Eine Geschichte über eine Freundschaft, die keine ist. Und doch mehr ist als eine Freundschaft. Eine Komödie, die nicht zum lachen ist. Und doch mehr Humor besitzt als man auf den ersten Blick zu sehen vermag. Das ist
EIN FREUND VON MIR. Ein leiser Film – nicht vom Ablauf her, sondern von den Emotionen die er behandelt und im Zuschauer auszulösen vermag.
Auf der einen Seite Karl (Daniel Brühl), ein brillanter Mathematiker, erfolgreich im Job, aber nicht in der Lage aus sich herauszugehen und seine eigene Haut abzustreifen. Auf der anderen Seite Hans (Jürgen Vogel), ein liebenswerter Dummkopf, der einfach nur Spaß haben will, aber dennoch den Blick für Kleinigkeiten nicht verliert. Wer von beiden führt nun das bessere, das wertvollere Leben ? Wer von beiden bewegt mehr in der Welt ? Wer von beiden ist der Glücklichere ?
„Bist Du glücklich?“ fragt Hans ganz am Anfang seinen neuen Kollegen Karl. Doch Karl ist noch nicht mal in der Lage, Glück zu definieren. Für Hans bedeutet Glück nachts nackt mit einer Klapperkiste über die Autobahn zu brettern, die rückwärts genauso schnell wie vorwärts fährt. Dass die Heizung nicht funktioniert, das Schiebedach nicht schließt und man bei Regen oder Kälte immer mit Mütze, Schal und dickem Mantel fahren muss, das juckt Hans nicht. Nicht für alles Geld der Welt würde er seine Karre gegen ein funktionierendes Auto eintauschen wollen. Etwas, das so gar nicht in Karls perfekte und sterile Welt passt, in der er sich eigentlich nicht zu Hause fühlt. Doch bis dahin hatte er sich praktisch in sein Schicksal ergeben … weil es ihm gut geht. Bis zu dem Zeitpunkt, als er Hans kennenlernt. Und plötzlich gewinnen die scheinbar einfachen Dinge einen Wert. Doch ist Karl bereit, seine gewohnte Welt aufzugeben und der zu sein, der er gerne sein möchte ?
EIN FREUND VON MIR ist ein Film, der einen ganz schleichend in seinen Bann zieht. Eine relativ banale Story um Freundschaft und Selbstfindung, eigentlich auch eine ganz banale Umsetzung. Und doch ist es wahrscheinlich gerade diese Einfachheit und Schlichtheit, die diesen Film zu etwas besonderem macht. Das … und natürlich die beiden Hauptdarsteller Daniel Brühl und Jürgen Vogel. Brühl mit seiner Allerweltsvisage ist ideal für die Rolle des Karl, Vogel darf wieder einmal den etwas abgedrehten Charakter nd vermeintlichen Loser spielen. Mittendrin noch Sabine Timoteo als Stelle, Freundin von Hans (und später auch von Karl), die scheinbar eine untergeordnete Rolle zu spielen schein, aber in Wirklichkeit der Fixpunkt von beiden Männern ist.
Es fällt schwer, die Besonderheit von
EIN FREUND VON MIR in Worte zu kleiden. Es sind die vielen Kleinigkeiten dieses Streifens, die leisen (und manchmal auch lauten) Untertöne und die oftmals gar nicht so offensichtlichen Zwischenmenschlichkeiten, die diesen Film liebenswert machen.
Ein Grund für das Funktionieren dieses Projekts war wahrscheinlich auch die Harmonie zwischen den drei Darstellern und auch dem Regisseur Sebastian Schipper. Vogel und Brühl sind auch vom Schauspielertyp her völlig unterschiedlich, scheinen aber genau daraus Stärke für den Film zu gewinnen. Im ‚Making of’ kann man sehen, wie oft sich die Darsteller nach gewissen Szenen immer wieder gegenseitig aufgefangen haben und wie wichtig die Gefühlsebene auch hinter der Kamera war. So gibt es Szenen von den Dreharbeiten wo Vogel einerseits emitional so mitgenommen war, dass er Tränen in den Augen hatte … aber auch Szenen, wo er mal wieder den Psycho-Spaßvogel gibt und daraufhin von Brühl zurecht als Klaus Kinski bezeichnet wird.
EIN FREUND VON MIR begeht nicht den Fehler, auf die emotionale Tränendrüse zu drücken oder den moralischen Zeigefinger zu erheben. Im Gegenteil, der Film ist schlicht und einfach … und authentisch. Ein Film über eine Freundschaft jenseits der üblichen Grenzen und Einschränkungen. Wenn immer wieder behauptet wird, dass der Deutsche Film nur Kriegsdramen und sinnlose Klamaukstreifen hervorbringen könnte, der wird bei
EIN FREUND VON MIR eines besseren belehrt. Und wer schon immer wissen wollte, wie es ist mit 200 Stundenkilometern nackt in einem Porsche über die nächtliche Autobahn zu bretten und sich danach die Klamotten klauen zu lassen …
Bewertung : 9 / 10