Blue Gate Crossing - Taiwan, 2002*tip*

Hainz
Blue Gate Crossing
T R A I L E R

Regie: Chin-yen Yee

Darsteller: Bo-lin Chen, Lun-mei Guey, Shu-hui Liang, Joanna Chou

Produktion: Taiwan, 2002

Awards:
-Nominiert bei den Hongkong Film Awards 2004 für den besten asiatischen Film
-Nominiert bei den GLAAD Media Awards 2005 in der Kategorie "Outstanding Film"
-Chin-yen Yee nominiert für den Grand Prix Award und Gewinner des "Special Jury Prize" beim Bratislava Film Festival.

Info: IMDB OFDB Review von Asianmovieweb


Inhalt:
Drei Jugendliche in der asiatischen Grossstadt Taipei erleben die Schwierigkeit, sich der eigenen Gefühle klar zu werden und sie ihrer Umgebung kund zu tun. Welche Rolle dabei Freundschaft, Zuneigung und Sexualität spielen, müssen sie immer wieder von Neuem erkunden.
Die Schülerin Yuezhen möchte den attraktiven und beliebten Shihao näher kennen lernen, den sie hoffnungslos anhimmelt. Ihre etwas verträumte Freundin Kerou soll ihr dabei helfen und mit ihm Kontakt aufnehmen. Der ahnungslose Shihao denkt aber, dass Kerou ihn kennen lernen möchte. Mehr und mehr fühlt er sich zu Kerou hingezogen und die beiden finden zu einem Vertrauen, welches ihnen erlaubt, sich aufwühlende Gefühle und Träume zu offenbaren.


Review von Cineman.ch:

"Der Sommer ist bald vorbei, und ich habe gar nichts gemacht", stellt Shihao fest. Seiner Freundin Kerou ergeht es ähnlich. Keinen Schwimmwettbewerb gewonnen, kein Stipendium für die Universität errungen. Und doch sind beide nicht nur einander, sondern vor allem sich selbst in den Monaten, von denen der Blue Gate Crossing erzählt, ein gutes Stück nähergekommen. Ein ungewöhnlicher taiwanesischer Film über das Erwachsenwerden.

Das Werk von Yee Chih-yen ist der dritte von sechs Spielfilmen verschiedener Regisseure, die «Tales of a Changing China», so der Titel des gesamten Projektes, erzählen sollen. In der Schweiz ebenfalls zu sehen war bisher «Beijing Bicycle». Chih-yen entführt das Publikum nun nach Taipei, die Hauptstadt Taiwans.



Die beiden Schülerinnen Kerou (Lun-mei Guey) und Yuezhen (Shu-hui Liang) machen gemeinsam, was man gemeinsam machen kann. Die beiden Teenager besuchen dieselbe Schule, schwänzen den Sportunterricht zusammen, verkleiden sich, tanzen, streifen abends mit dem Fahrrad durch die Stadt und träumen von der Zukunft. Während Kerou keine Ahnung hat, was diese bringen soll, erträumt sich Yuezhen eine Familie mit dem allgemein beliebten Shihao (Bo-lin Chen) als Mann. Der weiss allerdings nichts davon, dass Yuezhen ihn seit Jahren anbetet. Deshalb schickt sie Kerou vor, sie solle den Kontakt herstellen.

Damit allerdings löst sie ein Missverständnis aus: Shihao glaubt nicht an die Existenz von Yuezhen, sondern ist überzeugt, dass Kerou es ist, die sich für ihn interessiert. Er seinerseits findet durchaus gefallen an dem staksigen Mädchen und beginnt, ihr durch die Stadt zu folgen. Ihr kommt dies nicht ganz ungelegen. Nicht, weil sie sich selber in ihn verliebt hätte, sondern weil sie so endlich einen Jungen küssen kann. Dies, hofft sie, werde ihr helfen, über ihre leidenschaftlichen Gefühle für Yuezhen hinwegzukommen.


In der Folge entwickelt sich ein an Intensität ständig zunehmendes Aufeinander-Zu und Von-einander-Weg, in dessen Verlauf Shihao und Kerou sich selbst und einander gegenseitig entdecken. Immer weiter führt Regisseur Yee Chih-yen seine Protagonisten und das Publikum weg von allen Beziehungs-Schemata, die für eine junge Frau und einen jungen Mann bereitstehen. Immer neu müssen die beiden ihre Beziehung definieren, ohne doch selber richtig zu wissen, was sie von einander erwarten. Zu Beginn wiederholt Shihao nur die stereotype Selbstbeschreibung «Shihao, Maturaklasse 975, Gitarrenspieler, Schwimmclub», und auf Kerous mehrfach gestellte Frage, was er von ihr wolle, kann er nur etwas unbeholfen antworten: «Mit dir gehen.» Genauso wenig weiss sie eine Antwort auf seine Fragen, und entsprechend langweilig wird das erste Date. Als beide sich jedoch von der Vorstellung lösen, dass sie sich als Liebespaar begegnen müssen, finden sie einander und lernen dabei, sich selber differenzierter zu beschreiben.

Yee Chih-yen begleitet seine Protagonisten mit offensichtlicher Zuneigung durch die volle Stadt und die leeren Räume eines nächtlichen Hallenbades oder einer verlassenen Schulaula und schafft eine wunderbare Coming-of-Age-Geschichte, die viel über Taipei und über das Erwachsenwerden erzählt.

Mein Kommentar:
Ein liebenswertes kleines Coming of Age-Jugenddrama, der den Alltag dreier Jugendlicher ruhig, schön und unspektakulär erzählt. Die jungen Darsteller machen ihre Sache sehr gut, sie sind richtig sympathisch. Die Regiearbeit von Chin-yen Yee ist ebenfalls lobenswert, weil er seinen Film zwar sehr ruhig erzählt, aber dabei keine Langeweile aufkommen lässt. Ab und an gibt es auch tolle Bilder zu bestaunen, was den Film auch optisch gut aussehen lässt. Der angenehme Score rundet den Film nochmal schön ab.
Der Film ist sehr kurzweilig, die Laufzeit beträgt ca. 80 Minuten. Aber diese 80 Minuten zahlen sich aus. Nicht umsonst wurde "Blue Gate Crossing" bei den Hongkong Film Awards als bester asiatischer Film nominiert.

Ein klasse Film, den ich mir immer wieder reinlegen könnte. Volle Empfehlung!

Zu meiner DVD:

Ich habe die US-DVD von Strand Releasing. Die bietet ein gutes Bild und guten Ton, Original 2.0 Mandarin Ton. Das Bild ist im Widescreen Format. Die Untertitel sind groß und sehr gut lesbar, aber die Untertitel sind fest, nicht optional. Das stört aber nicht.

Hier zwei Screenshots von meiner DVD:

Morty
Hey, mal mehr Aufmerksamkeit hier! Freude

Hainz macht einem das taiwanesische Kino echt schmackhaft. Vor zwei Wochen noch hatte ich damit überhaupt nichts am Hut, geschweigedenn kannte irgendwelche besonderen Filme. Der Trailer zu "Blue Gate Crossing" hat mich auf jeden Fall zu 100% überzeugt. Gekauft wird die US-DVD, die es auch bei Yesasia gibt.

Noch einmal danke an Hainz für den großartigen Thread. Sagenhaft gemacht wie immer! Hammer