann diesen Film aus mehreren Blickwinkeln betrachten. Zum einen wäre es als Repräsentant des Exploitationgenres. In diesem Hinblich im großen und Ganzen gelungen, auch wenn die Grundgeschichte und ihr Verlauf doch etwas von der Thematik des Genres abweicht. Betrachtet man diese Adaption in ihrer Umsetzung zur Romanvorlage des Marquis de Sade, so kann ich darüber noch nicht viel sagen, da ich es noch nicht gelesen habe. Als wirklichen Kinskifilm kann man es auch nicht betrachten, da seine Rolle eher als Nebenrolle ausgelegt ist. Er sitzt im Kerker und schreibt die Geschichte der Justine nieder und hofft, dass sie ein tugendhaftes Leben führen kann, damit seine Thesen widerlegt sind, sodass er guten Gewissens seine Strafe verbüßen kann. Man kann hier nicht von einer herausragenden Leistung reden, da seine Sequenzen hier dann doch dafür zu "inhaltslos" waren, trotzdem präsentiert er de Sade überzeugend und spielt routiniert. Insgesamt ist der Film nicht nur auf das Schänden der Justine in Form von extrem Gewaltverherrlichenden Szenen aus, stattdessen sollen wohl die einzelnen Phasen der Justine kurz angedeutet werden und die Intention der Geschichte deutlich machen. Es sind schon ein paar "extreme" Inhalte vorhanden, jedoch werden diese nicht übertrieben in Szene gesetzt. Hervorrangende Nebendarsteller wie Horst Frank und Jack Palance runden das Vergnügen noch ab, auch wenn mir die kurze Geschichte um Jack Palance mir hier als einzige nicht wirklich zugesagt hat, schien mir etwas zu übertrieben. Interessant war auch die Darstellung der etwas unbeholfenen Romina Power als Justine, aber vielleicht macht gerade das auch das Interessante an dem Film aus.
Insgesamt hat mich der Film ganz gut unterhalten, wie es bei Jess Franco Filmen meistens der Fall ist und eines muss man ihm hier auch gut anrechnen: Er verzichtete darauf die weiblichen Statisten ständig unbekleidet herumlaufen zu lassen, sondern man erkennt sein Bemühen wohl ein "ernstzunehmenderes" Werk zu schaffen. Bis auf die oben genannte Szene hat mich das Werk gut unterhalten. Fans von den Schriften de Sades werden mit Sicherheit auf zweierlei Art auf ihre Kosten kommen, Vorraussetzung dafür ist aber auch, dass man mit den Filmen des Jess Franco zurechtkommt, denn ansonsten wird man hier nur billigen Schund empfinden.




Note:
8/10
kinski
Jess Franco dürfte wohl einer der umstrittensten Regisseure überhaupt sein. Seine Bewunderer loben seine Filme als Kunstwerke, seine Kritiker zerreissen sie in der Luft. Klaus Kinski sollte während seiner wechselvollen Karriere des Öfteren mit Jess Franco, der auch unter den Namen Jeff Franco und Jesus Franco Manera Regie führte, zusammen treffen und jedesmal Filme drehen, die sehr gewöhnungsbedürftig und ebenso außergewöhnlich waren.

Marquis de Sade: Justine“ kann man im weitesten Sinne dem Genre des Erotik-Dramas zuschreiben. Klaus Kinski ist eben dieser Marquis de Sade, ein Schriftsteller, der in den Kerker geworfen wurde, weil er allzu offen seine höchst eigenen Wahrheiten beschrieben hatte. Im Gefängnis verfolgen ihn nun die Geister seiner triebhaften Phantasien und er schreibt die Geschichte der Justine (Romina Power) nieder.
Die beiden Schwestern Juliette und Justine leben wohlbehütet in einem Kloster, bis sie eines Tages erfahren müssen, dass ihr Vater vor seinen Gläubigern fliehen musste und ihre Mutter aus Gram darüber gestorben ist. Die Beiden sind nun bis auf wenige Taler mittellos und auf sich allein gestellt. Doch während Juliette im Bordell quasi Karriere macht, skrupellos ihre Ziele verfolgt und sogar vor Mord und Totschlag nicht zurückschreckt, ist Justine vom Schicksal verfolgt. Immer wieder gerät das ehrbare, aber grenzenlose naive Mädchen in die Hände von Perversen und Verbrechern und wird durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle als Diebin und Mörderin gejagt. Sie wird gebrandmarkt und gefoltert und das Opfer der perversen Phantasien ihrer Peinigern. Nur bei Raimond (Harald Leipnitz) findet sie kurzzeitig Wärme und Zuneigung. Das trügerische Glück ist allerdings nur von sehr kurzer Dauer.
Währenddessen wird der Marquis de Sade in seinem Kerker von immer neuen Phantasien und Obsessionen heimgesucht. Und nur indem er seine Gedanken zu Papier bringt kann er ihrer Herr werden. Kurz bevor Justine als vermeintliche Mörderin hingerichtet werden kann, rettet ihre Schwester, die inzwischen die Geliebte eines Regierungsmannes ist, sie vor dem schon sicher geglaubten Tode. Auch Raimond ist in diesem Augenblick zur Stelle. In diesem einen Fall hat es das Böse nicht geschafft, gegen Ehrlichkeit und Tugend zu triumphieren …

So umstritten Jess Franco auch immer gewesen ist, es waren oftmals eine ganze Reihe namenhafter Darsteller an seinen filmischen Visionen beteiligt. Und auch bei „Marquis de Sade: Justine“ war eine illustre Schar weltbekannter Stars am Werk. Klaus Kinski brilliert in der Rolle des Marquis, die vom Schicksal arg gebeutelte Justine stellt Romina Power dar, die Jahre später als italienischer Singvogel neben ihrem Göttergatten Al Bano zu Weltruhm gelangen sollte.
Horst Frank ist als triebhafter und mordlüsterner Edelmann zu sehen, der stets mit leicht sch.wuchteligem Gehabe die arme Justine quält. US-Veteran Jack Palance – in der Rolle des besessenen Antonin – hat von allen den vielleicht abgedrehtesten Part. Bekleidet mit einer Mönchskutte stellt er den Führer der ´Gemeinschaft der Freunde des Verbrechens´ dar, deren Ziel es ist, durch Folterungen unschuldiger Mädchen die Grenzen ihrer eigenen Lust zu erforschen. Palance erscheint auf eine Art fast lächerlich in seiner Rolle, ist aber dann doch so fanatisch bei der Sache, dass er der eigentliche Höhepunkt des Films ist.
Neben Romina Power sind in weiteren Rollen zu sehen: Maria Rohm als ihre Schwester Juliette und Sylva Koscina als Ehefrau von Horst Frank, von dem sie auf raffinierte Weise umgebracht wird. Außerdem ist in einer ziemlich kleinen Nebenrolle Rosalba Neri mit dabei. Sie ist eine der Kerkerphantasien des Marquis und läuft stets mit einem - ihren Qualitäten entsprechenden - Gewand herum. Sprich: sie hat so gut wie nichts an. Zwei Jahre später sollte Frau Neri erneut mit Klaus Kinski vor der Kamera stehen: „Das Schloß der blauen Vögel“. Auffälligstes Merkmal dabei – Rosalba hat noch weniger an.
Leider sind Kinski und Horst Frank in keiner gemeinsamen Szene zu sehen, das Zusammentreffen zweier so exzellenter deutscher Kultschauspieler in einem solchen Trashfilm wäre ein Fest für jeden Cineasten geworden. Ähnlich wie Klaus Kinski hat auch Horst Frank (beide trafen ja schon bei „Das Geheimnis der chinesischen Nelke“ aufeinander) eine Art der Darstellung, die ich seit jeher bewundert habe. Durch seine hervorragende Schauspielkunst, verbunden mit dem markanten Gesicht und der eindrucksvollen Stimme, kann man Horst Frank sicherlich zu den absoluten Größen unter den deutschen Schauspielern rechnen.
In der männliche Hauptrolle ist Harald Leipnitz zu sehen, mit dem Klaus Kinski bereits die beiden Wallace-Krimis „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ und „Die blaue Hand“ gedreht hatte. Obwohl Leipnitz hier nicht ganz so schwach agiert wie in den beiden anderen Filmen, kommt er doch über ein gewisses Mittelmaß nicht hinaus.
Klaus Kinski schließlich verbringt den gesamten Film in seinem Kerker und hat nicht eine einzige Zeile Text. Er teilt seine Gedanken mittels einer Off-Stimme mit. Welch ein phantastischer Schauspieler Kinski ist, zeigt sich dadurch, dass er die Worte der Off-Stimme mit seiner Mimik und Gestik ganz genau auszudrücken versteht. Es wäre allerdings wünschenswert gewesen, statt irgendeiner Synchronisationsstimme seine eigene Stimme zu hören. Die Gedanken des Marquis de Sade sind geradezu prosaisch und auf Grund Kinskis Theater- und Rezitationserfahrung wäre es mit Sicherheit ein echtes Erlebnis für den Zuschauer geworden, diese Worte aus dem Munde Kinskis zu vernehmen. Ansonsten ist zu vermuten, dass die Gedanken und Phantasien des Marquis de Sade sich nicht großartig von Kinskis eigenen unterscheiden dürften.
Wie man sieht, kann man sich mit einem Film von Jeff Franco eingehend auseinander setzen. Man kann sie zwar von vorne herein als billigen Schund abtun (und in gewissem Sinne sind sie das mit Sicherheit auch), aber damit würde man es sich zu einfach machen. „Marquis de Sade: Justine“ ist sicherlich nicht der beste Film der Verbindung Kinski/Franco. Aber im Laufe seines Schaffens hat sich Klaus Kinski noch mit Filmen wie „Nachts, wenn Dracula erwacht“ und ganz besonders mit „ Jack The Ripper “ selbst und somit auch Franco einen Platz im Olymp des Kinos erarbeitet. Jess Franco und Klaus Kinski standen sicherlich nie für das qualitative optimalste Kino, aber für groteske Unterhaltung mit absolutem Kult-Charakter waren sie stets gut.

6 / 10