Hab den Film gestern abend sehen können.
Vorstellung 20.30 Uhr, handgezählte 16 Blickwinkel...ähhh Kinogänger.
Lustig: Das aufstöhnen so mancher beim fünften mal zurückspulen: zeigt mal wieder wie wenig informiert das Publikum oft ist.
Ich habs gewusst und meinem Sehvergnügen haben diese Schleifen nicht das geringste ausgemacht. Der Film ist gut, nicht sehr gut und vor allem nicht ausgezeichnet aber gut.
Schwierig ist der Einstieg. Man hat natürlich Erwartungen aber eigentlich nicht die, dass man die ersten paar Minuten ein Fernsehteam dabei verfolgt wie es den Bericht über den Gipfel mischt. Sigourney Weaver ist sehr nett in der Rolle aber auch kaum gefordert und generell etwa unterrepräsentiert. Ich würde mich selbst nicht als großer Fan von ihr bezeichnen allerdings wirkt sie für die kleine Rolle doch etwas überbesetzt.
Am dramatischen Verlauf dieser ersten Minuten kann man allerdings nicht rummeckern. Bereits hier wurde auf vieles gesetzt, was generell die ersten zwei Drittel des Filmes ausmachen: Wenig understatement, viel emotionales und stimmungsvoll inszenierte Dramatik.
Als alles wieder beginnt steht man eigentlich fast wieder am Anfang. Was hat man erfahren? Nicht viel, keine Details. Man erkennt zum Teil die scheinbar größer angelegte Verschwörung, aber eben doch nicht so richtig. Zu schnell erkennbar ist leider eins: Wer gehört wirklich zu den Bösen? Das ist generell wohl auch mein größter Kritikpunkt im Film: Die Identität (aller) Bösen ist schon sehr früh zu erkennen. Damit geht ein großer Spannungsfaktor verloren. Es bleibt natürlich die Spannung wie die Geschichte denn ausgeht, wie die einzelnen Ereignisse und alle Dinge, die man erst im Laufe des Filmes erfährt, zusammenhängen, trotzdem ist es schade, dass das etwas vergeigt wurde.
Der Rest des Castes wird weit besser in Szene gesetzt und vermag dadurch auch, sich selbst besser zu verkaufen. Forrest Whitaker spielt gewohnt souverän und auffällig, Dennis Quaid nimmt man den gealterten Secret Service Mann, der viel durchgemacht hat, ab und Matthew Fox macht eigentlich auch alles so, wie man es erwartet.
Der Storyverlauf an sich ist ja, trotz der extravaganten Erzählweise, nichts generell neues allerdings gut verpackt. Dass man immer wieder ein Puzzlestück mehr erhält ist schön, jeder Blickwinkel erreicht mehr oder weniger sein Ziel, keiner der Handlungsstränge fällt durch. Was aber auffällt sind zum Teil deutliche Zeitdiskrepanzen bei gleichen Ereignissen in verschiedenen Blickwinkeln. Bestes Beispiel: Zeitdifferenz unbekannte Explosion zur Bombe. Da liegt meiner Meinung nach der größte Logikfehler im Film, am besten wahrscheinlich zu bemerken bei den Zeitlinien von Quaid sowie dem spanischen Cop. Ist mir negativ aufgefallen, gerade angesichts dessen, dass man hier so viel Wert auf die Zeit legt...
Das letzte Drittel hat dann natürlich seinen ganz eigenen Charakter, es setzt einige Höhepunkte aber leider dann doch nicht genug um den Film in höhere Wertungen zu tragen.
Schön zu sehen, wie alle Fäden gerade da zusammenfinden, wo man es nicht unbedingt vermuten würde aber einige Kritikpunkte müssen sein:
SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
Das sehr patriotische Ende: Ich kam mir fast vor wie in einem Spielberg-Film.
Schon vom Storyverlauf her leicht enttäuschend, von der Inszenierung zu überdreht und klischeehaft.
Man erfährt fast nichts über den Feind. Das sind eigentlich nur diese Verschwörer, die einen guten Plan hatten, dann aber trotzdem gescheitert sind. Keine Infos zur Herkunft, zur Ideologie, zur Vorbereitung des Planes...nichts!
Die Verfolgungsjagd: Mal ganz abgesehen von dem "Ich klettere unverletzt aus meinem total kaputten Auto", was ja durchaus verbreitet ist bei Actionfilmen war sie einfach nicht so richtig spannend. Ich bin da wahrscheinlich zu verwöhnt (Bourne 2 + 3), deswegen ist das eher Meckern auf hohem Niveau, trotzdem dachte ich mitten in der Jagd..."Joa, könnte dann jetzt auch so langsam mal vorbei sein".SPOILER ENDE
So, nachdem ich jetzt so viel gemeckert habe muss ich aber auch sagen, dass der Film mich eigentlich recht gut unterhalten hat. Bei weitem nicht besonderes aber solide Actionkost mit interessantem Erzählstil, einem klasse Cast und guter, realistischer Action. Gerade letzteres ist mir mitunter sehr viel Wert.
Punktemäßig sollte sich der Film so bei
7-7,5/10 bewegen (knapp vor "I am Legend", knapp hinter "National Treasure 2" und doch schon recht weit weg von der Spitze dieses Jahres...)
Der Film hat damit eigentlich auch ziemlich genau meine Erwartungen getroffen.