Ich habe den Film am Mittwoch bereits in der Sneak Preview gesehen! Hier ist meine Kritik:
Hier haben wir einmal mehr den Fall von einer recht merkwüdigen deutschen Titelübersetzung. Hier wurde aus "Definitely, Maybe" einfach "Vielleicht, vielleicht auch nicht". Das Ergebnis ist zwar das Gleiche, aber der Originaltitel ist einfach praktischer. An dem Film ändert das jedoch nichts, denn der ist stellenweise sehr überraschend ausgefallen und konnte mich in jeder Sekunde unterhalten.
Angst, Panik, Verunsicherung... Das sieht Will Hayes (Ryan Reynolds), als er seine Tocher Maya (Abigail Breslin) von der Schule abholt. Der Grund: Viel zu früh wurde den Kindern Sexualkunde unterrichtet. In der Schule herrscht Terror, die Kinder machen ihre Eltern fertig und fragen, wie sie "so etwas" nur tun konnten. Dann kommt Maya und bittet ihren Vater um ein Gespräch. Da sie nun weiß, wie sie entstanden ist, möchte sie die Geschichte erfahren, wie es dazu gekommen ist, wieso er sich in ihre Mutter, mit der er inzwischen getrennt lebt, verliebt hat. Da diese Geschichte aber ein wenig verwirrend ist, ändert Will die Namen von den drei Frauen, die in der Geschichte vorkommen und mit denen er eine Beziehung eingegangen ist. Während der ganzen Geschichte soll Maya darüber nachdenken, wer ihre Mutter sein könnte. Das ist eine tolle Idee und auch der Zuschauer kann mitraten und mitfiebern, wer denn wohl die beste Mutter ist, ob die Auflösung einem am Ende gefällt, ist jedem selbst überlassen.
Als Will 1992 nach New York umgezogen ist, um dort am Wahlkampf für Bill Clinton teilzunehmen, lässt er seine Freundin Emily (Elizabeth Banks) zurück und führt mit ihr eine Art Fernbeziehung. Er ist fest von Bill Clinton überzeugt und möchte ihm helfen, jedoch muss er bald mit erschrecken feststellen, dass er lediglich Kopien erledigen muss und Kaffee kaufen soll. Schon bald ist er ziemlich genervt, auch von April (Isla Fisher), die ihn immer ein wenig neckt. Von Emily hat er ein Paket mitbekommen, welches er ihrer ehemaligen besten Freundin - Summer - vorbeibringen soll. Summer (Rachel Weisz) beginnt gleicht damit, ihn zu küssen und auch mit April versteht er sich immer besser. Doch weil er nur Emily liebt, möchte er sie heiraten, doch sie gesteht ihm eine Affäre. Es ist Schluss, Summer sieht er selten und in April findet er eine sehr gute Freundin. Doch die Zukunft zeigt, dass Will in ein Gefühlschaos kommt, indem er sich für die richtige Frau entscheiden muss, jedoch auch einige Enttäuschungen hinnehmen muss. Und ich habe kaum etwas verraten, denn hier kommt noch einiges mehr!
"Vielleicht, vielleicht auch nicht" erzählt eine Geschichte, die man schon 1000 Mal gesehen hat, jedoch auf eine Art und Weise, wie ich sie noch nie gesehen habe. Zwar handelt es sich hier um eine romantische Komödie, aber der Witz kommt hier nicht zu kurz, auch ist der Handlungsverlauf stellenweise recht überraschend und es kommt nichts so, wie es kommen muss. Das habe ich anfangs jedoch gedacht, um so überraschter war ich, dass fast alles anders kam, als ich es erwartet habe.
Direkt zu Beginn gibt es einige Lacher. Die Szene mit den Kinder in der Schule, die ihre Eltern veruteilen, weil sie Sex haben, ist einfach göttlich. Ebenfalls genial finde ich die Szene, in der Abigail Breslins Charakter ihrem Vater erklärt, wie Sex gemacht wird! Einfach herrlich. Und auf die Fragen, wieso ein Mitschüler ein "Versehen" war, ob Sex denn nicht nur da ist, um Kinder zu machen oder was ein Dreier ist, weiß der ratlose Vater keine Antwort. Das ist zum Teil wirklich herrlich anzusehen, da man sich wirklich schlapplachen kann.
Und das alles sieht man in den ersten zehn Minuten, da kann der Film ja eigentlich nicht schlecht werden! Und das stimmt auch. Zwar schwächt der Humor zeitweise ein wenig ab, aber trotzdem wird man prima unterhalten. Die Geschichte wird sehr schön und charmant erzählt, sie wird eigentlich nie langweilig, noch nicht einmal, wenn über Politik gesprochen wird, was jedoch relativ selten der Fall ist. Es gibt aber auch ein paar ziemlich herzerwärmende Momente, die wunderbar in den Film passen. Dass der Film nie langweilig wird liegt an der interessanten Erzählweise, einer charmant witzigen Umsetzung und sympathischen Schauspielern.
Ryan Reynolds ist ein meiner Meinung nach unterschätzter Schauspieler. Er ist sympathisch und hat zum Beispiel in "Amytiville Horror" bewiesen, dass er etwas kann. Hier spielt er den Familienvater überraschend gut, denn er ist sympathisch und kann in fast jeder Szene überzeugen, sogar in denen, die etwas dramatischer sind.
Abigail Breslin hat eine große Zukunft in Hollywood. Die elfjährige Oscarnominierte hat es drauf, das hat sie schon in "Little Miss Sunshine" oder "Rezept zum Verlieben" bewiesen. Jeder Film, in dem sie mitspielt, ist sie die Sympapthieträgerin schlechthin, den Platz hatte sie auch hier, denn sie ist so klugscheißerrisch sympathisch, dass ich mir mehr Screentime mit ihr gewünscht hätte. Sie spielt ihre Rolle super witzig, besonders zu Beginn, weiß aber auch in jeder Szene zu überzeugen, besonders in den etwas dramatischeren.
Nun kommen wir zu den angebeteten Ladys. Der Charakter von Rachel Weisz ist zwar nett und sympathisch, sie hat aber ihre Macken und Fehler, sodass es dem Zuschauer schwer fällt, sie die ganze Zeit über nett zu finden, obwohl sie einem teilweise auch Leid tun kann. Sie spielt aber sehr glaubhaft und hat ein paar wirklich wunderbare Szenen, zum Beispiel die Szene, in der sie singt, so viel sei verraten. Elizabeth Banks hingegen kam mir persönlich nicht sonderlich sympathisch vor. Das mag auch daran liegen, dass sie Will betrogen hat und es ihre Rolle kaum zulässt. Überzeugen kann aber auch sie. Isla Fisher ist neben Abigail Breslin die Sympathieträgerin des Films. Sie spielt ihre Rolle sehr überzeugend, sympathisch und mit viel Witz. Auch ist ihr Charakter der einzige der Drei, der etwas vertieft wird und das bringt sie sehr gut rüber.
Weiterhin positiv anzumerken ist die Filmmusik. Sie passt und macht teilweise Lust auf mehr. Ebenfalls finde ich toll, dass man einmal denkt, der Film sei jetzt zu Ende, was aber nicht der Fall ist. Sowieso passiert meiner Meinung nach in der letzten halben Stunde einiges, was man so nicht erwarten würde, wodurch der Film nicht einfache 08/15 Kost ist.
Fazit:
"Vielleicht, vielleicht auch nicht" ist eine romantische Komödie, die sich von der Massenware abheben kann, da hier eine interessante Geschichte in einem ungewöhnlichem Stil erzählt wird. Der Film macht Spaß, hat gute Musik, ist sehr charmant und hat gute Schauspieler. Fans von romantischen Komödien sollten auf jeden Fall einen Blick riskieren, jedem anderen sei gesagt dass der Film nicht 08/15 ist und deshalb auch ein etwas breiteres Publikum ansprechen könnte.
8/10 (+)