Für mich hieß es direkt am Starttag: Ab in den Film. Sei es der ungewöhnliche Stil oder die Regie von Jaume Balagueró, ich habe mich einfach auf den Film gefreut, zumal der Trailer eine Wucht war, ohne viel zu zeigen. Meine Erwartungen an den Film waren dementsprechend ziemlich hoch; Ich hoffte auf einen spannend, nervenaufreibenden Schocker mit toller Optik... Und genau das habe ich bekommen.
Die Story ist schnell erzählt, denn es handelt sich lediglich um eine TV-Moderatoren, die mit ihrem Kameramann eine Nacht lang die Feuerwehr von Barcelona begleitet. Anfangs hat sie für ihre Sendung "Nachts, wenn sie schlafen!" nicht viel zu bieten, bis es zum Einsatz kommt. Eine ältere, verwirrte Frau schreit die Nachbarschaft aus dem Bett, die Feuerwehr muss ran, aber es soll kein alltäglicher Einsatz werden, denn die Frau beißt einen der Männer gefährlich. Doch die anderen können ihn nicht ins Krankenhaus bringen, da das Haus hermetisch abgeriegelt wird, da der Verdacht auf einen Virus in diesem Haus besteht. Noch halten die Bewohner und die Besucher das für Quatsch, bis sie feststellen müssen, dass der Virus die Menschen in blutrünstige Bestien verwandelt, sobald sie gebissen werden. Das Unheil nimmt seinen Lauf, ein Kampf ums Überleben beginnt und die Kamera ist die ganze Zeit dabei!
Beginne ich zunächst mit dem Anfang. Hier wird die Moderatorin eingeführt und sie hat gleich alle Sympathien auf ihrer Seite. Sie ist hübsch und sehr sympathisch. Diese Einführung dauert nicht sehr lange, dennoch fiebert man hier schon fast danach, dass die Spannung beginnt. Aber die lässt nicht lange auf sich warten, denn sobald der Notruf kommt und sich die Feuerwehrmänner mitsammt der Kamera auf den Weg machen, steigt die Spannung kontinuirlich.
Zunächst ist die Atmosphäre recht düster und bedrohlich. Man weiß noch nicht genau, wie sich das Geschehen entwickeln wird. Doch dann, nachdem das erste Opfer gefunden und das Haus hermetisch abgeriegelt wurde und die eingesperrten Menschen sich auf die Suche nach einem weiteren Ausgang machen, erkennt der Zuschauer, dass der Weg nach draußen aussichtslos ist.
Zunächst wittert die TV-Moderatorin einen Skandal und interviewt die Hausbewohner, wodurch das Geschehen ein wenig aufgelockert wird. Aber dann geschieht das, was kommen musste: Der Virus bricht vollkommen aus und hinterlässt eine blutige Spur. Blankes Entsetzen und Panik machen sich breit, die Menschen versuchen sich in Sicherheit zu bringen, was aber nicht wirklich gelingen will, da ein Bewohner nach dem anderen mit dem Virus infiziert wird und Blut wittert.
Nachdem [REC] also etwas langsamer startet und die Spannung kontinuirlich steigt, wird es nachher fast unerträglich. Ich habe selten einen Film gesehen, der so Spannend ist und bei dem ich so mitfiebern konnte, wie ich es hier getan habe. Die Thematik ist dafür aber nicht verantwortlich, sondern die Art der Umsetzung, weil hier wirklich alles stimmt.
Die Wackelkamera ist zwar nicht neu, aber immer noch ein ungewöhnliches Stilmittel. Hier stört sie eigentlich gar nicht, sondern fördert die Spannung und verstärkt das Gefühl, mittendrin im Geschehen zu sein. Jeder kennt "The Blair Witch Project" und noch in diesem Jahr lief "Cloverfield" im Kino, aber [REC] hat diesen Filmen meiner Meinung nach etwas voraus. "The Blair Witch Project" polarisiert, aber man kann dem Film nicht abschlagen, dass er innovativ ist. Was man hier zu sehen bekommt war neu und realistisch. Bei "Cloverfield" ist das anders. Dieser Film ist ein Blockbuster, hat viel Action und benutzt dieses Stilmittel ohne wirklichen Grund, oft habe ich mich gefragt, wieso man in einer solchen Situation die Kamera laufen lässt, aber das ist wieder etwas anderes. Die Wackelhamera wurde für die Zuschauer eingesetzt, weil diese Art Film nicht alltäglich ist, aber in [REC] gibt es dafür einen Grund. Die Thematik sagt, dass die Moderatorin eine Dokumentation dreht und als sich die Lage zuspitzt soll der Kameramann weiter draufhalten, weil es eine gute Story wäre. Weiter dient die Kamera als Nachtsichtgerät und Lampe, eigentlich ein praktisches Gerät. Und für meinen Geschmack kommt dadurch ein gewisser Grad an Authenzität rüber, den ich zumindest bei "Cloverfield" vermisst habe.
Wenn ich jetzt schon einen kleinen Vergleich anstelle, dann muss ich das auch bei der Atmosphäre tun, denn auch hier liegt [REC] meiner Meinung nach weit vorn. Keiner der beiden genannten Filme haben eine solche Atmosphäre wie [REC] es hat. "The Blair Witch Project" ist zwar auch recht authentisch, aber schafft es nur wenig, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. "Cloverfield" setzt in diesem Bezug eher auf seichte Spannung und Action, während [REC] dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, dabei zu sein. Die Atmosphäre ist sehr düster und durch die authentische Umsetzung musste zumindest ich wirklich mitfiebern, was bei Filmen sehr selten passiert. Besonders die letzte halbe Stunde ist äußerst spannend und man kann als Zuschauer richtig mitfiebern, wenn man sich darauf einlässt. Ich konnte mich kaum auf dem Sitz halten, weil der Film mich wirklich mitgerissen hat, und das bis hin zur letzten Sekunde, bis hin zum Ende, welches ich wirklich gut fand.
Was ich leider leider sagen muss ist, dass die Schockeffekte nicht ganz so sitzen, wie ich mir das erhofft habe. In den meisten Trailern hat man das Kinopublikum in eine Preview sitzen sehen, wie sie zusammenzucken, Angst haben, sich die Augen zuhalten oder kurz davor stehen, loszuschreien. Nachdem ich [REC] gesehen habe fand ich das doch ein klein wenig übertrieben. Nichts gegen die Spannung, die ist wirklich einmalig, man kann wirklich die ganze Zeit über mitfiebern, aber so viele Schocks waren nun auch nicht im Film vorhanden. Teilweise konnte man sie sogar erahnen, was mich jedoch nicht daran gehindert hat, mich gerade bei einer solchen Szene zu erschrecken. Leider blieb es bei diesem einen Mal, was ich aber auch nicht weiter schlimm finde, da der Film sonst noch einiges zu bieten hatte. Ich hätte mir vielleicht ein paar Schockeffekte mehr gewünscht, aber so hat mir das auch vollkommen gereicht.
Schauspielerisch wüsste ich nicht, was es hier zu erwähnen gäbe außer Manuela Velasco. Sie spielt Ángela, die sensationsgeile TV-Reporterin, sehr überzeugend. Sie ist hübsch anzusehen und trotz ihrer Sensationslust sehr sympathisch, alleine schon wegen ihrem Auftreten und den ersten zehn Minuten, in denen sie dem Zuschauer etwas vorgestellt wird. Sie steht eigentlich fast immer vor der Kamera und weiß zu überzeugen, wenn sich die Lage zuspitzt, fiebert man besonders mit ihr mit. Weiter gibt es nur Nebenrollen zu sehen, die solide spielen. Einige Charaktere sind aber wirklich zum Schießen, denn während der Interviews gab es zwei Szenen, in denen ich mich vor Lachen kaum mehr auf dem Sessel halten konnte. Die Charaktere sind zwar ein wenig klischeehaft, aber teilweise sogar witzig, was einen sehr guten Kontrast gegenüber der ernsten Thematik darstellt.
Den Regiestuhl teilten sich Jaume Balagueró und Paco Plaza und ich muss wirklich sagen, dass sie ihre Sache mehr als gut gemacht haben. Ich habe selten einen solch spannenden und authentischen Film gesehen. Paco Plaza kannte ich vorher nicht, aber alleine wegen Jaume Balagueró habe ich meine Erwartungen sehr hoch angelegt, da er mit "Fragile", "Darkness" und "The Nameless" wirklich gute Filme gemacht hat. Für mich ist [REC] bisher jedoch seine beste Regiearbeit. Das Drehbuch, welches er auch geschrieben hat, ist zwar nicht sehr anspruchsvoll, aber wer erwartet das schon bei einem Film mit einer solchen Thematik?
Fazit:
[REC] ist ein sehr spannender und äußerst authentischer Horrorfilm aus Spanien, der langsam beginnt, aber dann immer spannender wird und den Zuschauer kaum mehr auf dem Sessel halten kann, weil er zum mitfiebern einläd. Selten habe ich einen so spannenden und außergewöhnlichen Horrorfilm gesehen! Klasse!
9/10