DER NACHFOLGENDE BEITRAG ENTHÄLT NICHT MARKIERTE SPOILER ZUM FILM REC!!!
So. Auch ich bin endlich in den Genuss des neuen Films von Regisseur Jaume Balaguero gekommen, von dem ich persönlich wirklich viel halte. Sowohl Darkness, vor allem aber Fragile, haben mir sehr gut gefallen. Was ich an Balaguero jedoch ganz besonders mag, ist, dass seine Filme zwar dem Horror-Genre angehören, aber sich deutlich voneinander unterscheiden. Er macht immer wieder was Neues und für mich zählt er einfach zu den besseren Horror-Regisseuren unserer Zeit. Und auch REC war wieder ein sehr überzeugendes Werk.
Ich muss zugeben, dass ich mich sehr auf diesen Film gefreut habe und ich auch die entsprechend hohen Erwartungen mit in die Vorstellung genommen habe. Mein persönlicher Wunsch wäre es ja gewesen, REC in einem komplett besetzten Kinosaal zu erleben. Gerade wegen den Schockszenen. Das wäre mit Sicherheit witzig gewesen, all den anderen Leuten beim Zucken zuzusehen.

Leider waren aber, ausser unserer Gruppe, gerade einmal noch 8 weitere Kinogänger in der Vorstellung anwesend.
Der Film ist sehr speziell. Der Handkamera Styl gefällt nicht jedem, was ich heute auch ganz eindeutig bei meinen Begleitern feststellen musste. Ich muss ja ganz ehrlich sein und sagen, dass ich den Hype um The Blair Witch Project absolut nicht verstehen kann. Der war mir dann doch zu langgezogen und wenig spannend inszeniert. REC ist da ganz anders. Trotz einer nicht ganz so gelungenen Synchronisation (hätte ihn mir gerne in OmU angesehen, aber leider lief der nirgends in der Nähe in der Form und REC ist halt ein Film, der im Kino gesehen werden muss) ist er sehr intensiv und dieses "Mittendrin-Gefühl" war auch da - obwohl es sich natürlich von alleine versteht, dass die Wirkung zu Hause dann auf DVD oder beim 2. Kinobesuch erheblich nachlassen wird.
REC beginnt wenig aufregend. Die Reporterin wird eingeführt und sorgt auf Anhieb für Sympathien - auch wenn sie im späteren Verlauf zu sehr auf die Medien aus ist, so empfand ich sie niemals als nervig. Ausserdem war sie die einzige Identifikationsfigur. Der Rest, der Kameramann inklusive, wird nur oberflächlich behandelt. Man fiebert im Grunde genommen also nur mit der Hauptfigur mit, aber da dafür umo extremer. Mir persönlich waren evtl. zu viele Charaktere im Bild. Mir gefiel der Film wesentlich besser bzw. er war einfach "bedrohlicher", als nur noch Angela und ihr Kameramann übrig geblieben sind. Aber okay, ohne Bewohner keine Infizierten, oder?
Sobald man am Ort des Geschehens ist, kommt der Wagen langsam aber sicher immer mehr ins Rollen. Leider gibt es zu Beginn viel Leerlauf, so dass der Streifen über gewisse Anlaufschwierigkeiten verfügt, über die man aber locker hinwegsehen kann. Schade ist es jedoch, dass sich in dem Spielraum ein paar unfreiwillig komische Szenen in den Film geschlichen haben, die den ohnehin schon schleppend anheizenden Spannungsbogen wieder abkalten liessen.
Das letzte Drittel jedoch war an Spannung kaum mehr zu übertreffen. Da wurde es richtig intensiv und als Zuschauer hat man nur noch die Gelegenheit nach einem Gegenstand zu greifen, um nicht etwa in den Arm des Nachbars zu kneifen, während man sich immer tiefer in den Kinosessel bohrt, um dem Finale entgegenzufiebern. Mein Herz ist gerast und hat geklopft ohne Ende. Der Schlussakt war wirklich hochspannend. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann mich ein Film zum letzten Mal so sehr mitgerissen hat. Auch wurde er immer unheimlicher und die Angst bzw. die Panik der Charaktere hat sich fast schon auf den Zuschauer übertragen.
Weniger gelungen sind die Schockeffekte - auch in diesem Punkt muss ich mich der Kritik von RickOne anschliessen. Denn diese werden tatsächlich immer angekündigt und erzielen daher nicht den Effekt, wie beim Sneak Publikum oder den normalen Kinogängern. Denn die wenigen Personen, die in der gleichen Vorstellung wie wir waren, sind häufiger aufgesprungen. So was finde ich immer wieder witzig zu beobachten, denn manchmal reicht ein lauter Knall, der durch eine herabfallende Vase verursacht wird, bereits aus, um gewissen Zuschauern einen Schrecken einzujagen. Ich muss leider sagen, dass bei mir keiner der Schockszenen so richtig gezündet hat. Man weiss einfach immer bescheid, wann was kommt. Das war leider zu offensichtlich.
Ich bin ein riesiger Fan von Zombies, aber so wie in REC habe ich sie selten gesehen. Nicht nur, dass durch den dokumentarischen Styl alles wesentlich echter bzw. realistischer wirkt. Auch waren die "Untoten" nicht zu überschminkt, sondern haben ihre menschliche Form beibehalten. Hier wurde der Grusel nicht durch die verweste Haut oder das entstellte Gesicht übermittelt, sondern über die Art der Wesen. Mir lief es da wirklich einige Male eiskalt den Rücken herunter.
Letztendlich war REC ein schönes Kinoerlebnis. Balaguero ist mit dem Film ein sehr intensiver, "realistischer" bzw. authentischer Horrorfilm gelungen, der weiss, wie man Spannung zum Höhepunkt treibt. Auch wenn in den ersten zwei Dritteln einige Schwächen vorliegen, so geraten diese Kleinigkeiten durch den starken dritten Akt wieder in Vergessenheit. Bitte mehr davon - Diary Of The Dead kann kommen.
8/10