Data
Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street

Cast:
• Regie: Tim Burton
• Drehbuch: John Logan
• Musik: Stephen Sondheim (Original Score)
Cast:
• Johnny Depp
• Helena Bonham Carter
• Alan Rickman
• Sacha Baron Cohen
• Laura Michelle Kelly
• Timothy Spall
• Anthony Steward Head
• Jayne Wisener
• Jamie Campbell Bowen
Story:
Der Barbier Benjamin Barker lebt glücklich und Zufrieden mit seiner hübschen Frau Lucy und seiner Tochter Johanna in London. Doch der eifersüchtige Richter Turbin will dieses Glück nicht unangerührt sehen, da er die schöne Lucy selbst besitzen möchte. So veruteilt er Barker ungerechterweise zu einer Haftstrafe in Australien und nimmt dessen Frau zu seiner eigenen Gemahlin!
15 Jahre später kehrt Barker aus seiner Gefangenschaft zurück und muss feststellen, das sich seine geliebte Frau in der Zwischenzeit umgebracht hat und Richter Turpin der Vormunt seiner Tochter ist.
Barker hat nur noch eines im Sinn: Unter dem Decknamen Sweeney Todd will er Rache üben!
Sein Mordwerkzeug: Ein Rasiermesse!
Ursprüngliche Prognose:
Wieder einmal will Burton mit seinem Zugpferhd Johnny Depp zusammenarbeiten. Das wäre dann bereits die sechste Zusammenarbeit der beiden Hollywood-Giganten!
Sein ersten Real-Musical basiert auf dem gleichnamigen Broadway-Hit von Stephen Sondheims und hatte seine Uhraufführung im Jahre 1979. Seitdem hat es sich in Amerika zu einem Kultmusical entwickelt.
Ungewöhnlich brutal hört sich die Story für einen Burton an, aber ich bin mir sicher, dass mein Lieblingsregisseur auch diesen Film gekonnt auf die Leinwand bringen wird!
Die Original-Songs von Stephen Sondheim sind natürlich im Film enthalten. Nach künstlerischen Differenzen allerdings wurde Sondheim von Tim Burtons Stammkomponist Danny Elfman ersetzt, der die Musical-Songs nun entsprechend für die Kinoversion interpretieren wird.
Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Tim Burton legt immer ehrgeizigere Projekte vor. "Sweeney Todd" wird da sicherlich keine Ausnahme bilden!
Endgültige Kritik:
Konnte den von mir langerwarteten "Sweeney Todd" gestern auch endlich bewundern - und bin mit dem Ergebnis sehr, sehr zufrieden.
Das erste, was mich gefreut hat, zu sehen (und das muss ich hier mal ganz einfach noch angemerkt haben) ist, dass die Songs nicht ins deutsche übersetzt wurden. Selbst wenn es deutsche Texte gegeben hätte (weiß nicht, ob das Musical selber jemals in Deutschland lief
), hätte es dem Film nicht gut getan, wenn diese auch so synchronisiert geworden wären, wie die Dialoge (man kann an etlichen Beispielen sehen, dass übersetzte Liedtexte, trotz großer Bemühungen, irgendwie nie die Atmosphäre des Originals rankommen).Was den Film selber (wie man es von Tim Burton gewohnt ist) auszeichnet, sind die trüben, dunklen, beinahe schon missmutig anmutenden Bilder, die die Atmosphäre des Gesamtwerks tadellos einfangen. Dazu passend kommen die herrlich schräg-überzeichneten Frisuren und Kostüme (gerade Helena Bonham-Carter sieht mal wieder verdammt skurril aus - ihre schauspielerische Darbietung passt auf die Rolle zusammen mit diesem Erscheinen, wie die Faust aufs Auge), die Burtons Filme eigentlich immer auszeichnen, aber gerade im Kontext mit der äußerst theatralisch geschriebenen Geschichte einfach wunderbar funktionieren. Im Zusammenhang dazu kommt eine morbide Idee nach der anderen, die teils nicht nur unheimlich komisch sind, sondern vor allem auch die eigene Absurdität der Story unterschreiben.
Und auch hier zeichnet sich eine weitere Stärke Burtons ab, die einfach Erwähnung finden muss: Was bei jedem anderen Regisseur ins lächerliche abdriften könnte (siehe die eigentlich plumpe Idee eines Rachemovies, die Mordwaffe, der Verlauf der Geschichte), wird bei Burton schlichtweg für Voll genommen - man fragt nicht nach den Hintergründen, sondern nimmt das Gegebene so hin, wie es einem dargeboten wird.
Die Songs sind (anders, als ich erwartet hatte - ich kannte den Soundtrack zuvor nicht) äußerst unmelodisch (wenn man das so beschreiben kann). Ohne Refrain, manchmal sogar ohne erkennbares Melodienmuster, kommen die meisten Lieder wie ein Teil der Dialoge daher. Was anfangs noch Gewöhnungssache war, verfestigte sich schon sehr bald als ein fester Bestandteil des Gesamtkontextes des Films. Da fällt es nach einiger Zeit auch schon gar nicht mehr auf, dass 90 % der Laufzeit aus Gesangseinlagen besteht, nein - vielmehr wirkt es schon etwas deplatziert, wenn gerade mal eine Szene vorkommt, in der nicht über irgendwelche Nebensächlichkeiten (wie Blumendekoration), Nutzung der Lebensumstände (Stichwort: Fleischpastete) oder tief im inneren Verborgene Träume (schöne Frauen) gesungen wird.
Die Schauspieler agieren durch die Bank souverän. Zwar ist der Film auf Johnny Depp zugeschnitten (er stiehlt daher auch den meisten die Show, wenn er im Bild ist), aber gerade bei "Sweeney Todd" musste ich feststellen, was für eine großartige Mimin eigentlich hinter Helana Bonham-Carter steckt. Alan Rickman spiel gut, auch wenn er diesmal einen weniger einzigartig gezeichneten Charakter entwickelte, wie man es sonst von ihm gewohnt ist (kann aber auch sein, dass das an seiner begrenzten Screentime liegt). Singtechnisch haben alle klasse Darbietungen gebracht.
Gestört hat mich an dem Film die etwas zu kurz gekommene Charakterzeichnung der Figuren. Todd ist zwar von Rachegefühlen geprägt, was er auch mehr als einmal zum Ausdruck bringt, aber warum ihm diese wichtiger ist, als beispielsweise seine Tochter wiederzusehen (was für mich persönlich nachvollziehbarer gewesen wäre), wollte mir nicht so recht klar werden. Die Charaktere Mrs. Lovett und Richter Turpin, so wie deren Antriebskräfte, zu tun, was sie eben so tun, hätte in meinen Augen durch detailierteres Schreiben (damit komme ich auf meinen Stichpunkt, der Screentime, zurück) ausgeglichen werden können. Zu Todds Tochter und deren Verehrer konnte ich schließlich so gut wie gar keine emotionale Bindung und Mitgefühl wecken. Das ist ein Wehmutstropfen, der gerade bei einem Burton-Film als arg störend aufkommt.
(Achtung: Der nächste Absatz enthält Spoiler!)
Dagegen erscheint der Storyverlauf wieder exzellent ausgeglichen - gerade das Ende, dass sich so erfolgreich gegen jegliche Hollywood Klischees stellt, wirkt durch seine Radikalität und Endgültigkeit wohl als genialster Schachzug von Drebuchautor John Logan. Ich persönlich bin kein Fan von Happy-Ends (vor allem nicht bei Filmen, wie "Sweeney Todd", die von ihrer beklemmenden Atmosphäre leben) und daher habe ich solche Elemente, wie, dass Todd nie herausfindet, dass er seiner Tochter gegenüberstand oder der Erkenntnis, dass er mit der alten Hexe eigentlich seine als verstorben geglaubte Frau ermordet hat, mehr als Willkommen geheißen.
Was gibts sonst noch zu sagen? Eigentlich nicht viel - wer auf Tim Burtons Filme steht, Muscials liebt und sich dabei nicht an überzeichneter Theatralik stört, der ist bei "Sweeney Todd" eindeutig wunderbar aufgehoben. Mir und meinem Kinobegleiter hat der Film super gefallen und ich kann den Film daher nur wärmstens weiterempfehlen. Der ganze Rest der Filmliebenden wird mit diesem Werk aller Wahrscheinlichkeit nach nicht viel anfangen können ...
Brutaler, düsterer, blutiger und morbider kommt "Sweeney Todd" mehr noch als jeder andere Burton zuvor daher. Das im Zusammenhang mit großartiger Musik und klasse Texten, einem eigenen, ganz speziellen Sinn für markabren Humor und schauspielerisch souveränen Leistungen macht einen vorzüglichen Kinoabend aus. Das alles macht den teuflischen Barbier sicherlich nicht zum besten Film in Burtons Filmographie (das ist und bleibt für mich einfach "Edward Scissorhands"), aber hinter anderen seiner Klassiker wie "Ed Wood" oder "Big Fish" braucht auch dieser sich nicht zu verstecken.