Auch ich war gestern Abend im Kino, um mir ein weiteres Asia Remake anzusehen - dieses Mal war es "The Eye". Und ich muss sagen, dass wenn ich einen direkten Vergleich mit anderen Filmen dieser Art der letzten Zeit ziehe (und da schliesse ich u.a. One Missed Call und The Grudge 2 ein), dann sticht dieser hier am meisten hervor, was die qualitative Ebene betrifft. Trotzdem schafft es auch "The Eye" nicht wirklich weit über den Durchschnitt hinaus, denn dafür wurde das Potenzial die diese Idee mit sich bringt 1. zu wenig ausgenutzt und 2. wurde nach der ersten Filmhälfte so ziemlich jedes einzelne "Asia-Remake-Klischee" in den Film eingeflossen, das dann ein Schema F Ende und zur Folge hatte.
Der Trailer zum Remake hat mich damals sehr beeindruckt, auch wenn die geniale Hintergrundmusik viel dazu beigetragen hat. Der Film an sich ist mir einfach zu gewöhnlich. Er will mehr sein, als er letztendlich ist: spannend ohne Ende, atmosphärisch gesehen gruselig, düster als auch bedrückend und... na ja... intelligent. Das bezieht sich auf den inhaltlichen Hintergrund, die die "verfluchten" Augen mit sich bringen. Während des gesamten Films werden kürzere Ausschnitte aus der Vergangenheit gezeigt. Sozusagen die Erinnerungen der eigentlichen Besitzerin der Augen. Und schon da habe ich Schlimmes geahnt und letztendlich ist es dann auch ganz genau so gekommen, wie ich es vermutet hatte. Der Film endet völlig unspektakulär und einfallslos. Zu gewöhnlich. Vieles ergibt überhaupt keinen Sinn und gewisse Dinge bzw. Szenen sind im Nachhinein betrachtet entweder unnützlich, oder deren Existenz kaum nachvollziehbar.
Das ist relativ schade, da der Film wirklich interessant beginnt. Aber auch die Spannung hält sich deutlich in Grenzen. Viele Szenen, in denen Jessica Alba seltsame Dinge sieht, sind nur deswegen da, um dem Kinopublikum gleich die nächsten Schockeffekte zu verpassen (natürlich so dermassen vorhersehbar, dass man alle Zeit der Welt hat um sich darauf vorzubereiten. Der Zuschauer weiss einfach, dass da gleich was kommt. Wo sind denn bloss all diese gut platzierten Schocker geblieben, die völlig unerwartet auftreten und den Zuschauer nahezu aus dem Sessel springen lassen?), die jedoch so gut wie gar nichts zum eigentlichen Geschehen beitragen und daher eher einen überflüssigen Eindruck hinterlassen.
Die Dialoge sind auch nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Man muss einfach schmunzeln, wenn man wieder diese üblichen Sprüche a la ,,Ich kann Geister sehen" - ,,Klar" - ,,Du glaubst mir nicht" hört. Der männliche Part ist meiner Meinung nach völlig überflüssig. Ich hätte es besser gefunden, wenn es bei einer One Woman Show geblieben wäre. Jessica Alba spielt nämlich gar nicht so übel, wenn ich ehrlich bin. Auch wenn sich die Sympathie im späteren Verlauf in Grenzen hält, so war sie immerhin überzeugender als z.B. die Hauptdarstellerin aus One Missed Call, deren Panikattacken ungefähr so glaubwürdig waren, wie eine Behauptung eines Hirten a la ,,Ich bin das Sprachrohr Gottes".
Weiter haben sich auch einige unfreiwillig komische Szenen in den Film geschlichen. Ich sage nur eins: Zeugnis.
Jetzt kann man mir natürlich die Frage stellen:,,Carmine, was zum Teufel hast du denn erwartet?" Und meine Antwort dazu lautet ganz einfach:,,Einen Film, bei dem man sich wünscht, dass die Figur endlich von ihrem Leiden erlöst wird". Der Zuschauer soll so dermassen mitgerissen werden, dass er sich das Ende des Films nahezu herbeiwünscht. Es ist mit Sicherheit nicht einfach so was zu drehen, aber dennoch möglich, wenn man ein gutes Drehbuch und einen fähigen Regisseur an Bord hat, was hier leider nicht der Fall ist. Ich habe mir einen Streifen gewünscht, der es schafft mich zu gruseln, der mich vor lauter Spannung quasi am Sessel "festnagelt". "The Eye" hätte ein richtiger Schocker mit verstörenden Bildern werden können, aber stattdessen ist ein Werk entstanden, wo die Reaktionen der Hauptfigur zum einen unrealistisch und zum anderen zu gewöhnlich sind. Evtl. wäre es besser gewesen, man hätte sie mit dem Glauben sie würde Geister sehen alleine gelassen, sodass sie sich selber wieder wünschen würde, zu erblinden. Ihre Panik hätte sich auf den Zuschauer übertragen "können". Möglich wäre so was, aber eben: dafür muss man schon ein paar clevere Leute am Schreibtisch und hinter der Kamera haben.
Letztendlich muss ich leider sagen, dass ich schwer vom Film enttäuscht bin. Die Auflösung am Ende ist völlig uninteressant und unspektakulär - sowohl vom inhaltlichen, als auch von der Inszenierung her. Der Film ist kaum bis gar nicht spannend und bietet nur wenig atmosphärich gute Szenen. Alles in allem nicht ganz so übel, wie One Missed Call, aber qualitativ gesehen auch ganz weit entfernt von einem Film wie The Ring. Hier wurde mächtig viel Potenzial verspielt, denn die Idee für den Film wäre wirklich mehr als passabel gewesen. Im grossen und ganzen ist "The Eye" ein Film geworden, der zwar einigermassen unterhält, aber bei den Zuschauern einfach nicht das erfasst, das anvisiert war.
6/10 Augen