Mittlerweile sind bereits ganze drei Jahre vergangen, seit David S. Goyer uns mit Blade: Trinity beweisen wollte, dass er nicht nur ein guter Drehbuchschreiber ist, sondern auch ein guter Regisseur. Leider ging der Film alllerdings - in meinen Augen - so ziemlich in die Hose, was aber nicht nur an der mangelhaften Inszenierung lag, sondern auch am stellenweise sehr fragwürdigen Drehbuch. Ich kann mich noch genau an den Kinobesuch erinnern, als ich den Saal dann mit einem "begeisterten Gefühl" verlassen habe. Doch spätestens auf DVD ist mir dann eindeutig klar geworden, dass ich den Film nicht gut fand, sondern ich ihn unbedingt gut finden wollte, was logischerweise ein enormer Unterschied ist.
Nun wurde von Buena Vista International also der neue Film vom 41-Jährigen Filmemacher in den Kinos veröffentlicht. Bei diesem Werk führte er allerdings "nur" Regie. Das Schreiben des Drehbuches übernahmen in diesem Falle Mick Davis und Christine Roum. Zwei doch eher unbekannte Autoren. Und wurde hier eine gute Zusammenarbeit geführt und somit ein überzeugendes Filmchen hergezaubert? "Jein"...
Nachdem der Trailer erschien und ich mich über The Invisible informiert hatte, oder wie er hierzulande heisst: Unsichtbar - Zwischen Zwei Welten, waren meine Ansprüche doch ziemlich hoch. Zum Einen, weil der Trailer an sich zu überzeugen wusste und zum Anderen, weil ich ein Fan von Teen-Horror-Thrillern bin. Zudem war das Thema ziemlich interessant und es war auch einmal wieder was anderes. Vielmals bekommen wir immer nur einen Killer zu sehen, der sich über Teenager hermacht und man bis am Ende grübeln kann, welcher "Freund" denn hier nun die eigentliche Gefahr ist.
Zwar ist die Thematik sicherlich nicht neu, was u.a. auch darauf hinzuweisen ist, dass es sich hierbei um ein Remake handelt - das ich weder gesehen habe, noch kenne -, aber auch daraufhin, dass eine Handlung bzw. ein gewisser Stoff rund um einen Unsichtbaren schon ein paar wenige Male für einen Film verwendet wurde. Allerdings haben wir hier einen "Untoten", der zwischen Leben und Tod gefangen ist. Wird es der Teenager schaffen, seinen eigenen Körper zu retten, um weiterzuleben? Aber wie? Keiner weiss von seinem "Geist"... Spannung pur wäre bei solch einem Thema also ziemlich sichere Sache, wenn man sich einfach ein bisschen Mühe beim Drehbuch schreiben geben würde.
Über Blade: Trinity habe ich hier hinwegsehen können, da ein - ich betone noch einmal: in meinen Augen - missratener Blade: Trinity nicht bedeuten muss, dass ein neues Werk des ein und dem selben Regisseurs genau so scheitern muss.
Doch leider leider muss ich offen und ehrlich zugeben, dass ich mir von diesem Filmchen doch ein wenig mehr versprochen hatte, als ich letztendlich bekommen habe.
Fangen wir auch gleich beim Drehbuch an... Ich frage mich immer wieder, wie man es schafft, dass die Hauptfiguren dem Zuschauer unsympathisch vorkommen. Was haben sich Mick Davis und Christine Roum nur dabei gedacht? Denn ich persönlich finde, dass die Figureneinführung so ziemlich daneben ist. Bevor es zum Unfall kommt und man dann mit der Hauptfigur bangen kann, dass sie es am Ende schafft, wieder ins Leben zurückzukommen, müssen einfach gewisse Sympathien aufkommen und das fehlt hier bei diesem Film. Meiner Meinung nach wurden die ersten paar Szenen so inszeniert, wie es das Drehbuch zuliess. Aber genau das ist das Problem. Justin Chatwin, bekannt aus War Of The Worlds und der Tv-Serie Weeds, mag ich im Grunde ganz gerne, wenn ich auch nicht sehr viel von ihm gesehen habe, bisher. Aber wenn er seine Figur dem Zuschauer nicht näher bringt, sondern sich zu Beginn eher distanziert, dann interessiert es den Zuschauer auch gar nicht mehr, ob er es schafft, oder nicht. Im Gegenteil, man wünscht sich schon nahezu, dass er draufgeht. Und sowas finde ich schade. Denn der Film verfügt über durchaus gelungene Szenen. Vielleicht sollte man an dieser Stelle auch erwähnen, dass es sich beim Film eher um ein Mysterie-Drama handelt, als um einen Thriller. Es gab doch mehrere sehr dramatische, tragische, traurige als auch emotionale Szenen, die teilweise auch funktioniert haben. Im späteren Verlauf des Films entstehen dann ja auch gewisse Sympathien, aber sie kommen mir einfach zu spät. Man hätte gewisse Dinge einfach von Anfang an weglassen oder ändern sollen. Man hätte einfach versuchen müssen, dass die Figur des Nick Powell sich in die Herzen der Kinogänger platziert, sodass man mit ihm mitfiebern kann.
Aber wie ich eben geschrieben habe, ändert sich das später ein "wenig"... Wobei das auch daran liegen könnte, weil Andere über Nicks plötzlichen Verschwinden leiden. Im Grunde werden beide Hauptfiguren eher unsympathisch eingeführt. Neben Justin Chatwins Charakter Nick also auch Margarita Levieva als Annie Newton. Doch der Spiess ändert sich im Verlauf des Films komplett und sie entwickelt sich langsam aber sicher zu einer Mitleidsfigur und Sympathieträgerin. Noch hinzu finde ich persönlich, dass sie von allen Schauspielern in diesem Teenie-Film am überzeugendsten gespielt hat. Seien es die Augenblicke, in welchen sie die Coole darstellen muss, oder in Situationen, wo sie ihren emotionalen Gefühlen als Annie freien Lauf lassen muss. Wirklich sehr überzeugend. Vor allem dem Finale entgegen, wo der Film dann auch versucht eine gewisse Spannung aufzubauen.
Spannung wäre dann auch schon die nächste Rubrik, die ich ansprechen möchte. Denn so wie ich das sehe, hält sich diese in Grenzen. Bis hin zum Finale gab es einfach zu wenige Momente, an denen man als Zuschauer wirklich mitfiebert. Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass sich ein paar Augenblicke zu wiederholen schienen. Und im Grunde war das Ende in gewisser Weise doch ziemlich vorherzusehen. Grosse Überraschungen sucht man hier also ganz klar vergebens. Es gab nahezu nichts Besonderes, aber brauchen wir das in einem "einfachen" Teenie-Film?
Dafür legt der Film im Finale einen Gang zu und obwohl man sich denken kann, wie er enden würde, wird der niedrige Spannungsbogen ein wenig in die Höhe geschossen. Ok... Man wird zwar vor lauter Nervenkitzel nicht in den Sessel gedrückt, aber im Vergleich zu den ersten zwei Dritteln des Films war es doch eine kleine Steigerung. Wenn ich dennoch finde, dass man bei solch einem Thema viel mehr Spannung einbauen könnte. Ich empfinde The Invisible daher leider als viel verschenktes Potenzial. Ich versuche mir einfach vorzustellen, was man aus diesem Werk hätte machen können und da gibt es so viele Möglichkeiten. Denn letztendlich war es schon beinahe Nebensache, dass Nick um sein Überleben kämpft. Wie angedeutet, gerät der Film in die Schiene des Genre Drama. Das war zwar keine schlechte Lösung, da die Handlung rund um Annie wirklich interessant und "schön" erzählt wurde, aber es war einfach nicht das, was ich mir nach dem Trailer ausgemalt habe.
Ich persönlich bin Einer, der Dramen einfach mag. Daher haben mich hier die emotionalen Augenblicke doch auch berührt, vor allem das Ende (Keine Sorge, kein Spoiler

).
Was mich aber in diesem Film vor allem gestört hat, waren so manche Dialoge, als auch gewisse Handlungen, bei denen ich mir wirklich an den Kopf gefasst habe. Da habe ich mir einfach nur gedacht: Wie kann man als Drehbuchschreiber nur sowas auf Papier bringen und wie kann man als Regisseur das dann auch noch so umsetzen, sodass es richtig auffällig ist? Z.B. In einer Szene am Ende
SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
werden die Schleusen eines Damms geöffnet und tonnenweise Wasser donnern in den Abgrund. Die Polizei meint, dass sie sich beeilen müssen, da sich die Schleusen gleich öffnen. Sie kommen zu spät und wie befürchtet öffnen sich auch die Schleusen. Und erst dann telefonieren sie, um zu sagen, sie sollen die Schleusen wieder schliessen. Daher meine Frage: Wieso haben sie nicht von Anfang an angerufen, dann hätten sich die Schleusen erst gar nicht geöffnet?SPOILER ENDE Das sind einfach gewisse Sachen, die ich persönlich als ziemlich störend empfinde, da es vor allem so dermassen auffällig war.
Aber genug gemeckert. Ich will den Film jetzt nicht schlecht machen, denn das ist er nicht. Da habe ich wirklich schon weitaus schlimmeres gesehen. The Invisible weiss nämlich beinahe durchgehend zu unterhalten, hat hinzu einen guten Score, eine überzeugende Hauptdarstellerin, schöne und dramatische Momente, als auch eine ziemlich berührende Endszene(n) und einen kleinen Anteil an Spannung gegen dem Finale hin. Zwar wurden die Figuren eher unsympathisch eingeführt und ein paar wenige Dinge waren auch eher fragwürdig, aber alles in allem fand ich den Film ganz nett, wenn ich mir persönlich einfach ein wenig mehr versprochen habe.
6/10