"Prom Night" lief bei mir in der Sneak Preview und darüber bin ich wirklich froh. Dem vollen Preis hätte ich nach dem Film nämlich hinterhergetrauert. An und für sich hat der Film ein gewisses Grundpotenzial, welches jedoch gar nicht genutzt wurde. So verkommt die solide Idee in einem harmlosen und ziemlich belanglosen Slasher ohne jeglichen Höhepunkt.
Das Original wird oft als kleiner Klassiker des Slasher-Genres bezeichnet, aber ich frage mich wirklich, wie der Film zu dieser Ehre kommt. Für meinen Geschmack ist er einfach nur langweilig und lahm, da hat das Remake alleine schon von der Optik her mehr zu bieten. Zwar ist das vollig zu Unrecht bezeichnete Remake auch nicht das Gelbe vom Ei, aber hat mir immerhin ein klein wenig besser gefallen als das Original von 1980, auch wenn er nicht über das Mittelmaß reicht. Und wieso zu Unrecht bezeichnetes Remake? Weil alles anders ist! Das fängt schon bei der Grundstory an. Im Film von 1980 starb ein junges Mädchen beim Spielen, da sie von den anderen Kindern in die Ecke gedrängt wurde und schließlich aus dem Fenster gestürzt ist. Jahre später rächt sich eine düstere Gestalt an den Kindern von damals und bringt einen nach den anderen in der "Prom Night" um.
Ich würde eher von einer Neuauflage sprechen, denn abgesehn von der "Prom Night" und einem Killer, der Teenager umbringt, hat er kaum etwas mit dem anderen Film zu tun. Andere Kulissen, eine andere Grundthematik, andere Charaktere... einfach alles ist anders. Für mich also alles andere als ein Remake, man kann ja noch von einem Remake sprechen, nur weil es sich um einen Slasher handelt.
In dem modernen "Prom Night" geht es um Donna, die vor drei Jahren nach einem Kinobesuch ihren toten Vater und Bruder vorfindet und dann mit ansehen muss, wie ihre Mutter von einem ihrer Lehrer ermordet wird. Der fanatische Lehrer kommt meilenweit entfernt ins Gefängnis, bricht jedoch am Tag ihres Highschoolabschlusses aus und macht sich auf den Weg, die Liebe seines Lebens zu finden. Donna lebt inzwischen bei ihrer Tante und ihrem Onkel, versucht ein normales Leben zu leben und freut sich auf den Abschlussball. Doch die 100.000 Dollar teure Party sowie die Luxus Suite entpuppen sich für Donna und ihre Freunde als Todesfalle.
Todesfalle... Zwar stimmt das, aber selten wurde eine Todesfalle so langweilig dargestellt. Das mag zum einen daran liegen, dass der Film immer das gleiche Schema verfolgt und zudem so vorhersehbar ist wie ein weiterer Teil von SAW oder dass der nächste Sonntag kommen wird. Wenn man bei einem Slasher weiß, was in der nächsten Szene passieren wird, dann kann keinerlei Spannung aufkommen, und genau das ist bei "Prom Night" passiert. Es gibt einfach keinen Höhepunkt, der Film plätschert eher vor sich hin, ohne das groß etwas passiert oder man mitfiebern könnte. Es gibt lediglich zwei solide Szenen, eine spielt auf einer Baustelle im Hotel und eine gibt es am Ende des Films zu sehen, aber diese zwei Szenen können den Film auch nicht mehr in das Mittelmaß retten.
Ganz mies möchte ich den Film jedoch nicht reden, da er doch ziemlich unterhaltend war. Ob man das als Notstrohhalm nimmt um nicht vor Langeweile zu vergehen oder es wirklich eine positive Eigentschaft des Films ist, sei jedem selbst überlassen. Aber so viel unfreiwillige Komik wie in diesem Film habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Der Film nimmt sich eigentlich recht ernst, um so trauriger ist es, dass man sich in vielen Szenen ein Grinsen nicht unterdrücken kann. Und woran liegt es? Natürlich an Klischees ohne Ende und Dialogen, die zum Himmel schreien. Die Dialoge sind stellenweise ziemlich dumm und machen nach einer Weile keinen Spaß mehr und ich glaube es gibt kein einziges Klischee, welches ausgelassen wurde. So kann man sich einen Film auch versauen, aber "Prom Night" wurde ja sowieso von anfang für ein bestimmtest Publikum gemacht, sodass all das kaum verwunderlich ist.
Das bestimmte Publikum nenne ich jetzt einmal: amerikanische Teenager zwischen 13 und 15... Die werden sich bei dem Film bestimmt bestens unterhalten. Das dies die Hauptzielgruppe ist merkt man an den gigantischen Einspielergebnissen am Wochenende, in der Woche über müssen sie ja in die Schule. Diesen Trend hat man in den letzten Monaten bei keinem Film so extrem gesehen, wie bei "Prom Night". Aber da ist ja auch nichts verwerfliches dran, dann wäre der Film halt ein wenig klischeehaft und blutarm, aber dann hätte wenigstens etwas Spannung vorhanden sein müssen. Aber wie schon geschrieben, wird auch die vermisst.
Einen Slasher ab 13 (oder halt 12) freizugeben würde es hier in Deutschland nicht geben, alleine schon von der Thematik her. Ein Slasher handelt von einem Mörder, der irgendwelche Leute, vorzugsweise Teenager, ermordet. Ein Film muss nicht blutig sein, um zu gefallen, aber die Morde sollten auf jeden Fall realistisch aussehen. Wenn dann die Leiche auf dem Boden liegt, drei kleine rote Flecke an der Kleidung hat, weil dem Opfer mit drei Stichen der Garaus gemacht wurde, ist das einfach nur unrealistisch und zeigt, dass auf alles verzichtet wurde, um ein breiteres und vor allem jüngeres Publikum anzusprechen.
Wie schon geschrieben verfolgt der Film immer das gleiche Schema. Person geht in die Luxus Suite, wird entweder ermordet oder kommt wieder runter auf die Party. Luxus Suite, Party, Luxus Suite, Party... Das wird dann nach einer Zeit langweilig, zumal man vorher schon weiß, was noch so alles auf einen zukommen wird.
Die ganze Party ist mir auf die Nerven gegangen. Das lag an den Gesprächen der Hauptcharaktere, einer nervigen Nebendarstellerin, die unbedingt zur Prom Queen gekührt werden wollte bis hin zu einem DJ, der von seinem Balkon hätte fallen sollen. Auch ging mir die Musik ziemlich auf die Nerven, sie verbreitete keine Stimmung sondern hat zumindest mich die Augen verdrehen lassen. Okay, der Soundtrack ist wirklich beachtlich, was da nicht alles für Songs gespielt wurden, aber das machte fast fünfzig Prozent des Films aus, was nachher wirklich schrecklich war. Und dann gab es auch noch einen Song von Tokio Hotel, den ich zum Glück nicht erkannt habe. Schlimm!
Schauspielerisch ist der Film vollkommen austauschbar, abgesehen vom Killer. Johnathon Schaech hatte stellenweise einen Ausdruck im Gesicht, der richtig psychopathisch aussah. Das war aber auch die einzige gute schauspielerische Leistung im ganzen Film. Brittany Snow konnte höchstens mit ihrem Auftreten punkten, sonst war ihre Leistung eher schwach. Die anderen Schauspieler brauche ich gar nicht zu erwähnen. Aber ich weiß auch genau, woran das liegt: Die stereotypischen Charaktere! Die Schauspieler waren einfach nicht gefordert, sie verkörperten 08/15 Teenager wie in so vielen anderen Horrorfilmen, wie sollten sie in diesen klischeehaften Rollen überzeugen?
Regisseur Nelson McCormick hat bisher entweder fürs TV Filme gedreht oder einige Folgen von Serien gemacht, wodurch er sich in den letzten Jahren vorwiegend auszeichnete. "Prom Night" ist sein Kinodebüt, jedoch wäre er lieber beim TV geblieben oder würde es bei dieser einen Arbeit belassen, aber nein... Er ist auch der Regisseur des Remakes "The Stepfather"... Ob das etwas wird? Man kann sich überraschen lassen, aber das Projekt sehe ich jetzt auf jeden Fall mit anderen Augen.
"Prom Night" möchte ein Slasher sein, versagt genretechnisch aber vollkommen. Sei es die nicht vorhandene Spannung oder die "verhunzten" Morde. Aber auch in Sachen Klischees übertreibt der Film es vollkommen und wirkt durch die recht dummen und stereotypischen Charaktere lediglich unfreiwillig komisch und in keinster Weise bedrückend. Der Teenie-Slasher war anfang der 80er Jahre Mode und erlebte in der zweiten Hälfte der 90er Jahre mit "Scream" eine Art Widergeburt. Da zu dieser Zeit ein Slasher nach dem anderen aus dem Boden geschossen ist, gibt es inzwischen kaum etwas neues zu bieten. Klischees mögen in diesem Genre okay sein, aber wenn einem nichts mehr geboten wird, dann sollte von Teenie-Slashern die Finger gelassen werden.
Fazit:
Was für ein langweiliger Film. Als Remake angepriesen hat der Film wenig mit dem Original zu tun, ist aber fast genau so schlecht. Null Spannung, unfreiwillige Komik, schlechte Schauspieler und nervende Musik sowie Klischees ohne Ende machen den Film zu keinem Sehvergnügen. Er plätschert nur vor sich hin, ohne dass wirklich etwas passiert. Zwei solide Szenen und nette Kulissen können den Film auch nicht in den Durchschnitt retten. Schade.
4,5/10