So, gestern Abend war es endlich soweit. Der neue Film von Doug Liman lief in einem meiner Stammkinos in einer Sondervorstellung. Und was habe ich gemacht? Natürlich, ich bin rein.

Die lange Warterei hat endlich ein Ende genommen und so habe ich mir den ersten Film mit Hayden Christensen in der Hauptrolle, der hierzulande im KINO (absichtlich gross geschrieben, wegen Filmen wie "Virgin Territory", "Factory Girl" und ganz besonders "Awake", die alle VOR Jumper entstanden sind, aber bei uns noch immer auf sich warten lassen) seine Premiere feiert, auf der grossen Leinwand angesehen und das mit *Trommelwirbel* einem Begleiter. Viele meiner Freunde scheint der neue Film von Christensen, oder besser gesagt: Anakin - um es mit Worten meiner Kollegen zu beschreiben - nicht sonderlich zu interessieren. Egal. Wir sind rein und haben es uns in einem zu drei Viertel gefüllten Kinosaal bequem gemacht. Nach ein paar Werbespots und kaum nennenswerten bis schrecklich dummen Trailern ging das Abenteuer rund um die Welt der Jumper auch endlich los.
Der Film lief, lief und lief und mir ist eines langsam aber sicher immer klarer geworden: der Film will in erster Linie unterhalten und für gute Laune sorgen. Gelingt ihm das? Ja! Die Story wird mit einem sehr schnellen Tempo erzählt und die ruhige Szenen sind sehr passend eingesetzt und stören auch nicht weiter. Mit mehreren Actionszenen wird hier also versucht den Zuschauer zu befriedigen und wie bereits erwähnt, klappt das auch sehr gut. Wie ich in einem meiner letzten Beiträge geschrieben habe, war ich zunächst ein wenig enttäuscht über die Nachricht, dass der Film gerade einmal 85-90 Minuten dauern soll. Gerade weil Doug Liman in einem Interview sagte, dass die Story grosses Potenzial hätte und die Buchumsetzung nicht in einen Film passen würde. Abgenommen habe ich ihm das, aber jetzt, wo ich den Film gesehen habe, würde ich meinen, dass Jumper 30-60 Minuten mehr echt nicht geschadet hätten, zumal die Bedeutung des Satzes:
,,Es hat zu viel Story für einen Film" letztendlich nur halbwegs eingehalten wurde.
Folgendes: Ein paar Charaktere bleiben auf der Strecke liegen und werden nur schwach bis gar nicht eingeführt. Gerade das mitspielen von Diane Lane hat mich sehr überrascht, da man sie im grossen und ganzen nur eine Minute zu sehen bekommt. Und wenn man den Film gesehen hat, dann wird einem als Zuschauer schnell klar, dass "Jumper" nach einer Fortsetzung schreit. Das ist in diesem Falle fast schon Pflicht, denn es gibt sehr viele Fragen, die einem nach dem Film durch den Kopf gehen. Dazu aber gleich mehr. Zurück zu der Charaktervertiefung: Jamie Bell als Junge, der ständig um sein Überleben kämpft und es mit den "Jumper-Jägern" aufnimmt, ist eine sehr interessante Figur, die in einem hoffentlich folgenden Sequel wieder mit von der Partie sein wird. Jedoch wurde diese genau so plötzlich abgehackt, wie eingeführt. Jede Szene mit ihm war erfreulich, weil er einer der wenigen zu sein scheint, der über die Tätigkeiten der Jäger bescheid weiss. Als Zuschauer hofft man daher auch ständig Neues zu erfahren. Vieles bleiben allerdings nur Andeutungen auf "Katastrophen", die in weiteren Filmen eine nähere Vertiefung erhalten sollen. Somit muss man als Zuschauer eben akzeptieren können, dass sehr vieles noch unter Verschluss bleibt. Fragen, die im Film gestellt werden, bekommen nur sehr oberflächliche Antworten.
Wie ich bereits erwähnt hatte, hätte der Film locker noch eine halbe Stunde bis eine Stunde länger dauern können. Man muss nicht zwingend eine Trilogie drehen, wenn es auch ein Zweiteiler sein kann. Bloss würde diese Variante den Studios weniger Dollarscheine einbringen, also werden es keine zwei Filme, sondern drei - sofern die Boxoffice-Zahlen für die Studios im Rahmen der Erwartungen liegen.

Z.B. hätte man die Figur David noch ein wenig näher einführen bzw. ausführlicher beleuchten können (Familienverhältnisse etc.). Es hätte mir nichts ausgemacht, wenn man länger in dessen Jugendzeit verweilt, oder gar für seine Kindheit ein wenig mehr Platz geschafft hätte. Aber womöglich wird man solche Sachen alles noch in den Sequels näher ausbauen und zwar in Rückblenden. Wenn David erst einmal erwachsen ist und so lebt, wie es ihm gerade passt, dann geht es schnell zur Sache und dem Zuschauer bleibt praktisch keine Zeit mehr zum ein- und ausatmen. Eine Hetzjagd folgt die nächste und dazwischen finden sich immer wieder ein paar Bindungen zwischen David und Millie - die übrigens sehr gut funktioniert haben. Evtl. wäre es gar nicht mal so schlecht gewesen, wenn man mit dem ganzen "Krawumm" noch ein wenig gewartet hätte, aber egal jetzt.
Schluss mit dem ganzen
"Der Film ist zu kurz und bla bla bla" Gerede und kommen wir zu den positiven Seiten von Jumper, denn davon gibt es einige. Als erstes ist mir in einer der Anfangssequenzen fast schon eine "Botschaft" ins Auge gestochen. Superhelden gibt es, damit sie der Menschheit helfen. Was, wenn sie sich gegen dieses Vorgehen entscheiden? Interessant ist nämlich, dass David bequem auf der Couch sitzt, gelassen was zum naschen zu sich nimmt und den Fernseher einschaltet, wo dann in sämtlichen Nachrichten über aktuelle Unglücke berichtet wird. Z.B. gibt es in einer Katastrophen-Meldung mehrere Menschen, die auf Dächern von Autos weilen und auf Hilfe warten. Unterhalb von ihnen ist die gesamte Stadt unter Wasser und sie kommen nicht von da runter. Und obwohl David diese Meldungen, wenn auch sehr gelangweilt, mitverfolgt, so fällt ihm nicht mehr ein, als ein Blick der Gleichgültigkeit, obwohl er eigentlich etwas dagegen unternehmen KÖNNTE. Jedoch interessiert er sich nur für sein Leben. Alles was zählt, ist sein Glück, seine Zufriedenheit. Was die Kraft seiner Gabe betrifft: die behält er ausschliesslich für sich allein und auch wenn er es nicht absichtlich macht, so schadet er Menschen in seinem Umfeld, ohne es wirklich wahrzunehmen. Auch wenn er mit seinem Können körperlich kaum Jemandem Schmerzen bereitet, so unternimmt er nichts dagegen, um diese (bereits vorhandenen Schmerzen Anderer) zu vermindern und es für positive Zwecke einzusetzen - wobei wir da zwar bei der Frage wären: wie würde das Volk auf so was reagieren?
Dann mal zu den "Boom-Boom-Sequenzen". Manche Actionszenen im Film sind wirklich "geil" und haben mich doch sehr beeindruckt. Man muss an dieser Stelle aber auch sagen, dass die einzelnen Filmsets sehr gut ausgewählt worden sind. Wenn ein Kampf zwischen Jumpern und Jägern (die haben auch einen Namen, habe den aber vergessen... Irgendwas wie.... Pralinen

) im Kolosseum von Rom stattfindet, dann ist der Ort einfach perfekt ausgesucht. Auch wenn ich es noch nie live gesehen habe und auch nicht unbedingt den Drang dazu habe dies irgendwann einmal in meinem Leben nachzuholen, so waren die Actionszenen in dem Gelände wirklich mehr als nett anzusehen. Da hätte man sich doch fast schon gewünscht, dass die sich noch einen kleinen Kampf auf der Sphinx gönnen, aber evtl. kommt diese Idee ja noch in einem Sequel zur Geltung.

Die Actionsequenzen sind allgemein sehr unterhaltend und super inszeniert. Optisch gibt es am Film also wirklich so gut wie gar nichts auszusetzen. Im Übrigen waren in diesem Film die Schnitte viel besser, übersichtlicher und ruhiger als noch in Bourne (3) oder Mr. & Mrs. Smith (kam mir jedenfalls so vor). Ich bin da schon sehr heikel, was die Kameraarbeit betrifft. Das kann so manche Filme "vermiesen". War bei Jumper aber glücklicherweise alles sehr angenehm anzusehen, ohne gleich die Augen zu stressen.
Darstellerisch hat Jumper auch gut funktioniert. Ganz zu Beginn war ich gegenüber Rachel Bilson aus O.C. California ein wenig skeptisch, aber sie hat sich im Film dann doch noch als Sympathieträgerin herausgestellt. Die Chemie zwischen ihr und Hayden Christensen stimmt, egal was Kritiker behaupten. Bei denen haben sich die Beiden ohnehin schon als "Futter zum zerfleischen" positioniert, da Christensen sich bei Kritikern als Anakin verewigt hat und Rachel Bilson als Summer in einer Serie, die ja ach so schlimm ist. Ich kann es gar nicht oft genug erwähnen, dass ich Christensen für einen begabten Darsteller halte und möchte daher noch einmal auf Filme wie z.B. "Shattered Glass" hinweisen. Da waren Kritiker nämlich noch anderer Meinung.

Für mich war es jedenfalls eine Freude ihn nach so vielen Jahren wieder im Kino zu sehen (zumal "Life as a House" einer meiner Lieblingsfilme ist) und seine Leistung war dem Genre entsprechend mehr als akzeptabel. Er kam glaubwürdig und sympathisch rüber, aber wenn man ihn aufgrund der "Star Wars" Filme nicht mag, dann wird man mir meine Ansicht diesbezüglich wohl nicht unterzeichnen und ihn mit Worten weiter in die Tiefe zerren.
Samuel L. Jackson lässt sich schwer beurteilen, da er einen Charakter spielt, den er schon unzählige Male vorher verkörpert hat. Insofern ist es klar, dass er als Fiesling wieder einmal mehr überzeugen kann (auch mit neuer Bleichfrisur), wenn seine Rolle auch nicht ganz so abgerundet ist. Wirklich klasse im Film ist Jamie Bell als "Partner" von Christensens Charakter, der seine Figur mehr als glaubhaft darstellt. Aber wer bereits ein paar anspruchsvollere Filme mit dem jungen Schauspieler gesehen hat, der weiss, dass einiges in ihm steckt und er in der Lage ist, die verschiedendsten Rollen sehr überzeugend darzustellen. Man nimmt ihm einfach alles ab im Film und obwohl sich er und David nicht besonders gut verstehen, so ist man als Zuschauer dennoch daran interessiert, wie seine Vergangenheit ausgesehen hat, da er, so verschlossen er auch sein mag, eine Art Mitleidsfigur darstellt. Alles was er will, ist einfach nur leben, aber das kann er nicht, weil er so ist, wie er ist. Ich muss mich mal umsehen, ob "Hallam Foe" mit Jamie Bell bereits auf DVD erhältlich ist, denn den muss ich immer noch nachholen, weil ich ihn letztes Jahr (leider) übergangen habe.
Letztendlich kann ich erfreut sagen, dass ich mit dem Endergebnis sehr zufrieden bin. Der Film überzeugt durch sehr "coole" Actionszenen, schönen Filmsets, überzeugenden und sympathischen Darstellern und ist zudem sehr unterhaltsam. Wer akzeptieren kann, dass man sich gezwungen fühlt auf eine Fortsetzung zu warten, um die ganzen Hintergründe rund um die Jumper und deren Jäger in Erfahrung zu bringen, als auch die ganzen Familiensituationen der einzelnen Charaktere, der wird 90 Minuten lang angenehm unterhalten. Ich jedenfalls hatte meinen Spass und weil es so schön war, werde ich ihn mir kommende Woche gleich noch einmal ansehen. Toller Film!
8/10 Jumper (als 13. Jähriger wäre es wohl eine 10 geworden)