Disturbia habe ich letzte Woche auf dem diesjährigem Fantasy FilmFest gesehen. Meiner Meinung nach ein guter Film, viel mehr aber leider nicht. Er hat zwar seine spannenden Momente, aber bis die erst einmal kommen, vergeht ein wenig Zeit. Dennoch kann der Film die ganze Zeit über unterhalten, obwohl ich etwas anderes erwartet habe.
Der Trailer hat mir damals sehr gut gefallen und ich habe mich richtig auf den Film gefreut, zumal er mit guten bis sehr guten Kritiken nur so überschüttet wurde. Ich habe einen spannenden Psychothriller erwartet, den habe ich auch bekommen, zumindest in der zweiten Hälfte. Vorher ist Disturbia eine Art Teeniefilm mit viel Witz und etwas Dramatik. Der Unterhaltungswert liegt aber auch in der ersten Hälfte sehr hoch, bevor die spannende zweite Hälfte beginnt.
Die Anfangsszene von Disturbia ist eine der gelungensten Einstiegsszenen, die ich je gesehen habe. Ich habe in den ersten fünf Minuten mit offenem Mund dagesessen und wusste kaum was ich sagen sollte. Einen solchen Anfang hatte ich nicht erwartet und es kam alles sehr überraschend. Klasse gemacht, eine sehr gute Szene die mich mitgerissen hat.
Nach dem Tod von seinem Vater gerät Kales (Shia LaBeouf) Leben aus den Fugen. Lange Zeit nach dem Unfalltod seines Vaters hat er diesen immer noch nicht verkraftet und reagiert aggressiv, wenn jemand das Thema anspricht. Dies führt auch dazu, dass er mit seinem Lehrer aneinander gerät. Es kommt schließlich dazu, dass Kale vom Gericht eine Fußfessel bekommt, die er tragen muss: Bewachter Hausarrest. Er darf sich nicht weiter als ein paar Meter von seinem Haus entfernen, sonst steht die Polizei vor der Tür. Da seine Mutter (Carrie-Anne Moss) von ihrem Sohn enttäuscht ist werden alle Konsolen, Internet etc. abgemeldet, was für Kale ein trostloses Dasein bedeutet. Schließlich entdeckt er ein Fernglas, mit dem er seine Nachbarn ausgiebig studiert. Besonders an Ashley (Sarah Roemer) findet er gefallen und beobachtet sie, bis sie dies eines Tages bemerkt. Gemeinsam mit ihr und seinem Kumpel Ronnie (Aaron Yoo) beschatten sie die Nachbarschaft, als hätten sie nichts anderes zu tun. Doch eines Tages kommt in Kale der Verdacht auf, sein Nachbar Mr. Turner (David Morse) könnte an dem Verschwinden einiger Frauen schuld sein. Da macht es die Sache nicht leichter, dass Turner eines Tages einen Sack verstaut, Blut an den Fenstern klebt und er sich mit seiner Mutter anfreundet. Aber Kale hat keine Beweise und kann auch nichts anrichten, da er die Fußfessel trägt. Da müssen wohl seine Freunde ran.
Meiner Meinung nach baut der Film echt gut auf die gelungene Anfangssequenz auf. Der Unfalltod seines Vaters hat Kale schwer getroffen und auch nach langer Zeit verkraftet er diesen nicht. Dies ist der Grund, weshalb er so ist, wie er ist, und das kommt sehr schön rüber. Leider geht das nach knapp dem ersten Viertel etwas verloren, denn ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich der Film fast schon zu einer Teeniekomödie. Es gibt sehr viel Witz, ich hatte sehr viel Spaß beim schauen, wenn Kale seine Nachbarn beobachtet und einige Eigenarten in seiner Nachbarschaft feststellt. Ich hätte mir vielleicht etwas mehr Ernsthaftigkeit gewünscht, aber so wie die erste Hälfte verlief hat sie mir sehr viel Spaß bereitet.
Schließlich merkt Kale, dass etwas mit Mr. Turner nicht stimmt. Und dies bringt einiges mit sich. Kale scheint schon fast Paranoia zu haben, er fühlt sich bedroht, gleichzeitig ist er neugierig. Auf der anderen Seite scheint ihn niemand zu glauben, was viele Konflikte bedeutet. Das alles ist sehr interessant und spannend anzusehen, aber das Hauptaugenmerk liegt schließlich auf den letzten vierzig Minuten des Films, die im großen und ganzen sehr positiv und spannend ausgefallen sind.
Egal was gezeigt wird... Es ist vollkommen unterhaltend. Dazu beitragen können auch die sehr überzeugenden, charmant wirkenden und sympathischen Schauspieler. Carrie-Anne Moss spielt ihre Rolle sehr überzeugend, aber leider hatte sie nicht all zu viel Spielzeit. Ihr Charakter hat mir irgendwie leid getan: Ein toter Ehemann, einen Sohn, der wegen einer Anzeige und Fußfessel das Haus nicht verlassen darf. Ich stelle mir das schlimm vor, und genau so hat Moss es auch dargestellt.
David Morse spielt den Bösewicht Mr. Turner. Auf ihn habe ich mich besonders gefreut und ich habe eine gewisse Leistung von ihm erwartet. Die habe ich zwar bekommen, aber dennoch habe ich mir diesen Charakter nach dem Trailer etwas mysteriöser, geheimnisvoller und düsterer vorgestellt. Aber da kann Morse nichts für, so steht es im Drehbuch. Abgesehen von dieser Tatsache aber ein sehr interessanter Charakter, der sehr gut dargestellt wurde.
Nun zu zwei der drei wichtigen Jungschauspielern: Aaron Yoo und Sarah Roemer. Aaron Yoo spielt Kales Freund Ronnie. Von ihm habe ich zuvor noch nichts gehört, aber in Disturbia konnte er mich überzeugen. Er spielt zwar eine etwas kleinere Rolle, die aber mit sehr viel Witz und Charme. Er fällt nicht unbedingt heraus, sticht auch nicht besonders hervor, aber ich fand seine Darstellung ganz und gar nicht schlecht. Und dann haben wir da Sarah Roemer. Sie spielt Ashley. Sie wird von der beobachteten Person zur Beobachterin, hat aber auch im Laufe des Films ein paar Probleme, spielt ihre Rolle aber auch vollkommen überzeugend. Auch sie kenne ich nicht wirklich, habe sie nur in "The Grudge 2" gesehen, in dem sie mir aber leider kaum oder eher gesagt gar nicht aufgefallen ist. Sie werde ich aber im Auge behalten.
Schließlich das Aushängeschild des Films: Shia LaBeouf. Egal ob die dramatischen Szenen oder die witzigen: Er spielt seine Rolle sehr überzeugend und ich freue mich mehr von ihm zu sehen, denn er spielt seine Rollen immer sehr sympathisch.
Die Story ist zwar nicht die Neuste, aber das kann man sich von vornherein denken. Eine Person sieht einen Mord durch ein Fernglas und ist an der Wohnung oder am Haus gebunden... Das hatten wir schon des öfteren, das bekannteste Beispiel ist wohl "Das Fenster zum Hof"... Diese Geschichte wird oft thematisiert, zum Beispiel auch in einer Folge der erfolgreichen Serie "Die Simpsons", aber das ist eine andere Sache. Für mich war ausschlaggebend, dass mir der Film gefallen wurde, dass er etwas neues zu bietet hat und trotz seiner schon oft verwendeten Thematik unterhalten kann. Und das kann er vollkommen! Auch etwas neues hat er zu bieten, denn es war sehr interessant, einen Mix zwischen Teeniefilm mit viel Witz und ernsten Psychothriller zu sehen. Das macht Disturbia aus und verleiht ihm einen gewissen Charme, was wohl auch die guten Kritiken hervorbrachte.
Und auch noch ein paar Kleinigkeiten: Es gab einige sehr gut gelungene Kameraeinstellungen, besonders am Anfang und zum Ende hin. Aber auch mittendrin gab es ein paar Szenen, wie zum Beispiel die mit den Kameras, die sehr real wirkten. Das schien extra so gemacht zu sein, um den Zuschauer ein wenig in die Lage versetzten zu wollen. Meiner Meinung nach ist das gut gelungen und war interessant anzusehen. Zum Score: Im Film fand ich ihn nicht schlecht, aber im Nachhinein ist da wenig hängen geblieben.
Fazit:
Insgesamt ein Film, der mir von der ersten bis zur letzten Minute Spaß gemacht hat. Er ist witzig, in der zweiten Hälfte sehr spannend und hat gute Schauspieler. Leider hatte ich bezüglich der ersten Hälfte etwas anderes erwartet, was aber nicht sonderlich schlimm war, denn der Unterhaltungswert war den ganzen Film über sehr hoch.
7,5/10