Am Mittwoch lief "Der Nebel" bei mir in der Sneak Preview.
Bevor ich anfange, etwas über den Film zu schreiben, möchte ich, wie auch schon vor zwei Wochen bei "Ich weiß wer mich getötet hat" schreiben, wie die Zuschauer auf den Film reagiert haben und wie die Stimmung im Kino war, bevor ich dann zum eigentlichen Film und meiner Meinung komme.
Ich war erschrocken, als ich sehen musste, dass die Sneak Preview am Mittwoch von einem 280 Plätze Kino in das fast 500 Plätze Kino verlegt wurde. Ich wollte schauen wo ich mit meinen Freunden nun sitze und bin fast vom Stuhl gekippt, als das Kino alleine schon wegen der Vorreservierungen fast ausverkauft war. Im Kino war schließlich kein Sitz mehr frei, noch nicht einmal in den ersten Reihen. So heftig habe ich das noch nie erlebt, das Kino hätte bestimmt noch einen zweiten Saal füllen können. Einerseits fand ich es gut, mit so vielen Leuten im Kino zu sitzen, weil es immer eine sehr gute Atmosphäre ist, aber in der Sneak Preview ist das immer etwas anderes. Je nachdem was für ein Film läuft, wird es ziemlich laut, die Leute reden, machen sich über bestimmte Szenen lustig und kommentieren viel. Das war bei "Ich weiß wer mich getötet hat" so, aber zum Glück war es bei "Der Nebel" gut portioniert.
Bei den witzigen Stellen wurde gelacht, bei den Szenen, bei denen man sich über Handlungen der Charaktere freute, wurde laut applaudiert, in Szenen, in denen die Charaktere einfach nur dumm handelten, kam ein OH MANN aus sämtlichen Ecken. So macht die Sneak spaß. Es war spaßig, aber man konnte den Film richtig genießen!
Kritik:
Den Trailer von "Stephen Kings: Der Nebel" fand ich von Anfang an eher weniger überzeugend. Nach mehrmaligem Sehen gefiel er mir zwar besser, doch erst der deutsche Trailer konnte mich mehr überzeugen. Um so überraschter war ich, dass mir der Film sehr gut gefallen hat und mich von der ersten bis hin zur letzten Minute überzeugen konnte.
Ich bin ein großer Stephen King Fan und habe so ziemlich jedes Buch von ihm gelesen. Seine Kurzgeschichte "Der Nebel" kannte ich jedoch nicht. Zwar habe ich die Geschichte zu Hause liegen und werde sie auch bald einmal lesen, aber was ich weiß ist, dass das Ende in der Geschichte ein ganz anderes ist als das im Film... Und das Filmende gefällt mir komischer Weise sehr viel besser. Aber ich möchte ja nicht beim Ende anfangen, sondern beginne erst einmal mit der Story.
In der Nacht herrscht ein Sturm und ein Baum stürzt in das Haus des Künstlers David Drayton (Thomas Jane). Am nächsten Morgen fährt er mit seinem Sohn in den Supermarkt und lernt Amanda Dunfrey (Laurie Holden) kennen. Kurz darauf bricht die Hölle los. Eine dichte Nebelwand kommt mit hoher Geschwindigkeit auf das kleine Örtchen zu, ein Mann läuft blutend über den Parkplatz und schreit, dass in dem Nebel etwas wäre, was einen Freund von ihn "geholt" hat. Die Menschen verschanzen sich im Laden, doch als der Generator verstopft und repariert werden muss, wird ein Mitarbeiter des Supermarktes angegriffen, brutal verletzt und "mitgenommen". Kaum einer möchte den Zeugen glauben. Und da ist es nicht gerade hilfreich, dass Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden) von der Apokalypse spricht und die Menschen versucht, auf ihre Seite zu ziehen. Aber nicht nur das fordert Opfer, den die Menschen im Laden werden von merkwürdigen Wesen angegriffen. Und die Situation scheint sich nicht zu verbessern, ganz im Gegenteil…
Das ist ein kleiner Abriss von dem, was während des Films passiert und da kommt noch eine ganze Menge. Denn wer glaubt, dass der Film 127 Minuten geht und eine lange Einführung hat, der irrt sich gewaltig, denn es geht bereits nach knapp zehn Minuten los. Aber dass man die Charaktere kennen lernt, dafür ist während des Films gesorgt. Während all dies passiert lernt man einiges über die Charaktere, wie sie sind und wie sie handeln. Die Hassfigur kommt bereits in den ersten zwanzig Minuten hervor, die Sympathieträger aber auch. Und genau das wird im Laufe des Films vertieft.
Um noch etwas zu den Charakteren zu sagen: Manchmal waren sie echt dumm. Ich möchte das jetzt nicht wirklich kritisieren, aber bei ein bis zwei Aussagen habe ich mir an den Kopf fassen müssen, zumal diese gar nicht zum Rest passen. Auch gab es ein paar Szenen, in denen die Charaktere etwas dumm handelten, was jedoch ziemlich viel Spannung hervorbrachte und das wohl das Ziel war. Ich habe mich manchmal wirklich gefragt, wieso sie jetzt nicht weglaufen oder wieso sie dies tun? Kein vernünftiger Mensch hätte es gemacht, aber weil es im Film gemacht wurde, wurde ein wenig mehr Spannung erzeugt und ein gewisser Nervenkitzel. Das hätte der Film zwar nicht nötig gehabt, aber im Endeffekt war es überhaupt nicht so schlimm.
Wenn ein neuer Film nach einer Vorlage von Stephen King angekündigt wird, dann bin ich immer ein wenig vorsichtig. Denn sehr viele Verfilmungen von Stephen King sind richtig mies. Gute gibt es selten, aber es gibt sie. "Die Verurteilten", "The Green Mile", "Misery" und vielleicht noch ein paar andere. Sehr viele Verfilmungen reichen nicht an die Klasse der Romane heran. So hatte ich auch bei der neusten Verfilmung nach einem seiner Texte die Angst, dass das in die Hose gehen könnte. Dem ist aber nicht der Fall und ich möchte behaupten, dass Frank Darabont (Regisseur, Produzent und Drehbuchautor des Films) dem Film gut getan hat, da er die sehr gute und interessante Grundidee nicht verhunzt hat.
Der Film hat einige Szenen, die wirklich erschreckend sind. Schockmomente gibt es zwar nur wenige, aber es sind eher die Handlungen der Menschen, die erschrecken. Aber es gibt auch ein paar Szenen, die mich sehr überrascht haben, was den Blutgehalt angeht. "Der Nebel" ist kein Splatter-Fest, das auf keinen Fall, aber es gibt schon ein paar heftige Gore-Szenen, die ich nicht in diesem Film vermutet hätte. Der Gore-Anteil ist aber wohl portioniert eingesetzt und es wird so gut wie nie übertrieben, höchstens in einer Szene.
Der Film spielt mit den Ängsten der Menschen. Eingesperrt sein, Ungewissheit, die Angst davor seine Liebsten nicht wieder zu sehen, der Weltuntergang, mordende Wesen... um nur ein Paar Beispiele zu nennen. Einige dieser Ängste können sehr gut rübergebracht werden und dadurch entsteht eine sehr düstere Atmosphäre, von der der Film in seinen stillen Momenten lebt.
Zum Teil ist es die Atmosphäre, die für Spannung sorgt, auf der anderen Seite sind es aber die Konflikte zwischen den Menschen im Supermarkt und wiederum auch die Wesen, welche immer mehr Opfer fordern. Nicht nur die Charaktere sind im Unwissen, sondern auch die Zuschauer. Man weiß nicht, was sich draußen abspielt, was wirklich passiert ist, ob nur der Ort oder gar die ganze Welt vom Nebel befallen ist und ob es überhaupt einen Ausweg gibt. Das sind die Dinge, die für Spannung sorgen, und das nicht zu wenig.
Aber der Film hat nicht nur spannende und erschreckende Momente, sondern auch einige witzige! Es gibt Szenen, bei denen ich einfach etwas lachen musste, bei einigen musste ich Schmunzeln. Und diese Szenen sind zum größten Teil alle gewollt und sie zeigen auch ihre gewünschte Wirkung. Jedoch gibt es leider auch ein bis zwei kleinere Szenen, die mir etwas unfreiwillig komisch vorgekommen sind, was ich in anbetracht der Atmosphäre etwas schade fand. Aber ein paar emotional Momente haben das auch fast wieder ausgeglichen.
Wenn ich ganz ehrlich sein soll, dann bin ich von der neusten Stephen King Verfilmung sehr überrascht. Nachdem ich den Trailer gesehen habe, habe ich etwas anderes erwartet und noch etwas anderes erhofft. Aber was ich hier bekommen habe, hat mich vollkommen, mit vielleicht ein paar kleinen Abzügen, überzeugen können. Ich habe etwas anderes erwartet, aber besser wäre es dadurch nicht geworden. Zum Beispiel hätte ich niemals erwartet, wie der Film zu Ende gehen würde. Ich war selten so überrascht von einem Filmende wie hier. Es ist fies, überraschend und schonungslos. Damit hätte ich nicht gerechnet aber letzten Endes bin ich mit dem Ende vollkommen zufrieden, weil es endlich einmal etwas anderes ist.
Die etwas vorgeschobene Auflösung, wieso der Nebel überhaupt da ist, fand ich aber etwas zu weit hergeholt. Da hätte es mir fast besser gefallen, wenn wir im unklaren gelassen worden wären, zumal das Ende auch noch ein paar Fragen offen lässt, was aber in diesem Fall gar nicht sonderlich schlimm ist. Es ist auf jeden Fall besser als das Ende in Stephen Kings Kurzgeschichte, von dem ich sehr enttäuscht war, als ich es las.
Zum Score möchte ich sagen, dass er mir nicht sonderlich aufgefallen ist, lediglich in den letzten 15 Minuten, und da war er wirklich ein Genuss. Es wird vielleicht einige geben, die die Musik zum Ende hin etwas merkwürdig finden, aber ich für meinen Teil fand sie perfekt, da sie perfekt in die Situation passte und das Geschehen dramatisierte. Ich habe eine richtige Gänsehaut bekommen, die Musik ging mir unter die Haut.
Zu den Effekten kann man eigentlich nur sagen, dass es schon beeindruckend ist, was mit einem Budget von gerade einmal 18 Mio. Dollar so alles gemacht wurde. Zwar sieht man es den Effekten manchmal an, dass sie aus dem Computer kommen, auch gibt es in zwei Szenen nur Andeutungen von bestimmten Wesen, aber trotzdem steckte der Film voller Effekte, die allesamt ganz gut gemacht waren, besonders wenn man sich anschaut, dass das Budget nicht gerade das üppigste war.
Nun komme ich zu den Schauspielern und zu denen kann ich eigentlich nichts negatives sagen. Die drei Hauptdarsteller sowie einige Nebenrollen konnten mich von der ersten Minute an überzeugen. Zunächst die Nebendarsteller:
William Sadler spielt Jim Grondin. Ihn kenne ich im Grunde nur aus der Serie “Roswell” wo ich ihn ganz okay fand. In "Klang des Herzens" hatte er eine kleine Nebenrolle, in der er aber kaum auffiel. In "Der Nebel" ist er jedoch aufgefallen, weil er eine ziemlich ausgeprägte Nebenrolle hatte, die auch viel Platz für Veränderungen hatte. Und genau das wurde nicht verschenkt, sondern ausgenutzt. Er spielte zwar nur solide, hatte auch eine ziemlich unfreiwillig komische Szene, aber das schiebe ich auf die Synchronisation, die ich in seinem Fall gar nicht so besonders fand. Insgesamt hat mir die Synchronisation jedoch gut gefallen.
Toby Jones spielt Ollie Weeks. Sein Charakter ist sehr sympathisch und er spielt seine Rolle sehr überzeugend und er bringt etwas Stimmung in den Film hinein. Ich kannte den Schauspieler vorher nicht, zumindest nicht bewusst, aber ihn müsste man im Auge behalten. Die anderen Nebendarsteller waren auch allesamt überzeugend, die anderen etwas mehr, die anderen etwas weniger, aber insgesamt kann man sich nicht beschweren.
Hervorgestochen sind natürlich die Hauptdarsteller. Da haben wir zum einen Thomas Jane, der David Drayton spielt. Vielleicht kennen ihn einige aus "Deep Blue Sea" oder aus der Stephen King - Verfilmung "Dreamcatcher". Für mich war er bisher ein Schauspieler, der mir nicht sonderlich aufgefallen ist, obwohl er mir in den Rollen, die er spielt, bisher immer sehr gut gefallen hat. So auch in "Der Nebel". Er spielte die Rolle des besorgten Vaters sehr gut und hat mich von der ersten Minute an überzeugt, aber besonders am Ende hat er gezeigt, was er drauf hat.
Laurie Holden spielt Amanda Dunfrey. Laurie Holden wurde mir erst ein Begriff durch die Rolle der Cybil Bennett in "Silent Hill". Wie auch schon in dem Film spielt sie hier sehr überzeugend und glaubhaft, besonders zum Ende hin, wenn sich die Situationen zuspitzen. Jedoch hätte ich mir etwas mehr Screen Time mit ihr gewünscht!
Und nun zum Hasscharakter Nummer eins: Mrs. Carmody, gespielt von Marcia Gay Harden. Ich muss gestehen, dass sie mir bisher nie wirklich aufgefallen ist. Sie ist eine fantastische Schauspielerin, das ist klar und nicht abzustreiten, aber die Filme, die ich mit ihr gesehen habe, da war sie beziehungsweise ihre Rollen doch immer recht unscheinbar. Auch wusste ich nicht, dass sie bereits zwei Mal für den Oscar nominiert war und ihn gar ein Mal für den Film "Pollock" gewonnen hat. Glückwunsch! Dass sie eine sehr gute Schauspielerin ist hat sie auch in "Der Nebel" bewiesen, denn sie spielt die exzentrische, gläubige und vielleicht sogar etwas verrückte Mrs. Carmody perfekt. Einem Charakter, den man einfach nur hassen kann, eine solche Tiefe zu geben, dafür muss man gut und überzeugend spielen können, und diese Aufgabe hat sie gemeistert. Zudem haben ihre Bibeltheorien teilweise viel Spaß bereitet.
Ein Lob muss ich auch an Frank Darabont aussprechen. Er ist nicht nur Regisseur des Films, sondern hat auch das Drehbuch geschrieben sowie den Film produziert. Er hat ein Gespür dafür, einen guten Film nach einer Vorlage von Stephen King zu machen. Das hat bereits bei "The Green Mile" und "The Shawshank Redemption: Die Verurteilten" funktioniert und nun auch hier, wobei dies ein Horrorfilm ist (Wobei es sich bei “Der Nebel” um keinen reinen Horrorfilm handelt. Es ist schwer, den Film in ein einziges Genre zu packen). Zwar hätte das Drehbuch etwas ausgefeilter sein können, was so die ein oder andere Szene anbelangt, aber trotzdem hat er sehr gute Arbeit geleistet.
Fazit:
"Der Nebel" (Originaltitel: The Mist) ist für mich eine der besten Verfilmungen eines Stephen King Buches. Der Film ist spannend, hat eine interessante Idee und ist sehr gut und atmosphärisch umgesetzt worden. Zwar gibt es die ein oder andere Kleinigkeit, die etwas anders hätten aussehen können, aber insgesamt konnte mich der Film von der ersten bis zur letzten Minute unterhalten. Die sehr guten Schauspieler runden das Ganze noch ab!
Sehr gute:
8/10