Morty
The Harmonium in my Memory

Originaltitel: Nae maeumui punggeum
Produktionsland: Südkorea
Erscheinungsjahr: 1998
Regie: Lee Young-Jae
Darsteller: Lee Byung-Hun, Jeon Do-Yeon, Kim Jae-In, Lee Mi-Yeon

Review
Da ich derzeit mit dem koreanischen Kino händchenhaltend durchs Leben gehe und derzeit immer nur vereinzelt wirklich empfehlenswerte und innovative Filme zu entdecken gibt, nahm ich mich früheren Filmen an, sprich vor 2000, um nach weiteren Schlagmomenten im selbigen Kino zu suchen. Glücklicherweise nicht umsonst. "The Harmonium in my Memory" wurde im Jahr 1998 inszeniert, zwei Jahre nachdem "The Legend of Gingko" dem koreanischen Kino einen gewaltigen Schubs gab und das Feuer neu entfachte.
Zu dem Zeitpunkt waren in Südkorea kitschbeladene und mit dröhnendem Aufwand belegte Filme noch in weiter Ferne (das kann ich nur im Zusammenhang mit diesem Film so erwähnen, da ich sonst nicht wirklich was gegen "solche" Filme habe), sodass sich Filmemacher erst einmal bemühten, ansprechende Filme zu kreierien, auf die man zugehen und mit den Charakteren mitfühlen kann. So war es auch der Aufgabe von Regisseur Lee Young-Jae, der zu diesem Film zwar noch das Drehbuch verfasste, aber sonst nie mehr etwas im Filmbereich getan hat, was ich sehr schade finde.

"The Harmonium in my Memory" spielt in einem kleinen Ort auf dem Lande, in dessen Zentrum eine Schule steht, sozusagen auch der Mittelpunkt der Story, von der alles ausgeht. Inhaltlich geht es um den 21-jährigen Soo-Ha, der frisch seinen Job als Lehrer an dieser Schule antritt und im Ort gleich noch einen Unterkunftsplatz für sich findet. Er ist anders als die anderen Lehrer auf der Schule, die selbstverständlich um einiges älter sind, jedoch auch rabiatere Methoden entwickeln, Kinder zu erziehen.
Schnell findet Soo-Ha Bewunderung bei den Kindern, allen voran bei der 17-jährigen Hong-Yeon, die sich unsterblich in ihn verliebt. Sie versucht mit allen Mitteln aufsich aufmerksam zu machen, doch Soo-Ha hat indess größeres Gefallen an der vier Jahre älteren Kollegin Frau Yang gefunden, der er zu jeder passenden Gelegenheit hinterherläuft und versucht, Interesse zu erwecken. Doch leider macht einem das Leben öfter einen Strich durch die Rechnung, was nicht nur Soo-Ha, sondern auch Hong-Yeon mit der Zeit einsehen muss.

Hauptdarsteller Lee Byung-Hun erleben wir in seiner ersten Rolle in einem Spielfilm, nur hat man zu keiner Zeit den Eindruck, hier einen Kinodebutant am Start zu haben. Lee spielt so unglaublich locker, mit Milchbubifrisur und blitzblankem, breiten Grinsen und schlichtweg genial, wie man es immer von ihm gewohnt ist. Am meisten erinnert seine Rolle hier an die aus "Once in a Summer" aus dem letzten Jahr, in der er sich ebenfalls einer heiteren Rolle annahm und mit seinem Lachen verzauberte. Wie flexibel er ist beweist demnach seine Rolle in "A Bittersweet Life", in der er einen völlig anderen Charakter darstellt, ganz weg vom heiteren und fröhlichen jungen Mann, hinein in einen gepeinigten und rachesuchenden Menschen.
Einfach unglaublich dieser Mann, gegen den man nichts mehr sagen kann. An seiner Seite spielt Jeon Do-Yeon, die gestern den Preis als beste Darstellerin beim Cannes Festival für ihre Rolle in Lee Chang-Dong's "Secret Sunshine" bekam - herzlichen Glückwunsch nochmals! In "Harmonium in my Memory" spielt sie ein süsses Mädchen, dass sich zum ersten Mal verliebt und alles versucht, ihrem geliebten Lehrer näherzukommen. Das bildet dann auch ein Großteil des Filmes, der sich mit Soo-Ha's Charakter befasst, der sich einer älteren Kollegin hingezogen fühlt, aber von einer Schülerin geliebt wird.
Gottseidank versucht Regisseur Lee Young-Jae keine unnötigen Klischees aufliegenzulassen und konzentriert sich ganz in Ruhe auf seine Charaktere, die wir durch all die lustigen Momente im Film begleiten. Der Film ist mit einer solchen Lockerheit inszeniert, und da man die Darsteller so liebgewonnen hat, vergeht die Zeit wie im Flug, da man einfach gespannt ist, wer denn ins nächste Fettnäpfchen tritt, oder welche Rabauken unter den Schülern wieder Unfug anstellen. Es gibt immer etwas zu lachen, was teils auch an einigen verrückten Nebencharakteren im Film liegt.

Alleine zu Beginn, als Soo-Ha seine erste Unterrichtsstunde beginnen will, er aber von einem zerstruffelten Opa einer Schülerin, der ihr die vergessene Brotbox mitgebracht hat, gestört wird, ist herrlich. Denn: Er war der Dritte, der so kurz hintereinander in die Tür hineingeplatzt kam! Im Film gibt es noch viel mehr herzige Szenen, die von Lee Byung-Hun's Lachen noch um ein Vielfaches verstärkt werden. Man muss einfach mitlachen. Hong-Yeon, sei noch erwähnt, ist ein richtig niedliches Mädchen und das man ein bindendes Verhältnis mit ihr aufbaut, ist nur der genialen Darstellung von Jeon Do-Yeon zu verdanken, die sich in eine Reihe mit Lee Byung-Hun einfügt. Wenn sie ihr verschmitztes Grinsen auflegt ist das unglaublich süss, so süss, dass man lachen muss.
In den letzten 30 Minuten nimmt die Heiterkeit und Lockerheit storybedingt etwas ab, trotzdem wirkt es nie aufdringlich oder wie ein Dampfhammerschlag, wie z.B. in neueren Beiträgen im koreanischen Liebesfilm. Eher nimmt die Konzentration des Zuschauers zu, die Lacher nehmen ab, aber das tut dem Film keinen Abbruch. Das Ende des Films ist zudem sehr berührend und hat mir Tränen in die Augen getrieben, weil es solch süsse Gesten betrifft, Gesten der Liebe und Gesten der Anhänglichkeit.

Neben all den inhaltlichen und darstellerischen Raffinessen ist "Harmonium in my Memory" sehr ansprechend inszeniert, was sicherlich der guten Lage der Drehplätze zugerechnet werden kann. Man fühlt sich als Zuschauer wohl, egal ob in der Schule oder in dem kleinen Ort, dass an den dichten Wäldern grenzt, alles ist heimisch und von einer Schönheit, die zum Ton des Filmes passt. Zwischendrin gibt es sogar einige beeindruckende Winterbilder zu bestaunen, die einen direkt an Shunji Iwai's fabelhaften "Love Letter" erinnern. Auch die Musik bietet einiges. Hier hat man sich für wunderbare Orchestermusik entschieden, die unter die Haut geht und wie das visuelle Gesamtbild erstaunlich gut zum Film selbst passt.
Jetzt habe ich so viel geschrieben, aber ich musste es tun, um meine Faszination gegenüber diesem traumhaften Stück Film zu begründen. "The Harmonium in my Memory" ist ein frischer, freier Film mit liebenswerten Charakteren, völlig ohne Kitsch und Klischees, der ebenso aufgezwungenen Humor vermeidet. Viele Szenen sind so lustig, weil sie gleichzeitig so niedlich sind und ich kann euch versichern, dass ich stellenweise Tränen gelacht habe. Ein absoluter Feel-Good-Film, wie er im Buche steht, und wie man ihn sich nur wünschen kann. Mich hat er sehr berührt und ich gehe davon aus, dass er allen, die koreanische Dramen mit lockerem Ton mögen, ebenfalls gefallen wird. Er hat es auf jeden Fall mehr als verdient. 10/10


Originaltitel: Nae maeumui punggeum
Produktionsland: Südkorea
Erscheinungsjahr: 1998
Regie: Lee Young-Jae
Darsteller: Lee Byung-Hun, Jeon Do-Yeon, Kim Jae-In, Lee Mi-Yeon

Review
Da ich derzeit mit dem koreanischen Kino händchenhaltend durchs Leben gehe und derzeit immer nur vereinzelt wirklich empfehlenswerte und innovative Filme zu entdecken gibt, nahm ich mich früheren Filmen an, sprich vor 2000, um nach weiteren Schlagmomenten im selbigen Kino zu suchen. Glücklicherweise nicht umsonst. "The Harmonium in my Memory" wurde im Jahr 1998 inszeniert, zwei Jahre nachdem "The Legend of Gingko" dem koreanischen Kino einen gewaltigen Schubs gab und das Feuer neu entfachte.
Zu dem Zeitpunkt waren in Südkorea kitschbeladene und mit dröhnendem Aufwand belegte Filme noch in weiter Ferne (das kann ich nur im Zusammenhang mit diesem Film so erwähnen, da ich sonst nicht wirklich was gegen "solche" Filme habe), sodass sich Filmemacher erst einmal bemühten, ansprechende Filme zu kreierien, auf die man zugehen und mit den Charakteren mitfühlen kann. So war es auch der Aufgabe von Regisseur Lee Young-Jae, der zu diesem Film zwar noch das Drehbuch verfasste, aber sonst nie mehr etwas im Filmbereich getan hat, was ich sehr schade finde.

"The Harmonium in my Memory" spielt in einem kleinen Ort auf dem Lande, in dessen Zentrum eine Schule steht, sozusagen auch der Mittelpunkt der Story, von der alles ausgeht. Inhaltlich geht es um den 21-jährigen Soo-Ha, der frisch seinen Job als Lehrer an dieser Schule antritt und im Ort gleich noch einen Unterkunftsplatz für sich findet. Er ist anders als die anderen Lehrer auf der Schule, die selbstverständlich um einiges älter sind, jedoch auch rabiatere Methoden entwickeln, Kinder zu erziehen.
Schnell findet Soo-Ha Bewunderung bei den Kindern, allen voran bei der 17-jährigen Hong-Yeon, die sich unsterblich in ihn verliebt. Sie versucht mit allen Mitteln aufsich aufmerksam zu machen, doch Soo-Ha hat indess größeres Gefallen an der vier Jahre älteren Kollegin Frau Yang gefunden, der er zu jeder passenden Gelegenheit hinterherläuft und versucht, Interesse zu erwecken. Doch leider macht einem das Leben öfter einen Strich durch die Rechnung, was nicht nur Soo-Ha, sondern auch Hong-Yeon mit der Zeit einsehen muss.

Hauptdarsteller Lee Byung-Hun erleben wir in seiner ersten Rolle in einem Spielfilm, nur hat man zu keiner Zeit den Eindruck, hier einen Kinodebutant am Start zu haben. Lee spielt so unglaublich locker, mit Milchbubifrisur und blitzblankem, breiten Grinsen und schlichtweg genial, wie man es immer von ihm gewohnt ist. Am meisten erinnert seine Rolle hier an die aus "Once in a Summer" aus dem letzten Jahr, in der er sich ebenfalls einer heiteren Rolle annahm und mit seinem Lachen verzauberte. Wie flexibel er ist beweist demnach seine Rolle in "A Bittersweet Life", in der er einen völlig anderen Charakter darstellt, ganz weg vom heiteren und fröhlichen jungen Mann, hinein in einen gepeinigten und rachesuchenden Menschen.
Einfach unglaublich dieser Mann, gegen den man nichts mehr sagen kann. An seiner Seite spielt Jeon Do-Yeon, die gestern den Preis als beste Darstellerin beim Cannes Festival für ihre Rolle in Lee Chang-Dong's "Secret Sunshine" bekam - herzlichen Glückwunsch nochmals! In "Harmonium in my Memory" spielt sie ein süsses Mädchen, dass sich zum ersten Mal verliebt und alles versucht, ihrem geliebten Lehrer näherzukommen. Das bildet dann auch ein Großteil des Filmes, der sich mit Soo-Ha's Charakter befasst, der sich einer älteren Kollegin hingezogen fühlt, aber von einer Schülerin geliebt wird.
Gottseidank versucht Regisseur Lee Young-Jae keine unnötigen Klischees aufliegenzulassen und konzentriert sich ganz in Ruhe auf seine Charaktere, die wir durch all die lustigen Momente im Film begleiten. Der Film ist mit einer solchen Lockerheit inszeniert, und da man die Darsteller so liebgewonnen hat, vergeht die Zeit wie im Flug, da man einfach gespannt ist, wer denn ins nächste Fettnäpfchen tritt, oder welche Rabauken unter den Schülern wieder Unfug anstellen. Es gibt immer etwas zu lachen, was teils auch an einigen verrückten Nebencharakteren im Film liegt.

Alleine zu Beginn, als Soo-Ha seine erste Unterrichtsstunde beginnen will, er aber von einem zerstruffelten Opa einer Schülerin, der ihr die vergessene Brotbox mitgebracht hat, gestört wird, ist herrlich. Denn: Er war der Dritte, der so kurz hintereinander in die Tür hineingeplatzt kam! Im Film gibt es noch viel mehr herzige Szenen, die von Lee Byung-Hun's Lachen noch um ein Vielfaches verstärkt werden. Man muss einfach mitlachen. Hong-Yeon, sei noch erwähnt, ist ein richtig niedliches Mädchen und das man ein bindendes Verhältnis mit ihr aufbaut, ist nur der genialen Darstellung von Jeon Do-Yeon zu verdanken, die sich in eine Reihe mit Lee Byung-Hun einfügt. Wenn sie ihr verschmitztes Grinsen auflegt ist das unglaublich süss, so süss, dass man lachen muss.
In den letzten 30 Minuten nimmt die Heiterkeit und Lockerheit storybedingt etwas ab, trotzdem wirkt es nie aufdringlich oder wie ein Dampfhammerschlag, wie z.B. in neueren Beiträgen im koreanischen Liebesfilm. Eher nimmt die Konzentration des Zuschauers zu, die Lacher nehmen ab, aber das tut dem Film keinen Abbruch. Das Ende des Films ist zudem sehr berührend und hat mir Tränen in die Augen getrieben, weil es solch süsse Gesten betrifft, Gesten der Liebe und Gesten der Anhänglichkeit.

Neben all den inhaltlichen und darstellerischen Raffinessen ist "Harmonium in my Memory" sehr ansprechend inszeniert, was sicherlich der guten Lage der Drehplätze zugerechnet werden kann. Man fühlt sich als Zuschauer wohl, egal ob in der Schule oder in dem kleinen Ort, dass an den dichten Wäldern grenzt, alles ist heimisch und von einer Schönheit, die zum Ton des Filmes passt. Zwischendrin gibt es sogar einige beeindruckende Winterbilder zu bestaunen, die einen direkt an Shunji Iwai's fabelhaften "Love Letter" erinnern. Auch die Musik bietet einiges. Hier hat man sich für wunderbare Orchestermusik entschieden, die unter die Haut geht und wie das visuelle Gesamtbild erstaunlich gut zum Film selbst passt.
Jetzt habe ich so viel geschrieben, aber ich musste es tun, um meine Faszination gegenüber diesem traumhaften Stück Film zu begründen. "The Harmonium in my Memory" ist ein frischer, freier Film mit liebenswerten Charakteren, völlig ohne Kitsch und Klischees, der ebenso aufgezwungenen Humor vermeidet. Viele Szenen sind so lustig, weil sie gleichzeitig so niedlich sind und ich kann euch versichern, dass ich stellenweise Tränen gelacht habe. Ein absoluter Feel-Good-Film, wie er im Buche steht, und wie man ihn sich nur wünschen kann. Mich hat er sehr berührt und ich gehe davon aus, dass er allen, die koreanische Dramen mit lockerem Ton mögen, ebenfalls gefallen wird. Er hat es auf jeden Fall mehr als verdient. 10/10
