Das Leben der Anderen

Professor Chaos
ich wusste gar nicht, dass es citizien kane-kritiker gibt....die aus der Hearst-ecke mal ausgenommen


wie gesagt...ich seh die vorzüge nicht in der geschichtlichen aufarbeitung (und selbst, wenn es so wäre: dLdA ist so gesehen der erste film, der mit dem ostalgie-schmarrn aufhört, wie jemand schon in dem thread gesagt hatte..also ein längst überfälliger film)

das skript ist halt so lupenrein perfekt...die 3 figuren und teilweise auch nebenfiguren sind in ihren eigenschaften so unglaublich komplex und stehen doch zugleich für Archetypen einer dikatorischen gesellschaft ...der film hätte in allen Gesellschaften passieren können, in denen Demokratie nur eine Phrase ist( z.B. auch vorstellbar in den USA während der McCarthy-Ära in den 50zigern)
Gesellschaften, die das Schlechte in einem menschen zum vorschein bringenkönnen.. die menschen an sich sind nun mal schwach und viele können von glück reden, dass sie niemals auf die probe gestellt werden, und das schlechte überhand nimmt...


ich glaube nicht, dass es so einen STASI-Hauptmann wirklich hätte gebenkönnen....hier trennt sich der film klar vom geschichtlichen Aspekt und betritt eine neue stufe....er zeigt die Wandlung zum guten Menschen. Hier offenbart der film seine zutiefst humanistische Intention, die sich aber dank der sicheren hand von Donnersmarck klar von dem selbstverliebten und heulerischen Gutmenschentum distanziert.,,


sehr, sehr viele filmmacher versuchen sich an diesen thematik, da es wirklich eine königsdisziplin ist.. es ist ein verdammt schmaler grat zwischen dem ehrlichen Humanismus und dem Gutmenschtum..leider landen sie zu oft beim zweiteren..meist ist dann in den filmkritiken politisch-korrekt zu lesen " film ist ambitioniert"

Ich seh den film nur auf dieser ebene und erfreue mich an den geschliffenen dialogen, hoher schauspielkunst und an szenen, in denen nicht geredet wird und trotzdem soviel aussagen
DarkWizard
Zitat:
dass mit der rückruf-aktion hab ich auch gelesen..Donnersmarck hat in dem audiokommentar über gregor gysi und seine nie nachgewiesenen Stasi-Tätigkeiten gesprochen...dabei ist das ein offenes geheimnis..unglaublich, wenn man bedenkt, dass so einer schon wieder salonfähig ist und in jeder grossen polit-talkshow mit seiner geistigen schwester oskar lafontaine auf anwälte des kleinen mannes machen


Gysi war SED-Vorsitzender. Die meisten der SED-Leute von denen hatte natürlich auch Stasiverbindungen.

Ich finde es ehrlich gesagt lächerlich, dass so ein Wind drum gemacht wird wenn bei jemanden rauskommt, wenn er während eines Regimes für dieses gearbeitet hat. Den meisten in der DDR blieb gar nichts anderes übrig, da ihnen gedroht wurde. Einschüchterung war gang und gebe.

Natürlich gehört Gysi zu den richtigen, überzeugten Roten, weshalbs bei ihm - entgegen vieler andere DDR-Bürger, wohl Vorsatz war.

Ich finde solche Disussionen genauso lächerlich wie die Sache mit Günther Grass und seinem Waffen-SS-Geständnis. Daraufhin taten ja alle so als sei Grass der übelste Faschist. Vergessen wird oft, dass gerade gegen ende des 2.WK die Soldaten einfach in die Einheiten gesteckt wurden wo Männer benötigt wurden. Man konnte da nicht mehr wählen und musste "Arische" Beweise vorlegen, da die an der Front jeden Mann brauchten. Grass wurde damals eben in die Waffen-SS eingeteilt. Ihn deswegen in Zweifel zu ziehen und für einen Nazi zu halten ist unsinnig.

Die Leute die bei sowas loswettern und schimpfen sind vorschnell und wollen und können sich meist gar nicht in die damalige Zeit versetzen.

Ich denke gäbe es heutzutage in Deutschland wieder ein Regime was bspw. den Kampf gegen den Terror für sich vereinnahmt und alle Moslems als Böse abstempelt (ist ja teilweise schon so - generalverdächtigung) dann würden die meisten Leute, nachdem die ersten "freidenker" und "intelektuelllen" im Knast oder im Grab gelandet sind, der staatsmacht bedingslos folgen - selbst wenn diese bedingslosigkeit nur vorgegaukelt ist.

So war es zum Großteil in der DDR lemig. Öffentlich sang der Bürger ein Loblied auf das Regime und die UdSSR. Privat wurde dann meistens vom Westen geschwärt und das Regime in den Dreck gezogen.

Ich denke man sollte bei solchen Themen in der Realität bleiben.
TripleJumper
Ich fand den Film sehr interessant und spannend, obwohl er ein paar Längen hatte. Einige Szenen waren richtig genial:
SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
Die Szene mit dem Witz!
SPOILER ENDE
oder
SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
Die Szene im Fahrstuhl mit dem Jungen!
SPOILER ENDE
BloodBang
UN-FASS-BAR Guter FIlm....

für mich in den TOP 5 der bsten Deutschen FIlme...ganz klar.

bin immer noch vollauf begeistert...

der Film hat sich, natürlich auch mit der Hilfe des OScars,
bei IMDB auf Platz 79 gemogelt! Gute Arbeit

10/10 Widmungen
Das Metall
Hab das Oscar Werk jetzt endlich auch mal gesehen und war leider doch etwas enttäuscht.

Fand den Film zeitweise etwas langatmig und nicht gerade spannend. Was mir aber am wenigstens gefallen hat

SPOILER (Zum lesen den Text markieren!)
Die Wandlung von Ulrich Mühes Figur fand ich unverständlich. Zunächst ist er so ein "Hardliner", der als erstes mit Verdächtigungen gegen den Schriftsteller kommt, und sofort persönlich die Überwachung übernehmen will, dann zieht er noch knallhart emotionslos Verhöre durch, ist außerdem ein Ausbilder von STASI Nachwuschkräften. Er muss also schon lange dabei sein um diese Stellung zu erreichen. Und dann kippt er scheinbar ganz plötzlich um und bekommt Zweifel aus heiterem Himmel?!
SPOILER ENDE Für mich zumindest völlig unverständlich.

Das Grundthema fand ich allerdings sehr interessant. Auch die Schauspieler waren überzeugend.

Insgesamt dennoch sehenswert, aber ein weiteres mal würde ich mir ihn nicht ansehen.

7/10