Mein Most Wanted Number One hat mich nicht enttäuscht!
War ich anhand der Trailer auf einen locker-flockigen High-End Tierespass mit grandiosen Musicaleinlagen geeicht, wurde ich dann im Kinosaal mit einem technisch noch besseren Erwachsenen/Semi Dokumentarfilm mit kritischen Untertönen und Ökotouch konfrontiert. Einzig die Musicaleinlagen fielen erwartungsgemäss aus.
Happy Feet ist wieder mal ein glänzendes Beispiel für eine völlig falsch lancierte Werbekampagne. Knuddeloptik und Humor sind zwar Bestandteil des Films, aber das macht noch lange kein Kinderfilm aus ihm. Schade für die irre geführten (und vermutlich geschockten) Eltern samt Kinder, aber wenigstens ging das dieses mal nicht auf Kosten des Films (soll heissen seine Einspielergebnisse).
Nun ja, egal, der Film und auch seine Macher können nichts dafür.
Der Film an sich ist ein Traum, inhaltlich als auch optisch. Technisch wurden alle Register gezogen und der Film wird (mindestens) bis zum Kinostart von Surf'up sicherlich den Massstab für physikalische Partikel- und Wassersimulation darstellen.
Was mir sehr zusagte war der gewählte Realitätsgrad in Charakterdesign, anstatt alles zu sehr zu stilisieren und auch zu vermenschlichen. Das hätte imho zu sehr der Geschichte widersprochen, die trotz ihrer Fiktivität und Übertriebenheit in ihrem Kern einige nur zu reale und gegenwärtige Themen und Zustände anspricht.
Die Musik kann ich auch nur loben. Die Musicalnummern sind fliessend ineinander arrangiert und die Gesangspart klingen (für meine Laienohren) wirklich professionell und das obwohl sämtliche Stars selbst singen. Ausserdem sollte die Vielfalt an Stilen und Songs wohl für jeden was Passendes zu bieten haben.
Und der Score entpuppte sich, entgegen meiner Befürchtungen Powell hätte sich dieses Jahr etwas übernommen, nicht als Sparflamme sondern eher als solider Powell Best Of.
Inhaltlich war der Film für mich wie schon erwähnt ein kleiner Augenöffner. Die ersten 20 Minuten gerieten noch recht vorhersehbar in ihrer Art: Einführung der Pinguinkolonie und der Charaktere, Motivfindung von Mumble sowie seiner ersten Entdeckungsreise. Aber schon hier fielen die dokumentarisch sehr stark geprägten Subplots auf. Als ob man
Der Marsch der Pinguine vor sich hätte, nur ohne die lästigen Off-Kommentare.
Die Latino Sidekicks waren dann nochmals ein Schuss Altbewährtes aus dem Figurenkonstallations-Fundus. Was aber nicht abwertend sein soll, sie gerieten ausgesprochen wortgewand und niedlich.
Ab der
SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
Verstossung Mumbles aus der KolonieSPOILER ENDE wandelte sich die Story aber entgegen aller Erwartungen. Die bisher bereits angedeuteten ökologischen und gesellschaftlichen Missstände wurden wieder aufgegriffen und wurden sogar elementarer Bestandteil der finalen Auflösung. Der Film hätte mich wirklich geschockt wenn er offen geendet hätte, z.B. hatte ich dieses Gefühl als
SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
Mumble in die offene See schwamm und den Tankern folgteSPOILER ENDE. Da gab es ein Zoom weg vom Wasser und ein Fade out, das wäre ausgesprochen mutig von den Machern gewesen. Pessimistisch und verurteilend zugleich, Mumble opfert sich für seine Kolonie und die Natur an sich um den gleichgültigen und zerstörerischen Menschen zur Vernunft zu bringen.
Mein zweiter Schock sollte nicht lange auf sich warten:
SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
Mumbles Aufenthalt im Zoo SPOILER ENDEwar die Krönung. Weg war die lockere Atmosphäre die zu Beginn im Film herrschte, stattdessen gibts ein eine volle Breitseite an Zynismus, eine doppelte Portion Schuldsprechung und entwaffnende Realitätsdarstellung. Als dann Mumble in seiner Apathie fast verrückt wurde, seinen Kopf gegen die Wand hämmerte und gleichzeitig die Kamera im Takt aus die Erde zoomte, war es um mich geschehen. Wenn der Film jetzt geendet hätte, dann wäre ihm die Höchstwertung sicher gewesen. Ein Kinderfilm der sich in eine modern-aggressive Greenpeace-Anklageschrift verwandelt. Hut ab!
Aber so extrem war es dann (leider?) doch nicht.
Die finale Auflösung ist süss, naiv und irgendwie ermutigend, auch wenn man genau weiss, dass sich die Realität leider Gottes nicht innerhalb weniger Filmschnitte ins Positive wandeln lässt.
Aber man muss den Machern etwas lassen: So absurd die Auflösung auch wirken mag, sie ist doch irgendwie stimmig und befriedigend zugleich.
Fazit:
Für mich ein weiterer (fast) perfekter Kinobesuch im ohnehin schon sehr guten Kinojahr 06 und der mit Abstand bester Animationsfilm des Jahres!
9/10 wirklich wirklich echten Wasserbecken
P.s
Oha, geriet etwas umfangreicher als erwartet. Naja, der Film hats mir angetan