Das Millionenspiel - wow, ein Musterbeispiel für deutsche Filmbehandlung...
Dieser Fernsehfilm ist - ohne Übertreibung - eine der BESTEN Arbeiten, die deutsche Filmemacher jemals abgeliefert haben (zumindest inhaltlich). Aber der Film war seiner Zeit so sehr voraus, dass das Publikum ihn damals falsch verstanden hat und man sich für Jahrzehnte nicht mehr traute, ihn zu senden.
Der Joker des Films - wie Réne schon gesagt hat - ist auf jeden Fall Dieter T. Heck. Der war ja damals schon (und bis in die 80er Jahre hinein mit der "Hitparade") einer der beliebtesten deutschen Moderatoren. Im Millionenspiel "spielt" er sich quasi selbst, was die Wirkung beim Publikum damals wohl ziemlich verstärkte. Um dem ganzen einen Anstrich von "Echtheit" zu geben, gibt es die Interviews mit den Leuten auf der Straße oder die Auftritte von den "Samaritern" und dem Zimmermädchen. Vieles, was man Jahrzehnte später in Filmen wie Running Man oder Robocop wieder verwendete, hatte hier den ersten Einsatz: Die Show wird von Werbung, die ihrer Zeit voraus ist, unterbrochen - mal eine frühe Red Bull-Variante, mal eine (auch damals sehnlichts herbeigesehnte) Schlankheitspille, Sex ohne Verhütungsängste durch die Spritze in den Hintern oder auch zynische Werbung wie das mit den Messern oder der "Schönheit für die letzte Ruhe".
In Zeiten von Big Brother oder Schmerz-Sendungen á la Jackass ist das Millionenspiel nur ein kleiner Schritt.
Natürlich kann man von einem TV-Film aus den frühen 70ern keinen Blockbuster-Standard des 21. Jhd. verlangen. Frisuren, Kleidung und Fahrzeuge entlarven den Film natürlich als Produkt der frühen 70er, obwohl der Film in den 80ern spielen soll. Die nahe Kamera und auch Teile des Spielablaufes sind natürlich nicht logisch, treiben aber die Spannung voran und sind deshalb als filmisches Stilmittel zu sehen. Z.B.:
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Als sich Lotz in dem Haus zu Beginn des Films versteckt, zeigt ja die Sendung selbst das Haus und auch die Wohnung. Dass die Kamera so nahe bei Lotz ist, lassen wir mal unkommentiert, aber dass die Köhlerbande (3 bewaffnete Männer) da so lange braucht, bis sie dort sind und dann noch ewig an der Tür beschäftigt sind, ist schon etwas konstruiert. Muss aber sein, sonst wäre der Film ja an dieser Stelle zu Ende.
Oder als Lotz im Studio an der letzten Strecke durch die Röhre stehenbleibt. Wäre er da gleich losgerannt, hätte er natürlich sofort gewonnen - warum hat er so lange gewartet, bis die Köhlers ins Studio eingelaufen sind und von Heck auch noch vorgestellt werden? Naja, veilleicht gehört es zu den Regeln.
SPOILER ENDE
Top übrigens, wie man am Schluss doch noch auf die Folter gespannt wird. Ähnlich wie die Bemerkung im zweiten Absatz des Spoilers weiss man zwar, wie das Spiel so abläuft, aber die genauen Reglen (wortwörtlich) bekommt man ja nicht gesagt. Als also
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Lotz aus der Röhre rauskommt und auf der Bühne zusammenbricht - und zwar noch VOR dem Kreis auf der Bühne - und die Köhlers "triumphierend" auf ihr Opfer schauen, ist man als Zuschauer irritiert: Muss man, um das Spiel zu gewinnen, es bis zur Mitte des Kreises schaffen oder reicht der Bühenrand aus? Letztendlich bekommt Lotz seine Million und auch die Köhlers werden entlohnt.
SPOILER ENDE
Ein Monument der deutschen Filmgeschichte, für das man sich Jahrzehntelang schämte - oder zumindest es im "Giftschrank des WDR" fast versauern ließ. Im grunde genommen müsste man - allein um Augen zu öffnen und zum Nachdenken anzuregen - den Film alle paar Monate wiederholen und eventuell eine Talkrunde über den "Auftrag des Fernsehens", unsere Werte von gestern/heute/morgen und die Verantwortung der Medien zu diskutieren. Aber mit Assis und Assithemen wie "Sex mit der Schwiegermutter" lässt sich wohl mehr Quote machen....
Linguistisch interessant: in den 70ern war "Showdown" noch genus neutrum: Das Showdown. Heute wird der genus maskulinum gebraucht: Der Showdown. Aber die Redewendug "Oder was?" war damals schon gebräuchlich....
Nochwas zu D.H.: Schon toll, dass er auch was anderes gespielt hat als eben nur "Didi". Aber man muss auch als Fan zugeben, dass die grimmige Mine schon etwas overacted ist. Gerade bei dem Interview am Bahnhof blitzt schon der Schalk, der in ihm steckt, raus und seine verschmitzen Antworten wollen zum grimmigen Typen, den er vorher die ganze Zeit gab, nicht so 100%ig passen. Trotzdem: Hut ab, Herr Hallervorden.
@ Samo: Thanks! Großes Kino (obwohl es ein TV-Film ist)
@ Metall: Genau - Saw ist auch drin! Ein Film wie ein Überraschungsei:
Erfüllt 3 Filmwünsche auf einmal: Robocop, Running Man und Saw. Garniert mit einer Prise "Böser Didi"
Das Cover hab' ich selbst nur im Internet gefunden. Hat wohl ein Fan gemacht und man kann es legal und kostenfrei hier runterladen:
http://rapidshare.com/files/10007352/MIL...LFINAL.jpg.html
Peace!
Edit: Der Link scheint nicht mehr zu funktionieren. Sorry...