Abbitte: Atonement
Es ist zum Glück nicht sehr lange her, dass ich den Trailer zum ersten Mal bewundern durfte, so musste ich nicht all zu lange auf den Film warten. Zunächst sei aber gesagt, dass ich den Trailer zwar von Anfang an sehr gut fand, ihn aber erst nach mehrmaligem Sehen zu Lieben begann. In der letzten Woche vor Deutschlandstart habe ich mir den Trailer, oder besser gesagt die Trailer, mehrmals täglich angeschaut. Selten habe ich einen so interessanten Trailer gesehen, in dem die Szenen miteinander harmonierten und sie mit der Musik als ganzes fast schon ein Meisterstück versprachen. Ich habe mich sehr auf den Film gefreut und für mich war es klar, dass ich ihn gleich am ersten Tag im Kino sehen musste. Und um eines direkt loszuwerden: Meiner Meinung nach ist "Abbitte" ganz großes Gefühlskino. Schauspieler, Musik, Story... Einfach alles konnte mich überzeugen und in den Bann ziehen. Ich habe einen sehr guten Film erwartet, aber was ich bekommen habe, hat meine sehr hohen Erwartungen fast noch übertroffen: Ein Meisterwerk!
Bevor ich auf den Film eingehe möchte ich aber erwähnen, dass ich und meine Begleitung mit Abstand die Jüngsten im Publikum waren. Wir, um die zwanzig, und die nächste Generation hat dann fast bei den Fünfzigern angefangen. Es gab auch sehr viele ältere Menschen, die sich eine Karte gekauft haben, um sich das Kriegsdrama von Joe Wright anzuschauen. Da gibt es nichts dagegen zu sagen, ich freue mich sogar, dass das Kino in der Abendvorstellung am Donnerstag zu drei/viertel gefüllt war, aber ich finde es schade, dass sich keine jungen Leute in den Film getraut haben. Vielleicht war es ja nur in dieser einen Vorstellung so, aber es ist mir sehr ins Auge gestochen.
"Atonement", so der englische Originaltitel, wie auch der deutsche Titel "Abbitte" bedeuten Sühne, eine Buße für eine Sünde, eine Wiedergutmachung... Das ist jedoch nicht nur das Thema des Films, sondern hat weiterführend auch noch eine große Bedeutung.
1935:
Briony Tallis (Saoirse Ronan) ist ein dreizehnjähriges, intelligentes Mädchen. Sie schreibt Bücher und hat in der ersten Szene des Films ihr erstes Theaterstück beendet. Sie hegt Gefühle für Robbie Turner (James McAvoy), einem Dienstjungen. Doch dieser hat Gefühle für ihre Schwester Cecilia (Keira Knightley). Doch diese Liebe wird den beiden jungen Menschen erst bewusst, als Robbie Cecilia einen verhängnisvollen Brief schreibt. Er hat einen unanständigen Brief geschrieben, den er aus versehen in den Umschlag gesteckt hat, den er Briony gibt, um ihn Cecilia zu überreichen. Neugierig wie sie ist, ließt sie den Brief und ist geschockt Wegen der Wortwahl ist sie erschüttert und hält Robbie für einen Triebtäter, da hilft es nicht, dass Robbie und Cecilia in der Bibliothek ihre Liebe zueinander entdecken und von Briony erwischt werden. Als am selben Abend auf dem Grundstück ein Mädchen des Hauses vergewaltigt wird, steht für Briony fest, dass es Robbie war, sie habe ihn gesehen, beteuert sie und dies führt dazu, dass Robbie verhaftet wird und das Leben von allen auf tragische Weise ändert.
1940:
Robbie hat sich dafür entschieden, nicht länger im Gefängnis zu bleiben und ist als Soldat an die Front gegangen. Cecilia hat sich von ihrer Familie zurückgezogen und hält Briefkontakt mit Robbie. Briony Romola Garai) macht eine Ausbildung zur Krankenschwester, weil sie helfen möchte. Sie hat eingesehen, dass sie in der Vergangenheit etwas falsch gemacht hat und bittet um Vergebung, doch mit ihrer Schwester hat sie keinen Kontakt.
Wird Briony ihre Abbitte bekommen? Was geschieht mit Cecilia und Robbie, wird ihre Liebe dem schweren Schicksal und den Krieg überstehen? Dies sind nur ein paar Fragen, die im Laufe des Films noch geklärt werden, und aus dem Grund kann und werde ich auch nicht weiter auf den Filminhalt eingehen. Ich möchte ja nichts verraten!
Eines der interessantesten Dinge an "Abbitte" ist wohl die Erzählstruktur. Sie ist sehr clever und das wurde sehr gut und intelligent umgesetzt. Ein gutes Beispiel ist die Szene, in der Briony aus dem Fenster schaut, sieht, wie ihre Schwester sich vor Robbie einiger Kleider entledigt und später, nachdem sie weggeschaut hat, nass aus dem Brunnen steigt. Man weiß nicht wirklich was passiert ist, jedoch wird genau diese Szene später aus der Sicht von Cecilia und Robbie erzählt, wo sie dann einen Sinn ergibt. Dieses ist nur ein kleines Beispiel, denn der Film strotzt nur vor solcher Szenen, jedoch in der ersten Hälfte häufiger als in der zweiten. Diese Szenen sind sehr gut gemacht und machen die Erzählweise des Films zu etwas außergewöhnlichem.
Diese Erzählstruktur bringt ein paar Wiederholungen mit sich, aber das macht überhaupt nichts, ganz im Gegenteil. Diese verstärken viele Szenen und verdeutlichten einiges. Und ein Satz (oder besser gesagt drei kurze Sätze), der im Film des Öfteren gesagt wurde, habe ich mir stark eingeprägt. "Ich liebe dich. Komm zurück. Komm zurück zu mir!" Dieser Satz hat mir immer und immer wieder das Herz zerbrochen, da er die Liebesgeschichte zwischen Robbie und Cecilia, die auf eine sehr harte Probe gestellt wird, sehr gut darstellt.
Lobenswert fand ich einige Kameraeinstellungen, wobei ich mir wirklich die Frage stelle, wieso sie lobenswert ist, da der ganze Film ein einziges Lob von mir verdient hat. Jedoch gibt es eine Szene im Film, die mich wirklich mitgerissen hat. Eine minutenlange Szene über den Strand von Dünkirchen, ohne einen einzigen Schnitt wird so viel erzählt und ausgedrückt, dass ich wirklich eine Gänsehaut verspürte. Eine der genialsten Szenen, die ich je gesehen habe, wirklich sehr beeindruckend! Aber auch sonst ist die Kameraarbeit nicht zu verachten!
Ebenfalls mehr als nur gut ist der Score. Die Musik in "Abbitte" gehört zu dem Besten, was ich je gehört habe. Zwar ist der Score nicht sonderlich abwechslungsreich, und vieles kennt man schon aus den Trailern, aber der Stil der Musik und somit auch des Films wird konstant fortgesetzt und hat mich in jeder Szene überzeugen können.
Die Geschichte habe ich oben angerissen. Da steckt aber noch viel mehr dahinter. Sie ist perfekt erzählt und in Szene gesetzt, für mich gab es keine Szene, die überflüssig oder gar langweilig wirkte. Jede Szene hatte ihren Sinn, sie bauten aufeinander auf und konstruierten ein Gerüst für eine meisterhafte Erzählung um Liebe, Eifersucht, Verrat, Sühne und Krieg.
Es gibt sehr viele intensive Szenen, die die Tiefe des Film zeigen. Als bestes Beispiel ist das Ende zu nennen, welches ich natürlich hier nicht ausführen werde. Aber ich habe selten eine so geniale Szene gesehen. Nicht nur das was gesagt wurde hat mich gepackt, sondern auch das, wie es dargestellt wurde! Eine weitere Szene wäre da zu nennen, als James McAvoy Charakter weint. Da hätte ich am liebsten gleich mitgemacht, da die Szene wirklich sehr intensiv und auch glaubwürdig rübergebracht wurde. Sehr überzeugend, und das nicht zuletzt wegen James McAvoy Darstellung, zu dem ich gleich noch etwas mehr schreiben werde.
Zu den Schauspielern:
Was soll ich hierzu sagen? Selten habe ich einen Film gesehen, der für mich schon viele Monate vor der Oscarverleihung zu meinen Favoriten gehört. Das gilt nicht nur im Bereich der Schauspieler, sondern auch noch in vielen anderen Bereichen, wobei ich es den Schauspielern ganz besonders gönnen würde und ich wohl jetzt schon einmal die Daumen drücke.
Ich würde sagen, dass die schauspielerische Leistung in "Abbitte" auf sehr hohem Niveau ist. Auch die Nebenrollen haben mir ausgesprochen gut gefallen, jedoch gab es davon einfach zu viele, um sie aufzulisten. Sehr gut fand ich jedoch Vanessa Redgrave, sie hat mir eine Gänsehaut beschafft. Alle anderen Nebendarsteller konnten mich aber ebenfalls überzeugen. Niemand ist mir wirklich negativ ins Auge gefallen!
Briony. Zunächst wird sie gespielt von der dreizehnjährigen Saoirse Ronan, die ihre Roller perfekt meistert. Sie spielt überzeugend und hat eine unglaubliche Präsenz auf der Leinwand! Die achtzehnjährige Briony wird gespielt von Romola Garai, wie die junge Briony ein für mich bis dato unbekanntes Gesicht. Aber ein unbekanntes Gesicht hat nicht zu bedeuten, dass die Leistung der Schauspieler mich nicht fesseln kann, ganz im Gegenteil. Eine Dakota Fanning hätte bestimmt nicht so viel rüberbringen können, wie es Saoirse Ronan getan hat, obwohl ich diese als Jungdarstellerin sehr schätze. Nun aber zur achtzehnjährigen Briony, Romola Garai. Auch sie spielt Briony mit einer solchen Intensität, dass ihre Rolle sehr glaubhaft rübergebracht wurde. Eine sehr gute Leistung.
Keira Knightley spielt Cecilia Tallis. Sie spielt diese Rolle ebenfalls sehr überzeugend und hat es geschafft, mir diese von Anfang an näher zu bringen, sodass ich mit ihr fühlen konnte. Jedoch fand ich, dass die Rolle der Cecilia die undankbarste Rolle war, wenn man das überhaupt so nennen kann, da sie wenig Platz nach oben offen lässt. Der Charakter macht zwar eine Entwicklung durch, jedoch ist diese nicht so stark, wie es bei Briony und Robbie der Fall ist. Aber das macht rein gar nichts, denn Keira Knightley verleiht ihrem Charakter genau die Tiefe, die er braucht. So hat sie es geschafft, mich voll und ganz mitzureißen und zu überzeugen!
Nun zu James McAvoy, meinem Favoriten unten den allesamt sehr guten Schauspielern. James McAvoy habe ich erst letzten Monat zum ersten Mal bewusst in einem Film erlebt. In "Geliebte Jane" hat er mir sehr gut gefallen. Dann habe ich vor ein paar Tagen "Der letzte König von Schottland" gesehen und ich bin fast schon der Meinung, dass er mindestens so gut gespielt hat wie der Oscargewinner Forest Whitaker. Aber das ist meine Meinung. Jedoch hat mir das gezeigt, besonders nachdem ich mit "Atonement" einen weiteren Film mit ihm gesehen habe, dass er es bisher sehr schwer hatte. Kaum Preise, wenig Nominierungen. Und das hat er auf jeden Fall verdient und ich hoffe, dass sich das bei diesem Film ändert, denn ich habe selten eine so gute Leistung bewundern dürfen, die mich gepackt hat und mir in einigen Szenen ein Tränchen ins Auge schießen ließ. Perfekt gespielt!
"Abbitte" ist packend erzählt. Er hat seine spannenden Momente, aber auch sehr viele dramatische. Mit einem davon findet der Film am Ende seinen Höhepunkt, wobei der ganze Film für mich ein einziges Meisterstück darstellt. Das Ende ist sehr intensiv erzählt, ich habe es kaum gewagt, zu Blinzeln. Ich war überrascht, erschüttert, geschockt... Mir sind viele Dinge durch den Kopf geschossen und letztendlich muss ich sagen, dass genau dieses Ende, so wie es ist, ein passendes für den Film darstellt. Es hat bei mir eine Gänsehaut verursacht und fast hätte ich ein Tränchen vergießen müssen. Dies war ein mehr als geniales und würdiges Ende!
Fazit:
Für mich ist "Abbitte" eines der wenigen Meisterwerke, die es gibt. Ein Film, der mich berührt hat. Joe Wright hat einen Film geschaffen, der sich von der Masse abhebt. “Abbitte” ist intelligent und verkörpert eine interessante Geschichte in einer meisterhaften Umsetzung mit faszinierenden Bildern und ausgesprochen guten Schauspielern.
Meisterwerk!
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10/10