Kids Return (Japan 1996, Kitano)

Lago
Kids Return



Originaltitel: Kidzu ritan
Herstellungsland: Japan
Erscheinungsjahr: 1996
Regie: Takeshi Kitano
Darsteller:
Masanobu Ando
Ken Kaneko
Leo Morimoto
Hatsuo Yamatani
Mitsuko Oka
Ryo Ishibashi
Terashima Susumu
Koichi Shigehisa
Michisuke Kashiwaya
Yuuko Daike

ofdb
Review mit Screenshots bei afw


Masaru und Shinji sind nicht gerade das, was man unter Musterschülern versteht. Sie trinken, rauchen, erpressen Geld von ihren Mitschülern und vertreiben sich die Zeit mit Streichen an ihren Lehrern. Im Unterricht trifft man die beiden nur selten an. Ihr liebstes Hobby ist allerdings das gemeinsame Fahrrad fahren auf dem Schulhof, bei dem einer der beiden in die Pedale tritt und der andere der beiden lenkt. Dieses Kunststück erfordert blindes Verständnis der beiden Freunde. Das Leben der beiden ändert sich allerdings, als Shinji mit ansehen muss, wie der großspurige Masaru von einem Bekannten eines ihrer Erpressungsopfer mit einem Schlag niedergestreckt wird. Für Shinji, der in Masaru immer ein Vorbild an Stärke und Durchsetzungsvermögen sah, bricht eine Welt zusammen. Aber auch Masaru kann diese Demütigung nicht auf sich sitzen lassen und meldet sich beim Boxtraining an. Er überredet auch Shinji am Training teilzunehmen, doch nach einiger Zeit entwickelt sich der schmächtige Junge zu einem wahren Boxtalent, der Masaru problemlos auf die Bretter schickt. Enttäuscht von seiner erneuten Niederlage gegen seinen besten Freund, schließt sich Masaru einer Yakuzabande an und verlässt die Schule. Shinji steigt unterdessen zum hoffnungsvollen Talent am Boxerhimmel auf. In einer Nebenhandlung wird die Geschichte von Hiroshi erzählt, der Masaru und Shinji immer bewunderte. Der schüchterne Junge leistet den beiden Beihilfe, als diese das Auto eines Lehrers in Brand setzen, und wird dann ebenso wie Masaru und Shinji als "nicht förderungswürdig" eingestuft. Nach einem enttäuschenden Arbeitstag als Verkäufer, schlägt er sich als Taxifahrer durch. Auch seine Liebe zur Bedienung des Coffeeshops, in dem sich die Jugendlichen immer wieder treffen, bleibt unerwidert. Shinji freundet sich unterdessen mit einem alternden Boxchampion an, ein großer Fehler, denn der desillusionierte Mann zieht den naiven Shinji immer weiter in einen Strudel aus Medikamenten- und Alkoholmissbrauch hinein. Währenddessen steigt Masaru zu einem der führenden Kräfte des Yakuza Clans auf. Nachdem Masarus Boss (dargestellt von Auditions Ryo Ishibashi) getötet wird und Masaru eigenmächtig handelt, muss er eine bittere Erfahrung hinnehmen. Eine mehr als bittere Erfahrung muss auch Hiroshi machen, in einer Nacht gerät das Leben der 3 Jugendlichen aus der Bahn, und nichts ist mehr so, wie es zuvor war.



Trotz aller Perspektivenlosigkeit und Melancholie ist Kids Return kein negativer Film. Es ist ein Film der zeigt, dass Freundschaft über allem steht und das man auch nach Rückschlägen nicht aufgeben sollte. Irgendwie geht das Leben immer weiter. Dies wird nicht nur am Schicksal der Hauptcharaktere verdeutlicht, in einem winzigen Subplot schildert Kitano den erfolgreichen Aufstieg eines Komikerduos von der Schule hin in gut gefüllte Clubs. Interessant vor allem wenn man bedenkt, dass Kitano seine Karriere selbst als Stand Up Comedian begann. Wieviel von Kitano selbst in den Figuren steckt ist schwer zu sagen, sicher ist jedoch, dass Kids Return ein wunderbar nostalgischer Film ist, der es dem Zuschauer erlaubt, für 2 Stunden auf den Schulhof zurückzukehren, die eigenen Erfahrungen Revue passieren zu lassen und über das Leben nachzudenken. Takeshi Kitano selbst über seinen Film: "In meinen früheren Filmen, war der Tod die Antwort auf die Fragen der Charaktere; sie haben nach dem richtigen Weg zu sterben gesucht. In diesem Film wählen sie zu leben, aber sie haben immer noch keine Antwort auf ihre Fragen; das Leben ist manchmal die schwierigere Wahl."

Hainz
Und wieder mal ein Thread zu einem tollen Kitanofilm. Gute Arbeit

Wie schon öfters erwähnt, einer meiner Lieblinge von Kitano. Er ist leicht zugänglich, humorvoll, manchmal auch ernst, dann hin und wieder mal traurig und dann wieder fröhlich. Die Darsteller spielen allesamt toll und die wieder großartige Regiearbeit von Kitano muss ich nicht mehr erwähnen. Der Soundtrack von Joe Hisaishi ist hier wieder einmalig und passt wieder zum Film. Kitano hat diesen Film nach seinem ernsten Motorradunfall gedreht und mit diesem wollte er den Zuschauern etwas anderes präsentieren. Das ist ihm auf jeden Fall mehr als gelungen und er ist nicht umsonst auf meiner Favoritenliste.
Oliver Lee
So, nach dem Bericht von Lago zu Getting Any mal wieder ein Bericht, bei dem ich mit einstimmen kann. Ich mag eigentlich keine Filme über irgendwelche Jugendlichen, die weiss Gott was tun. Kitano geht das Thema aber auf eine ganz andere Art an, keine banalen kleinen Stories wie man sie sonst sieht, sondern eine schöne Geschichte von zwei "Versagern", die nach oben wollen. Kitanos Casting (den nehmen, der am Unsichersten ist) hat mal wieder voll funktioniert. Wie Hainz schon erwähnte, sind die Darsteller und die Regie super. Die Geschichte wird schön ruhig erzählt und trotzdem fiebert der Zuschauer mit und hofft, dass die beiden Jungs doch noch was zu Stande kriegen.

10/10