Der Film hat genau das geboten, was man nach dem vielversprechenden Trailer auch erwarten durfte. Ein spannender und sehr atmosphärischer Trip durch ein Motel und dessen unterirdischen Gänge. Für Nervenkitzel und Aufregung wird gesorgt.
Ich fange dann am besten gleich bei einem Negativpunkt an, um diesen auch schnell hinter mir zu bringen. Der Anfang plätschert ein wenig vor sich hin, so wie das Manche hier im Thread bereits erwähnt hatten. Der Anfang ist zwar nicht schlecht, aber ich hätte ihn mir anders vorgestellt. Die ersten Szenen wirken einfach mies zusammengestellt und der Verlauf hätte im Grunde "unterhaltsamer" sein können. Unterhaltsam in diesem Sinne, dass das erste Drittel sich eigentlich immer wiederholt. Man kommt kaum vorwärts und nachdem das Auto zum dritten Mal anhält, wünscht man sich, dass das Ehepaar, das einen grossen Verlust zu verkraften hat, endlich das Motel besichtigt, um darin der bösen Wahrheit ins Gesicht zu blicken.
Die Einführung hätte ich mir anders gewünscht. Da diese ein wenig dauert und die Szenen, wie im Absatz vorher schon geschrieben, ein wenig störend aneinandergereiht sind und der Wiederholfaktor zu gross ist, hätte man das Geschehen durchaus von deren Zu Hause aus starten können. Eventuell hätte man die Figuren, die von Kate Beckinsale und Luke Wilson verkörpert werden, noch etwas mehr vertiefen können, um mehr "Mitleid" zu bekommen, sodass man später als Zuschauer um deren Überleben bangt. Zwar wird auch so dafür gesorgt, dass man das Paar ins Herz schliesst (auch wenn die Chemie zwischen den Beiden anfangs noch nicht so richtig sitzt), aber wie gesagt, hätte ich absolut nichts dagegen gehabt, wenn man "Vacancy" nicht gleich auf der Strasse gestartet hätte. Zumal diese Szenen zu lange waren und man eigentlich das Auto bloss ein Mal hätte schlapp werden lassen sollen.
Ok, kommen wir nun zum Geschehen an sich. Der Film ist mit seinen 75 Minuten als Ganzes gesehen wirklich sehr kurz. Mir persönlich hat die Lauflänge allerdings nicht gestört. Ich finde, dass sie genau richtig war und viel mehr hätte ich da wirklich nicht mehr sehen müssen. Sobald es um die Wurst geht, stellt sich die Spannung in den Vordergrund, die dann bis zum bitteren Ende auch anhält.
Eigentlich finde ich es schon beinahe faszinierend, was man aus der Idee herausgeholt hat. Ich denke, dass man hier das Bestmögliche in Szene gesetzt hat, denn obwohl die gesamte Handlung sich beinahe ausschliesslich in diesem einen Zimmer abspielt, wird der Film nie langweilig und auch die Spannung erleidet keinen Einbruch. Die Szene, bei der das Ehepaar die Videos findet und sich kurz darauf das Licht immer wieder ein- und ausschaltet empfand ich schon beinahe als einen Gänsehauterreger. Das war spannend und mysteriös zugleich.
Die Regiearbeit von Regisseur Nimrod Antal gefällt mir. Atmosphärisch gesehen kann der Film ebenfalls punkten. Das Motel an sich ist alles andere als ein Paradies und damit ist nicht nur die Tatsache gemeint, was sich darin abspielt, sondern zudem auch das, was das Optische angeht.
Luke Wilson hat mich in diesem Streifen wirklich überrascht. Ich kenne ihn hauptsächlich, so wie auch sein Bruder Owen, als ein Darsteller, der in Komödien vor der Kamera steht. Hier allerdings hat er bewiesen, dass ein durchaus guter Schauspieler in ihm steckt. Und auch die liebe Mrs. Beckinsale kann scheinbar mehr, als nur mit ihrem Aussehen zu begeistern, so wie es z.B. in den beiden Underworld-Filmen der Fall war. Zudem finde ich es schön, dass sie sich doch noch mehr dem Horror-Genre widmet, obwohl sie nach Underworld: Evolution in einem Interview verkündete, dass sie sich lieber wieder mehr dem Drama-Genre widmen möchte. Kann man nur hoffen, dass ihr nächster Horror "Whiteout" ebenfalls Qualitäten vorweisen kann, wie "Vacancy", wenn sich diese beiden Streifen auch völlig voneinander unterscheiden, wenn man von der Sache absieht, dass Beckinsale die weibliche Hauptrolle spielt. Im darstellerischen Bereich sind die Anderen kaum nenneswert. Von den Tätern waren alle austauschbar, auch der "Anführer", der zwar gar nicht so schlecht rübergekommen ist, für dessen Rolle man aber auch einen etwas "härteren" Mann hätte nehmen können. So kam es dazu, dass ich im Finale ganz kurz schmunzeln musste, wenn es auch sehr spannend war und es mir wirklich super gefallen hat.
Im Bereich Snuff wurde vor merheren Jahren 8MM released, bei dem man allerdings die "Schöpfer" dieser Videos suchte. Hier in "Vacancy" allerdings sieht man das Geschehen vom Blickwinkel der Opfer, was für mich viel interessanter war. Die Szenen im Motel, im unterirdischen Gang bei den Ratten und draussen auf dem Platz waren wirklich klasse. Zudem haben sich auch die Ein oder Anderen ganz nett platzierten Schockszenen in den Film geschlichen, die das Rasen des Herzens erhöhnt haben (auch wenn viele davon vorhersehbar waren).
Im Grunde kann sich "Motel", so wie das Filmchen hierzulande heisst, als bislang bester Horrorfilm des Jahres behaupten. Anders als bei Hostel, Saw und The Hills Have Eyes (jeweils die Fortsetzungen) wird hier sehr viel mehr Wert auf Spannung und Atmosphäre gelegt, als auf ein sinnloses Splatterfeuerwerk, das mir langsam im Halse steckt. Hier punktet der Streifen in anderen Elementen und da kann man dann auch locker über die wenigen Klischees hinwegsehen, sowie über das enttäuschende Ende, das ich als wirklich nervend empfand.
Trotzdem. "Vacancy" ist ein sehr spannender Psycho-Thriller, der mit guten Darstellern, einer super Atmosphäre, vielen sehr spannenden Momenten und einem guten Setting für Zufriedenheit sorgt. Anfang und Ende lassen zwar zu wünschen übrig, aber das Hauptgeschehen lässt kleinere Mängel wieder in Vergessenheit geraten.
8/10